[RATING] Judas Priest

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[RATING] Judas Priest

#1

Beitrag: # 1620Beitrag AusDemWegIchBinArzt
06.06.2017, 16:35

JUDAS PRIEST


STUDIO

"Rocka Rolla" (1974, -4): Ein interessanter Einstieg, stilistisch noch etwas unentschlossen, mit Querverweisen Richtung Prog, Glam oder Black Sabbath.

"Sad Wings Of Destiny" (1976, -6): Ein frühes Magnum Opus. Eine deutliche Steigerung zum Erstling, in sich geschlossener und atmosphärisch dichter, obwohl auch hier noch Reminiszenzen an Black Sabbath durchblitzen ("Island Of Domination").

"Sin After Sin" (1977, -6): Ein weiterer früherer Höhepunkt und deutlich eigenständiger. Wohl eines der vielseitigsten Alben von Priest, welches zwischem treibendem Heavy Rock ("Sinner"; "Dissident Aggressor"), letzten Prog-Einflüssen ("Raw Deal") und entspannt bluesigem ("Last Rose Of Summer") pendelt. Ein Füllhorn an Ideen, in grandiosem Sound umgesetzt.

"Stained Class" (1978, -5.5): Härter und straighter als der Vorgänger, erkennbar in Richtung dessen orientiert, was sich Heavy Metal nennt. Die Einflüsse anderer Musikrichtungen sind weitgehend eliminiert.

"Killing Machine" (1978, -6): Einen winzigen Ticken besser als "Stained Class" wird die dort eingeschlagene Marschrichtung kompromisslos fortgesetzt. Auf "Killing Machine" geht es richtig zur Sache und ich denke, man darf es mit Fug und Recht als eines der härtesten Alben aus den 70ern bezeichnen. Allerdings stand hier noch die Musik im Vordergrund und nicht, wie später, das Image.

"British Steel" (1980, -4): Eigentlich gar nicht so viel anders als "Killing Machine", aber das Songmaterial ist schwächer und enthält neben vereinzelten Höhepunkten (z.B. "Rapid Fire") auch den einen oder anderen Durchschnittssong sowie furchtbar schnell totgenudelte Stücke ("Breaking The Law", "Living After Midnight").

"Point Of Entry" (1981, -4,5): Gilt ja als recht kommerzielle Scheibe und sie ist es sogar im Vergleich zu den Vorgängern tatsächlich, allerdings sind die Songs runder und insgesamt stärker als etwa auf "British Steel" und deswegen gleicht das den kommerzielleren Touch auch wieder etwas aus, was am Ende gegenüber "British Steel" zu einer etwas höheren Gesamtbewertung führt.

"Screaming For Vengeance" (1982, -6): Nach dem durchwachsenen "British Steel" und dem etwas gelungeneren "Point Of Entry" nochmal ein echter, richtiger Höhepunkt und das beste Priest-Werk der gesamten 80er-Dekade. Schließt qualitativ nahtlos an die großen Scheiben aus den späten 70ern an, eine Hymne reiht sich an die nächste. Wobei Priest spätestens mit diesem Album endgültig von einer Heavy Rock- zu einer Heavy Metal-Combo wurden.

"Defenders Of The Faith" (1984, -5.5): Eigentlich auch ein sehr gutes Album und von den Songs her kaum schwächer als der Vorgänger. Das einzige, was hier etwas stört ist der klinische Sound, der bereits in Teilen andeutet, wohin die Reise ab dem folgenden Album gehen würde.

"Turbo" (1986, -4): Viele finden dieses Album furchtbar, doch im Laufe der Jahre wurde es rehabilitiert. Der größte Kritikpunkt betrifft den kalten, sterilen und komplett künstlichen Sound sowie das herumexperimentieren mit Gitarrensynthesizern. Das fand man damals aufregend und schick, Iron Maiden machten es schließlich zeitgleich auf "Somewhere In Time" auch....bloß übertrieben Maiden es nicht so exzessiv damit wie Priest und setzten die neuen Elemente so intelligent ein, dass das Ergebnis wesentlich eleganter klang und sich auch heute noch gut hören lassen kann, während "Turbo" von Priest deutlich schlechter gealtert ist und heute im negativen Sinne sehr 80ies-like klingt. Dass es trotzdem noch 4 Sterne geworden sind, liegt daran, dass einige der Songs an sich trotzdem richtig gut sind ("Turbo Lover", "Out In The Cold", "Locked In") .

"Ram It Down" (1988, -3): Na ja, man wollte nach "Turbo" wieder härter werden. Heraus kam "Ram It Down". Und dabei handelt es sich größtenteils um die Verwertung der "Turbo"-Resterampe, denn letztere Scheibe sollte eigentlich ein Doppelalbum werden, wogegen die Plattenfirma erfolgreich ein Veto einlegte. So verwendete man die übriggebliebenen Stücke dann für "Ram It Down" und, ja, einige Lieder wie der schnelle Titelsong sind tatsächlich gelungen und auch wieder einen ganzen Zacken härter. Auch "Blood Red Skies" ist eine starke Hymne, ebenso "I´ m A Rocker" oder "Heavy Metal". Der Rest ist aber wirklich nur Ausschußware, der Sound zudem ähnlich katastrophal künstlich wie auf "Turbo" und die Coverversion des Rock´n Roll-Klassikers"Johnny B.Goode" ist in der Priest´ schen Metal-Adaption schlicht mißlungen und eher peinlich als nützlich.

