[PORTRAIT] Eloy

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[PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49846Beitrag AusDemWegIchBinArzt
15.11.2018, 12:18

Eloy

An dieser Stelle und mithilfe des nun folgenden Beitrages m√∂chte ich Euch mitnehmen auf eine Reise durch die Geschichte einer meiner allerliebsten Bands √ľberhaupt: Eloy.

Was diese Band f√ľr mich emotional bedeutet, l√§√üt sich nur schwer in Worte fassen. Es gibt unendlich viele Bands, die ich wirklich mag, liebe, wertsch√§tze und nicht missen m√∂chte. Aber nur ganz wenige schaffen es, derartige Gef√ľhlsbewegungen und eine so tiefe Verbundenheit bei mir auszul√∂sen wie Eloy. Vergleichbar w√§re das beispielsweise noch bei Iron Maiden, Deep Purple, Uriah Heep oder Genesis der Fall. Aber man kann sie letztlich wirklich fast an einer Hand abz√§hlen.

Woran das liegt, wei√ü ich nicht. Warum ist das bei Eloy so, bei Pink Floyd aber nicht, obwohl sich beide Bands stilistisch nicht un√§hnlich sind und ich letztere ebenfalls sehr sch√§tze ? Trotzdem haben mich Pink Floyd nie so tief ber√ľhrt wie Eloy. Aber ich habe bis zum heutigen Tage keine Begr√ľndung daf√ľr gefunden.

Wie auch immer, ich habe jedenfalls die Geschichte von Eloy in vier Abschnitte unterteilt: Die Anfangszeit bis 1975, die Erfolgsjahre von 1976-79, die 80er Jahre-Phase bis zur Auflösung 1984 und die Entwicklungen vom unverhofften Comeback 1988 bis in die Gegenwart.

Ich hoffe, Ihr habt einigermaßen Spaß beim Lesen und langweilt Euch nicht... :biggrinn:



ELOY Pt.1: Die fr√ľhen Jahre

Am Anfang der Geschichte steht Frank Bornemann. 1945 in Hannover geboren und als Nachkriegskind aufgewachsen, begann der sp√§tere Eloy-Mastermind irgendwann in seiner Schulzeit, sich f√ľr die damals angesagten Rock¬ī n¬ī Roll-Kapellen zu begeistern: Little Richard, Chuck Berry, die Everly Brothers, Elvis, all solche Sachen. Wenig sp√§ter folgten dann in der Gunst schon die Beatles oder die Rolling Stones. Da er zu den Gl√ľcklichen geh√∂rte, die bereits einen eigenen Plattenspieler besa√üen, konnte er sich an den Singles und LPs jener Gr√∂√üen erfreuen. Damit hatte es sich dann aber auch weitestgehend, dann an das Spielen eines Instruments war zu dieser Zeit noch nicht zu denken, an eine Karriere als Profimusiker erst recht nicht.

Frank ging brav zur Schule und machte anschlie√üend eine kaufm√§nnische Lehre bei einem B√ľromaschinenhersteller. Irgendwann in dieser Zeit, in den fr√ľhen 60er Jahren, kam es dann zu einem Schl√ľsselerlebnis. Frank war von einem Freund √ľberredet worden, zu dem Liveauftritt einer lokal bekannten Band mitzukommen. Das war das erste Mal, dass Frank eine Band live auf einer B√ľhne stehen sah, direkt vor sich. Dieser Eindruck faszinierte und √ľberw√§ltigte ihn derma√üen, dass er beschlo√ü, so schnell wie m√∂glich ein Instrument zu erlernen und selber aktiv Musik zu machen.

Er legte sich eine Akustikgitarre zu, lie√ü sich etwas Unterricht geben und fing an, Rock¬ī n¬ī Roll-Songs nachzuspielen, die zudem aufgrund ihrer einfachen Struktur relativ leicht zu erlernen waren. Schon bald kam der Drang nach H√∂herem und aus der Akustikgitarre wurde eine E-Gitarre samt Verst√§rker. Nachdem sich die instrumentalen F√§higkeiten St√ľck f√ľr St√ľck verbesserten, kam es schlie√ülich zur Gr√ľndung einer ersten eigenen Band, die dann vorwiegend an den Wochenenden ihre Auftritte absolvierte, was einen erklecklichen Nebenverdienst einbrachte.

Das wiederum kam in der Firma, in der Frank seine Lehre machte, nicht sonderlich gut bei den Kollegen an. Denn welcher Angestellte sieht es schon gerne, wenn der Azubi pl√∂tzlich mehr Geld in der Tasche hat, als man selber :biggrinn: ? Auch dass Franks Haare allm√§hlich l√§nger wurden - damals galt schon √ľber die Ohren als verd√§chtig - erregte zu jener Zeit noch einiges an Argwohn und wurde mit strikter Ablehnung bedacht.

Anstatt mit der Musik nun voll durchstarten zu k√∂nnen, gab es aber zun√§chst mal einen D√§mpfer, der alle Pl√§ne zunichte machte: Nachdem Frank seine Lehre mit guten Ergebnissen endlich abgeschlossen hatte, wurde er n√§mlich zur Bundeswehr eingezogen, womit die Tr√§ume von einer Musikerkarriere erstmal f√ľr geraume Zeit perdu waren.

Nach Beendigung des Wehrdienstes fing Frank zun√§chst ganz seri√∂s an, in einer Bank zu arbeiten, hatte aber den alten Traum nat√ľrlich nicht begraben. Die Bank war keinesfalls der Weg, den er sich f√ľr sein Leben vorstellte. Frank wollte unbedingt wieder Musik machen und damit auch Erfolg haben - in diesem Ehrgeiz und dieser Zielstrebigkeit unterscheidet er sich nicht von anderen gro√üen Bandlenkern und -denkern, vgl. etwa Steve Harris.

Die Haare und der Bart wuchsen und schlie√ülich kam es zur Gr√ľndung von Eloy, wobei heute nicht mehr ganz sicher ist, ob die Band nun 1969 oder vielleicht doch schon 1968 ins Leben gerufen wurde. Neben Frank, der anfangs ausschlie√ülich als Gitarrist t√§tig war, geh√∂rten zur Besetzung der S√§nger Erich Schriever, der noch jugendliche, gerade mal um die 16 Jahre alte Bassist Wolfgang St√∂cker, der mittlerweile verstorbene Drummer Helmut Draht sowie nat√ľrlich Manfred Wieczorke, der anfangs auch Gitarre spielte und erst viel sp√§ter hinter die Tasten wechselte.

Das Repertoire der jungen Band, deren Name √ľbrigens dem Roman "Die Zeitmaschine" von H.G.Wells entnommen wurde, bestand zun√§chst noch aus einer Mischung von Coverversionen und eigenen Songs, wie das h√§ufiger √ľblich ist. Schlie√ülich nahmen Eloy an einem Bandwettbewerb teil, bei dem sie einen Preis gewannen, welchen sie umgehend in die Herstellung einer ersten Single investierten. Diese, "Daybreak" betitelt, kam in einer Auflage von etwa 1000 St√ľck unter das Volk. Auf der B-Seite befindet sich das St√ľck "Walk Alone", zu welchem ein ganz witziger kleiner Film auf einem Schrottplatz in Hannover gedreht wurde, lange bevor Videodrehs f√ľr Bands in Mode kamen.

Musikalisch hat das noch nicht allzuviel mit dem Sound zu tun, der sp√§ter f√ľr die Band typisch werden sollte. Hier handelt es sich vielmehr um f√ľr die Zeit typischen Hardrock mit einem stark krautigen Flair. Ordentlich und gut gemacht, aber sicherlich nichts weltbewegendes.

√úber diese selbst produzierte Single erhielten Eloy schlie√ülich ihren ersten Plattenvertrag mit Phillips, wo dann 1971 das in Hamburg bei Conny Plank aufgenommene, selbstbetitelte Deb√ľtalbum erschien, die sogenannte "M√ľlltonne". Deshalb so bezeichnet, weil auf dem Artwork der Deckel einer M√ľlltonne zu sehen ist, den man bei der als Gimmick-Cover ausgef√ľhrten Erstauflage aufklappen kann. Heute eine gesuchte und teuer zu bezahlende Rarit√§t. Musikalisch wurde die Linie der Single fortgesetzt, also krautiger Hardrock.

Nachdem das Deb√ľt erschienen war, verlie√ü S√§nger Erich Schriever die Band, um eine sicherere b√ľrgerliche Existenz anzustreben. So standen die Hannoveraner zun√§chst vor dem Problem, einen neuen S√§nger finden zu m√ľssen, was nicht klappte. Die Band arbeitete derweil flei√üig an neuem Material, welches dann zum zweiten Album "Inside" werden sollte, doch ein neuer S√§nger war weit und breit nicht in Sicht. Zwischenzeitlich mu√üte man auch noch einen neuen Schlagzeuger organisieren, da Helmut Draht einen schweren Autounfall hatte und monatelang au√üer Gefecht gesetzt war. Da die Band abgesehen von den Planungen f√ľr ihr zweites Album auch noch Konzerverpflichtungen zu erf√ľllen hatte, mu√üte schnellstens Ersatz her.

Der fand sich dann in Gestalt des technisch √§u√üerst versierten und sehr kraftvoll spielenden Fritz Randow. Dieser erinnerte sich im Interview anl√§√ülich der "Legacy Box" von 2010 auch noch sehr lebhaft daran, wie er eines Tages gerade im B√ľro sa√ü, als pl√∂tzlich das Telefon klingelte und sich am anderen Ende ein gewisser Frank Bornemann vorstellte mit den Worten, man h√§tte geh√∂rt dass Randow ein recht passabler Drummer sei und es g√§be da eine Band namens Eloy, die wolle demn√§chst ihr zweites Album machen, h√§tte aber keinen Mann am Schlagzeug. Ob er mal Lust h√§tte, vorbeizukommen. "Wunderbar", sagte Randow daraufhin zu sich selbst, "das guckste dir mal an".

Und so nahm die Geschichte ihren weiteren Lauf. Fritz wurde sofort neuer Drummer bei Eloy und konnte in den n√§chsten Jahren sehr pr√§gnante Akzente setzen. Er konnte sich einen so guten Ruf in der Band erspielen, dass man viele Jahre sp√§ter, Anfang der 80er, erneut auf ihn zur√ľckgriff als es darum ging, den Posten hinterm Drumkit besetzen zu m√ľssen. Aber ich will der Geschichte nicht vorgreifen, an anderer Stelle dazu mehr.

In dieser Zeit wechselte Manfred Wieczorke, der sich schon länger privat auf autodidaktischer Basis mit der Hammondorgel beschäftigt hatte, von der Gitarre zur Orgel als Hauptinstrument, womit die Musik von Eloy um eine Klangfarbe reicher wurde. Dahinter steckte wohl auch die Erkenntnis, dass seine Fähigkeiten hinter dem Tasteninstrument insgesamt brauchbarer waren als die auf der Gitarre.

Nun hatte man also einen neuen Drummer, einen zur Orgel gewechselten Gitarristen und eine Menge neuer Songs f√ľr das zweite Album, aber immer noch keinen neuen S√§nger. Der angesetzte Studiotermin r√ľckte n√§her, doch es tat sich nichts. Letztlich aus purer Not heraus wurde entschieden, dass Frank Bornemann die Platte einsingen sollte. Der hatte zwar nun unverhofft die Doppelbelastung Gitarre/Gesang am Hals, aber letztlich gab der Erfolg allen Beteiligten recht, denn Frank wurde als Frontmann deutlich besser akzeptiert als Erich Schriever - was Frank heute noch wundert, da er der Auffassung ist, das Schriever ein sehr guter S√§nger war - und das zweite Album "Inside" verkaufte sich auch entschieden besser als das Deb√ľt, etwa 7000-8000 Einheiten lie√üen sich auf Anhieb absetzen. Das war damals f√ľr eine so junge, aufstrebende Band absolut respektabel.

Musikalisch lassen sich auf "Inside" deutlich progressivere Ans√§tze ausmachen als auf dem Erstling. Die Grundkomponente ist zwar immer noch Hardrock-krautig, aber es sind psychedelische Elemente und der Hang zu Improvisationen hinzugekommen, sowie vor allem das Gesp√ľr daf√ľr, Stimmungen erzeugen zu k√∂nnen. Eine Eigenschaft, die im weiteren Verlauf elementar bedeutsam f√ľr die Musik von Eloy werden sollte. Das erste St√ľck "Land Of No Body" dauert auch gleich mal rund 17 Minuten. Dennoch ist die Musik auf "Inside" nat√ľrlich noch l√§ngst nicht ausgereift. Es ist eher eine deutliche Weiterentwicklung des bisherigen Stils, wobei sich aber auch nicht verhehlen l√§√üt, dass das Album hier und dort einige Langatmigkeiten aufweist.

Gerade "Inside" macht aber auch deutlich, wie sehr eine Band sich in den 70er Jahre ausleben konnte ohne eingeschr√§nkt zu werden oder irgendwelchen Zw√§ngen gehorchen zu m√ľssen. Auch die Bereitschaft der Fans, sich mit Alben zu besch√§ftigen und zu identifizieren, war um einiges st√§rker ausgepr√§gt als heute.

F√ľr die Texte auf "Inside" hatte √ľbrigens ex-S√§nger Erich Schriever der Band noch einmal unter die Arme gegriffen, der mit der englischen Sprache seinerzeit sehr viel sicherer und versierter umgehen konnte, als Bornemann und die √ľbrigen Mitglieder.

Als das Album aufgenommen wurde, hatten Eloy keinen Plattenvertrag. Der mit Phillips, bei denen das Deb√ľt herausgekommen war, hatte keinen Bestand mehr und so wurde "Inside" zun√§chst auf eigenes Risiko produziert. Die fertigen B√§nder wurden dann bei den verschiedenen Plattenfirmen herumgereicht und schlie√ülich war es die damals noch gro√üe EMi bzw. deren progressives Sublabel Harvest, bei denen Eloy dann ihren neuen Vertrag unterzeichnen durften.

Eloy waren auch eifrig dabei, live aufzutreten und ihren guten Ruf auf diese Art und Weise zu festigen. Das bedeutete allerdings weniger, im Tourbus mehrere Wochen am St√ľck durch die Gegend zu kutschieren, sondern eher, haupts√§chlich und regelm√§√üig die Wochenenden f√ľr Auftritte zu nutzen.

Bei der EMi/Harvest zeigte man sich jedenfalls ganz zufrieden mit den Entwicklungen und so durften Eloy dann auch ins Studio, um die n√§chste LP einzuspielen. Da man aber noch nichts vorbereitet hatte, jedoch trotzdem Pr√§senz zeigen wollte, entschied man sich zun√§chst mal f√ľr eine weitere Single. Diese bot auf der A-Seite das Quasi-Instrumentalst√ľck "Daybreak" (hat nichts mit dem "Daybreak" der ersten Single zu tun, die Namensgleichheit ist purer Zufall) und auf der B-Seite den Song "On The Road".

Im Anschlu√ü stieg Bassist Wolfgang St√∂cker aus der Band aus, dem eine b√ľrgerliche Existenz ebenfalls sinnvoller erschien als das unsichere Musikerdasein. F√ľr ihn kam Luitjen "Harvey" Jansen in die Band, der mit seinem dominant-wuchtigen Spiel gleich einen ganz neuen Ansatz mitbrachte und den Sound ein ganzes St√ľck druckvoller und heavier werden lie√ü.

Wieder vollz√§hlig, mietete man sich schlie√ülich ein Haus in der L√ľneburger Heide, um gemeinsam unter einem Dach das Material f√ľr das folgende Album "Floating" auszuarbeiten. Einer der Hauptgr√ľnde daf√ľr war, dass man ein konzentriertes Arbeiten in der normalen Umgebung der Band als nicht gegeben ansah. Zum einen gab es das Dauerproblem mit √úbungsr√§umen - erstmal mu√üte man einen geeigneten finden und dann durfte man meistens nur abends nach Feierabend dort Krach machen, weil er im Keller einer Schule oder einer anderen R√§umlichkeit vergleichbarer Art war. Zum anderen gl√§nzten die Bandmitglieder damals nicht unbedingt mit P√ľnktlichkeit und Zuverl√§ssigkeit. Laut Frank Bornemann trafen alle immer kleckerweise ein - wenn eine Probe um 16 Uhr angesetzt war, kam der letzte um 18 Uhr und √§hnliches. Diesen Zust√§nden hoffte man, bei Unterbringung unter einem gemeinsamen Dach entgehen zu k√∂nnen, was das kontinuierliche Arbeiten erheblich erleichtern sollte.

Textlich mu√üte Frank Bornemann jetzt zum ersten Mal alleine ran, aber da er sich das Vorhaben immer noch nicht hundertprozentig zutraute, lie√ü er sich von einem Engl√§nder namens Richard Smith helfen, der im Gegenzug auch ein sehr gutes Deutsch sprach und unter dem Pseudonym Gordon Bennit die Texte ausarbeitete bzw. ihnen den richtigen sprachlichen Feinschliff verlieh und zwar so, dass es nicht nur sprachlich korrekt war, sondern sich auch gut singen lie√ü. Das sollte sp√§ter, in der √Ąra J√ľrgen Rosenthal, ja noch zu einem gro√üen, konfliktreichen Problem werden....aber auch dazu an anderer Stelle mehr.

Inzwischen hatte Manfred Wieczorke sein Instrumentenarsenal auch um den ersten Synthesizer erweitert, wu√üte aber noch nicht so richtig damit umzugehen. Niemand in der Band kam mit dem gro√üen, mysteri√∂sen Kasten wirklich zurecht. Also verzichtete man zun√§chst noch weitgehend auf dessen Einsatz und beschr√§nkte sich weiterhin √ľberwiegend auf das Zusammenspiel aus Orgel und Gitarre. Musikalisch ist "Floating" im Wesentlichen eine stilistische Fortsetzung von "Inside". Keine wirkliche musikalische Weiterentwicklung, sondern eher eine Erg√§nzung und Verfeinerung des auf "Inside" entwickelten Stils. Eher ein Schritt zur Seite statt nach vorne.

"Floating" ist kompositorisch aber auf alle F√§lle etwas ausgereifter als "Inside" und, wie schon angedeutet, auch eine Spur heavier. Die Scheibe enth√§lt mit dem Viertelst√ľndigen "The Light From Deep Darkness" sogar eine richtige Glanznummer, die trotz ihrer L√§nge keine L√§ngen aufweist und spannend sowie vielschichtig aufgebaut ist. Das gemeinschaftliche, kommunenm√§√üige Arbeiten in der Heide tat der Band und dem Material auf jeden Fall h√∂rbar gut.

Als es dann daran ging "Floating" aufzunehmen, gab es noch √ľberraschenden Stre√ü f√ľr Frank Bornemann. Kurz vorher hatten die befreundeten Scorpions bei ihm angefragt, ob er ihr anstehendes "Fly To The Rainbow"-Album produzieren k√∂nnte. Da man gut miteinander konnte, war dieser Freundschaftsdienst f√ľr Frank nat√ľrlich eine Selbstverst√§ndlichkeit. Terminlich h√§tte es eigentlich auch keine √úberschneidungen zwischen den Aufnahmen von "Floating" und "Fly To The Rainbow" gegeben, beide Alben h√§tten bequem nacheinander in Form gebracht werden k√∂nnen.

Dann wurde aber Fritz Randow √ľberraschend krank und fiel wegen einer Blinddarm-OP aus, weswegen die Aufnahmetermine von "Floating" etwas nach hinten verschoben werden mu√üten und dadurch komplett mit den angesetzten Recordings des Scorpions-Albums kollidierten.

Das f√ľhrte dazu, dass Frank bei beiden Aufnahmen gewisserma√üen gleichzeitig anwesend sein mu√üte. Also produzierte er dann tags√ľber mit den Scorpions in den legend√§ren M√ľnchener Musicland-Studios "Fly To The Rainbow" und flog abends nach K√∂ln, um in der Nacht mit Eloy in den EMi-Studios "Floating" aufzunehmen. So ging das immer abwechselnd hin und her, eine enorme Belastung, die er aber mit Bravour √ľberstand. Noch heute bezeichnet Bornemann "Floating" deshalb scherzhaft als "Nachtschicht-Album".

Obwohl "Floating" abermals ein Erfolg f√ľr die Band geworden war, zeigte sich Frank Bornemann unzufrieden mit der musikalischen Entwicklung.
Ihm schwebte ein progressiverer, konzertanterer Sound f√ľr die Band vor und in seinen Gedanken begann bereits das Konzeptalbum Formen anzunehmen, welches schlie√ülich "Power And The Passion" werden sollte.

Bornemann ersann die inhaltlich zusammenh√§ngende Story, die dem Konzept seinen Rahmen verleihen sollte: Ein Junge namens Jamie, der mittels einer Zeitdroge zur√ľck ins Mittelalter reist - typischer, trippiger 70er Jahre-Stoff eben. Verbunden war das ganze nat√ľrlich ebenfalls sehr typisch f√ľr die Zeit mit einer Kritik an Zivilisation und Gesellschaft sowie den √ľber die Jahrhunderte erfolgten Entwicklungen, die der Menschheit oft mehr Schaden als Nutzen zugef√ľgt haben.