"Painkiller" (1990, -3,5): Neuer Drummer (Scott Travis rein, Dave Holland raus), neue Zeiten: Angesichts der zahlreichen nachgewachsenen Schneller-härter-lauter-Konkurrenz (Metallica, Slayer, Pantera etc.) und nach den beiden letzten, eher suboptimalen Alben holte man nun zum ganz großen Schlag aus und knallte den Fans eine Scheibe vor den Latz, die in ihrer gnadenlosen Brutalität wohl kaum jemand von den alten englischen Herren erwartet hatte. Das hat natürlich mit einem Album wie "Sin After Sin" nichts mehr gemein, war aber 1990 auf der Höhe der Zeit und konnte sich demzufolge auch gut behaupten. Unterm Strich bleiben aber letztlich nur vier herausragende Hymnen mit hohem Wiedererkennungswert ("Painkiller"; "Night Crawler"; "A Touch Of Evil"; "Between The Hammer & The Anvil"). Der Rest ist leider überwiegend nur hart und brachial, bleibt aber nicht hängen und ähnelt sich untereinander zu sehr.

"Jugulator" (1997, -3,5): Ob es wirklich klug war, sich als Ersatz für den ausgestiegen Rob Halford einen Sänger zu holen, der genauso wie Rob klingt und sich zudem selber noch "Ripper" nennt, sei mal dahingestellt. Immerhin schaffte der Ripper es aber, live in gesangliche Höhen vorzudringen, die Halford himself schon länger nicht mehr unfallfrei hinbekam zu diesem Zeitpunkt. Davon abgesehen setzt "Jugulator" im Prinzip da an, wo "Painkiller" aufgehört hat. Hier und dort zwar etwas moderner und noch eine Spur härter ausgerichtet, aber dem standen auch einige bockstarke Songs gegenüber ("Bullet Train"; "Cathedral Spires"; "Burn In Hell"), die auf "Painkiller" keinesfalls negativ aufgefallen wären.

"Demolition" (2001, -1): Der Vollabsturz folgte dann dafür mit dem krampfhaft auf ultramodern getrimmten "Demolition", welches mit seinen abgehackten Nu Metal-Riffs, einem mehr brüllenden als singenden Ripper (ein großer Fehler, den Mann nicht mehr das tun zu lassen was er am besten konnte, sondern ihn zu zwingen ein Krakeele abzuliefern, das ihn wie ein sterbendes Alien klingen ließ) und der weitestgehenden Abwesenheit von Melodien seine einzige Daseinsberechtigung darin hatte, im Klo runtergespült zu werden. Tipton gab Jahre später zu, dass das Album nur deswegen so geraten sei, weil er seinen damals 11jährigen Sohn mal so richtig beeindrucken und vor ihm nicht als abgehalfterer Metal-Opa dastehen wollte. Zu dieser Aussage kann sich jetzt jeder selber seinen Teil denken.

"Angel Of Retribution" (2005, -3): Das Halford-Comeback ist dann mal so semi-prächtig. Zwar sicherlich deutlich besser als "Demolition" und auch mehr wieder um klassische Priest-Zutaten bemüht, aber trotzdem nicht so richtig rund. Irgendwie uninspiriert. Um ehrlich zu sein, habe ich einen Großteil der Songs im Laufe der Zeit vergessen. Einfach durchschnittlich.

"Nostradamus" (2008, -2): Da wollte die Band dann mal was ganz anderes machen und packte ein Konzeptalbum über Nostradamus auf den Tisch und es war sicherlich auch anders als vieles, was man vorher abgeliefert hatte. Nur, überzeugen konnte es mich auch nicht. Ich finde die Scheibe schrecklich unausgegoren und kompositorisch dünn. Eigentlich gibt es fast nichts daran, was mir wirklich gefällt - nur eines: Sie ist nicht ganz so beschissen wie "Demolition".....

"Redeemer Of Souls" (2014, -3,5): Mit Ritchie Faulkner als Ersatz für den ausgestiegenen K.K.Downing wurde "Redeemer Of Souls" präsentiert und diese Scheibe ist zwar auch nicht der Weisheit letzter Schluß, die Band klingt darauf aber deutlich frischer (im Sinne von motivierter) als auf den Werken davor, kann sich wieder zu ansprechenderen Melodien - früher eine große Priest-Stärke - aufraffen und liefert unterm Strich die beste Scheibe zumindest seit "Jugulator" ab.

"Firepower" (2018, -4,5): Das stärkste Priest-Album seit "Defenders Of The Faith", ohne jede Frage. Zwar absolut null innovativ und komplettes Malen nach Zahlen, aber endlich gefallen mir die Songs wieder fast durch die Bank, bis auf wenige verzeihbare Ausrutscher. Es gibt wieder große Melodiebögen mit Wiedererkennungswert, geile Riffs, Halford singt gut für seine nicht mehr ganz jugendlichen Verhältnisse und man hat endlich wieder Stücke, die im Ohr bleiben ("Lightning Strikes"; Titelsong; "Never The Heroes" etc.) und sich dort festzuzzeln können ohne zu nerven. Im Großen und Ganzen eine gute, wenn auch sicherlich kalkulierte Mischung aus den besten Momenten der "Screaming For Vengeance"/"Defenders Of The Faith"-Ära (Melodien) und "Painkiller" (Härte).

LIVE

"Unleashed In The East" (1979, -5.5): Ob jetzt "Unleashed In The Studio" oder nicht, ist mir in diesem Fall strunzegal. Das ist eine hammergeile Scheibe, deren Atmosphäre einen sofort in den Bann zieht, egal ob im Studio nachbearbeitet wurde, das spielt keine Rolle. Zudem ist es eine livehaftige quasi-Best Of der 70er Priest, inklusive des superben Fleetwood Mac-Covers "The Green Manalishi" (war in der Studioversion nur auf der US-Ausgabe der "Killing Machine"-Scheibe enthalten). Must have !

"Priest....Live!" (1988, -4,5): Knapp zehn Jahre später das zweite offizielle Livealbum. Auch eine ordentliche Scheibe, die naturgemäß natürlich vor allem die 80er Jahre abdeckt, aber nicht ganz so magisch und glanzvoll wie "Unleashed In The East".

"´98 Live Meltdown" (1998, -4,5): Tja, die Ripper-Phase hat auch ihren Live-Nachhall gefunden, wobei der Großteil der Songs natürlich aus Priest-Klassikern besteht, plus einigen Songs vom damals aktuellen "Jugulator"-Album, die sich gut einfügen ("Demolition" war ja zum Glück noch nicht erschienen). Recht rau, naturbelassen und aggressiv erscheint das Album, der Ripper intoniert kraftvoll, aber auch hier fehlt irgendwie das gewisse Etwas im Vergleich zum Überflieger "Unleashed In The East".
Wenn Musik Bilder erzeugen und den Hörer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erfüllt.

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Re: [RATING] Judas Priest

#2

Beitrag: # 1623Beitrag Vertigo
06.06.2017, 17:49

Studio-Alben

"Rocka Rolla" (1974): -3,5

"Sad Wings Of Destiny" (1976): -5

"Sin After Sin" (1977): -4,5

"Stained Class" (1978): -5

"Killing Machine" (1978): -4,5

"British Steel" (1980): -3

"Point Of Entry" (1981): -3

"Screaming For Vengeance" (1982): -4,5

"Defenders Of The Faith" (1984): -4

"Turbo" (1986): -3

"Ram It Down" (1988): -1

"Painkiller" (1990): -4,5

"Nostradamus" (2008): -5


Live-Alben

"Unleashed In The East" (1979): -4,5

"Priest....Live!" (1988): -3
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Re: [RATING] Judas Priest

#3

Beitrag: # 1881Beitrag AusDemWegIchBinArzt
11.06.2017, 19:20

Hätte ich nicht unbedingt erwartet, dass Du "Painkiller" und "Nostradamus" so hoch bewertest, gerade weil Du ja auch eher ein Freund der frühen Priest bist, die doch ziemlich anders geklungen haben.

Ebenfalls verwundert mich das magere eine Sternchen bei "Ram it down" - klar ist das definitiv nicht die Priest´sche Sternstunde schlechthin, aber sooo schlecht finde ich sie nun auch wieder nicht, jedenfalls nicht viel schlechter als "Point of Entry". Am meisten stört mich an "Ram it down" eigentlich der sterile Sound, der wohl noch ein "Turbo"-Überbleibsel war. Findste die Scheibe echt dermaßen grottig ?
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Vertigo
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Re: [RATING] Judas Priest

#4

Beitrag: # 1894Beitrag Vertigo
12.06.2017, 10:24

AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ↑
11.06.2017, 19:20
Hätte ich nicht unbedingt erwartet, dass Du "Painkiller" und "Nostradamus" so hoch bewertest, gerade weil Du ja auch eher ein Freund der frühen Priest bist, die doch ziemlich anders geklungen haben.

Ebenfalls verwundert mich das magere eine Sternchen bei "Ram it down" - klar ist das definitiv nicht die Priest´sche Sternstunde schlechthin, aber sooo schlecht finde ich sie nun auch wieder nicht, jedenfalls nicht viel schlechter als "Point of Entry". Am meisten stört mich an "Ram it down" eigentlich der sterile Sound, der wohl noch ein "Turbo"-Überbleibsel war. Findste die Scheibe echt dermaßen grottig ?
"Painkiller" find ich schon ein geiles Metal-Brett, nur halt nicht wirklich so priestig. Aber als reine Heavy Metal Scheibe betrachtet hats da schon einige saugute Stücke drauf. "Nostradamus" find ich sehr mutig und sehr gelungen. Sowas hätt ich nie mehr von Priest erwartet, dass sie sich selber nochmal rausfordern ob da noch mehr als nach Schema F geht. Natürlich gefällt mir da nicht jedes Stück gut, aber Konzeptwerke betrachte ich als Ganzes, obs mich dann so anspricht und das tut es hier.