Musikalisch umgesetzt wurde dieses Konzept in gemeinschaftlicher Zusammenarbeit von einer sehr gut eingespielten Band, in der eine große musikalische und menschliche Harmonie herrschte und in der jeder drauf bedacht war, seinen wertvollen Beitrag zum gesamten Puzzle zu leisten.
Alle Bandmitglieder zogen an einem Strang. Auch Manfred Wieczorke traute sich zunehmend, neben der Orgel etwas √∂fter auf seinen neuen Synthesizer zur√ľckzugreifen, wenn auch nat√ľrlich l√§ngst noch nicht in dem Ausma√ü, wie das sp√§ter Detlev Schmidtchen oder Hannes Folberth machen sollten.

Eloy wollten mit "Power And The Passion" ihren ganz speziellen Beitrag zur Welt der progressiven Konzeptalben leisten, sowohl in Bezug auf den musikalischen als auch den leicht exotischen thematischen Inhalt.

So f√§llt "Power And The Passion" dann auch ein ganzes St√ľck orchestraler und atmosph√§rischer aus, als die Vorg√§ngeralben. Die Scheibe stellt ein musikalisches Bindeglied zwischen den krautig-hardrockig-psychedelischen Kl√§ngen der fr√ľheren Alben und den symphonischen Werken der Folgezeit dar. Wenn man so will, verbindet es das beste aus beiden Welten miteinander. Die Konzeptstory wurde in ein passendes Gewand gegossen und musikalisch √§u√üerst packend umgesetzt, w√§hrend bei den Texten abermals Gordon Bennit f√ľr den letzten Schliff sorgte. "Power And The Passion" ist das erste richtige Highlight im Eloy-Katalog und zwar durchg√§ngig, auf ganzer Ebene. Das zeigte sich auch in den steigenden Verkaufszahlen, die bei "Power And The Passion" um die 30.000 Einheiten betrugen.

Eine weitere Neuerung bzw. Ergänzung auf "Power And The Passion" bestand in der Hinzunahme von Detlev Schwaar als zweitem Gitarristen, der neue Akzente setzen und Frank Bornemann entlasten sollte. "Power And The Passion" sollte leider auch das einzige Eloy-Album bleiben, an dem Schwaar mitgewirkt hat.

Urspr√ľnglich hatte Bornemann sogar den Ehrgeiz besessen, "Power And The Passion" als Doppelalbum herauszubringen. Diese Idee scheiterte jedoch weniger an der Plattenfirma, wie man vielleicht meinen k√∂nnte, sondern am damaligen neuen Manager der Band.

Dieser, ein Amerikaner namens Jay Partridge, hatte die Band ins Nirwana gelabert, sie in Amerika gro√ü herausbringen zu wollen. Obwohl man sich im Bandlager durchaus skeptisch zeigte bez√ľglich seiner gro√üspurigen Versprechungen, schenkte man ihm schlie√ülich Vertrauen und arbeitete mit ihm zusammen. Diese Zusammenarbeit war jedoch von Anfang an deutlich getr√ľbt, denn Partridge tauchte st√§ndig ungefragt im Studio oder im Proberaum auf, mischte sich in alles ein, ma√üte sich Kommentare zu musikalischen oder technischen Fragen an, obwohl er davon √ľberhaupt keine Ahnung hatte und spielte sich quasi als sechstes Bandmitglied auf, was f√ľr erhebliche Irritationen und zunehmenden √Ąrger sorgte.

Als Manager versagte er sowieso und konnte kaum was auf die Beine stellen, au√üer sich aufzuspielen und mit dicken Geldb√ľndeln zu beeindrucken, was auch andernorts mit Stirnrunzeln zur Kenntnis genommen wurde.

Partridge trieb einen Keil in die Band, spielte die Mitglieder gegeneinander aus und verlangte die unm√∂glichsten Dinge von den Musikern. So war er beispielsweise der Meinung, Ruhepausen seien sch√§dlich f√ľr die Entwicklung der Band. Da er selber allen m√∂glichen Substanzen nicht abgeneigt war, versuchte er daher die Musiker zu √ľberreden, Aufputschmittel einzuwerfen und auf Schlaf zu verzichten, um Tourneen bestreiten zu k√∂nnen. V√∂llig realit√§tsfremd, denn eine Band, die so handelt, ist nach sp√§testens 2 Wochen nicht mehr auftrittsf√§hig.

Obwohl die Band mit "Power And The Passion" ein exzellentes Albm im Gepäck hatte, entwickelte sich die Problematik mit Jay Partridge zunehmend zum Fiasko, welches letztlich das Ende dieser Eloy-Besetzung bedeuten sollte.

Schlie√ülich war es Frank Bornemann, der sich von Partridge abgrenzte und in offene Opposition zu diesem ging, was ihn nat√ľrlich zum Feindbild des Amerikaners machte. Der wiederum hatte sich durch immer wiederkehrende finanzielle Zuwendungen den gro√üen Rest der Band "gekauft", nur bei Bornemann hatte dieses Spiel eben nicht funktioniert. Aber bei den √ľbrigen Musikern sorgte der daraus entstandene Zwiespalt nat√ľrlich daf√ľr, dass kaum jemand sich traute, gegen Partridge offen aufzumucken. Und der forcierte nun auch ganz deutlich den Rausschmiss Bornemanns, beispielsweise gegen√ľber der Plattenfirma.

Dort geriet Partridge jedoch an den falschen, denn der Mann von der Plattenfirma gab ihm ganz deutlich zu verstehen, dass bei Eloy von ihm aus jeder rausgeworfen werden könne, aber nicht Bornemann.

Durch diese R√ľckendeckung sa√ü Frank Bornemann nun am l√§ngeren Hebel und trennte sich daraufhin von der gesamten Band. Ein Entschlu√ü, der ihm allerdings schwer zu schaffen machte, da er gerade diese Besetzung f√ľr besonders f√§hig und musikalisch stimmig hielt, ihr auch weitere gro√üe Schritte zutraute. Aber es half nichts und ein Ende mit Schrecken schien in diesem Fall die einzig sinnvolle und bessere L√∂sung, als ein Schrecken ohne Ende.

Jay Partridge versuchte tats√§chlich, mit den √ľbrigen Bandmitgliedern weiterzumachen - und zwar als musikalischer Mentor und S√§nger ! Tats√§chlich gab es sogar einen einzigen Liveauftritt von Eloy mit Partridge als Frontmann, der aber verst√§ndlicherweise vom Publikum mit schroffer Ablehnung behandelt wurde. Da die Band ohne Bornemanns Einwilligung den Namen Eloy sowieso nicht mehr weiter benutzen h√§tte d√ľrfen, versuchte Partridge f√ľr viel Geld Bornemann den Namen abzukaufen, was dieser selbstverst√§ndlich ablehnte.

Nachdem der besagte eine Gig mit Partridge v√∂llig schiefgelaufen war und Bornemann die Namensrechte einbehielt, sahen die √ľbrigen Musiker ein, dass sie ohne Frank Bornemann wohl nicht viel auf die Beine bekommen w√ľrden. Manfred Wieczorke ging daraufhin zu Jane, w√§hrend Luitjen Jansen, Detlev Schwaar und Fritz Randow gemeinsam mit Jay Partridge eine Funk(!)-Band mit Bl√§sern ins Leben riefen, die aber auch nur wenige Monate durchhielt. Randow stieg anschlie√üend bei Epitaph ein, Jansen einige Zeit sp√§ter ebenfalls. Von Jay Partridge indes h√∂rte man nie wieder etwas.

Und Frank Bornemann ? Der m√ľhte sich redlich, in k√ľrzester Zeit eine neue Eloy-Besetzung zusammenzubekommen, nachdem ihm die Plattenfirma signalisiert hatte, dass sie weiter auf Eloy setzen w√ľrde wenn es ihm gel√§nge, die Band neu zu formieren. Das folgende Album "Dawn" basierte im Prinzip auf der nie fertiggestellten zweiten H√§lfte des "Power And The Passion"-Werks, welches wie gesagt urspr√ľnglich ein Doppelalbum h√§tte werden sollen. Aber das alles ist dann im zweiten Teil der Geschichte nachzulesen.... ;)

Bild
(von links nach rechs: Schwaar, Bornemann, Randow, Jansen, Wieczorke)
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49852Beitrag Vertigo
15.11.2018, 14:04

Sehr schön Matthias! :good:

Sowas lese ich immer sehr, sehr gerne. Magst noch eine Bildunterschrift machen wer da wer ist? Ich kenn nur Bornemann und Wieczorke sofort.

Und bin schon gespannt auf den zweiten Teil.
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49856Beitrag AusDemWegIchBinArzt
15.11.2018, 14:55

Vertigo hat geschrieben: ‚ÜĎ
15.11.2018, 14:04
Sehr schön Matthias! :good:

Sowas lese ich immer sehr, sehr gerne. Magst noch eine Bildunterschrift machen wer da wer ist? Ich kenn nur Bornemann und Wieczorke sofort.

Und bin schon gespannt auf den zweiten Teil.
Am zweiten Teil sitze ich gerade...das mit den Bildunterschriften erledige ich sofort. ;)
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49862Beitrag AusDemWegIchBinArzt
15.11.2018, 18:12

Eloy Pt.2: Die Erfolgsjahre

Nachdem das Schiff Eloy aufgrund des Ungemachs mit Jay Partridge ein wenig vom Kurs abgekommen und vor√ľbergehend auf Grund gelaufen war, was in der Trennung zwischen Frank Bornemann und den restlichen Bandmitgliedern gem√ľndet hatte, sah sich dieser dementsprechend Ende 1975, Anfang 1976 mit Personalfragen konfrontiert. Die alte Band war de facto Geschichte, Bornemann stand quasi vor dem Nichts. Eloy mu√üten von Grund auf neu formiert und aufgebaut werden.

Da die EMi Bornemann bereits im Vorfeld zugesichert hatte, weiterhin auf Eloy zu setzen und ein weiteres Album zu erm√∂glichen wenn er es schaffen w√ľrde, eine neue Besetzung zusammenzustellen, war der Gute nat√ľrlich hochmotiviert und entwickelte eine gesunde "Jetzt erst recht !"-Einstellung, um allen, Fans wie auch Kritikern, zu beweisen, dass er in der Lage war das Schiff wieder flottzumachen und musikalisch st√§rker als je zuvor zur√ľckzukehren.

Hier wird auch deutlich, dass Bornemann l√§ngst zur eigentlichen F√ľhrungsfigur der Band geworden war, zum Chef, dem allerdings auch einiges zugetraut wurde und der mit Entschlossenheit und unglaublicher Power weiter an seinem Bandtraum arbeitete, bereit, sich allen m√∂glichen und unm√∂glichen Widrigkeiten entgegenzustemmen. Hierbei sei zur Verdeutlichung nochmal nebenbei angemerkt, dass zwischen dem Ende nach "Power And The Passion" und dem fulminanten Neubeginn mit "Dawn" gerade mal ein gutes Jahr lag - man kann sich also ausmalen, welche Energien und Kr√§fte da geflossen sind, um in so kurzer Zeit derma√üen furios, mit einer hervorragenden neuen Besetzung und einem exzellenten Album zur√ľckkehren zu k√∂nnen.

Da der Eloy-Mainman zun√§chst mal vor einem riesigen Schuldenberg stand und au√üer dem Einkommen seiner Frau quasi kein Geld vorhanden war, bem√ľhte er sich als erstes um einen Job, wobei klar war, dass es nach M√∂glichkeit nicht wieder zur√ľck in die Bank gehen sollte.

Schlie√ülich fand Bornemann Arbeit in einem Musikgesch√§ft, wo ihm eines Tages Detlev Schmidtchen √ľber den Weg lief. Der war selber Musiker und spielte zu dieser Zeit in einer anderen Hannoveraner Formation namens Getriebe, die 1975 beim "Pop ¬ī75"-Festival in der Hannoveraner Niedersachsenhalle einen Amateurwettbewerb gewonnen hatte.

Man kannte sich bereits locker von eben dieser Veranstaltung, bei der Eloy Headliner gewesen waren. Getriebe hatten seinerzeit als Gewinn Aufnahmezeit in einem Tonstudio spendiert bekommen und daraufhin eine in geringer Auflage verbreitete Single ("Syncron", 1975) aufgenommen, die sich grob als krautiger und verspielter, tendenziell progressiv orientierter Hardrock beschreiben läßt.

Detlev Schmidtchen war bei Getriebe jedoch als Gitarrist tätig und hatte mit Synthesizern nicht viel zu tun. In dieser Hinsicht gleicht sein Werdegang also jenem seines Vorgängers bei Eloy, Manfred Wieczorke, der ebenfalls als Gitarrist angefangen hatte und erst später hinter die Tasten gerutscht war.

Bornemann und Schmidtchen beschlossen daraufhin, es einfach mal miteinander zu versuchen und stellten schnell fest, dass ihre musikalischen Vorstellungen ausgesprochen gut miteinander harmonierten. Menschlich hingegen, so gab Bornemann sp√§ter in einem Interview mit dem Fanzine "Magic Mirror" zu Protokoll, habe es durchaus erhebliche Unterschiede gegeben, da Detlev zwar ein sehr kreativer, aber auch stark von Selbstzweifeln geplagter Mensch gewesen sei, was den Umgang mit ihm h√§ufig verkompliziert und unn√∂tig anstrengend gestaltet habe. Aufgrund der musikalischen √úbereinstimmung habe er dar√ľber aber hinwegsehen k√∂nnen, so Bornemann.

So wurde der Entschlu√ü gefasst, Eloy gemeinsam wieder aufzubauen. In den folgenden Wochen und Monaten wurde intensiv nach weiteren Musikern gesucht und der n√§chste brauchbare, der auf der Matte stand, war Klaus-Peter Matziol. Auch hier bahnte sich der Kontakt √ľber das Musikgesch√§ft an, in dem Bornemann tags√ľber arbeitete und wo Matziol, der eigentlich auf Lehramt studiert hatte, regelm√§√üiger Kunde war. Es stellte sich heraus, dass Klaus-Peter Bassist war und zu dieser Zeit in einer Formation namens Boorturm den Tieft√∂ner bediente.

Als letztes, ungef√§hr im April 1976, wurde der Schlagzeuger J√ľrgen Rosenthal akquiriert. Den kannte Frank Bornemann schon von den Scorpions her, schlie√ülich hatte Rosenthal zu "Fly To The Rainbow"-Zeiten zur Band geh√∂rt, welches bekanntlich von Bornemann produziert worden war.

Und auch f√ľr Klaus-Peter Matziol war Rosenthal absolut kein Unbekannter, sondern viel mehr ein alter Freund. Die beiden hatten bereits Ende der 60er gemeinsam die Band Morrison Gulf betrieben, bevor Rosenthal Anfang der 70er zu Dawn Road, der Band von Uli Jon Roth gewechselt war, die dann wiederum von den zu jener Zeit nur noch aus Klaus Meine und Rudolf Schenker bestehenden Scorpions absorbiert wurde.

Nachdem J√ľrgen Rosenthal im Anschlu√ü an "Fly To The Rainbow" zum Wehrdienst in die Kaserne einr√ľcken mu√üte, war erst mal Feierabend mit dem Schlagzeug spielen. Sein Plan nach Beendigung der leidigen Bundeswehrzeit sah vor, wieder Anschlu√ü an die Scorpions zu finden und sich wieder fit zu trommeln f√ľr einen erneuten Einstieg bei Schenker & Co. Und genau in diesem Moment standen pl√∂tzlich Frank Bornemann und Klaus-Peter Matziol vor seiner T√ľr, mit dem Angebot, bei Eloy mitzumachen.

Schnell wurde Rosenthal klar, dass die auf Atmosph√§re bedachte Musik von Eloy mit Synthesizer, Orgel und dem ganzen Pipapo seinen pers√∂nlichen Interessen und Ausdrucksneigungen viel eher entgegenkam, als das, was bei den Scorpions mittlerweile musikalisch abging. Im Interview zur "Legacy Box"-DVD bekr√§ftigt er noch mal ganz klar, wie angetan und begeistert er dagegen auf Anhieb von dem war, was er bei Eloy vorfand. Und der Reiz, eine Band ganz neu mit aufzubauen und von Grund auf mit eigenen kreativen Impulsen zu f√ľttern, war sicherlich auch nicht ohne.

Ein weiterer ausschlaggebender Punkt f√ľr die Entscheidung pro Rosenthal war, dass sich dieser als sehr belesen herausstellte und gleich anbot, sich um das Verfassen der k√ľnftigen lyrischen Inhalte zu k√ľmmern, was Bornemann sehr begr√ľ√üte, da es f√ľr ihn in diesem Punkt eine enorme Erleichterung bedeutete. Somit hatte Rosenthal sozusagen von Beginn an freie Hand f√ľr sein Wirken als Schlagzeuger und Texter innerhalb der Band.

Zun√§chst lief diese Kooperation auch sehr harmonisch und st√∂rungsfrei ab. Rosenthal k√ľmmerte sich um die Gestaltung der Texte und lieferte ein v√∂llig anderes Schlagzeugspiel als sein Vorg√§nger Fritz Randow. Technisch pr√§zise waren beide, aber letztgenannter spielte h√§rter und mit mehr Wucht, w√§hrend Rosenthal daf√ľr ausgesprochen kreativ und ideenreich zu Werke ging, mit einer Vielzahl markanter Einf√§lle.

So gehörte zu seinem Equipment ein ganzes Arsenal an Klingelchen und Glöckchen, was von der Band anfangs etwas belächelt wurde, sich aber später als ausgesprochen sinnvoll herausstellte, weil es der Musik ein vielfaches Mehr an Klangfarbe und Gestaltungsmöglichkeit offerierte.

Ein weiterer entscheidender Faktor f√ľr den folgenden Weg der Band lag in der Tatsache begr√ľndet, keinen geeigneten Keyboarder zu finden. Die Band testete mehrere Leute, aber niemand schien zu passen, obwohl alle mehr oder weniger hervorragend spielten.

Das Problem lag laut Frank Bornemann darin, dass all diese Leute ausgebildete, hochgradig virtuose Pianisten waren, die eben auch dementsprechend spielten und sich halt mal in einer Rockband versuchen wollten.

Aber keiner von denen verstand, um was es Bornemann mit der Musik von Eloy ging. Alle konnten zwar hundert Noten in zehn Sekunden spielen, aber keiner war in der Lage, ausgedehnte Klangflächen aus vergleichsweise wenigen Tönen zu erschaffen, auf Melodien zu achten und Stimmungen zu erzeugen.

Eloy ben√∂tigten jemanden mit einem sicheren Gef√ľhl f√ľr Atmosph√§ren und Klangbilder und weniger jemanden, der nur aufgrund seines handwerklichen Backgrounds die Tasten bediente.

Bei einer weiteren Bandprobe lie√ü Detlev Schmidtchen, der bis dato nur als Gitarrist dabei war, mehr aus Verzweiflung durchblicken, dass er auch ein wenig Keyboard spielen k√∂nne und setzte sich einfach mal ans Ger√§t, um ein bi√üchen damit herumzuprobieren. Das wiederum fiel bei Bornemann auf fruchtbaren Boden und er bat kurzerhand darum, dass Schmidtchen sich zuk√ľnftig haupts√§chlich auf die Tasteninstrumente konzentrieren und allenfalls nur noch gelegentlich zur Gitarre greifen m√∂ge. Das war n√§mlich genau das, was Eloy gefehlt hatte: Ein Keyboarder, der zwar handwerklich nicht so versiert wie ein ausgebildeter Pianist war, daf√ľr aber ein umso untr√ľglicheres Gesp√ľr f√ľr Atmosph√§re und melodischen Aufbau besa√ü.

Nach einem halben Jahr intensiven Probens war die Band so gut aufeinander eingestellt, dass man sich an die Aufnahmen des nächsten Albums "Dawn" machen konnte, welches ein echter Paukenschlag werden sollte.

Da Schmidtchen allerdings noch nicht hundertprozentig souver√§n im Umgang mit den ganzen Synthesizern war, nahm man ihm einen Teil der Arbeit ab, indem man bei den Aufnahmen zu "Dawn" in Georgi Nedeltschevs "Studio N" einige Passagen von Streichern einspielen lie√ü, deren Parts zuvor von dem im Umgang mit klassischen Orchestern geschulten Wolfgang Maus arrangiert worden waren. Die Band w√§re damit sicherlich zu diesem Zeitpunkt √ľberfordert gewesen.

Als Ergebnis steht das klanglich sicherlich opulenteste Eloy-Album √ľberhaupt. Manche finden es √ľberfrachtet oder Zuviel des Zuckergusses, aber das kann man so nicht stehen lassen. Dieses Album ist ein Masterpiece, eine absolute Sternstunde, und klingt exakt so, wie es einfach klingen mu√ü. Da ist keine Note und kein Ton zuviel, die Atmosph√§re ist durchgehend von einer beeindruckenden Dichte und es handelt sich ohne Frage um eines der stimmungsvollsten Epen, die Eloy jemals in ihrer Karriere erschaffen haben.