Die "Ram It Down" hab ich ewig nimmer gehört, aber die hab ich als fürchterlich schlecht in Erinnerung. Den Sound und die Songs. Die "Point Of Entry" ist keine wirklich schlechte, nur ein bisserl fad, aber da weiß ich, dass ich jedesmal wenn ich die auflegte (was selten geschah weil ich das Cover absolut nichtssagend finde, obwohl ich die Farben mag) mir dachte ach die ist gar nicht so schlecht, die ist ganz nett.

Is aber bei der "Ram", bei der "Painkiller" und der "Point" eine Bewertung aus dem Gedächtnis. Aktuell hab ich von dem Quartett nur die "Nostradamus".
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Re: [RATING] Judas Priest

#5

Beitrag: # 1914Beitrag AusDemWegIchBinArzt
12.06.2017, 16:44

Vertigo hat geschrieben: ↑
12.06.2017, 10:24
AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ↑
11.06.2017, 19:20
Hätte ich nicht unbedingt erwartet, dass Du "Painkiller" und "Nostradamus" so hoch bewertest, gerade weil Du ja auch eher ein Freund der frühen Priest bist, die doch ziemlich anders geklungen haben.

Ebenfalls verwundert mich das magere eine Sternchen bei "Ram it down" - klar ist das definitiv nicht die Priest´sche Sternstunde schlechthin, aber sooo schlecht finde ich sie nun auch wieder nicht, jedenfalls nicht viel schlechter als "Point of Entry". Am meisten stört mich an "Ram it down" eigentlich der sterile Sound, der wohl noch ein "Turbo"-Überbleibsel war. Findste die Scheibe echt dermaßen grottig ?
"Painkiller" find ich schon ein geiles Metal-Brett, nur halt nicht wirklich so priestig. Aber als reine Heavy Metal Scheibe betrachtet hats da schon einige saugute Stücke drauf. "Nostradamus" find ich sehr mutig und sehr gelungen. Sowas hätt ich nie mehr von Priest erwartet, dass sie sich selber nochmal rausfordern ob da noch mehr als nach Schema F geht. Natürlich gefällt mir da nicht jedes Stück gut, aber Konzeptwerke betrachte ich als Ganzes, obs mich dann so anspricht und das tut es hier.

Die "Ram It Down" hab ich ewig nimmer gehört, aber die hab ich als fürchterlich schlecht in Erinnerung. Den Sound und die Songs. Die "Point Of Entry" ist keine wirklich schlechte, nur ein bisserl fad, aber da weiß ich, dass ich jedesmal wenn ich die auflegte (was selten geschah weil ich das Cover absolut nichtssagend finde, obwohl ich die Farben mag) mir dachte ach die ist gar nicht so schlecht, die ist ganz nett.

Is aber bei der "Ram", bei der "Painkiller" und der "Point" eine Bewertung aus dem Gedächtnis. Aktuell hab ich von dem Quartett nur die "Nostradamus".
Die "Ram it down" enthält teilweise Material aus den "Turbo"-Sessions, welches für zu heavy befunden und erstmal auf Halde gelegt wurde. Eigentlich sollte die "Turbo" ja ein Doppelalbum ("Twin Turbos") werden und hätte man diese Lösung tatsächlich gewählt, wären die Stücke warscheinlich auch dort drauf gelandet.

Aber da hatte die Plattenfirma keinen Bock drauf und schon gar nicht vor dem Hintergrund, das die Priester die geplante Doppelscheibe zum Preis eines einfachen Vinyls verkaufen wollten.

Also hat man die Menge der Stücke zusammengestrichen und der eine Teil davon, überwiegend die kommerzielleren, ist dann halt auf "Turbo" gelandet während einige der übriggebliebenen Stücke (wohl nicht alle) dann für "Ram it down" verbraten wurden.

Einige Stücke wie den Titelsong oder "Blood Red Skies" finde ich richtig klasse und auch beispielsweise dem zum Teil etwas durchschnittlichen "Point of entry"-Material kompositorisch überlegen. Da stört mich wirklich nur der grauenvolle Sound im "Turbo"-Gewand, wobei ich denke, mit einer Produktion a´la "Screaming for Vengeance" wären die nicht nur gut, sondern sogar RICHTIG gut geworden. Das Cover von "Johnny B.Goode" gefiel mir auch immer schon, aber auch da denke ich, es würde deutlich besser und nachhaltiger wirken, wenn es mit einer reduzierteren, schlichteren Produktion daherkommen würde. Chuck Berry im aufgeblasenen Vollfett-Soundgewand der 80er, mit Monstergitarren und hallenden Drums, das funktioniert in der Kombination nicht so richtig. Die Grundzutaten sind super, aber die Umsetzung hätte besser und passender sein können.

Wie schon gesagt, ich halte das Ding nicht für den besten Priest-Longplayer, ganz bestimmt nicht, aber für ramschige Resteverwertung oder Totalschrott auch nicht. Wenn ich das Level "Point of entry" anpeile, dann paßt das schon, denke ich immer so. Da gab es auch ein paar wenige gute Sachen (z.B. "Hot rockin´") und viel durchschnittliches, allerdings war der Sound dort nicht so grenzwertig. Wenn ich bei Priest an Müll denke, dann fallen mir sofort "Jugulator" und vor allem "Demolition" ein, mit dem Halford-Ersatzkasper Ripper Owens (wenn man sich schon Ripper nennt, mein Gott...). Insbesondere letztere sprengt wirklich jede Vorstellungskraft, so dermaßen beschissen ist das Teil. Damals dachte ich auch wirklich, jetzt isses vorbei mit Priest, endgültig. Aber ich glaube, die beiden Ripper-Scheiben kennst Du gar nicht, oder ?
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Re: [RATING] Judas Priest

#6

Beitrag: # 1917Beitrag Vertigo
12.06.2017, 16:57

Nein, die Ripper Scheiben kenn ich nicht, die hab ich ausgelassen. Und das "Ram It Down" großteils die Reste der "Turbo" Aufnahmen enthält wußte ich auch noch nicht. Aber mit der "Turbo" kann ich auch nicht so richtig. Nach der "Defenders Of The Faith" war für mich a bisserl die Luft raus bei den Priestern, die dann erst wieder mit der "Painkiller" reingeblasen wurde. Ich mag aber auch Dave Hollands Drumming überhaupt nicht, da empfand ich Scott Travis dann schon mal einen Lichtblick im Vergleich. Wobei sie ja in meinen Ohren den Les Binks behalten hätten sollen. Spielt versiert, aber kann eben auch heavy trommeln.
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Re: [RATING] Judas Priest

#7

Beitrag: # 1921Beitrag AusDemWegIchBinArzt
12.06.2017, 17:09

Vertigo hat geschrieben: ↑
12.06.2017, 16:57
Nein, die Ripper Scheiben kenn ich nicht, die hab ich ausgelassen. Und das "Ram It Down" großteils die Reste der "Turbo" Aufnahmen enthält wußte ich auch noch nicht. Aber mit der "Turbo" kann ich auch nicht so richtig. Nach der "Defenders Of The Faith" war für mich a bisserl die Luft raus bei den Priestern, die dann erst wieder mit der "Painkiller" reingeblasen wurde. Ich mag aber auch Dave Hollands Drumming überhaupt nicht, da empfand ich Scott Travis dann schon mal einen Lichtblick im Vergleich. Wobei sie ja in meinen Ohren den Les Binks behalten hätten sollen. Spielt versiert, aber kann eben auch heavy trommeln.

Ja, Les Binks, das wärs gewesen. Oder eben Simon Phillips, mein Favorit, leider ja nur auf "Sin after Sin" zu hören.

Das Drumming von Dave Holland ist zwar effektiv und schnörkellos, aber dadurch irgendwie auch einfallslos und fade, fand ich immer. Irgendwie groovt mir der nicht so richtig (und das, obwohl er mal bei Trapeze war, wo es deutlich funk-grooviger zur Sache ging), der holzt einfach so durch, ohne größere Akzente zu setzen. Austauschbar.

Hätte allerdings nicht gedacht, dass Du den Travis vorziehst, weil der ja eher zu dieser modernen Generation von Metaldrummern gehört und da bist Du doch auch nicht so der übergroße Freund von.

Was ich übrigens immer sehr unterhaltsam fand und nach wie vor finde ist, dass sich viele immer so über "Turbo" aufgeregt haben und teilweise immer noch aufregen, aber man bei "Defenders of the faith" eigentlich schon sehr genau hören kann, wohin die Reise ging (besonders bei "Love Bites" oder auch "The Sentinel"). Da ist "Turbo" eigentlich nur die nächste logische Evolutionsstufe gewesen, aber so extrem weit auseinander liegt das alles nicht.
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Re: [RATING] Judas Priest

#8

Beitrag: # 1925Beitrag Vertigo
12.06.2017, 17:22

AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ↑
12.06.2017, 17:09

Ja, Les Binks, das wärs gewesen. Oder eben Simon Phillips, mein Favorit, leider ja nur auf "Sin after Sin" zu hören.

Das Drumming von Dave Holland ist zwar effektiv und schnörkellos, aber dadurch irgendwie auch einfallslos und fade, fand ich immer. Irgendwie groovt mir der nicht so richtig (und das, obwohl er mal bei Trapeze war, wo es deutlich funk-grooviger zur Sache ging), der holzt einfach so durch, ohne größere Akzente zu setzen. Austauschbar.

Hätte allerdings nicht gedacht, dass Du den Travis vorziehst, weil der ja eher zu dieser modernen Generation von Metaldrummern gehört und da bist Du doch auch nicht so der übergroße Freund von.

Was ich übrigens immer sehr unterhaltsam fand und nach wie vor finde ist, dass sich viele immer so über "Turbo" aufgeregt haben und teilweise immer noch aufregen, aber man bei "Defenders of the faith" eigentlich schon sehr genau hören kann, wohin die Reise ging (besonders bei "Love Bites" oder auch "The Sentinel"). Da ist "Turbo" eigentlich nur die nächste logische Evolutionsstufe gewesen, aber so extrem weit auseinander liegt das alles nicht.
Stimmt schon, auf "Defenders..." sieht man schon den Weg, von daher schon die logische Fortführung. Packt mich halt nur nicht so. Les Binks fand ich immer dem Simon Phillips nicht unähnlich. Der will ja in keiner Band spielen soweit ich weiß, kann man bei ihm aber auch verstehen, da ihm eh die gesamte alte und neue Drummergilde zu Füßen liegt, kann er sich jeden Monat aussuchen welchen Job er machen mag. Tut seinem Spiel natürlich auch gut, da er ja wirklich alles trommelt und auf so ziemlich jede Musik neugierig scheint, sich da einzufühlen. So ne Haltung mag ich sehr.