Schon die ergreifende, von Donnergegrummel, Regengepl√§tscher, Streichern und dramatischer Atmosph√§re gepr√§gte Einleitung "The Awakening" ist von einer solchen Erhabenheit, dass einem die Tr√§nen in die Augen schie√üen und der Atem stockt. Immer und immer wieder. Eine der bewegendsten Albumer√∂ffnungen in der Geschichte der Rockmusik. Hier wird der Albumtitel "Dawn", was ja soviel wie Morgend√§mmerung und Aufbruch bedeutet, musikalisch aufs vortrefflichste visualisiert. Und es war ja in der Tat ein Aufbruch f√ľr die Band, ein neuer Anfang.

Die Gestaltung des Albumcovers zeigt nat√ľrlich Parallelen zu "Power And The Passion", was auch durchaus gewollt so war, hat es man hier doch gewisserma√üen mit der zuvor nicht realisierten zweiten H√§lfte des eigentlich als Doppelalbum geplanten Vorg√§ngers zu tun.

Musikalisch erkennt man die Verwandtschaft zu "Power And The Passion" nat√ľrlich stellenweise noch (das aus "The Awakening" hervorgehende "Between The Times" h√§tte beispielsweise ohne negativ aufzufallen auch auf dem Vorg√§nger stehen k√∂nnen), aber auf "Dawn" wurde alles um ein vielfaches orchestraler und symphonischer gestaltet, viel weiter ins Detail ausgearbeitet. Die einzelnen Songs gehen zum Teil ineinander √ľber, was den Konzeptcharakter nat√ľrlich wirkungsvoll unterstreicht und dem Ganzen eher das Bild einer zusammenh√§ngenden Suite verleiht.

Dicker wurde bei Eloy nie wieder aufgetragen, aber es pa√üt alles wie gesagt bis aufs allerletzte i-t√ľpfelchen zusammen und hat einen der gro√üen Eloy-Momente f√ľr die Ewigkeit geschaffen. Ein absolut hinrei√üendes Album - Neustart gegl√ľckt !

Das sahen auch die Fans so, denn "Dawn" verkaufte sich wie geschnitten Brot. Allerdings mehrten sich erstmals auch h√∂rbar die Stimmen der Kritiker, die Eloy als aufgeblasenes, pr√§tenti√∂ses Nichts schm√§hten und sich auf sch√§bigste, v√∂llig unsachliche Art und Weise √ľber die Band lustig machten. Aber noch hatte es nicht die uns√§glichen Formen angenommen, die dann ab "Ocean" √ľber die Niedersachsen hereinbrechen sollten.

Die Scheibe verkaufte zwischen 50.000 und 100.000 Exemplare in Deutschland. Die Band war gefragt, mit Bernd Gukelberger gab es auch einen neuen Manager, der sich sehr einsetzte und mit dem es endlich stimmte - das menschliche wie auch das fachliche. Kurzum: Es hätte kaum besser laufen können.

Und so machte man sich frohgemut an die Arbeiten zum nächsten Werk, mit dem man noch einen draufzusetzen gedachte. Die Band war bestens eingespielt und Detlev Schmidtchen hatte sich inzwischen am Synthesizer so entwickelt und emanzipiert, dass er auf dem nächsten Album seine Qualitäten verstärkt einbringen und zeigen wollte, was er drauf hat. Der erneute Einsatz einer Orchesters war somit also auch kein Thema mehr.
Jeder in der Band hatte den Ansporn, sein bestm√∂glichstes zum Gelingen des Albums beizutragen. Ein gute Voraussetzung f√ľr kreative H√∂henfl√ľge.

Und nat√ľrlich war J√ľrgen Rosenthal erneut mit dem Verfassen eines lyrischen Konzepts betraut worden. Der Albumtitel "Ocean" stand bereits zu einem relativ fr√ľhzeitigen Zeitpunkt fest und beruhte entweder auf einem Traum Rosenthals, in welchem der Ozean in sein Zimmer schwappte oder auf der grundlegenden Erkenntnis, dass alles Leben aus dem Meer kommt. So genau lie√ü sich das sp√§ter nicht mehr zur√ľckverfolgen, aber eines von beidem wird es gewesen sein.

Rosenthal entwickelte eine sehr d√ľstere Konzeptstory, in deren Mittelpunkt der Untergang des sagenumwobenen Atlantis stand, was nat√ľrlich wunderbar zum bereits festgelegten Albumtitel pa√üte. Die Story von Rosenthal hangelte sich dabei an den Erkenntnissen Platons entlang und war einmal mehr gleichzeitig mit einer grundlegenden Kritik gegen√ľber der menschlichen Zivilisation und Zerst√∂rung der Umwelt verbunden, deren Folgen in d√ľsteren Zukunftsszenarien ausgemalt wurde. Anspruchsvoller, aber sicherlich auch nicht gerade leichtverdaulicher Stoff. Das befand auch Bornemann so, dem die Zukunftsvisionen viel zu apokalyptisch erschienen und der eigentlich lieber eine positivere Grundaussage gehabt h√§tte, aber der Drummer lie√ü Kritik nicht zu und Bornemann gab sich vorerst zufrieden damit.

Rosenthal hatte sich monatelang v√∂llig zur√ľckgezogen um an den Lyrics zu arbeiten, niemand wu√üte genau, was er denn dort im stillen K√§mmerlein eigentlich ausbr√ľtete. W√§hrend die anderen an der Musik feilten, schlug sich Rosenthal reihenweise die N√§chte um die Ohren mit seinen Texten, sagte aber niemandem etwas n√§heres dar√ľber. Zu Beginn seiner Arbeit war er zun√§chst sogar extra nach London gereist, um dort an einigen spiritistischen Sitzungen teilzunehmen, die er als unerl√§√ülich f√ľr die Ausarbeitung seines inhaltlichen Konzept erachtete. Bereits das war Bornemann viel zu esoterisch und er vermutete sogar einen Hang zum Okkulten bei seinem Trommler, was ihm gar nicht gefiel, sagte aber erst mal nichts weiter dazu und lie√ü ihn machen.

Allm√§hlich begann die Zeit zu dr√ľcken, denn die Musik war fertig, es sollte an die Aufnahmen gehen und die Texte lagen immer noch nicht vor. Buchst√§blich in letzter Sekunde tauchte Rosenthal mit den gerade fertig gewordenen Texten bei Georgi Nedeltschev im Studio auf - die Tinte war quasi noch nicht getrocknet - und Bornemann mu√üte sie sofort einsingen, was ihn vor erhebliche Schwierigkeiten stellte.

Erstens bekam er die Texte √ľberhaupt zum ersten Mal zu Gesicht, er wu√üte ja bis dato gar nicht, was ihn √ľberhaupt erwartete und dementsprechend empfand er es als sehr problematisch, diese Inhalte dann auch glaubw√ľrdig in seinem Gesang zu transportieren und dahinter stehen zu k√∂nnen. Und zweitens hatte Rosenthal einen sehr literarischen Ansatz gew√§hlt und folglich √ľberhaupt nicht auf die Singbarkeit seiner endlosen Satzkonstruktionen geachtet. Phonetik und Rhythmik waren v√∂llig au√üer Acht gelassen worden, so dass sich Bornemann mehr als einmal fragte, wie er die ganzen Worte √ľberhaupt in der Musik unterbringen und dabei noch Platz f√ľr die Melodie finden sollte.

Am Ende klappte es dann aber doch irgendwie und schlie√ülich stand "Ocean" fertig in den Plattenl√§den. Ein abermals meisterhaftes Konzeptwerk, bestehend aus nur vier, daf√ľr allerdings √ľberlangen Songs (zwei pro Seite). Die Verkaufszahlen erreichten sensationelle H√∂hen, bis heute ist "Ocean" das meistverkaufte und beliebteste Eloy-Album √ľberhaupt. Die Zahlen jonglieren irgendwo um 200.000 Exemplare herum, die √ľber die Ladentheken gingen. Die Konzerte waren ebenfalls ausverkauft.

Und genau zu diesem Zeitpunkt setzte die vernichtende H√§me der in Lauerstellung liegenden Musikjournaille ein. K√ľbelweise H√§√ülichkeiten wurden √ľber der Band ausgekippt. Man zog sich an allem hoch, was vermeintlich Angriffsfl√§che bot: An der Musik ("Pink Floyd f√ľr Arme" etc.), an Bornemanns muttersprachlich gef√§rbtem (D)Englisch und seinem angeblich schlechten Gesang, an Rosenthals scheinbar verquasten Lyrics ("Rosenthal textet im Courths-Mahler-Stil" bla bla...) - nichts wurde ausgelassen, um die Band unter der G√ľrtellinie fertigzumachen. Selbst der ehrw√ľrdige Peter R√ľchel lehnte die Band f√ľr seine Sendung "Rockpalast" mit den Worten "Solange der Rosenthal solche bescheuerten Texte schreibt, kommt mir die Band nicht in die Sendung !" ab.

Zun√§chst versuchten Eloy zwar, das alles an sich abprallen zu lassen, aber nat√ľrlich √§rgerte der ungerechtfertigte Dauerbeschuss die Band doch immer mehr und setzte ihr im Laufe der Zeit zu.

Vor allem die Diskrepanz zwischen kommerziellem Erfolg bei den Fans auf der einen Seite und einer breiten ablehnenden Front aus einheimischen Musikjournalisten auf der anderen Seite machte den Musikern schwer zu schaffen. Dabei spielte es kaum eine Rolle, dass man sich damit trösten konnte, dass die Journalisten, die das Sprachrohr waren, größtenteils aus frustrierten und gescheiterten ex-Musikern bestanden, die einer (noch dazu deutschen) Band ihren Erfolg nicht gönnten und deswegen blindlings draufhauten. Es war einfach gemein und unfair, vor allem auch total an den Haaren herbeigezogen.

Eloy waren seinerzeit √ľbrigens eine der erfolgreichsten Rockbands in Deutschland √ľberhaupt. Noch erfolgreicher als die Scorpions wohlgemerkt, denn die schafften ihren Durchbruch erst mit "Lovedrive" zwei Jahre sp√§ter.

Um die Zeit zum n√§chsten Studioalbum zu √ľberbr√ľcken und zudem den Kritikern ein wenig den Wind aus den Segeln zu nehmen, entschied man sich, auf der "Ocean"-Tour ein Livealbum mitzuschneiden. Der urspr√ľngliche Gedanke, f√ľr eine Show ein mobiles Tonstudio anrollen zu lassen, was sicherlich die beste L√∂sung gewesen w√§re, wurde schnell wieder fallengelassen. Die EMi machte Kostengr√ľnde geltend, was der Band durchaus plausibel erschien. Stattdessen schlug man vor, der Band eine 24-Spur-Maschine aus den EMi-Studios mitzugeben, die bei jedem Auftritt mitlaufen und so auf g√ľnstige Weise gro√üe Mengen an Material mitschneiden sollte, die man dann h√§tte verwenden k√∂nnen.

Leider gab es von Beginn an technische Probleme und der Tonassistent, der mit den Aufnahmen beauftragt worden war, verf√ľgte √ľber keinerlei Erfahrung mit Livekonzerten und erwies sich als v√∂llig unf√§hig. Der H√∂hepunkt des √úbels bestand jedoch in St√∂rger√§uschen, die von den m√§chtigen Scheinwerfern √ľber der B√ľhne ausgel√∂st wurden, weil sie bei jeder Schwenkbewegung unertr√§gliche Brummger√§usche und andere St√∂rfrequenzen in die Audioleitungen schickten. Damit waren ungef√§hr 80% aller mitgeschnittenen Liveaufnahmen am Ende unbrauchbar und die Band konnte aus den wenigen verwendbaren Fetzen m√ľhsam das Album zusammenst√ľckeln.

Zun√§chst √ľberlegte man, ganz von der Ver√∂ffentlichung eines Livealbums abzusehen, aber das w√§re Wasser auf die M√ľhlen der hechelnden Kritikermeute gewesen, ganz nach dem Motto: "Sehr her, Eloy sind sogar zu bl√∂d um ein Livealbum aufzunehmen !". Auch ein Extrakonzert zu geben, um die Aufnahmen in vern√ľnftiger Qualit√§t nachzuholen, schien eine Option. Davon mu√üte man aber Abstand nehmen, weil die Tourcrew bereits mit anderen Bands unterwegs und √ľber die halbe Welt verstreut war und sich das gesamte B√ľhnenequipment ebenfalls l√§ngst auf anderen B√ľhnen im Einsatz befand. Das w√§re alleine zeitlich und logistisch nicht mehr in einem angemessenen Rahmen koordinierbar gewesen. Die komplette Produktion h√§tte von Grund auf neu konzipiert werden m√ľssen, ein Ding der Unm√∂glichkeit.

Au√üerdem war das Album bereits in der ZDF-Sendung "Rockpop" angek√ľndigt worden, also mu√üte man jetzt handeln und irgendwie zusehen, den Schaden halbwegs in Grenzen zu halten und das beste draus zu machen. Und so wurde dann eben notgedrungen aus den wenigen brauchbaren Mitschnitten das "Eloy Live"-Album zusammengestellt, dem man allerdings durchaus - trotz aller Widrigkeiten bei der Entstehung und trotz der Tatsache, dass es nur zusammengeschnitten ist - ein magisches Feeling nachsagen kann. Auch wenn Frank Bornemann das bis heute anders sieht.

Um die Stimmung, die in der Band ein bi√üchen angeschlagen und gereizt war, wieder aufzuheitern, beschlo√ü man, sich mit dem n√§chsten Studioalbum "Silent Cries And Mighty Echoes" zu besch√§ftigen. Vor allem die Probleme zwischen Rosenthal und Bornemann hatten zwischenzeitlich jedoch merklich zugenommen und das hatte diverse Gr√ľnde.

Spannungen hat es bei Eloy bekannterma√üen immer wieder mal gegeben. In diesem Fall hatte sich das √ľber l√§ngere Zeitr√§ume so aufgestaut, dass die Band schlie√ülich in zwei Fraktionen (Bornemann / Matziol auf der einen Seite und Rosenthal / Schmidtchen auf der anderen) zerfiel.

Da es sich nun auch um sehr starke, individuelle und kreativ getriebene Persönlichkeiten mit unterschiedlichen Temperamenten handelt, ist eine gewisse Reibung ja sowieso normal.

Hier war es nun aber konkret so, dass Rosenthal inzwischen nicht mehr mit Bornemann konnte, weil der immer √∂fter was an den inhaltlichen Szenarien von Rosenthals Texten auszusetzen hatte, der auch f√ľr das neue Album wieder die textliche Arbeit √ľbernommen hatte.

Rosenthals Visionen waren Bornemann einfach zu apokalyptisch und d√ľster. Er wollte eher eine optimistische Message und positive Vibrations r√ľberbringen und stand daher nicht hundertprozentig hinter dem, was ihm Rosenthal da vorsetzte. Am Anfang ging das wie an fr√ľherer Stelle erw√§hnt noch. Zu "Dawn"-"/"Ocean"-Zeiten war Bornemann ja auch zun√§chst froh und dankbar, einen f√§higen Texter mit Anspruch in der Band zu haben, der ihn beim Schreiben der Texte entlastete.

Aber mit der Zeit gingen ihm Rosenthals Ans√§tze zunehmend auf die Nerven, zumal dieser wie gesagt √§u√üerst literarisch vorging und in seinen nicht enden wollenden Wortschw√§llen √ľberhaupt keine R√ľcksicht drauf nahm, ob sich das dann auch phonetisch und rhythmisch zur Musik und den Melodien passend umsetzen lie√ü, was Bornemann beim Einsingen vor erhebliche Probleme stellte.

Rosenthal wiederum wollte sich aber in seiner kreativen Freiheit keinesfalls einschr√§nken lassen und lehnte es rigoros ab, Bornemann bez√ľglich besserer Singbarkeit und weniger dystopischer Inhalte der Texte entgegenzukommen. Er empfand die Kritik als unangebrachte Einmischung. Daraus entbrannte dann irgendwann ein richtiger F√ľhrungsstreit √ľber die Ausrichtung der Band zwischen den beiden, bei dem Rosenthal den k√ľrzeren zog, wie wir alle wissen.

Bei Schmidtchen hingegen sah es so aus, dass er sich, nachdem er seine F√§higkeiten an den Synthesizern autodidaktisch im Laufe der Jahre deutlich ausgebaut hatte, immer st√§rker kreativ ausleben und nicht von Bornemann in seiner Ausdrucksweise k√ľnstlerisch beschneiden lassen wollte.

Als dritter Punkt kam dann die Sache mit dem bandeigenen Studio (dem Horus Sound) hinzu, die Bornemann angeschoben hatte und die ihn gerade in der anf√§nglichen Planungsphase auch zeitlich sehr in Beschlag nahm. Demzufolge hatte er dann oft weniger Zeit f√ľr die Band, was teilweise nicht gut ankam, weil die Band bisweilen ohne ihn an neuem Material arbeiten mu√üte oder er nur mal kurz f√ľr ein, zwei Stunden reinschneite, sich die neuen Ideen anh√∂rte, kurz was dazu sagte und wieder verschwand.

Eigentlich sollten alle Bandmitglieder Anteilseigner dieses Studios sein, quasi jeder ein Direktor mit eigener Kapitaleinlage und eigenem Schreibtisch. Die Idee dahinter war in erster Linie eine Absicherung f√ľr die Zukunft (man konnte schlie√ülich andere Bands dort produzieren und damit Geld verdienen, was eine existenzsichernde Ma√ünahme au√üerhalb von Eloy bedeutete) sowie Unabh√§ngigkeit vom Label und die M√∂glichkeit, jederzeit nach eigenem Gusto und ohne Kosten- oder Zeitdruck an Eloy-Musik dort arbeiten zu k√∂nnen.

Au√üerdem h√§tten alle Bandmitglieder Freir√§ume f√ľr eigene Projekte dort gehabt - denn so h√§tte jeder Ideen, die nicht zu Eloy passen, beispielsweise in einem Soloalbum ausleben und dieses eben im eigenen Studio aufnehmen k√∂nnen, ganz ohne Stre√ü. Was wiederum der Band, so der Gedanke, zugutekommen w√ľrde, weil dann jeder zufrieden w√§re und sich keiner in seiner Kreativit√§t behindert f√ľhlen w√ľrde.

Anfangs waren auch alle sehr angetan von der Idee, aber irgendwann schmissen Rosenthal und Schmidtchen die Brocken hin mit der Begr√ľndung, keine Gesch√§ftsm√§nner werden zu wollen. Womit Bornemann und Matziol dann pl√∂tzlich alleine auf den Kosten sa√üen, was nat√ľrlich erhebliche Schwierigkeiten verursachte. Zumindest Rosenthal hat seine Entscheidung, Eloy und alles drumherum damals so vorschnell √ľber den Haufen geworfen zu haben, sp√§ter ziemlich bereut.

Die Entstehung von "Silent Cries..." stand also von Anfang unter keinem guten Stern und im Prinzip war das Ende dieser Besetzung bereits abzusehen. Um wieder Entspannung und etwas Ruhe in die Sache reinzukriegen, mietete man sich an der Normandiek√ľste in Frankreich ein Haus, um gemeinsam dort zu wohnen und das Album vorzubereiten, Ideen auszuarbeiten usw. Also √§hnlich, wie man es bereits bei "Floating" mit der alten Besetzung erfolgreich gemacht hatte. Nur funktionierte es diesmal nicht.

Die ersten Tage schien es noch ganz gut zu gehen. Man hatte die Instrumente im zentralen Wohnraum vor dem Kamin aufgebaut und lie√ü der Kreativit√§t freien Lauf, so dass bereits einige gute Ideen und Einf√§lle zusammenkamen. Rosenthal zog sich allerdings erneut ziemlich schnell zur√ľck um alleine an seinen Texten zu arbeiten, wanderte oft stundenlang die Steilk√ľste entlang, w√§hrend die anderen Bandmitglieder im Haus an ihren Ideen schraubten oder einfach Skat spielten.

Es gab erneute Diskussionen und hitzige Streitereien, gerade auch bez√ľglich der inhaltlichen Auslegung des k√ľnftigen Albums, die sich rasch aufbauschten. Am Ende knallte es dann derma√üen zwischen Rosenthal und Bornemann, dass letzterer sich mitten in der Nacht mit Matziol ins Auto setzte und von ihm nach Paris zum Flughafen bringen lie√ü, um von dort alleine zur√ľck nach Hannover zu fliegen. Die anderen Drei kamen dann sp√§ter mit dem Auto nachgereist.

Irgendwie raufte man sich aber ein paar Wochen sp√§ter doch zusammen und schaffte es, das Album fertig auszuarbeiten und aufzunehmen (erneut bei Georgi Nedeltschev, dessen musikalisches Verst√§ndnis und magische H√§nde in Punkto Klangbearbeitung ihn bereits zu einer fast unverzichtbaren Person im engeren Umfeld der Band gemacht hatten). Aber der Wurm war einfach drin. Was man erstaunlicherweise der Scheibe √ľberhaupt nicht anh√∂rt, mu√ü man voller Anerkennung dazu anmerken. Irgendwie hatte es jeder geschafft, ein letztes Mal alles zu geben um ein gutes Resultat zu erzielen.

"Silent Cries..." ist abermals ein grandioses Album geworden, vom Gitarrenspiel sicherlich das Pink Floyd-lastigste aller Eloy-Werke (man h√∂re nur "The Apocalypse"...), aber nichtsdestotrotz ganz gro√ües Kino. Von der Stimmung her "Ocean" auch nicht un√§hnlich, allerdings insgesamt etwas griffiger und rockiger. Anschlie√üend war die Luft aber endg√ľltig raus, im Prinzip liefen Eloy danach in alle Himmelsrichtungen auseinander.