Dave Holland ist stocksteif. Ich kenn die Trapeze Alben nicht - auch so ne Band die mal nachgeholt werden will - aber wenn du sagst da trommelt er besser, dann werd ich die vielleicht doch eher mal testen dann. Priest wollten ja einen reduzierten, schnörkellosen (auch genannt langweiligen) Stil haben, den Binks nicht spielen wollte, soweit ich weiß. Der war ihnen zu gut, zu verspielt. Auch nicht wirklich ein Kompliment für Holland. Wenn er dann wenigstens grooven würde, aber der klingt als ob er sein eigener Schlagzeugschüler wäre, so steif. Hätte er mal lieber mit sich rumspielen sollen als mit denen.

Moderne Metaldrummer mag ich auch nicht unbedingt, vor allem aber nicht wenns nicht zur Musik passt. Alte Sabbath-Musik mit modernem Drumming, das geht halt gar nicht. Was die Priester da auf "Painkiller" rausballern fand ich damals ganz unglaublich nach dem schnarchigen Holland. Und dazu sägt Halford als obs kein Morgen gäbe. Das ist so ne Stinkefinger Platte, so eine wir zeigen euch, dass wir noch absolut alles draufhaben Scheibe. Klingt schon, als obs auch für die Band befreiend war nach den Experimentierjahren vorher.

Ich mag ja auch den Mike Portnoy z.B. der ja auch modern hart trommelt, aber bei Dream Theater passts halt auch dazu. Aber mögen und lieben sind zwei paar Stiefel. Lieben tu ich die klassischen Trommler.
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Re: [RATING] Judas Priest

#9

Beitrag: # 1957Beitrag AusDemWegIchBinArzt
13.06.2017, 07:37

Vertigo hat geschrieben: ↑
12.06.2017, 17:22
AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ↑
12.06.2017, 17:09

Ja, Les Binks, das wärs gewesen. Oder eben Simon Phillips, mein Favorit, leider ja nur auf "Sin after Sin" zu hören.

Das Drumming von Dave Holland ist zwar effektiv und schnörkellos, aber dadurch irgendwie auch einfallslos und fade, fand ich immer. Irgendwie groovt mir der nicht so richtig (und das, obwohl er mal bei Trapeze war, wo es deutlich funk-grooviger zur Sache ging), der holzt einfach so durch, ohne größere Akzente zu setzen. Austauschbar.

Hätte allerdings nicht gedacht, dass Du den Travis vorziehst, weil der ja eher zu dieser modernen Generation von Metaldrummern gehört und da bist Du doch auch nicht so der übergroße Freund von.

Was ich übrigens immer sehr unterhaltsam fand und nach wie vor finde ist, dass sich viele immer so über "Turbo" aufgeregt haben und teilweise immer noch aufregen, aber man bei "Defenders of the faith" eigentlich schon sehr genau hören kann, wohin die Reise ging (besonders bei "Love Bites" oder auch "The Sentinel"). Da ist "Turbo" eigentlich nur die nächste logische Evolutionsstufe gewesen, aber so extrem weit auseinander liegt das alles nicht.
Stimmt schon, auf "Defenders..." sieht man schon den Weg, von daher schon die logische Fortführung. Packt mich halt nur nicht so. Les Binks fand ich immer dem Simon Phillips nicht unähnlich. Der will ja in keiner Band spielen soweit ich weiß, kann man bei ihm aber auch verstehen, da ihm eh die gesamte alte und neue Drummergilde zu Füßen liegt, kann er sich jeden Monat aussuchen welchen Job er machen mag. Tut seinem Spiel natürlich auch gut, da er ja wirklich alles trommelt und auf so ziemlich jede Musik neugierig scheint, sich da einzufühlen. So ne Haltung mag ich sehr.

Dave Holland ist stocksteif. Ich kenn die Trapeze Alben nicht - auch so ne Band die mal nachgeholt werden will - aber wenn du sagst da trommelt er besser, dann werd ich die vielleicht doch eher mal testen dann. Priest wollten ja einen reduzierten, schnörkellosen (auch genannt langweiligen) Stil haben, den Binks nicht spielen wollte, soweit ich weiß. Der war ihnen zu gut, zu verspielt. Auch nicht wirklich ein Kompliment für Holland. Wenn er dann wenigstens grooven würde, aber der klingt als ob er sein eigener Schlagzeugschüler wäre, so steif. Hätte er mal lieber mit sich rumspielen sollen als mit denen.

Moderne Metaldrummer mag ich auch nicht unbedingt, vor allem aber nicht wenns nicht zur Musik passt. Alte Sabbath-Musik mit modernem Drumming, das geht halt gar nicht. Was die Priester da auf "Painkiller" rausballern fand ich damals ganz unglaublich nach dem schnarchigen Holland. Und dazu sägt Halford als obs kein Morgen gäbe. Das ist so ne Stinkefinger Platte, so eine wir zeigen euch, dass wir noch absolut alles draufhaben Scheibe. Klingt schon, als obs auch für die Band befreiend war nach den Experimentierjahren vorher.