Trotzdem sollte es eine Tournee zum Album geben und f√ľr diese verst√§rkte man sich auf Bornemanns Wunsch hin mit einem zus√§tzlichen Gitarristen, n√§mlich Hannes Arkona, der Bornemann auf der B√ľhne entlasten und zus√§tzliche Freir√§ume erm√∂glichen sollte. Hannes dachte nat√ľrlich, er k√§me in eine funktionierende und intakte Band, aber in Wirklichkeit erlebte er das Ende dieses Line-Ups, denn nach nur wenigen Konzerten in Frankreich (die einzigen Auftritte in der Quintettbesetzung Bornemann / Matziol / Arkona / Schmidtchen / Rosenthal) verlie√üen Rosenthal und Schmidtchen, die zu den Konzerten bereits in einem separaten PKW anreisten, Eloy. Und das war es dann erst mal.

Danach wollten die beiden ihr eigenes Projekt Ego On The Rocks auf die Beine stellen und dachten wohl, das w√ľrde ein Selbstl√§ufer werden, aber das wurde es dann ja leider nicht. Obwohl die einzige Scheibe wirklich gut ist.

Und abermals waren Eloy an einem Scheidepunkt ihrer Karriere angelangt. Nur mit dem Unterschied zum vorherigen Mal, dass Frank Bornemann diesmal nicht v√∂llig alleine zur√ľckgeblieben war, sondern Klaus-Peter Matziol an seiner Seite hatte. Und auch Neuzugang Hannes Arkona hatte sein Interesse bekundet, mit Eloy weitermachen zu wollen. Und wie es dann weiterging, erfahrt Ihr im dritten Teil... boys_0222

Bild
(Sitzend: Rosenthal, Bornemann, Matziol. Hinten stehend: Schmidtchen)
Wenn Musik Bilder erzeugen und den H√∂rer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erf√ľllt.


Fr√ľher war mehr Lametta !!!

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Vertigo
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49867Beitrag Vertigo
15.11.2018, 19:31

Wieder sehr interessant! Dankeschön!

Ich kann Rosenthal verstehen, dass er sich nicht in die Aussage seiner Texte reinreden lassen wollte. Wenn ich als Schreiber etwas nun mal so oder so sehe, kann ich nicht auf Wunsch das ganz anders sehen. Also etwas, das ich negativ empfinde auf einmal positiv darstellen. Doch bzgl. der Singbarkeit der Texte hatte Bornemann absolut recht. Rosenthal verga√ü vor lauter Freude am Thema, dass er kein Buch oder Essay oder etwas dergleichen schreiben sollte, sondern Texte f√ľr ne Rockband. Der S√§nger ist am Ende der Depp, wenn er in der Musik keinen Platz findet die Masse an Text unterzubringen in den Songs.

Das hatte am Anfang f√ľr mich auf der "Ocean" gehakt, ist aber l√§ngst eines der Markenzeichen dieses Albums geworden. Viel zu viel anspruchsvoller Text, den Bornemann aber doch irgendwie unterbrachte. Doch klar, dass Bornemann das nicht noch einmal und noch einmal h√§tte mitmachen wollen, kann man nachvollziehen.
Sicher spielte, bewusst oder unbewusst, auch die Kritik Peter R√ľchels da ebenso mit ne Rolle. Da war vermutlich das Gef√ľhl bei Bornemann da "wegen diesen bl√∂den esoterischen Texten, haben wir keine Chance im Rockpalast aufzutreten", was ja enorm wichtig gewesen w√§re damals. Auch sowas kann innerlich √Ąrger aufbauen und hat es hier auch wohl.

J√ľrgen Rosenthal geb√ľhrt aber der Verdienst, mir die "S√§ulen des Herakles" vorgestellt zu haben. Der Moment wo Bornemann "the columns of Iracles" singt ist immer wieder ein besonderer f√ľr mich. Danach hatte ich mich damals per Buch √ľber griechische Sagen schlau gemacht, von was Rosenthal denn da singt.
"Ich glaube, dass ein Optimist, der erkennen mu√ü, dass seine Ideale sich nicht erf√ľllen, trotzdem ein erf√ľllteres Leben hat, als ein Pessimist, der sich best√§tigt sieht" (Richard David Precht)

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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49870Beitrag AusDemWegIchBinArzt
15.11.2018, 19:52

Und da sage noch mal einer, Rockmusik wäre bildungsfern. ;)

Im Ernst, ich fand seine Texte immer grandios. So tief, wie Rosenthal sich in die Materie jedesmal reingekniet hat, das machen doch nur wenige. Egal ob man mit der Aussage jetzt was anfangen kann oder nicht, es zeigt aber, da hat sich jemand tiefgreifende Gedanken zu einem Thema gemacht.

Deswegen hat mich die despektierliche Aussage von R√ľchel auch immer ein wenig gest√∂rt. Zumal die Band so viele Fans damals hatte, der Rockpalast w√§re aus allen N√§hten geplatzt, das w√§re DER Knaller gewesen. Ich w√ľrde gerne mal wissen, ob er heute immer noch der gleichen Meinung ist wie damals.

Bei den Texten gibts doch auch diese schöne Anekdote um den Prolog vom "Sun-Song", der von einem dieser bornierten Kritikertrottel in völliger Unkenntnis als "bierernste Verse" abgetan wurde, dabei stammten die Zeilen von Arthur Rimbaud. Das ist doch mehr als peinlich.

Rosenthal sieht das heute √ľbrigens selber ein, dass seine Texte eine harte Nuss f√ľr Bornemann waren und ihn vor gro√üe Herausforderungen stellten, weil sie eigentlich nicht singbar waren.
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49880Beitrag nixe
15.11.2018, 23:21

Ich bin geplättet, nur vom Lesen!
Wo hast Du die ganzen Infos her?
Soviel stand doch garnicht in den Booklets der remastered Versionen!
√Ąu√üerst informativ! THX!
Musik hat die Fähigkeit uns geistig, körperlich & emotional zu beeinflussen!

!!!I like Prog!!!

!!!Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten!!!

Tsch√ľ√ü
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49881Beitrag AusDemWegIchBinArzt
16.11.2018, 00:03

Eloy Pt.3: Neustart, Irrwege, Auflösung

Nachdem das Erfolgs-Line up mit Schmidtchen und Rosenthal nun also ebenfalls komplett an die Wand gecrasht war, sah Bornemann sich zum zweiten Mal in seiner Karriere gezwungen, einen Neustart hinzulegen. Da zumindest Klaus-Peter Matziol und auch Neuzugang Hannes Arkona aber weiterhin an seiner Seite blieben, war er diesmal nicht ganz auf sich alleine gestellt.

Obwohl sich Bornemann durchaus gute Chancen ausrechnete, die Band mit neuen und hungrigen Musikern wieder ad√§quat best√ľcken zu k√∂nnen, sah er sich nat√ľrlich mit der Tatsache konfrontiert, dass Schmidtchen und Rosenthal in den wenigen Jahren die sie bei Eloy gespielt hatten, riesige Fu√üabdr√ľcke hinterlassen hatten und deren Nachfolger, so gut sie auch sein mochten, bis auf weiteres in deren Schatten stehen und daran gemessen w√ľrden.

In besonderem Ma√üe galt das f√ľr denjenigen, der den charismatischen J√ľrgen Rosenthal beerben w√ľrde, denn dieser war bei den Fans ausgesprochen beliebt gewesen. Die neuen w√ľrden es also sicherlich nicht einfach haben und ihren Platz in der Band und die Anerkennung bei den Fans erst m√ľhsam erk√§mpfen m√ľssen.

Nachdem zahlreiche Drummer bei den anberaumten Auditions vorgespielt hatten, entschied man sich schlie√ülich f√ľr den geb√ľrtigen Schotten Jim McGilivray, ehemals bei den Kollegen von Epitaph in Lohn und Brot, der zuvor bereits zum engeren Freundeskreis der Band geh√∂rt hatte. Nicht von der Hand zu weisen war dabei allerdings der Umstand, dass dem Schlagwerker in der Szene der Ruf einer etwas schwierigen und eigenwilligen Pers√∂nlichkeit vorauseilte, was sich dann sp√§ter auch bewahrheitete. Aber dazu komme ich noch.

Technisch war Jim im Gegensatz zu J√ľrgen, dessen "rollenden" Drums von vielen rhythmischen und perkussiven Facetten und Feinheiten gepr√§gt waren, eher ein gradliniger Drummer und eine zuverl√§ssige Groovemaschine.

Der Drummer war somit schnell gefunden, aber die Besetzung des Keyboardpostens stellte sich als schwieriger heraus. Es wurden diverse Musiker angetestet, darunter bekannte Leute wie Matthias Ulmer von Anyone¬ī s Daughter, der extra von Stuttgart nach Hannover zum Vorspielen anreiste.

Dann gab es einen Versuch, Manfred Wieczorke zur√ľck in die Band zu lotsen, der nach seinem Ausstieg bei Jane und dem anschlie√üenden Scheitern seines vielversprechend begonnenen Bandprojektes Firehorse gerade ohne Besch√§ftigung war. Manfred absolvierte genau eine Probe mit Eloy, lehnte die Offerte anschlie√üend aber ab, obwohl er mit offenen Armen aufgenommen worden w√§re. Der Grund f√ľr seine Weigerung lag in der Person Jim McGilivrays, welcher nach Manfreds Ansicht merkw√ľrdige Vibes verbreitete, die ihm nicht gefielen und nicht gerade zu seinem Wohlgef√ľhl beitrugen. Die Chemie stimmte einfach nicht.

Allerdings stammen einige wenige Keyboardanteile des Songs "Child Migration", den Eloy 1980 anl√§√ülich des "Jahr des Kindes" aufnahmen, von Manfred. Freilich hat diese fr√ľhe Version des Songs aber nichts mit der sp√§teren Ausf√ľhrung zu tun, die dann auf dem Album "Colours" landete. Es sind quasi zwei verschiedene St√ľcke.

Jedenfalls war die L√ľcke hinter dem Keyboard immer noch nicht geschlossen worden, als Hannes Arkona eines Abends pl√∂tzlich mit seinem etwas j√ľngeren Kumpel Hannes Folberth im Schlepptau im Proberaum auftauchte. Die beiden kannten sich gut, hatten bereits Anfang der 70er Jahre gemeinsam Musik gemacht bei Bands wie Skarab√§us und hatten seitdem immer wieder in unregelm√§√üigen Abst√§nden musikalisch miteinander zu tun gehabt.

Frank Bornemann war allerdings zun√§chst etwas skeptisch, weil der Leumund Hannes Folberths mit gewissen Makeln behaftet war. So galt dieser zwar als ausgezeichneter und hochtalentierter Musiker, allerdings auch als unzuverl√§ssig und Drogen gegen√ľber nicht abgeneigt. Dennoch beschlo√ü Bornemann, Folberth eine Chance zu geben und war auf der Stelle ziemlich begeistert, denn Folberth konnte sich auf Anhieb in die Musik Eloys einf√ľhlen und alles spielen, was man von ihm erwartete.

Im Vergleich zu Schmidtchen und Wieczorke war Folberth der erste Keyboarder bei Eloy, der gelernter Pianist und von der Pike auf an seinem Instrument ausgebildet worden war, mit allem Drum und Dran und Spielf√§higkeiten, die rein technisch weit √ľber denen seiner beiden Vorg√§nger lagen. Und aufgrund seines noch eher jugendlichen Alters - er war gerade mal 21 - schien er noch formbar zu sein, was Bornemann durchaus gefiel, auch wenn er in der Folgezeit erkennen mu√üte, dass Folberth durchaus einen eigenen Kopf besa√ü, den er zuweilen auch durchsetzte.

Das erste, was Folberth bei Eloy jedoch als Grundvoraussetzung zu lernen hatte, war ein Gesp√ľr f√ľr die Schwingungen der Musik. Nicht jedes vermeintliche Soundloch mu√üte sofort virtuos zugekn√∂delt werden - wozu Pianisten im Allgemeinen gerne neigen - nein, einfach auch mal einen Ton lange zu halten und eine bestimmte Stimmung zu erzeugen, darauf kam es an. Aber mit der Zeit schaffte Hannes es, das Verst√§ndnis daf√ľr zu entwickeln und diesem Anspruch gerecht zu werden, dabei aber trotzdem neue, eigenst√§ndige Akzente zu setzen, die sich harmonisch in das Eloy¬īsche Klanguniversum einzuf√ľgen vermochten.

Eloy standen wieder kerzengerade in der T√ľr, neu aufgestellt mit einem routinierten Schlagwerker und einem grandiosen Talent an den Keyboardt√ľrmen, bereit, den bisherigen Siegeszug fortzusetzen !

Jetzt galt es mit eigenen Werken die Kreativit√§t der neuen Besetzung unter Beweis zu stellen, ohne dabei die bisherige k√ľnstlerische Identit√§t aufs Spiel zu setzen.

Seit Fr√ľhjahr 1980 war die Band wieder komplett, f√ľr den Herbst war die n√§chste Albumver√∂ffentlichung angedacht. Nicht viel Zeit, um ein √ľberzeugendes Ergebnis abzuliefern und die durch den Zerfall der alten Besetzung verunsicherten und irritierten Fans zu beruhigen.

Obwohl sich Frank Bornemann liebend gerne erneut an ein komplexes Konzeptwerk gemacht h√§tte, war klar, dass dieses aufgrund des eng gesteckten Zeitplanes nicht mehr realisierbar sein w√ľrde. Also beschlo√ü man, starke Einzelsongs ohne inhaltlichen oder musikalischen Zusammenhang aufzunehmen. St√ľcke, die den hochmotivierten, vor Kreativit√§t innerlich schier zerberstenden Musikern einfach so gefielen, die aber nicht so viel Kopfarbeit erforderten wie ein wie auch immer geartetes Konzept. Zudem arbeitete man erstmals im nigelnagelneuen, bandeigenen Horus Sound-Studio und nicht mehr bei Georgi Nedeltschev im "Studio N".

Vorteilhaft war in dieser zeitlich knappen Situation, dass mit Jim McGilivray abermals ein Schlagzeuger zur Verf√ľgung stand, der sich aufs Texten verstand und zudem als geb√ľrtiger Engl√§nder einen klaren sprachlichen Vorteil mit sich brachte, was sicheres Formulieren anging. McGilivrays Texte folgten zwar nicht dem inhaltlichen Anspruch eines J√ľrgen Rosenthal und waren f√ľr Frank Bornemann als zeitsparendes Mittel zum Zweck auch eher eine √úbergangsl√∂sung, kamen aber in dieser Situation √ľberaus gelegen und wurden daher stillschweigend akzeptiert.

Zudem waren die Wortkreationen McGilivrays weitaus besser phonetisch umsetzbar und deutlich singbarer, als die sperrigen Texte von Rosenthal, die viel Kopfzerbrechen bereitet hatten.

Als "Colours" schlie√ülich im Herbst 1980 in die L√§den kam, fanden die Fans ein sehr inspiriertes Album vor, mit dem die neue Besetzung gleich mal eine eindrucksvolle Visitenkarte hinterlassen hatte. Auff√§llig war dabei, dass es zwar durchaus als typisches Eloy-Album erkennbar war und auch durchaus einen gewissen symphonischen Ansatz besa√ü, sich aber von den ausladenden, schwelgerischen Epen der Vergangenheit ein ganzes St√ľck gel√∂st hatte und alles kompakter, straffer arrangiert auf den Punkt brachte. Das Album klang so gesehen frischer, ohne aber die liebgewonnenen Eloy-Trademarks komplett √ľber Bord zu schmei√üen.

Es gab weiterhin ausgiebige Synthesizerkaskaden, aber auch Pianokl√§nge oder fl√∂tenartige Sounds tauchten auf. Die Songs waren insgesamt, wie schon angedeutet, deutlich k√ľrzer und griffiger. Man √ľberraschte mit teilweise unerwartet harten Gitarrenriffs (die neue Version von "Child Migration" beispielsweise), die aber in ihrer Kontrastwirkung zu den wie immer sehr sch√∂n perlenden Melodien und den Synthiesounds ungeheuer effektiv in der Wirkung waren und der Musik eine zus√§tzliche Klangfarbe verliehen, die der Band ausgesprochen gut zu Gesicht stand.

Vor allem eine Sache war der entscheidende Faktor, der zum Gelingen des Albums beitrug: Die Kompositionen waren durch die Bank ausgereift und erstklassig, obwohl sie in so kurzer Zeit entstanden waren. Es gibt kaum einen schwachen oder verzichtbaren Ton auf dem Album, die Songs √ľberzeugen durch die Bank alle mehr oder weniger. Besondere Highlights w√§ren St√ľcke wie "Illuminations", das treibende "Silhouette" oder das von einem wunderbaren, spacig blubbernden Synthie eingeleitete, eher schleppende "Giant".

Von daher l√§√üt sich sagen, dass "Colours" zwar teilweise etwas anders, aber nicht schlechter war, qualitativ nahtlos an die 70er-Gro√ütaten anschlie√üen konnte und Eloy gleichzeitig fit machte f√ľr das angebrochene neue Jahrzehnt.

Die Verkaufszahlen der LP und auch die Ticketverk√§ufe bei den Konzerten blieben auf hohem Niveau, konnten allerdings nicht mehr ganz die herausragenden Ergebnisse von "Silent Cries And MIghty Echoes" oder "Ocean" erreichen, wof√ľr man allerdings auch eine allgemeine seinerzeitige Rezession auf dem Tontr√§germarkt mitverantwortlich machte, die auch andere K√ľnstler betraf.

Die Reaktionen auf das Album fielen allerdings allgemein positiv aus, auch wenn manche Fans ein wenig bedauerten, dass die Band von ausladenden Mammut-Epen wie in der Vergangenheit etwas Abstand genommen hatte und auf "Colours" mehr auf den Punkt gebracht agierte. Dennoch wurde die Scheibe √ľberwiegend gut aufgenommen, selbst die geh√§ssigen Kommentare von den verhassten Musikkritikern blieben diesmal weitgehend aus und gelegentlich schwang sich der eine oder andere von ihnen sogar zu verhalten anerkennenden Worten auf.

Da nun die 80er Jahre begonnen hatten, gab es f√ľr Musiker ein Thema, das gerade besonders im Kommen war: Videos. Diesem neuen Promotion-Instrument galt es fortan erh√∂hte Aufmerksamkeit zu schenken. Auch Eloy fanden Gefallen an dem Gedanken, einen oder zwei Titel visuell umzusetzen. Und so fackelte man nicht lange und schlug im Studio des befreundeten Klaus Schulze (ja, DER Klaus Schulze...) in der N√§he von Celle auf. Videoproduzenten gab es zu dieser Zeit noch nicht viele, aber Klaus experimentierte bereits seit geraumer Zeit mit dem neuen Medium herum und wollte sich mit Musikvideoproduktionen ein zweites Standbein schaffen. Also bot er der Band an, zwei ihrer St√ľcke zu visualisieren.

Daf√ľr w√§hlte man "Illuminations" und "Silhouette" aus, f√ľr die dann mit aus heutiger Sicht einfachen, wenn nicht gar primitiven Mitteln zwei recht interessante und irgendwie aufgrund ihrer schlichten Umsetzung auch r√ľhrende Videoclips entstanden, von denen prim√§r der von "Silhouette" im Ged√§chtnis geblieben ist, weil er die Band als Schattenfiguren vor einer wei√üen Leinwand zeigt, w√§hrend Bornemann als Ciown geschminkt die Rolle des Erz√§hlers √ľbernimmt. Allerdings gestalteten sich die Arbeiten an den Videos aufgrund des Alkoholkonsums von Klaus Schulze zeitweilig etwas z√§h, wie Bornemann in einem sp√§teren Interview anmerkte...

Leider hatte jedoch die Fernsehwelt nicht unbedingt auf ein Video von Eloy gewartet und auch bei der Plattenfirma nahm man die Aktion eher mit Stirnrunzeln zur Kenntnis, genauer gesagt konnten die Verantwortlichen des Labels √ľberhaupt nichts mit den Filmchen anfangen. Daf√ľr klatschten sie der Band aber eine umso bahnbrechendere Idee auf den Tisch: Man wollte von Eloy unbedingt eine kommerzielle Single haben, die man entsprechend vermarkten k√∂nnte, um den ge√§nderten Anforderungen des Tontr√§germarktes, insbesondere im Angesicht der heraufziehenden Neuen Deutschen Welle, Rechnung tragen zu k√∂nnen. Radio-Airplay inbegriffen. Offenbar hatte das Label √ľbersehen, dass Eloy absolut keine Single-Band sind und die Musiker, die sich selbstredend als klassische Album-Band betrachteten, waren nat√ľrlich auch alles andere als begeistert von diesem Gedanken.

Dennoch lie√ü man sich breitschlagen und versuchte nun also auf Wunsch der Plattenfirma, die bereits von einem gro√üen Hit tr√§umte, mit "Wings Of Vision" eine gef√§llige Single abzuliefern, die nat√ľrlich in keinster Weise repr√§sentativ f√ľr das sonstige Schaffen der Band war. EMi brachte das Lied als 7"-Single und 12"-Maxi-Single auf den Markt, aber es ist vermutlich √ľberfl√ľssig zu erw√§hnen, dass aus dem gro√üen Erfolg nichts wurde, denn f√ľrs Radio waren Eloy auch weiterhin kein Thema und die treuen Eloy-Fans irritierte die Single h√∂chstens etwas, interessierte ansonsten aber nicht weiter. Somit wurde also auch dieses Kapitel schnell wieder zu den Akten gelegt.

Unterm Strich konnte die Band nach dem Zusammenbruch der Rosenthal-/Schmidtchen-Besetzung, der erfolgreichen Wiederauferstehung im neuen Line-Up, einem gelungenen Album und einer insgesamt recht gut laufenden Tour also optimistisch in die Zukunft blicken und sich weiterhin im vorderen Feld der deutschen Rockszene bestätigt sehen.

Eine unangenehme Sache gab es in diesen aufregenden Tagen allerdings doch, denn der seit "Dawn" f√ľr die Band erfolgreich t√§tige Manager Bernd Gukelberger, der den Musikern auch freundschaftlich verbunden war, legte seine T√§tigkeit aus gesundheitlichen Gr√ľnden nieder. Der Stre√ü der vergangenen Jahre hatte ihn zunehmend aus der Bahn geworfen und an seiner Substanz gezehrt, also zog er die Notbremse. Als Ersatz lie√ü man sich auf den v√∂llig unerfahrenen Wolfgang Rott ein, der extra f√ľr die Band seinen sicheren Job im √∂ffentlichen Dienst k√ľndigte und auch ein netter Kerl war, jedoch von Tuten und Blasen keine Ahnung hatte. Der Mann war v√∂llig √ľberfordert mit seinen Aufgaben, doch zu diesem Zeitpunkt glaubte man noch, es w√ľrde sich mit der Zeit alles auf dem richtigen Niveau einpegeln.

Die "Colours"-Tourneen f√ľhrten die Band auch ins Ausland, u.a. in die Schweiz und nach Frankreich, was aber sogleich in einem finanziellen Desaster resultierte, da dieser Trip aufgrund eines Vertragsfehlers von Wolfgang Rott mit einem sechsstelligen Minus endete. Als Ausgleich und Motivationsbringer f√ľr den Bandfrieden gab es daf√ľr Anfang 1981 ein paar ausverkaufte, finanziell sehr lohnenswerte Konzerte in Griechenland, wo die Bandmitglieder zu ihrer eigenen √úberraschung wie absolute Superstars empfangen wurden, mit dicken Limousinen und Bodyguards f√ľr jeden Musiker. Sowas w√§re in Deutschland undenkbar gewesen.

Gleichzeitig begannen sich am Horizont allerdings erneut dunkle Wolken abzuzeichnen, denn mit Jim McGilivray machte sich ein internes Problem zunehmend bemerkbar. Er kam bei den Fans nicht gut an, die ihn, obwohl er ohne Frage ein guter Musiker war, als eher farblosen Fremdk√∂rper in der Band wahrnahmen. Jim hatte weder das Charisma von Rosenthal, noch besa√ü er die Pers√∂nlichkeit von Fritz Randow. Au√üerdem stand er mit dem Herzen nicht hinter der Musik von Eloy und erf√ľllte seinen Dienst eher nach Vorschrift, als mit Leidenschaft. Das f√ľhrte zu einer zunehmenden Unzufriedenheit auf allen Seiten und zu angespannter Stimmung in der Band.

W√§hrend die √ľbrigen Mitglieder immer mehr zusammenwuchsen, entwickelte sich der Drummer immer st√§rker zum Au√üenseiter. Es mangelte ihm zunehmend an Zuverl√§ssigkeit und Loyalit√§t gegen√ľber der Band und als er w√§hrend der Aufnahmen zum folgenden Album "Planets" auch noch unvorbereitet ins Studio kam, schlechte Leistungen zeigte und einen g√§nzlich unmotivierten Eindruck hinterlie√ü, war die Trennung beschlossene Sache. Laut Bornemann ist McGilivray das einzige Eloy-Mitglied, das regelrecht gefeuert werden mu√üte.

Fortsetzung folgt...
Wenn Musik Bilder erzeugen und den H√∂rer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erf√ľllt.


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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49886Beitrag Vertigo
16.11.2018, 08:20

AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ‚ÜĎ
15.11.2018, 19:52
Und da sage noch mal einer, Rockmusik wäre bildungsfern. ;)

Im Ernst, ich fand seine Texte immer grandios. So tief, wie Rosenthal sich in die Materie jedesmal reingekniet hat, das machen doch nur wenige. Egal ob man mit der Aussage jetzt was anfangen kann oder nicht, es zeigt aber, da hat sich jemand tiefgreifende Gedanken zu einem Thema gemacht.

Deswegen hat mich die despektierliche Aussage von R√ľchel auch immer ein wenig gest√∂rt. Zumal die Band so viele Fans damals hatte, der Rockpalast w√§re aus allen N√§hten geplatzt, das w√§re DER Knaller gewesen. Ich w√ľrde gerne mal wissen, ob er heute immer noch der gleichen Meinung ist wie damals.

Bei den Texten gibts doch auch diese schöne Anekdote um den Prolog vom "Sun-Song", der von einem dieser bornierten Kritikertrottel in völliger Unkenntnis als "bierernste Verse" abgetan wurde, dabei stammten die Zeilen von Arthur Rimbaud. Das ist doch mehr als peinlich.

Rosenthal sieht das heute √ľbrigens selber ein, dass seine Texte eine harte Nuss f√ľr Bornemann waren und ihn vor gro√üe Herausforderungen stellten, weil sie eigentlich nicht singbar waren.
Rockmusik war f√ľr mich noch nie bildungsfern. So manchen Themen hab ich mich gen√§hert, nachdem irgendne Band dr√ľber gesungen hatte. Haben die Kritiker selber wohl nie so gemacht, f√ľr sowas ist man sich ja zu schade und au√üerdem wei√ü man eh alles.

Ich mochte Rosenthals Texte auch immer und fand das auch toll, dass er sich da so reingekniet hatte. Was R√ľchel heute dazu meint w√ľrde mich auch interessieren, denn das war schon respektlos und dumm obendrein. Als ob all die englischen und amerikanischen Bands die im Rockpalast spielten immer wahnsinnig gute Texte gehabt h√§tten. Aber sie waren halt nicht deutsch und allein das reichte ja um es gut zu finden. Deutsche Rockmusik wurde ja von Deutschen am meisten abgelehnt.

Mit dem Intro zum "Sun Song" auf dem Livealbum hat Rosenthal √ľbrigens mir gleich noch eine T√ľr ge√∂ffnet, die zur Lyrik. Ich hatte mich vorher nie damit besch√§ftigt, war aber von dieser Poesie vor dem eh schon sch√∂nen "Sun Song" zutiefst angetan. Hatte keinen Schimmer wer Arthur Rimbaud war, aber wollte mehr davon. Auf dem Ego On The Rocks Album gibts ja dann nochmal ein vertontes Rimbaud Gedicht, Rosenthal war da wohl ein regelrechter Fan vermute ich. Jedenfalls steht (nicht nur) Lyrik von Rimbaud heutzutage in meinem Regal und wird ab und an rausgeholt wenn mir danach ist. Die Anekdote, dass ein Kritiker das f√ľr Geschwurbel von Rosenthal hielt kenn ich auch, da mu√ü ich immer noch grinsen, weil ich mir denke wie sich der Trottel wohl gef√ľhlt hatte, als ihm das irgendwer mal klargemacht hatte.
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49894Beitrag AusDemWegIchBinArzt
16.11.2018, 10:06

nixe hat geschrieben: ‚ÜĎ
15.11.2018, 23:21
Ich bin geplättet, nur vom Lesen!
Wo hast Du die ganzen Infos her?
Soviel stand doch garnicht in den Booklets der remastered Versionen!
√Ąu√üerst informativ! THX!
Na ja, ich bin halt ziemlicher Eloy-Fan....da sammelt man schon √ľber die Jahre einiges zusammen. :roll: ;)

Das eine oder andere Zitat stammt von den Interviews zur "Legacy Box", der Rest grötenteils aus diversen Zeitschriften-Interviews,
dem Fanzine "Magic Mirror" oder anderen Publikationen.
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49907Beitrag AusDemWegIchBinArzt
16.11.2018, 13:29

Eloy, Pt.3: Neustart, Irrwege, Auflösung (Teil 2)

Nachdem man sich nun also während der bereits angelaufenen Produktion zum nächsten Album "Planets" von Jim McGilivray trennen mußte,
stellte sich erneut die Frage, wer als geeigneter Kandidat f√ľr den Platz hinter dem Drumkit in Frage kommen w√ľrde. Schneller als gedacht bot
sich die Gelegenheit, den bereits von 1972-1975 zur Band geh√∂renden Fritz Randow erneut f√ľr Eloy zu verpflichten, da dessen Engagement bei Epitaph seinerzeit gerade in den letzten Z√ľgen lag und man aufgrund der laufenden Aufnahmen sowieso m√∂glichst wenig Zeit mit der Suche nach einem neuen Mann verplempern wollte.

Das kommende Album "Planets" bedeutete nach dem kompakt gehaltenen "Colours" einerseits wieder eine Hinwendung zu den symphonischen, ausschweifenden Klängen, welche die Fans von Eloy so liebten. Es handelte sich endlich wieder um ein Konzeptalbum, eine Sci Fi-Geschichte, ganz nach Frank Bornemanns Geschmack.

Andererseits war aber auch teilweise eine etwas st√§rkere Poplastigkeit als fr√ľher in der Melodief√ľhrung erkennbar und die Synthesizerkl√§nge von Hannes Folberth waren spaciger und f√ľr damalige Verh√§ltnisse auch moderner, als man es von Detlev Schmidtchen noch im Ohr hatte.

Eloy versuchten, ihre Fans mit einer Verbindung aus altbekannten und neueren Elementen zu erreichen und auf diese Art und Weise den Weg in die 80er Jahre erfolgreich fortzusetzen.

Urspr√ľnglich war auch "Planets", √§hnlich wie schon einst "Power And The Passion", als Doppelalbum geplant gewesen. Doch diesmal war es die Plattenfirma, welche Bornemann riet, lieber zwei kurz hintereinander folgende Einzelscheiben daraus zu machen. Die Band h√∂rte auf diesen
Vorschlag und im Nachhinein war man dann sogar ganz froh, weil es durch das Theater um Jim McGilivray sowieso problematisch geworden wäre,
wenn man an einem Doppelalbum gewerkelt hätte.

So mu√üte man zun√§chst n√§mlich nur ein normales Album fertigstellen und ein neuer Drummer war nicht gleich gezwungen, einen riesigen Berg an St√ľcken in einem Schwung einspielen zu m√ľssen. Man konnte das bereits vorhandene Material von Jim verwenden, f√ľr den Rest wurde zur Komplettierung ein Studiomusiker hinzugezogen und dann kam auch schon Fritz Randow. Und an den zweiten Teil konnte man sich anschlie√üend in aller Ruhe machen.

Ab "Planets" bediente neben Hannes Folberth auch Hannes Arkona zus√§tzlich zur Gitarre die Synthesizer, was ihn dann auf der B√ľhne √∂fter mal zwischen beiden Instrumenten hin-und herwechseln lie√ü und so ganz neue klangliche M√∂glichkeiten er√∂ffnete. Die beiden Hannesse erg√§nzten sich dabei hervorragend.

Obwohl die musikalische und inhaltliche Seite von "Planets" durchaus ansprechend umgesetzt war, zeigte sich Frank Bornemann mit der Produktion unzufrieden. Abgesehen von den Schwierigkeiten mit Jim, die vor√ľbergehend Unruhe reinbrachten, st√∂rte sich Bornemann vor allem am Klang seines Gesangs auf dem Album und ist bis heute der Auffassung, dass der verantwortliche Produzent (Jan Nemec) dort schlechte Arbeit verrichtet hat. Auch der erneute Einsatz von Streichern an einigen Stellen des Albums befriedigte Bornemann nicht, weil er die Umsetzung als unter den eigentlichen M√∂glichkeiten geblieben betrachtete. Akzeptabel zwar, ja, das schon, aber mehr eben auch nicht.

Aus Bornemanns Sicht w√§re mehr herauszuholen gewesen, aber das engagierte Streicherensemble stie√ü wohl relativ schnell an seine Grenzen und f√ľr die Ausarbeitung der Arrangements mu√üte auch jemand anderes gefunden werden, da Wolfgang Maus, der das Ganze schon sehr erfolgreich auf "Dawn" umgesetzt hatte, nicht mehr greifbar war. Insgesamt empfand Bornemann die Aufnahmen von "Planets" als relativ anstrengend und kraftraubend, zumal alles unter einem gewissen Zeitdruck geschah.

Nachdem "Planets" im Sp√§therbst 1981 endlich auf dem Markt war, machte man sich gleich an die Arbeiten zum Quasi-Zwilling "Time To Turn", der dann bereits wenige Monate sp√§ter, im Fr√ľhjahr 1982, erschien. Mit Fritz Randow war nun auch wieder ein Schlagzeuger in der Band, der sich sofort in den Stil einfinden konnte, dahinterstand und wu√üte, um was es geht, da er schon einmal zur Band geh√∂rt hatte.

Au√üerdem war Fritz √§hnlich beliebt und anerkannt bei den Fans wie J√ľrgen Rosenthal. Er spielte zwar anders, vor allem h√§rter als dieser, hatte auch keine lyrischen Ambitionen, war daf√ľr aber ein recht extrovertierter Typ und ein kleiner Showman. So begeisterte er live mit einem eigens ausgedachten, kurzweiligen Schlagzeugsolo und kleineren Kunstst√ľckchen - beispielsweise jonglierte er mit den Sticks. Und auch sonst war er ein freundlicher, aufgeschlossener und sympathischer Typ. Das kam einfach gut an.

Die Harmonie in der Band war wieder hergestellt und so konnte man sich guten Gewissens mit "Time To Turn" beschäftigen. Die stilistische Linie von "Planets", bestehend aus dem geliebten symphonischen Eloy-Bombast und poppigeren Melodien, wurde nahtlos fortgesetzt, wobei "Time To Turn" noch eine Ecke poppiger geriet.

Die Synthesizerarrangements, mit deren Ausarbeitung die beiden Hannesse sich sehr viel M√ľhe gaben, waren soundm√§√üig nun eindeutig in den 80ern angekommen und an dieser Stelle mu√ü ich einwenden, dass es hier und da rein klanglich etwas grenzwertig wurde. Auch die noch etwas gef√§lligeren Melodien stie√üen nicht √ľberall auf ungeteilte Gegenliebe.

Erstmals setzte Frank Bornemann auf "Time To Turn" zudem Backgrounds√§ngerinnen ein und da bin zumindest ich der Meinung, dass das nicht unbedingt n√∂tig gewesen w√§re, weil die Damen teilweise sehr penetrant r√ľberkommen und den poppigen Charakter einiger St√ľcke eher ungut unterstreichen. Leider sah Bornemann das aber anders, so dass die Chanteusen fortan auf fast jedem folgenden Album ebenfalls zum Repertoire geh√∂rten. Na ja.

Trotzdem gibt es immer noch einige sehr starke bis herausragende St√ľcke auf dem Album, etwa den Opener "Through A Somber Galaxy", "Magic Mirrors" oder "Behind The Walls Of Imagination".

Verkaufszahlenm√§√üig mu√üten Eloy allerdings zunehmend Einbu√üen hinnehmen. Die Platten liefen zwar, kamen aber nicht mehr an die Ergebnisse der Hochzeiten heran. Das gleiche galt f√ľr die Konzerte, deren Ticketverk√§ufe deutlich zur√ľckgingen.

Es war ein Abstieg zu verzeichnen, was auch daran lag, dass Eloy in den Medien kein gro√ües Thema mehr waren, noch nicht mal in negativer Hinsicht wie noch einige Jahre zuvor. Die Band rief einfach kein gro√ües Interesse mehr hervor und galt als gestrig, man st√ľrzte sich lieber auf die Neue Deutsche Welle, Punk und New Wave. Auch Promotionm√§√üig wurde nicht mehr so viel f√ľr Eloy getan.

Zudem war nach dem inkompetenten Wolfgang Rott ein neuer Manager nachger√ľckt, Jogi Dramm, der zwar mehr von seinem Fach verstand aber trotzdem ein Griff ins Klo war, weil er mit der musikalischen Philosophie von Eloy nichts anfangen konnte und sich auch sonst nicht besonders f√ľr seine neuen Sch√ľtzlinge interessierte. So jemand kann eine Band nat√ľrlich nicht weiterbringen.

So gingen die Zahlen immer weiter zur√ľck, was nat√ľrlich erneut Unzufriedenheit und Diskussionen provozierte. Inzwischen wurden zunehmend auch Stimmen innerhalb der Band laut, die eine ver√§nderte musikalische Ausrichtung forderten, um den Zeichen der neuen Zeit gerecht zu werden. Vor allem Arkona und Folberth verfolgten solche Gedanken und forcierten eine stilistische Modernisierung, Randow und Matziol schlossen sich ihnen an.

Bornemann blieb dagegen eher skeptisch und war nicht √ľberzeugt davon. Zu dieser Zeit war auch sein Verh√§ltnis zum ansonsten loyalen Matziol etwas gest√∂rt und angekratzt, man ging sich irgendwie gegenseitig ein wenig auf die Nerven. So wie in einer langj√§hrigen Ehe.

Klaus-Peter Matziol machte dann 1983 erstmal nebenbei ein Soloalbum, welches "Matze" betitelt und deutschsprachig war. Musikalisch bewegte er sich dort, assistiert von den Eloys Arkona und Folberth, zwischen Rock und Neuer Deutscher Welle. Sogar J√ľrgen Rosenthal arbeitete als Texter bei zwei Songs mit. Trotzdem wurde die Scheibe kein √ľberragender Erfolg. 1984 folgte eine englische Version davon, die "Run For Cover" hie√ü und unter dem sinnigen Projektnamen KPM ver√∂ffentlicht wurde.

In eine √§hnliche Richtung tendierte dann auch das folgende Eloy-Album "Performance", welches wieder wegging vom symphonischen Bombast der beiden vorherigen Alben und eine v√∂llig unerwartete Richtung einschlug. Bornemann hatte sich weitgehend rausgehalten und kreativ relativ wenig daran beteiligt, viel mehr die anderen einfach nach ihrem Gusto machen lassen, weil er keine Lust hatte, sinnlos Energie und Kraft f√ľr Diskussionen zu verpulvern.

Die Songs waren wieder sehr kurz und gestrafft auf den Punkt gebracht, h√§tten in diesem Punkt also eher als direkte Nachfolger des "Colours"-Albums Sinn ergeben. Dazu kamen sehr kalte, f√ľr damalige Verh√§ltnisse ungeheuer zeitgem√§√üe Synthisounds und eine Atmosph√§re, die sich eher am New Wave orientierte sowie als Gegenpol dazu Einfl√ľsse aus dem Melodic Hardrock. Das ziemlich Science Fiction-m√§√üige Artwork war auch ungew√∂hnlich f√ľr Eloy, die bis dahin eher Fantasy-artige Gem√§lde bevorzugt hatten.

Dass au√üer Bornemann sich auch noch alle Bandmitglieder die Haare abschneiden lie√üen, um an den Zeitgeschmack angepa√üter zu erscheinen, war ein weiteres befremdliches Ergebnis dieses kruden Selbstfindungsprozesses und sprach f√ľr sich.

Alles zusammengenommen war irgendwie nicht richtig Fisch und nicht richtig Fleisch. Neben kompositorisch wenigen guten St√ľcken ("Shadow And Light", "A Broken Frame", das kurze Instrumental "Mirador") standen Songs, die einfach nur gew√∂hnungsbed√ľrftig und auf modern getrimmt waren, aber nicht so recht z√ľnden wollten. Der von der Band angepeilte Erfolg blieb auch weitestgehend aus und noch heute ist "Performance" eines der streitbarsten Eloy-Alben, was Bornemanns damalige Skepsis im Nachhinein best√§tigt.

Danach hatte der Chef das Zepter wieder in der Hand und genug von solchen unfruchtbaren Experimenten. Die anderen Bandmitglieder mu√üten einsehen, dass sie √ľbers Ziel hinausgeschossen waren und man sich vielleicht doch lieber wieder mit dem besch√§ftigen sollte, was die Band traditionell ausmachte. Und das waren nun einmal in sich geschlossene Konzeptalben, die von Atmosph√§re und symphonischer Wucht lebten. Also ruderte man f√ľr das n√§chste und vorerst letzte Studioalbum "Metromania" erneut zur√ľck und setzte wieder dort an, wo man mit "Planets" / "Time To Turn" aufgeh√∂rt hatte.

Und "Metromania" wurde dann sogar wieder ein richtig gutes, beinahe schon √ľberraschend starkes Album, welches ich pers√∂nlich musikalisch eigentlich sogar durch die Bank gelungener als eben "Planets" oder "Time To Turn" finde, wenn da nicht der schreckliche Sound w√§re.