Ich mag ja auch den Mike Portnoy z.B. der ja auch modern hart trommelt, aber bei Dream Theater passts halt auch dazu. Aber mögen und lieben sind zwei paar Stiefel. Lieben tu ich die klassischen Trommler.
Na ja, was heißt er trommelt bei Trapeze besser ? Ich denke, der beste Schlagzeuger der Welt war er dort auch nicht, aber ein bißchen mehr Groove und Feeling war schon dabei. Ganz so stupide und hölzern wie bei Priest erscheint er mir dort nicht.

Holland hat interessanterweise selber mal gesagt, dass er für seinen Einstieg bei Priest seinen Schlagzeugstil nicht groß verändern mußte. Ob das jetzt gut oder schlecht ist, sei mal dahingestellt...aber Trapeze sind musikalisch eine ganz andere Baustelle als Priest, von daher finde ich eine solche Aussage etwas verwunderlich und aus meiner Sicht hört man schon in den Feinheiten ein paar Unterschiede, wie gesagt. Aber im Großen und Ganzen brauchte er sich dem Priest-Stil wohl nicht großartig anzupassen und Priest seinem Stil auch nicht.

Priest wollten damals ja wohl auch einen schlichten, straighten Drummer haben, der ohne viel Aufhebens nach vorne geht und nicht zu komplizierte Figuren spielt, weil sie von dem ihrer Meinung nach "muffigen" oder "altmodischen" Touch ihrer frühen Werke weg wollten, die bekanntlich etwas komplexer und abwechslungsreicher waren und sich aus unterschiedlicheren Stilquellen bedienten. Das hatte mit dem schnörkellosen Sound, der dann spätestens ab "British Steel" so richtig Einzug hielt, noch nicht allzuviele Gemeinsamkeiten. Ob das nun für Hollands Qualitäten oder gegen ihn spricht, wie Du schon anmerkst, ist natürlich eine zweite Frage.

Wo Du Halfords Gesang bei "Painkiller" ansprichst, genau der ist es, der mich an der Scheibe am meisten stört. Auf den früheren Alben klang er viel natürlicher und schöpfte sein stimmliches Potenzial ganz anders aus, aber auf "Painkiller" ist er für meinen Geschmack viel zu extrem, zu überdreht, zu kreischig. So, als wollte er der ganzen jungen, nachgewachsenen Gilde von Metalsängern damals zeigen, dass er immer noch mithalten kann.
Wenn Musik Bilder erzeugen und den Hörer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erfüllt.

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Re: [RATING] Judas Priest

#10

Beitrag: # 1980Beitrag Vertigo
13.06.2017, 10:58

AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ↑
13.06.2017, 07:37

Wo Du Halfords Gesang bei "Painkiller" ansprichst, genau der ist es, der mich an der Scheibe am meisten stört. Auf den früheren Alben klang er viel natürlicher und schöpfte sein stimmliches Potenzial ganz anders aus, aber auf "Painkiller" ist er für meinen Geschmack viel zu extrem, zu überdreht, zu kreischig. So, als wollte er der ganzen jungen, nachgewachsenen Gilde von Metalsängern damals zeigen, dass er immer noch mithalten kann.
Kann ich schon verstehen, dass dich das stört. Die "Painkiller" ist auch keine Platte (ich hatte sie mal) die man oft oder am Stück hören kann, jedenfalls gings mir so. Da schießen sie einfach alles in Grund- und Boden und das erschöpft sich natürlich auch schnell, es sei denn man platzt grad vor Wut. Ich glaub schon, dass der Ansatz für das Album war, all den jungen Metalbands mal zu zeigen wers erfunden hat so in etwa. Drum fiel die so extrem aus.

Was ist denn an den Ripperscheiben so scheiße? Nur der Gesang? Oder auch die Songs, der Sound? Wie gesagt, ich kenn die alle nicht, gibt glaub ich auch ein Livealbum mit ihm, oder?
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Re: [RATING] Judas Priest

#11

Beitrag: # 1987Beitrag AusDemWegIchBinArzt
13.06.2017, 11:15

Vertigo hat geschrieben: ↑
13.06.2017, 10:58
AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ↑
13.06.2017, 07:37

Wo Du Halfords Gesang bei "Painkiller" ansprichst, genau der ist es, der mich an der Scheibe am meisten stört. Auf den früheren Alben klang er viel natürlicher und schöpfte sein stimmliches Potenzial ganz anders aus, aber auf "Painkiller" ist er für meinen Geschmack viel zu extrem, zu überdreht, zu kreischig. So, als wollte er der ganzen jungen, nachgewachsenen Gilde von Metalsängern damals zeigen, dass er immer noch mithalten kann.
Kann ich schon verstehen, dass dich das stört. Die "Painkiller" ist auch keine Platte (ich hatte sie mal) die man oft oder am Stück hören kann, jedenfalls gings mir so. Da schießen sie einfach alles in Grund- und Boden und das erschöpft sich natürlich auch schnell, es sei denn man platzt grad vor Wut. Ich glaub schon, dass der Ansatz für das Album war, all den jungen Metalbands mal zu zeigen wers erfunden hat so in etwa. Drum fiel die so extrem aus.