Zwar ging das einige Jahre später, auf dem unverhofften und klangtechnisch nahezu unhörbaren Comebackalbum "Ra" (dazu später mehr) noch schlimmer, aber auch "Metromania" wurde schon ziemlich in Grund und Boden produziert, mit teilweise sehr zeitgeistigen Synthiesounds und viel Hall unter den Drums, die manchmal dermaßen nach Drumcomputer klingen, dass man fast nicht glauben mag, dass dort mit Fritz Randow noch ein leibhaftiger Mensch die Stöcke schwingt.

Aber rein kompositorisch sind die Songs größtenteils klasse: Der schnelle Opener "Escape To The Heights", das hymnische "Follow The Light" oder der Heavy-Stampfer "Nightriders" - alles Top-Material auf einem insgesamt recht abwechslungsreich gehaltenen , dennoch atmosphärisch dicht und homogen erscheinenden Album. Sogar die wieder zum Einsatz kommenden Backgroundsängerinnen wirken auf diesem Album nicht ganz so störend wie etwa auf "Time To Turn".oder späteren Werken der Band.

Insgesamt war "Metromania" also ein bis auf die erw√§hnten Flecken auf der Weste rundum gutes Album, was selbst Bornemann auch heute noch so sieht. Die Band hatte sich musikalisch in dieser Besetzung endg√ľltig gefunden und auch die Nachfrage nach Eloy wuchs langsam wieder.

Hannes Arkona äußerte später seine Ansicht, dass es höchstens noch ein oder zwei Alben gedauert hätte, bis die Band wieder einen richtigen Oberkracher der "Ocean"-Liga abgeliefert hätte, denn sie wäre seiner Ansicht nach, die auch Bornemann teilt, musikalisch problemlos fähig dazu gewesen.

Aber die Luft war einfach v√∂llig raus. Obwohl es musikalisch wieder harmonierte, kriselte es zwischenmenschlich immer st√§rker und es bildeten sich Risse im ohnehin fragilen Bandgef√ľge, die allm√§hlich nicht mehr zu √ľbersehen waren. Daran konnten auch die triumphalen 84er Auftritte im legend√§ren Londoner "Marquee" nichts mehr √§ndern, die f√ľr Eloy einen wahr gewordenen Traum bedeuteten. Gerade in England hatte die Band seinerzeit eine sehr gute Presse, was auch letztlich zur Buchung dieser Auftritte gef√ľhrt hatte. Sogar Marillion, von denen insbesondere S√§nger Fish ein gro√üer Eloy-Fan war, tauchten anschlie√üend im Backstagebereich auf und feierten mit den Hannoveranern.

Es wurde sogar ernsthaft √ľber eine gemeinsame Tournee von Eloy und Marillion nachgedacht, aber das scheiterte dann an Marillions Plattenfirma, die ihr deutliches Veto einlegte, weil sie in Eloy eine ernsthafte Konkurrenz f√ľr Marillion sah und bef√ľrchtete, das Fish & Co. von den Norddeutschen jeden Abend an die Wand gespielt w√ľrden.

Auf jeden Fall h√§tten Eloy zu dieser Zeit einige Optionen f√ľr die weitere Zukunft offen gehabt, es sah alles keineswegs schlecht aus. Hannes Folberth √§u√üert sogar im Interview zur "Legacy Box" die Meinung, anstelle der Marquee-Gigs h√§tte man lieber die Zeit f√ľr die Entwicklung weiterer guter Alben verwenden k√∂nnen. Aber irgendwie waren Bornemann und die Band einfach m√ľde und v√∂llig ausgebrannt. So kam Frank schlie√ülich beinahe zwangsl√§ufig zu der schweren Entscheidung, das Kapitel Eloy zu schlie√üen. Somit kam es dann 1984/85 zur vorl√§ufigen Aufl√∂sung der Band.

Einige der Eloy-Musiker besch√§ftigten sich danach zun√§chst mit dem Soundtrack zum Film "Codename: Wildgeese", der ihnen etwas Ablenkung verschaffte und tats√§chlich sogar unter dem Namen Eloy 1985 ver√∂ffentlicht wurde, obwohl Frank Bornemann daran in keinster Weile beteiligt war. Bornemann war √ľber die Namensnutzung auch nicht sonderlich erfreut, sah aber von weiteren Schritten dagegen ab.

Sp√§ter kamen einige der ex-Eloyer dann nochmal zusammen, um beim Rockballett Shade mitzuwirken oder unterst√ľtzten sich untereinander bei Soloprojekten. Klaus-Peter Matziol fing ab Anfang der 90er hauptberuflich an, in der Gesch√§ftsf√ľhrung eines gro√üen deutschen Konzertveranstalters zu arbeiten, was er bis heute macht und Hannes Folberth unterlegte zwischen 1987 und 1992 Pornofilme von Teresa Orlowski mit Musik, bevor er eine Ausbildung zum Heilpraktiker machte. Frank Bornemann verlegte sich haupts√§chlich aufs Produzieren von Hardrock-und Heavy Metal-Bands in seinem Studio.

Ende 1984 war also noch nicht abzusehen, dass Eloy vier Jahre sp√§ter wieder unverhofft in neuer Form aus der Versenkung auferstehen w√ľrden und niemand h√§tte damit gerechnet, dass in noch sp√§teren Jahren sogar Klaus-Peter Matziol und Hannes Folberth wieder zur Band geh√∂ren w√ľrden.

Doch dazu später mehr...

Bild
(von links: Bornemann, Matziol, Randow, Folberth, Arkona)
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49917Beitrag Vertigo
16.11.2018, 15:32

Ich wei√ü, du bist ja nicht f√ľr Neueinspielungen, aber "Under Wraps" von Tull oder "Ra" von Eloy, doch die beiden h√§tte ich gerne mit echten Musikern eingespielt. Das k√∂nnte nur besser werden.
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49920Beitrag AusDemWegIchBinArzt
16.11.2018, 15:47

Vertigo hat geschrieben: ‚ÜĎ
16.11.2018, 15:32
Ich wei√ü, du bist ja nicht f√ľr Neueinspielungen, aber "Under Wraps" von Tull oder "Ra" von Eloy, doch die beiden h√§tte ich gerne mit echten Musikern eingespielt. Das k√∂nnte nur besser werden.
Im Prinzip hast Du sicherlich recht.

Ein paar Songs von "Ra" und "Destination" wurden ja schon f√ľr die "Chronicles II" neu eingespielt - MIT richtiger Band. Ich sprach das schon mal unl√§ngst an, glaube ich. Nur klingen diese Neuaufnahmen komischerweise nicht wirklich wesentlich viel besser aus meiner Sicht. Irgendwie orientierte Bornemann sich da klanglich immer noch sehr dicht an den originalen Versionen.


Mein Problem mit Neuaufnahmen nochmal konkret:
Die Originale, auch bei Tull, sind nun mal ein Spiegel der Entstehungszeit sind und besitzen den entsprechenden Zeitkolorit. Das mu√ü man nicht m√∂gen und es kann auch gr√§√ülich klingen, wie hier. Aber so war es damals nun einmal gewollt. Es f√ľhlt sich f√ľr mich einfach generell falsch an, dann nachtr√§glich alles nochmal neu aufzunehmen, auch wenn es so wie hier vielleicht durchaus berechtigt w√§re. Ein Kunstwerk √ľbermalt man ja auch nicht 20 Jahre sp√§ter mit anderen Farben.
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49938Beitrag Vertigo
16.11.2018, 17:01

AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ‚ÜĎ
16.11.2018, 15:47
Ein Kunstwerk √ľbermalt man ja auch nicht 20 Jahre sp√§ter mit anderen Farben.
Das nat√ľrlich nicht, aber man kann es neu malen, mit anderen Farben. So wie Monet seine Seerosen ja zu jeder Jahreszeit gemalt hat.

Ein Musikst√ľck bleibt ja nicht zementiert in dem Jahr wo es ver√∂ffentlicht wurde. Denk dran, manche St√ľcke haben mehrere Jahre auf dem Buckel bevor das dann mal erschien. Und das lag nicht immer an der Band, manchmal am Label.

Entscheidend finde ich eben nur, dass man das Original nicht √ľbermalt oder die Aufnahmen l√∂scht und dergleichen. Aber eine Neuinterpretation, wie der K√ľnstler sein Werk 10 oder mehr Jahre sp√§ter sieht, sowas find ich immer spannend. Vorausgesetzt es wird eben aus nem k√ľnstlerischen Bed√ľrfnis gemacht und nicht aus Marketinggr√ľnden, aber sowas h√∂rt man ja schnell ob derjenige sich dabei was gedacht hat oder nicht.

Das Original bleibt ja dann trotzdem so wie du es magst als Zeitdokument bestehen. Aber Musik mu√ü leben, die darf niemals nur in ihrer Zeit existieren, sonst w√ľrde kein Mensch heute mehr klassische Musik auff√ľhren d√ľrfen.
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49947Beitrag AusDemWegIchBinArzt
16.11.2018, 17:26

Vertigo hat geschrieben: ‚ÜĎ
16.11.2018, 17:01
AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ‚ÜĎ
16.11.2018, 15:47
Ein Kunstwerk √ľbermalt man ja auch nicht 20 Jahre sp√§ter mit anderen Farben.

Das Original bleibt ja dann trotzdem so wie du es magst als Zeitdokument bestehen. Aber Musik mu√ü leben, die darf niemals nur in ihrer Zeit existieren, sonst w√ľrde kein Mensch heute mehr klassische Musik auff√ľhren d√ľrfen.
Ich habe nicht gesagt, dass ich das Original in jedem Fall mögen muß. "Ra" und "Under Wraps" zum Beispiel finde ich furchtbar, weißt Du ja. Aber mir mißfällt einfach der Gedanke, nachträglich aufs Neue daran herumzupfuschen, auch wenn das Original scheiße klingt und man später alles besser machen könnte.

Vor allem könnten Bands dann theoretisch alle 10 Jahre ihre Songs neu aufnehmen, weil sich ständig irgendwas an der Studiotechnik und den Möglichkeiten ändert oder die Musiker, die sowieso oft chronisch unzufrieden mit ihren eigenen Werken sind, plötzlich alles wieder ganz anders machen wollen.

Es f√ľhlt sich einfach nicht richtig an f√ľr mich. Das Original ist nun mal so wie es ist, da steht man dann zu, auch wenn es total entsetzlich klingt und man theoretisch mit einer Neuaufnahme alles besser machen k√∂nnte. Aber ich gehe meinetwegen gerne bei dem Gedanken mit, eine Neuaufnahme zu erstellen, die dann als Bonus dem originalen Album beigelegt wird, so dass man dann auch direkt vergleichen kann. Wenn es schon sein mu√ü.

Deinen gedanklichen Ansatz verstehe ich nat√ľrlich voll und ganz, es ist ja keineswegs so, dass ich mir nicht auch schon vorgestellt h√§tte, wie gut "Under Wraps" m√∂glicherweise mit einer ganz anderen Produktion klingen k√∂nnte. Allerdings gibts da noch ein anderes Problem, denn bei "Under Wraps" ist es nicht nur der grausame Sound, sondern die Tatsache, dass der Gro√üteil der Songs (bis auf 2,3 St√ľck) als solche auch einfach nicht wirklich gelungen ist, kompositorisch. Da war der gute Ian so begeistert von der ganzen Technik, dass er dar√ľber vergessen hat, einfach gute Lieder zu schreiben, die vielleicht auch in einem anderen Gewand funktionieren k√∂nnten.
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49952Beitrag AusDemWegIchBinArzt
16.11.2018, 20:13

Eloy Pt.4: Auferstehung aus der Asche

Nachdem f√ľr Frank Bornemann das Thema Eloy erledigt war und sich die Mitglieder der letzten Besetzung mehr oder weniger in alle Windrichtungen zerstreut hatte, verlegte sich der Bandkopf vornehmlich aufs Produzieren anderer Bands in seinem Horus Sound-Studio. An Eloy verschwendete er vorerst keinen Gedanken mehr und er versp√ľrte auch keinerlei Motivation, seine Energie in eine eigene Band zu stecken.

Irgendwann im Laufe des Jahres 1985 lief ihm der Berliner Keyboarder Michael Gerlach √ľber den Weg. Man verstand sich auf Anhieb, fand sich sympathisch und beschlo√ü unverbindlich, einfach mal einige musikalische Ideen auszutauschen und gemeinsam an Songs zu t√ľfteln, noch ohne genau zu wissen, zu welchem Ziel diese Zusammenarbeit f√ľhren w√ľrde.

Gerlach, der aus einer Musikerfamilie stammte, hatte zuvor bereits in einigen Berliner Bands gespielt und mit der Popformation The Twins sogar erste Erfolge feiern können.

Die Kooperation klappte gut und brachte im Laufe von etwa 2 Jahren einiges an neuem Material hervor, so dass man sich irgendwann unweigerlich die Frage stellen mu√üte, was nun damit geschehen sollte. Da den beiden bereits aufgefallen war, dass die neuen St√ľcke teilweise sehr stark an Eloy erinnerten, war es eigentlich nur eine logische Schlu√üfolgerung und somit Formsache, das Ganze dann auch als Eloy-Album herauszubringen.

So kam es schlie√ülich 1987 zur Neugr√ľndung von Eloy. Da Bornemann aber nach wie vor keine gro√üe Lust hatte, erneut den Stressfaktor Band um sich herum aufzubauen, beschlo√ü man, Eloy fortan als lediglich aus Bornemann und Gerlach bestehendes Duo zu betreiben. Die fehlenden Bandmitglieder sollten entweder durch Sessionmusiker oder Studiotechnik (Drumcomputer, etc.) ersetzt werden. Die Technologie hatte zu dieser Zeit wahnsinnige Entwicklungsspr√ľnge durchlaufen und so schien nahezu alles technische m√∂glich, um das Fehlen echter Bandmitglieder zu kompensieren.

Auch war klar, dass Eloy Bornemann zuk√ľnftig nicht mehr so in Beschlag nehmen sollten wie in der Vergangenheit, da seine Priorit√§tensetzungen mittlerweile anderen Aufgaben galten, z.B. dem Studio. Und das sollte auch so bleiben. Aber alle paar Jahre mal ein Album und gelegentlich mal ein paar Konzerte oder eine kurze Tour, das sollte drin sein.

Da es damals noch kein Internet und nur wenige Informationsm√∂glichkeiten gab, war die √úberraschung bei den Fans nat√ľrlich gro√ü, als 1988 pl√∂tzlich ein unangek√ľndigtes neues Eloy-Album in den L√§den stand. Dieses, "Ra" betitelt, wurde nat√ľrlich mit entsprechender Freude zur Kenntnis genommen.

Leider stellte sich aber alsbald heraus, dass es eine ziemliche Enttäuschung war. Zwar gingen die Songs grundsätzlich schon in die klassische Eloy-Richtung, aber die Tatsache, dass die "Band" nur aus zwei Leuten bestand und der Rest aus der Konserve rekrutiert wurde, machte sich sofort
√§u√üerst negativ bemerkbar. Die Platte ist derma√üen √ľberproduziert, dass sie beinahe nicht anh√∂rbar ist. Das sterile Klangbild und die ganzen Soundeffekte sind eine einzige Katastrophe, eine Plastikproduktion, wie sie schlimmer nicht sein k√∂nnte.

Das f√ľhrte dazu, dass selbst gute Ans√§tze in einigen Songs (z.B. bei "Voyager Of The Future Race" oder "Sensations") enorm darunter leiden mu√üten, dass sie vom k√ľnstlichen Sound v√∂llig untergebuttert wurden. Au√üerdem hatte Bornemann die M√∂glichkeiten der Stimmenharmonisierung f√ľr sich entdeckt, so dass sein nat√ľrliches Timbre an einigen Stellen in H√∂hen getunt wurde, die an Jon Anderson (Yes) erinnerten und √ľberhaupt nicht zu ihm pa√üten. Ganz grausam.

Trotzdem gaben Eloy einige Livekonzerte mit dem neuen Material und da befanden sich dann auch richtige (Gast-)Musiker an den √ľbrigen Instrumenten, z.B. der bew√§hrte Fritz Randow hinterm Schlagzeug, was die Songs schon gleich deutlich besser und lebendiger klingen lie√ü.

Abgesehen von "Rainbow" - dieser schreckliche Song ist ein derma√üener Totalausfall, dass er auch live nicht besser wurde. Ein kitschig-poppiges Banalst√ľck mit entsetzlichem Refrain, bei dem sich wirklich die Fu√ün√§gel hochrollen. Tats√§chlich noch um ein vielfaches schlimmer als die ebenfalls schon grenzwertige, auf Kommerz getrimmte "Wings Of Vision"-Single, die Eloy einige Jahre zuvor auf ausdr√ľcklichen Wunsch der Plattenfirma fabrizieren mu√üten. "Rainbow" ist wirklich das einzige Eloy-St√ľck von dem ich sagen w√ľrde, es w√§re besser nicht geschrieben worden.

Nach den 88er Konzerten war dann aber auch erst mal wieder Ruhe im Karton. Jeder ging seiner Wege und erst 1992 fanden sich Bornemann und Gerlach erneut zusammen, um ein Eloy-Album aufzunehmen. Wieder nur als Duo, aber wenigstens hatte man diesmal aus dem schlimmsten Fehler des Vorgängers gelernt und einen leibhaftigen Studiodrummer (Nico Baretta) ans Schlagzeug gesetzt, anstatt wie beim letzten Mal einen Drumcomputer durchlaufen zu lassen.

Alleine dieser Umstand sorgte schon daf√ľr, dass das folgende Album "Destination" wieder ein ganzes St√ľck lebendiger und dynamischer t√∂nte als die verboten klingende "Ra", auch wenn der Sound als solcher immer noch nicht ganz das Gelbe vom Ei war und sich ziemlich aufgeblasen anh√∂rte. Aber um L√§ngen besser und vertr√§glicher als bei "Ra" war er allemal.

Bei "Destination" tauchte sogar ein alter Bekannter wieder auf: Klaus-Peter Matziol hatte sich nach 8 Jahren Eloy-Abstinenz nicht zweimal bitten lassen, als er darum gebeten worden war, zu 2 Songs die Bassparts beizutragen. Inzwischen verstanden er und Bornemann sich auch wieder und hatten alte Zwistigkeiten längst ausgeräumt, so dass die freundschaftliche Verbundenheit wieder hergestellt war.

Musikalisch ist "Destination" abgesehen vom M√ľlltonnen-Deb√ľt aber das eigentlich untypischste Eloy-Album √ľberhaupt. Die f√ľr die Band so pr√§gnanten Synthesizerkl√§nge wurden deutlich zur√ľckgefahren und tauchen eher sparsam dosiert auf, hier und dort finden stattdessen auch mal Fl√∂tenkl√§nge Verwendung. Es regiert √ľberwiegend straighter, bisweilen hymnischer Melodic Hardrock - die jahrelange Arbeit mit Hardrock- und Heavy Metal-Bands im Horus Sound Studio hatte klar erkennbare Spuren bei Frank Bornemann hinterlassen.

"Destination" bekam auch durchaus recht ordentliche Kritiken, aber nat√ľrlich entsprach es nicht so ganz dem, was Eloy-Fans eigentlich von ihrer Band erwarteten.

Diesem Umstand versuchte man bereits 2 Jahre sp√§ter mit einem weiteren Studioalbum Rechnung zu tragen. Zuvor hatte man 1993 noch die Alben "Chronicles I" und "Chronicles II" realisiert, auf denen Songs fr√ľherer Eloy-Alben neu, mit aktuellen Produktionsmethoden aufgenommen worden waren. Man wollte damit einigen ausgew√§hlten alten St√ľcken ein zeitgem√§√üeres Klangbild verschaffen und im Sound des Jahres 1993 pr√§sentieren.

Ab den "Chronicles"-Scheiben sah Michael Gerlach seine "Lehrzeit" als Eloy-Keyboarder auch als beendet an, zumal er l√§ngst zu einem vollwertigen, unverzichtbaren Songwritingpartner f√ľr Frank Bornemann geworden war. Daran ist auch deutlich zu erkennen, welche gro√üe Rolle eine besondere Harmonie zwischen Bornemann und dem jeweiligen Keyboarder stets f√ľr das musikalische Zusammenwirken gespielt hat.

Nun also schickte man sich an, mit "The Tides Return Forever" endlich wieder ein Album aufzunehmen, welches dem klassischen Eloy-Spirit st√§rker gerecht werden sollte. Aus dem Duo Eloy war mittlerweile ein Trio geworden, denn zur Freude aller war Klaus-Peter Matziol trotz seiner anderweitigen beruflichen Verpflichtungen wieder als festes, vollwertiges Mitglied in die Band eingestiegen und somit neben Bornemann ein weiterer wichtiger musikalischer St√ľtzpfeiler aus guten, alten Tagen.

Die restlichen Instrumente wurden wieder von Sessionmusikern beigetragen, darunter erneut Nico Baretta an den Drums oder erstmals auch der Engl√§nder Steve Mann an der zweiten Gitarre, der zuvor unter anderem bei Michael Schenkers MSG und in den 80ern bei der NWOBHM-Truppe Tytan gespielt hatte, aber auch sonst sehr umtriebig und in zahlreiche weitere Bands und Projekte involviert war. Und nat√ľrlich waren bei einem Album im klassischen Eloy-Stil die anscheinend unverzichtbaren Background-Tussis auch wieder mit von der Partie.

Das Album ist kein riesiger Wurf und manches erinnert auch noch ein wenig an die "Ra"-/"Destination"-Phase, aber insgesamt verf√ľgt das Werk wieder √ľber deutlich st√§rker ausgepr√§gte Anteile der klassisch-symphonischen Eloy-DNA. Nicht alles z√ľndet, manches wabert auch etwas ziel-oder belanglos vor sich hin, aber insgesamt ist das Ergebnis als recht solide zu bezeichnen und auch der wieder deutlich bessere, nat√ľrlichere Sound stimmt vers√∂hnlich.

Mit dem grundsätzlich gelungenen Titeltrack ist sogar fast sowas wie ein Eloy-Klassiker der Neuzeit vorhanden, aber leider wird das Lied nach hinten raus durch die ständige Wiederholung des Refrains, der auch noch von den Trällertanten kaputtgekreischt wird, verhunzt. Die Damen jaulen dermaßen exaltiert herum, dass es in den Ohren wehtut und man wirklich denkt, Eloy wollten einen auf Soul-Band machen.... :roll:

Die Konzerte der anschlie√üenden, 94/95er Tournee liefen sehr erfolgreich und waren gut besucht. Live hatte man sich neben Steve Mann u.a. mit Bodo Schopf am Schlagzeug verst√§rkt, der zuvor ebenfalls f√ľr MSG gespielt hatte und die gl√ľckliche Gabe besa√ü, die Power von Fritz Randow mit der feingeistigen Filigranit√§t von J√ľrgen Rosenthal verbinden zu k√∂nnen.

Nach diesem Triumphzug dachte Bornemann dar√ľber nach, den Deckel √ľber dem Buch Eloy wieder zu schlie√üen....denn was sollte danach noch gro√ües kommen ? Es schien alles wesentliche erreicht zu sein und zu diesem Zeitpunkt hatte Bornemann auch die Auffassung verinnerlicht, alles mit seiner Band gesagt zu haben. Bornemann: "Nach der Tour, die absolut fantastisch lief, habe ich mir gesagt, besser kann man nicht aufh√∂ren." (RockTimes-Interview, 2013).

Doch es gab Leute in Bornemanns Umfeld, zum Beispiel Bär Läsker, den Manager von Fury In The Slaughterhouse und den Fantastischen Vier, die ihn zum Weitermachen animierten, ja geradezu nötigten. Schließlich hatten die hartnäckigen Überredungsversuche Erfolg und Bornemann begann sich an das zu machen, was zu "Ocean II - The Answer" werden sollte.

Ein extrem anspruchsvolles Unterfangen, welches aus Bornemanns Sicht so etwas wie das absolute Magnum Opus der Bandkarriere darstellen sollte. Welches Risiko man damit einging, war dem Bandkopf selbstverst√§ndlich vollends bewu√üt. Denn das urspr√ľngliche "Ocean"-Werk von 1977 galt vielen als DAS Eloy-Album schlechthin und war eines der beliebtesten Alben der Band, das bestverkaufte sowieso.

Schon aufgrund des Titels des neuen Albums ("Ocean II - The Answer") w√ľrden sofort Vergleiche gezogen werden. Auch inhaltlich, denn schlie√ülich gedachte Bornemann, den thematischen Faden von "Ocean" wieder aufzunehmen und in die heutige Zeit zu √ľbertragen. Wobei Bornemann allerdings nicht die d√ľsteren Visionen von Rosenthals Textkonzept weiterspinnen wollte, die ihm seit jeher etwas quer im Magen lagen. Vielmehr wollte er die Geschichte aus seiner Sicht weitererz√§hlen und mit einer positiveren Kernaussage versehen. √Ąhnlicher Anspruch also, aber andere Umsetzung. Der Gedanke an ein peinliches Scheitern der ambitionierten Idee durfte dabei nicht mal ansatzweise Platz im Kopf finden.

Nun, musikalisch kann man "Ocean II - The Answer" schon mal nicht als Abklatsch der ersten "Ocean" sehen. Deren ganz spezielle und eigene Atmosphäre wird nicht erreicht. Außerdem orientierte Bornemann sich stilistisch erneut eher an der 80er Jahre-Phase, also an Alben wie "Planets", "Time To Turn" oder "Metromania", was eh zu erwarten gewesen war.

Auf dieser Basis haben er, Matziol und Gerlach sowie Bodo Schopf, der nun auch im Studio als Drummer dabei war, es aber geschafft, ein tragf√§higes Werk zu kreieren, welches zwar nicht an die erste "Ocean" herankommt, aber allemal besser und stimmiger als die drei Vorg√§nger ist und relativ nahtlos an "Metromania" anschlie√üen kann, somit also nach etwas d√ľrren Jahren die beste Scheibe seit dem 84er Output darstellte. Klanglich gelang ein warmer und druckvoller, aber auch transparenter Sound, der ebenfalls als positiv zu bewerten ist.

Und mit "Paralyzed Civilisation", "Ro Setau" oder "Awakening Of Consciousness" befinden sich sogar mindestens drei Songs darauf, die wirklich sehr gute Eloy-Klasse bieten und das Album √ľber den Durchschnitt erheben, sowie sich sehr gut in das Liverepertoire der Band einf√ľgen zwischen den ganzen Klassikern.

Auch die Konzerte zu "Ocean II" verliefen √ľberaus erfolgreich, obwohl nun schon wieder leichte Abf√§lligkeit in den entsprechenden Medien aufkam, die in Eloy inzwischen unverbesserliche, altmodische Prog Rock-S√§cke auszumachen glaubten, die einem ewigen Anachronismus nachh√§ngen....Eloy und die Journalisten, das alte leidige Thema. Da sollte also auch weiterhin keine gro√üe Liebe mehr draus werden.

Nach "Ocean II" deutete allerdings wirklich alles darauf hin, dass das Thema Eloy endg√ľltig zu den Akten oder zumindest bis auf weiteres auf Eis gelegt w√ľrde und etwa um die Jahrtausenwende herum oder kurz danach lie√ü man auch durchblicken, dass zu dem Thema alles gesagt sei und es Eloy mehr oder minder nicht mehr g√§be.

Doch da sollte Frank Bornemann sich gewaltig irren. Vor allem hatte er nicht mit dem Enthusiasmus und der Hartnäckigkeit der Fans gerechnet oder die Eigendynamik der ganzen Angelegenheit zumindest stark unterschätzt. Doch dazu mehr im nächsten und letzten Teil.... :biggrinn:

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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49958Beitrag Oracle
16.11.2018, 22:35

wahnsinns Text, mein Guter!
Ich habe die Eloy Story noch nirgends so umfassend und detailliert gelesen.
Absolut spannend!

Der Rezensent der Rimbaud nicht kennt war √ľbrigens Manfred Gillig.

Meine erste Eloy war die Ra, die mir heute noch gefällt.
Mir ist klar, dass sie steril klingt aber mich stört es nicht so.
Ich hab die in einer Zeit (1988) kennen gelernt wo eigentlich alle so einen Sound hatten.

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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49970Beitrag Vertigo
17.11.2018, 09:32

Beim St√ľck "The Tides Return Forever" ists eigentlich das einzige Mal, dass ich die Background-Damen als absolut passend empfinde. Der st√§ndig wiederholte Refrain am Ende ergibt ja nen Sinn, denn...The Tides Return Forever. Das symbolisiert das ewige Anrollen und Abgleiten der Gezeiten, die andauernde Wiederkehr. Und da die Damen das gesanglich wohl zu w√ľrzen wissen und sich in der Intensit√§t steigern, ist das das einzige Mal wo ich sage, hier geh√∂ren die hin, hier sind sie eine echte sinnvolle Bereicherung des Sounds und setzen das Thema perfekt um. In viel zu vielen anderen Eloy-St√ľcken sind sie nur Garnierung. H√ľbsch, aber nicht notwendig.

Den Sound der "Ocean II" find ich gar nicht so toll. Die erschien damals, als ich grade im Musikbusiness arbeitete, bei unserer Firma und ich hatte mich eigentlich drauf gefreut. Eigentlich....weil ich Eloy bei der Tour zur "Tides Return Forever" gesehen hatte und da fand ich sie recht schwach, grade Bodo Schopf z.B. fand ich f√ľrchterlich schwach. Alles andere als ein kreativer, verspielter Drummer, war der viel zu gradlinig, viel zu "heavy" in seinem Spiel. Der schaffte es sogar, dass das g√∂ttlich, unantastbare Intro zu "Poseidon's Creation" langweilig klang.

Von daher war ich zwar neugierig auf ein neues Eloy-Album, welches ich noch dazu kostenlos bekommen w√ľrde, aber war auch skeptisch. Die Skepsis hatte sich dann beim Sound schon best√§tigt. Viel zu laut und wuchtig und modern kam mir das daher, das waren nicht meine Eloy. Ich hatte die ein paarmal geh√∂rt, fand sie aber nicht gut und hab sie dann verkauft. Hab sie mir erst vor zwei Jahren oder so wiedergekauft, weil ich inzwischen meinen Frieden damit gemacht hatte und dank der Livescheibe nun doch auf einige "Ocean II" Songs neugierig geworden bin. Au√üerdem hatte ich mich an den Sound gew√∂hnt, wohl durchs viele Progh√∂ren in den Nullerjahren.

Der Sound hat mir dann erst auf der "Visionary" wieder gefallen, aber da waren dann viele Songs eher schwach. Auf der "Jeanne D'Arc" passt dann endlich der etwas √ľberkandidelte Sound zum Inhalt.
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 49994Beitrag AusDemWegIchBinArzt
17.11.2018, 11:30

Du empfindest den Sound als √ľberkandidelt ? Also, das kann ich so nicht unterschreiben....unter √ľberkandidelt stelle ich mir definitiv was anderes vor. √úberkandidelt, das ist f√ľr mich soundm√§√üig sowas wie "Ra" oder auch "Metromania", wobei mich das bei letzterer nicht sooo massiv st√∂rt, weil die Songs gut sind.

Sowohl "Ocean II" als auch "The Vision, The Sword And The Pyre" finde ich klanglich eigentlich sehr angenehm f√ľr die Ohren. Druckvoll, ja, aber eben nicht too much, daf√ľr warm und gut ausbalanciert. Als zu wuchtig-modern sehe ihn den Sound eigentlich nicht, da gibts ganz andere Beispiele.

Was "The Tides Return Forever" angeht....f√ľr mich ist das nicht zwingend notwendig, die Aussage des St√ľcks dadurch zu bekr√§ftigen, dass man den Refrain in Endlosschleife wiederholt. Ich bin sowieso kein Freund allzu h√§ufiger Wiederholungen und hier wurde das f√ľr meinen Geschmack wirklich zu sehr ausgereizt. Ich k√∂nnte damit allerdings wahrscheinlich auch noch leben, wenn die Frauen das nicht in Grund und Boden krakeelen w√ľrden. Das ist es, wo es bei mir dann endg√ľltig aussetzt. Es gibt eigentlich kein anderes Eloy-St√ľck, wo mich der - mitunter eh fragw√ľrdige - Backgroundgsang so st√∂rt wie hier.

Bodo als Drummer war eigentlich keine Fehlbesetzung, ich denke, er mu√üte sich einfach auch erst etwas reinfinden in die Musik. Grunds√§tzlich ist er sehr vielseitig, hat auch einen sehr breitgef√§cherten musikalischen Geschmack. Keineswegs nur heavy¬ī Zeugs, wie man vielleicht denken k√∂nnte. Und das was er dann sp√§ter abgeliefert hat, z.B. auf "Visionary", finde ich sehr ordentlich, auch wenn da die Songs als solche nicht so der Bringer waren. Ich denke, Bornemann hat auch nicht ohne Grund an ihm so lange festgehalten. Da finde ich Kristof Hinz, der die letzte Scheibe eingetrommelt hat (warum eigentlich nicht Bodo ?) deutlich farbloser. Sicherlich spieltechnisch sauber, aber eben einfach blasser Durchschnitt.
Wenn Musik Bilder erzeugen und den H√∂rer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erf√ľllt.


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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 50001Beitrag Vertigo
17.11.2018, 12:03

AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ‚ÜĎ
17.11.2018, 11:30
Du empfindest den Sound als √ľberkandidelt ? Also, das kann ich so nicht unterschreiben....unter √ľberkandidelt stelle ich mir definitiv was anderes vor. √úberkandidelt, das ist f√ľr mich soundm√§√üig sowas wie "Ra" oder auch "Metromania", wobei mich das bei letzterer nicht sooo massiv st√∂rt, weil die Songs gut sind.

Sowohl "Ocean II" als auch "The Vision, The Sword And The Pyre" finde ich klanglich eigentlich sehr angenehm f√ľr die Ohren. Druckvoll, ja, aber eben nicht too much, daf√ľr warm und gut ausbalanciert. Als zu wuchtig-modern sehe ihn den Sound eigentlich nicht, da gibts ganz andere Beispiele.

Was "The Tides Return Forever" angeht....f√ľr mich ist das nicht zwingend notwendig, die Aussage des St√ľcks dadurch zu bekr√§ftigen, dass man den Refrain in Endlosschleife wiederholt. Ich bin sowieso kein Freund allzu h√§ufiger Wiederholungen und hier wurde das f√ľr meinen Geschmack wirklich zu sehr ausgereizt. Ich k√∂nnte damit allerdings wahrscheinlich auch noch leben, wenn die Frauen das nicht in Grund und Boden krakeelen w√ľrden. Das ist es, wo es bei mir dann endg√ľltig aussetzt. Es gibt eigentlich kein anderes Eloy-St√ľck, wo mich der - mitunter eh fragw√ľrdige - Backgroundgsang so st√∂rt wie hier.

Bodo als Drummer war eigentlich keine Fehlbesetzung, ich denke, er mu√üte sich einfach auch erst etwas reinfinden in die Musik. Grunds√§tzlich ist er sehr vielseitig, hat auch einen sehr breitgef√§cherten musikalischen Geschmack. Keineswegs nur heavy¬ī Zeugs, wie man vielleicht denken k√∂nnte. Und das was er dann sp√§ter abgeliefert hat, z.B. auf "Visionary", finde ich sehr ordentlich, auch wenn da die Songs als solche nicht so der Bringer waren. Ich denke, Bornemann hat auch nicht ohne Grund an ihm so lange festgehalten. Da finde ich Kristof Hinz, der die letzte Scheibe eingetrommelt hat (warum eigentlich nicht Bodo ?) deutlich farbloser. Sicherlich spieltechnisch sauber, aber eben einfach blasser Durchschnitt.
Sowas wie "Ra" ist nicht √ľberkandidelt, sowas ist indiskutabel. Der Sound da (nicht die Songs) ist so grottenschlecht, dass ich mich immer noch wundere wie Musiker, die in den 70ern gro√ü geworden sind, sich das jemals sch√∂n reden konnten. Mode hin Mode her, das ist einfach schlechter Sound. Nichts daran ist in irgendeiner Form ausgewogen. Alles ist randvoll mit Effekten und knallt und rumst. Das ist ein Sound, wie ihn sich vielleicht ein 15j√§hrige als geil vorstellt, aber doch nicht gestandene M√§nner, die bereits Ahnung davon haben wie ne Platte klingen sollte. Ich denke, jeder Tonmeister heute der vom Klang an sich was versteht, w√ľrde einem die "Ra" um die Ohren hauen und fragen ob du ernsthaft so nen Klang haben willst? Und dann seinen Namen von der Produktion zur√ľckziehen :biggrinn:
Das man sich soweit herablässt und sich sowas schön redet weils grade angesagt ist, das werd ich nie nachvollziehen können, dazu bin ich viel zu eigensinnig.

Beim Bodo glaub ich gern, dass der damals, wo er ja noch neu bei Eloy war, noch nicht das richtige Gef√ľhl daf√ľr hatte und das erst sich entwickeln mu√üte. War halt mein Pech sie ausgerechnet damals zu sehen.

Der Schlu√ü von "Tides" ist nat√ľrlich nicht zwingend notwendig, aber eine sehr, sehr gute Idee. Aber ich bin auch generell Wiederholungen in der Musik sehr aufgeschlossen gegen√ľber, weil der Mantraeffekt nunmal sehr sinnvoll ist um Wirkung zu erzielen, das betrifft ja Gespr√§che wie auch Bilder, Kl√§nge usw. usf.
Nat√ľrlich h√∂r ich trotzdem genau hin ob das nur passiert weil dem Musiker nix mehr eingefallen ist, aber bei "Tides" h√∂rt man √ľberdeutlich die Idee, dass die Band sich nun zur√ľcknimmt, das auspl√§tschern l√§sst und die M√§dels √ľbernehmen den Effekt der ewigen Wiederkehr der Gezeiten. Von den Eloy-St√ľcken seit den 90ern definitiv ein Topfavorit von mir.

"Ocean II" ist druckvoll, wie du sagst, und das mag ich nicht und bei derartiger Musik schon gar nicht. Aber generell mag ich es nicht wenn der Eindruck des Druckvollen durch den Sound und nicht durch die Energie der Band entsteht. Ich empfinde so manches aus den 70ern oder 80ern als druckvoll, wo heutige H√∂rer den Kopf sch√ľtteln w√ľrden weil sie es als lahm empfinden. Ich rede aber von der Musik sie vom Sound.

Soundtechnisch ist mir "Ocean II" zu aufgeblasen, End 90er Produkt halt, wo selbst Rush meinten sie m√ľssten dir die Ohren wegschie√üen. Da hat dann eben Bornemann, wohl durch seine Hard & Heavy Produzentent√§tigkeit, gemeint, das m√ľsste auch so sein. Au√üerdem war sicher das Label GUN da auch dahinter, das waren ja Burschen aus dem Hartbereich, wo wir Kenner, die bei der BMG noch arbeiteten uns schon bei Ank√ľndigung wunderten, dass ne neue Eloy ausgerechnet bei GUN erscheint, wo deren Produktionen doch eben eher in den Bereich "wuchtig, druckvoll" geh√∂rten. Da gabs Diskussionen schon vorab, wie die wohl klingen w√ľrde. Und dann klang sie auch - leider in meinen Ohren - auch so. Dem einen oder anderen hats so besser gefallen, Zeitgeist eben.

√úberkandidelt ist √ľbrigens nix negatives bei mir, aufgebrezelt wie ne Frau die abends weggeht und extra viel an sich und mit sich macht, so in etwa.
Auf Musik bezogen also produziert bis in den letzten Beckenklang, mit Ch√∂ren und zig Musikern und Gastbeitr√§gen und/oder Orchester usw. einfach in die Vollen, das ist √ľberkandidelt f√ľr mich.
"Ra" ist dagegen eine Frau die sich aufgedonnert hat, aber absolut kein Gef√ľhl daf√ľr hat, was gut an ihr aussieht und was nicht. "Metromania" ist anders, so an der Kante des noch goutierbaren, die wird eindeutig noch von den guten Songs getragen, da kann der Sound noch nicht so viel anhaben. Bei "Ra" dagegen rettet nix mehr, bei "Destination" ists √§hnlich der "Metromania". Der Sound ist nicht wirklich Eloy und da die meisten Songs auch nur Durchschnitt sind bleibt da auch nicht viel.

Aber √ľberkandidelt mag Bornemann ja seine Produktionen seit l√§ngerer Zeit schon und das ist ihm auf der "The Sword And The Pyre" besser denn je gelungen, das ausgewogen hinzubekommen.
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 50003Beitrag Vertigo
17.11.2018, 12:24

AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ‚ÜĎ
16.11.2018, 17:26

1.) Ich habe nicht gesagt, dass ich das Original in jedem Fall mögen muß

2.) Vor allem könnten Bands dann theoretisch alle 10 Jahre ihre Songs neu aufnehmen, weil sich ständig irgendwas an der Studiotechnik und den Möglichkeiten ändert oder die Musiker, die sowieso oft chronisch unzufrieden mit ihren eigenen Werken sind, plötzlich alles wieder ganz anders machen wollen.

3.) Es f√ľhlt sich einfach nicht richtig an f√ľr mich. Das Original ist nun mal so wie es ist, da steht man dann zu, auch wenn es total entsetzlich klingt und man theoretisch mit einer Neuaufnahme alles besser machen k√∂nnte.
zu 1.) Ich auch nicht ;) Ich meinte mit "so wie du es magst" dass du es magst, dass das Original nicht angetastet wird, nicht dass dir dieses Original auch zwingend gefällt

zu 2. und 3.) Ja k√∂nnten sie und warum nicht? Wie gesagt, solange das Original nicht zerst√∂rt, gel√∂scht, anderweitig unwiederbringlich ver√§ndert wird, warum nicht? Warum soll ich als Musiker nicht nach 10 Jahren sagen k√∂nnen, "schaut mal, so w√ľrde ich das heute machen"? Oder als Autor, als Maler usw. usf., Selbstreflektion darf doch auch ein Werk das man erstellt hat betreffen. Das hat auch √ľberhaupt nix mit "nicht mehr zu sich stehen" zu tun. Das w√§re es, wenn man das Original ver√§ndern w√ľrde und es danach nicht mehr da w√§re. Das w√§re ein "nicht mehr zu sich stehen", wenn ich versuche, dass das ja niemand noch irgendwo h√∂ren oder sehen kann, was ich da gemacht habe.

Es geht auch gar nicht darum etwas besser zu machen. Das ist zum einen sowieso v√∂llig relativ und zum anderen gleichzeitig irrelevant. Es geht nur darum etwas heute anders zu machen, als ich es vor X Jahren getan habe. Da kann der Ausl√∂ser die Technik sein, klar. Es gibt neue Technik und die find ich so geil, dass ich das Album neu einspielen will damit. Das w√§re ein in meinen Augen armseliger Ausl√∂ser daf√ľr. Oder Marketinggr√ľnde als Ausl√∂ser. Dar√ľber braucht man nicht mal diskutieren, armseliger gehts nimmer, als "lass es uns auf heute trimmen, dann verkaufts vielleicht wieder besser".
Es kann aber auch die pers√∂nliche Ver√§nderung des Musikers selber sein. Er ist vielleicht heute entspannter, sieht manches nicht so eng, andere Dinge als damals sind ihm wichtig und da mag er das Album, das er sehr mag (oder gar nicht mehr mag) eben neu betrachten wie er heute die Welt betrachtet. Das finde ich in meinen Augen einen sehr sch√∂nen Ausl√∂ser f√ľr so ne Neuaufnahme.
Ein Bild nach X Jahren neu zu malen ist z.B. eine Superidee. Damals war ich vielleicht in einer Rotphase. Alle Farbt√∂ne mussten irgendwas rotes haben. Heute bevorzuge ich als Maler Blau und Gr√ľn, aber das alte Motiv bedeutet mir immer noch so viel. Also male ich es heute neu, in Blau und Gr√ľn. Zwei Bilder, selbes Motiv, repr√§sentieren einmal den K√ľnstler mit 23 Jahren und einmal mit 38 Jahren. Phantastisch!

Eine Neubetrachtung nach einem gewissen Zeitraum ist v√∂llig okay. Das Werk eines K√ľnstlers soll ja immer auch lebendig bleiben und das wirds nicht, wenn mans nur museal betrachtet. Das der eine oder andere Fan damit bestimmte Emotionen verbindet ist klar, aber es wird ja auch niemand gezwungen sich dann so eine Neuaufnahme anzuh√∂ren und sich damit evtl. seine Emotionen zu versauen.

Wie ich schon erw√§hnte, nimm die klassische Musik. Kein Mensch d√ľrfte die heute spielen, weil wir alle nicht wissen wie Mozart selber das spielte oder Beethoven oder Bach usw.
Wir haben die Notationen, wir haben Angaben zu den Tempi, den Stimmungen aber wir wissen trotzdem nicht wie das geklungen hat, dieses Original. Also darf mans heute auch nimmer aufnehmen. Denn jeder Dirigent wirds anders auff√ľhren, obwohl sie alle nach denselben Noten agieren. Denn jeder Dirigent hat ein anderes Temperament.

Und nun sag mir warum das bei Pop- oder Rockmusik so "verboten" sein soll oder so schlecht oder wie auch immer du das genau empfindest. Ich finde jeder K√ľnstler hat das Recht sein Werk einer Neubewertung zu unterziehen so oft er das will. Kaufen mu√ü ich es deswegen ja noch lange nicht.
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 50005Beitrag AusDemWegIchBinArzt
17.11.2018, 12:40

Vertigo hat geschrieben: ‚ÜĎ
17.11.2018, 12:03
AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ‚ÜĎ
17.11.2018, 11:30
Du empfindest den Sound als √ľberkandidelt ? Also, das kann ich so nicht unterschreiben....unter √ľberkandidelt stelle ich mir definitiv was anderes vor. √úberkandidelt, das ist f√ľr mich soundm√§√üig sowas wie "Ra" oder auch "Metromania", wobei mich das bei letzterer nicht sooo massiv st√∂rt, weil die Songs gut sind.

Sowohl "Ocean II" als auch "The Vision, The Sword And The Pyre" finde ich klanglich eigentlich sehr angenehm f√ľr die Ohren. Druckvoll, ja, aber eben nicht too much, daf√ľr warm und gut ausbalanciert. Als zu wuchtig-modern sehe ihn den Sound eigentlich nicht, da gibts ganz andere Beispiele.

Was "The Tides Return Forever" angeht....f√ľr mich ist das nicht zwingend notwendig, die Aussage des St√ľcks dadurch zu bekr√§ftigen, dass man den Refrain in Endlosschleife wiederholt. Ich bin sowieso kein Freund allzu h√§ufiger Wiederholungen und hier wurde das f√ľr meinen Geschmack wirklich zu sehr ausgereizt. Ich k√∂nnte damit allerdings wahrscheinlich auch noch leben, wenn die Frauen das nicht in Grund und Boden krakeelen w√ľrden. Das ist es, wo es bei mir dann endg√ľltig aussetzt. Es gibt eigentlich kein anderes Eloy-St√ľck, wo mich der - mitunter eh fragw√ľrdige - Backgroundgsang so st√∂rt wie hier.

Bodo als Drummer war eigentlich keine Fehlbesetzung, ich denke, er mu√üte sich einfach auch erst etwas reinfinden in die Musik. Grunds√§tzlich ist er sehr vielseitig, hat auch einen sehr breitgef√§cherten musikalischen Geschmack. Keineswegs nur heavy¬ī Zeugs, wie man vielleicht denken k√∂nnte. Und das was er dann sp√§ter abgeliefert hat, z.B. auf "Visionary", finde ich sehr ordentlich, auch wenn da die Songs als solche nicht so der Bringer waren. Ich denke, Bornemann hat auch nicht ohne Grund an ihm so lange festgehalten. Da finde ich Kristof Hinz, der die letzte Scheibe eingetrommelt hat (warum eigentlich nicht Bodo ?) deutlich farbloser. Sicherlich spieltechnisch sauber, aber eben einfach blasser Durchschnitt.
Sowas wie "Ra" ist nicht √ľberkandidelt, sowas ist indiskutabel. Der Sound da (nicht die Songs) ist so grottenschlecht, dass ich mich immer noch wundere wie Musiker, die in den 70ern gro√ü geworden sind, sich das jemals sch√∂n reden konnten. Mode hin Mode her, das ist einfach schlechter Sound. Nichts daran ist in irgendeiner Form ausgewogen. Alles ist randvoll mit Effekten und knallt und rumst.
Nat√ľrlich ist das indiskutabel. Du hast ja sehr sch√∂n an anderer Stelle den Vergleich mit der √ľbertrieben geschminkten und gekleideten Frau gezogen, die nicht merkt, was gut aussieht und was nicht. Das pa√üt schon. Aber f√ľr mich besitzt der Begriff "√ľberkandidelt" schon eher eine negative Konnotation und ich w√ľrde ihn dementsprechend da auch verwenden.

Bei "Ocean II" oder der letzten Scheibe w√ľrde ich es eher als "auf dicke Hose machen" umschreiben - volles Programm bis in die letzte Ecke, aber eben auch wieder ausgewogen und nicht im negativen Sinne √ľberfrachtet, sprich √ľberkandidelt. Um beim Bild der Frau zu bleiben: Der Lippenstift und der Nagellack sind zwar knallig, aber die Kleidung ist noch stilvoll und elegant. Bei der √ľberkandidelten w√§ren dann auch die Klamotten unm√∂glich. :biggrinn:

Der Schlu√ü von "Tides" ist nat√ľrlich nicht zwingend notwendig, aber eine sehr, sehr gute Idee.
Man h√§tte es auch weniger oft wiederholen und dann beispielsweise in Meeresrauschen ausklingen lassen k√∂nnen. Das h√§tte auch gepa√üt. Ansonsten ist das St√ľck n√§mlich toll, da stimme ich Dir zu. Der Schlu√ü verdirbt f√ľr mich einfach einiges. Die S√§ngerinnen h√§tte man auch ruhig ganz weglassen oder zumindest wesentlich dezenter einsetzen k√∂nnen, das w√§re nicht n√∂tig gewesen.
Ich empfinde so manches aus den 70ern oder 80ern als druckvoll, wo heutige H√∂rer den Kopf sch√ľtteln w√ľrden weil sie es als lahm empfinden.
.
Da bin ich wieder ganz bei Dir. Ich finde auch gerade viele der alten Hardrock-Sachen viel knackiger und musikalisch druckvoller, als viele heutige Produktionen, wo nur der Sound fett aufgeblasen wird und die H√∂rer so einen verzerrten Eindruck erhalten und dann meinen, die Bands seien heute ja viel heavier und das alte Zeugs nur lahmes Gedudel. V√∂llig verkehrter Ansatz. Aber mit H√∂rgewohnheiten ist es wie mit dem Geschmackssinn: Wenn du jahrelang nur Pudding mit Geschmacksverst√§rker und Aromazus√§tzen gewohnt bist, kommt dir ein selbstgemachter "echter" Pudding ohne all diese Verfremdungen seltsam vor, weil dein Geschmack total verdorben ist. Und so ist das den H√∂rgewohnheiten vieler, vor allem j√ľngerer Fans heute leider auch. Aber Eloy-Scheiben wie "Ocean II" fallen f√ľr mich eben noch nicht darunter, da gibt es so viele heftigere Beispiele.
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 50007Beitrag AusDemWegIchBinArzt
17.11.2018, 12:53

Vertigo hat geschrieben: ‚ÜĎ
17.11.2018, 12:24

Wie ich schon erw√§hnte, nimm die klassische Musik. Kein Mensch d√ľrfte die heute spielen, weil wir alle nicht wissen wie Mozart selber das spielte oder Beethoven oder Bach usw.
Wir haben die Notationen, wir haben Angaben zu den Tempi, den Stimmungen aber wir wissen trotzdem nicht wie das geklungen hat, dieses Original. Also darf mans heute auch nimmer aufnehmen. Denn jeder Dirigent wirds anders auff√ľhren, obwohl sie alle nach denselben Noten agieren. Denn jeder Dirigent hat ein anderes Temperament.

Und nun sag mir warum das bei Pop- oder Rockmusik so "verboten" sein soll oder so schlecht oder wie auch immer du das genau empfindest. Ich finde jeder K√ľnstler hat das Recht sein Werk einer Neubewertung zu unterziehen so oft er das will. Kaufen mu√ü ich es deswegen ja noch lange nicht.

Der Vergleich mit den klassischen Komponisten hinkt aber insofern, als dass diese eben in der Regel auch "nur" das waren: Komponisten.
Aufgef√ľhrt und interpretiert wurden ihre Werke dagegen meistens von Beginn an durch andere und insofern gab es da sowieso nie nur eine
bestimmte Version, denn wie Du richtig sagst, hat jeder Dirigent ein anderes Temperament, betont andere Akzente. Zudem konnten zu
Lebzeiten dieser Leute ihre Werke sowieso nur einem beschränkten Kreis an Zuhörern zugänglich gemacht werden, da es keine Tonträger und
keine sonstigen Medien gab, die es festhalten und großartig verbreiten konnten.

Bei Werken von Rock-oder Popmusikern hingegen sind eben die Band bzw. deren Mitglieder gleichzeitig Komponisten und Auf-/Ausf√ľhrende
und da gibt es dann eben eine bestimme Urversion, wenn man so will, die auf einem Tonträger festgehalten wird. Und die findet Verbreitung
und ist dann fortan das Maß der Dinge, an dem alles andere gemessen wird. Das besitzt von vorneherein eine andere Gewichtung.
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 50011Beitrag Vertigo
17.11.2018, 13:32

AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ‚ÜĎ
17.11.2018, 12:40

1.) Bei "Ocean II" oder der letzten Scheibe w√ľrde ich es eher als "auf dicke Hose machen" umschreiben

2.) Man hätte es auch weniger oft wiederholen und dann beispielsweise in Meeresrauschen ausklingen lassen können.

3.) Die Sängerinnen hätte man auch ruhig ganz weglassen oder zumindest wesentlich dezenter einsetzen können, das wäre nicht nötig gewesen.

4.) Vergleich mit den klassischen Komponisten hinkt aber insofern, als dass diese eben in der Regel auch "nur" das waren: Komponisten.
Aufgef√ľhrt und interpretiert wurden ihre Werke dagegen meistens von Beginn an durch andere.

5.) Bei Werken von Rock-oder Popmusikern hingegen sind eben die Band bzw. deren Mitglieder gleichzeitig Komponisten und Auf-/Ausf√ľhrende und da gibt es dann eben eine bestimme Urversion

6.) Wenn du jahrelang nur Pudding mit Geschmacksverstärker und Aromazusätzen gewohnt bist, kommt dir ein selbstgemachter "echter" Pudding ohne all diese Verfremdungen seltsam vor, weil dein Geschmack total verdorben ist.
zu 1.) Ja das passt sehr sch√∂n, auf dicke Hose machen. Auch was das ich nicht so gern mag, aber ab und an verzeihbar ist. Und wie gesagt, ich hab die Labeltypen ja kennengelernt, die waren beide dickhosig :mrgreen: und vermutlich dauernd, die haben Bornemann das also sicherlich auch so angetragen und er war damals daf√ľr empf√§nglich

zu 2.) Das wäre zwar auch eine klanglich schöne Idee gewesen mit dem Meeresrauschen, aber auch eine ungleich klischeeartigere. Auf die Idee mit dem Meer wären vermutlich alle Durchschnittsmusiker auch gekommen. Die Idee, das mittels des Damengesangs zu vermitteln ist ungewöhnlicher, eigenständiger.

zu 3.) Tats√§chlich sind es die S√§ngerinnen, weil sie hier richtig Gas geben, dass mir das St√ľck √ľberhaupt mal positiv auffiel. Ich hatte die "Tides" nie, hab das St√ľck damals im Konzert geh√∂rt und da bliebs eher unterbewusst h√§ngen, weil ich ja, wie gesagt, vom ganzen Konzert eh nicht so begeistert gewesen war.

Als ichs dann auf der "Reincarnation" wiederh√∂rte kam der Erkennungseffekt. Das war doch das St√ľck wo die S√§ngerinnen dann alleine so richtig Gas geben, das ist klasse. Und gleich nochmal von vorne h√∂ren und nun viel konzentrierter auch auf die Musik. Und danach mir die Studioversion im Netz holen ums auf meinen Eloy Sampler zu packen. Ohne die Damen und ihren intensiven Gesangsvortrag w√§re mir das wohl nie h√§ngengeblieben, denn so und nur so f√§llts auf. Mit Meeresrauschen am Ende, sowas kennt man und sowas w√§re nicht ungew√∂hnlich gewesen. Hier den M√§dels den Vortritt gegen Ende des St√ľckes zu lassen, war nicht nur ne sehr faire Geste vom Bornemann um die auch mal sinnvoll ins Rampenlicht zu stellen, es war auch die n√∂tige pfiffige Idee um eben nicht einfach sowas wie Meeresrauschen zu nehmen.
Da h√§tte er lieber beim einen oder anderen sonstigen St√ľck die M√§dels ganz weglassen k√∂nnen, wo sie keinen essentiellen Beitrag dazu liefern. Bei "Tides" wird das St√ľck durch deren Gesang nochmal auf ne andere Ebene gehoben und so sind Background-Ladys f√ľr mich wirklich sinnvoll eingesetzt, indem man ihre Stimmen als weitere Klangfarbe benutzt.

zu 4.) Ich kann dir jetzt nicht alle aufzählen, aber es gab genug Komponisten die ihre Werke selber dirigiert haben. Es gibt nur keine Tonaufzeichnungen davon weil das ja damals nicht möglich war.

zu 5.) Richtig, Auff√ľhrende und Komponierende sind da in der Regel dieselben. Dass die zuerst ver√∂ffentlichte Aufnahme eines Pop- oder Rockst√ľcks meistens die Urversion darstellt (aber auch da gibts F√§lle wo das nicht so ist) seh ich schon auch so. Aber was genau ist daran nun ein Pro- oder Contraargument gegen eine Neuaufnahme?

zu 6.) Das ist in der Tat so, ja. Deine Gewohnheiten pr√§gen deinen Geschmack, bei allem was du tust. Wer immer nur den Sound von heute h√∂rt, wird den von fr√ľher nie zu sch√§tzen wissen. Hat aber auch das Leben nicht verstanden, wie ich dann zu sagen pflege, denn die Generationen vor einem sind immer dazu da um von ihnen zu lernen, das ist ein Grundprinzip des Lebens. Wer das au√üen vor l√§sst, hat nix verstanden.
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Re: [PORTRAIT] Eloy

Beitrag: # 50013Beitrag AusDemWegIchBinArzt
17.11.2018, 13:59

Vertigo hat geschrieben: ‚ÜĎ
17.11.2018, 13:32


zu 2.) Das wäre zwar auch eine klanglich schöne Idee gewesen mit dem Meeresrauschen, aber auch eine ungleich klischeeartigere. Auf die Idee mit dem Meer wären vermutlich alle Durchschnittsmusiker auch gekommen.
Okay, gebe ich gerne zu, diese Idee ist sicherlich nicht ganz so ungew√∂hnlich und bedient vermutlich in der Tat eher eine gewisse Klischeevorstellung. Aber es h√§tte ja kein Meeresrauschen sein m√ľssen, es gibt ja auch andere Ger√§uschkulissen, die da einen Bezug herstellen und nicht ganz so Klischeeartig anmuten. Beispielsweise das Gluckern der Priele bei Ebbe, was ich mal vor l√§ngerer Zeit ansprach und erkl√§rte, als Du mich fragtest was man sich darunter vorstellen k√∂nne. Vielleicht noch begleitet vom Kreischen der hungrig kreisenden M√∂wen. Da ist sogar ein ganz konkreter Bezug zum Thema, ohne dass es etwas w√§re, wo jede Durchschnittsmusiker drauf k√§me.

zu 3.) Tats√§chlich sind es die S√§ngerinnen, weil sie hier richtig Gas geben, dass mir das St√ľck √ľberhaupt mal positiv auffiel. Ich hatte die "Tides" nie, hab das St√ľck damals im Konzert geh√∂rt und da bliebs eher unterbewusst h√§ngen
Genau dieses "Gas geben" ist mir viel zu aufdringlich und penetrant, das pa√üt f√ľr mich einfach √ľberhaupt nicht zum ansonsten eher ruhigen und getragenen Duktus des St√ľckes. Wenn sie leiser im HIntergrund w√§ren, fl√ľsternder sozusagen, das k√∂nnte die Atmosph√§re meiner Ansicht nach viel wirkungsvoller unterstreichen, wenn es denn schon Backgroundgesang sein mu√ü.
Aber was genau ist daran nun ein Pro- oder Contraargument gegen eine Neuaufnahme?
Es ging mir gar nicht um pro/contra, sondern erst mal einfach nur um die Feststellung. Und, wenn man den Faden dann tats√§chlich weiterspinnt, darum, dass eben Werke klassischer Komponisten, von denen es gewisserma√üen nur sehr selten "die eine" Version gab aufgrund der geschilderten Begleitumst√§nde, von vorneherein pr√§destinierter waren f√ľr interpretetatorische Ver√§nderungen und diese dadurch auch von vorneherein eher Bestandteil des ganzen waren / sind, als dieses eben meinetwegen bei Rockst√ľcken der Fall ist, wo durch die Tatsache, dass Musiker und Komponisten dieselben sind und alles von vorneherein in festgelegter Form auf einen Tontr√§ger gepresst wird, einfach ein anderer gedanklicher Zugang dazu entsteht.

Damit sage ich nicht, dass Rockmusiker nicht das Recht h√§tten, ihre eigenen Werke zu √ľberdenken und neu einzuspielen. Es ist aber problematischer, daf√ľr eine gewisse Akzeptanz zu finden, vor allem, wenn sich dann am Ende das neue Werk vielleicht sogar grundlegend von der fr√ľheren, bekannten und sozusagen eingebrannten Version unterscheidet. Und es hat dann eher den Charakter, als w√ľrde eine Band sich selber covern. Ich wei√ü nicht, ob Du meinem Gedankengang da einigerma√üen folgen kannst ? Ist auch etwas schwer zu erkl√§ren.
zu 6.) Das ist in der Tat so, ja. Deine Gewohnheiten pr√§gen deinen Geschmack, bei allem was du tust. Wer immer nur den Sound von heute h√∂rt, wird den von fr√ľher nie zu sch√§tzen wissen. Hat aber auch das Leben nicht verstanden, wie ich dann zu sagen pflege, denn die Generationen vor einem sind immer dazu da um von ihnen zu lernen, das ist ein Grundprinzip des Lebens. Wer das au√üen vor l√§sst, hat nix verstanden.
Da f√§llt mir dann immer Stellar als stellvertretendes Negativbeispiel ein, die unkritisch alles abfeiert was neu ist und sich irgendwie nach Langweiler-Neo Prog oder Steven Wilson anh√∂rt und offen erkl√§rt, der alte Schei√ü wie Purple oder Tull w√ľrde sie nicht die Bohne interessieren. Und sie hat sich ja schon damals zu unserer Zeit sehr ignorant diesbez√ľglich gezeigt. Da kann ich nur ganz trocken sagen: Wer sich nicht mit der Vergangenheit besch√§ftigt, kann auch die Gegenwart nicht angemessen beurteilen. Und gerade in der Musik ist das Zur√ľckverfolgen zu den Wurzeln f√ľr mich ma√ügeblich.
Wenn Musik Bilder erzeugen und den H√∂rer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erf√ľllt.


Fr√ľher war mehr Lametta !!!

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