Was ist denn an den Ripperscheiben so scheiße? Nur der Gesang? Oder auch die Songs, der Sound? Wie gesagt, ich kenn die alle nicht, gibt glaub ich auch ein Livealbum mit ihm, oder?
Ja, und das Live-Album ("´98 Live Meltdown") ist sogar noch das beste mit ihm, natürlich auch, weil sie da nicht nur neue Songs präsentieren, sondern viele Klassiker. Eine gute Mischung aus beidem.

Am Gesang liegts eigentlich nicht, da kann man dem Ripper nix vorwerfen. Aber wie auch ? Er kann singen und klingt halt wie eine nahezu exakte Halford-Kopie und daran ist ja per se erst mal nix verkehrtes. Natürlich stellt man sich schon die Frage, ob ein eigenständiger Sänger, welcher seinen eigenen Stempel aufdrückt, nicht die sinnvollere Alternative gewesen wäre. Aber das wollte man vermutlich nicht riskieren, da der Halford-Gesang ja 20 Jahre lang ein wichtiges Trademark geworden war. Also eben das Plagiat, nun gut. Nein, das ist also nicht unbedingt das Hauptproblem.

Die Songs und der Sound sind das Hauptübel. Offenbar getrieben von derm Gedanken, unter all den damals modernen, trendigen und erfolgreichen Metalbands (Pantera, Machine Head, Fear Factory und wie sie alle heißen) härtemäßig und von der Extremität her mithalten zu müssen, schuf man zwei Alben mit unpassend modernen Riffs und unterkühltem, stark komprimiertem und relativ undynamischem Vollfett-Sound, wo es mehr auf scheinbare Brutalität als auf Qualität ankam.

"Jugulator" wirkt dabei noch am ehesten wie eine gesteigerte Fortsetzung von "Painkiller" und enthält zumindest mit dem neunminütigen "Cathedral Spires", "Bullet Train" und "Burn In Hell" drei Songs mit Wiedererkennungswert, die auch auf "Painkiller" hätten stehen können und stilistisch in diese Richtung gehen. Der Rest ist noch mehr auf "zeitgemäß" getrimmt und überzeugt überhaupt nicht. Viele uninspirierte Brutaloriffs, viel (unter-)durchschnittliches.

"Demolition" ist dann noch eine Stufe schlimmer, da überzeugt nicht mal ein einziges Stück auch nur halbwegs. Das ist für mich das absolut mieseste Priest-Album aller Zeiten, nur auf modern getrimmter Riffmüll, keine ansprechenden Melodien, beschissener Sound und definitiver Kandidat für eine Ein-Stern-Bewertung. Da ist "Ram it down" um Längen besser dagegen...;-)

Also, letztlich sind beide Scheiben, sowohl "Jugulator" als auch "Demolition", weitgehend verzichtbar. War natürlich blöd für den Ripper und dessen Karrierehoffnungen, vor allem, weil sie ihn kurz nach "Demolition" rausgekickt und Halford wieder zurückgeholt haben. Was auch zu erwarten war.

Kurioserweise hatte sich das ja bei Maiden kurz vorher mit Bailey vs.Dickinson ganz ähnlich abgespielt, nur mit dem Unterschied, dass selbst die schwächsten Maiden-Alben nicht so mies waren / sind, wie die Tiefflieger von Priest.
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Re: [RATING] Judas Priest

#12

Beitrag: # 1990Beitrag Vertigo
13.06.2017, 11:49

AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ↑
13.06.2017, 11:15

... nur mit dem Unterschied, dass selbst die schwächsten Maiden-Alben nicht so mies waren / sind, wie die Tiefflieger von Priest.
Ui!! Und das von dir, wo ich weiß, dass du die Bayley Scheiben nicht magst. Da müssen die Priester ja wirklich totalen Scheiß abgeliefert haben. Liest sich so, wenn du sagst, dass sie sich da einfach an dumme Brutalo-Trends drangehängt haben
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Re: [RATING] Judas Priest

#13

Beitrag: # 1992Beitrag AusDemWegIchBinArzt
13.06.2017, 12:07

Vertigo hat geschrieben: ↑
13.06.2017, 11:49
AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ↑
13.06.2017, 11:15

... nur mit dem Unterschied, dass selbst die schwächsten Maiden-Alben nicht so mies waren / sind, wie die Tiefflieger von Priest.
Ui!! Und das von dir, wo ich weiß, dass du die Bayley Scheiben nicht magst. Da müssen die Priester ja wirklich totalen Scheiß abgeliefert haben. Liest sich so, wenn du sagst, dass sie sich da einfach an dumme Brutalo-Trends drangehängt haben
Ist ja auch so, genauso hören sich die Scheiben leider an. Kannste im Prinzip gut drauf verzichten, da haben sich Priest echt nicht mit Ruhm bekleckert.

Außerdem: Welchen Bockmist Maiden auch immer fabriziert haben - mein Herz hängt an Maiden immer noch ein ganzes Stück mehr als an Priest, da verzeihe ich Steve Harris & Co. sogar den ganzen Müll der seit dem "X-Factor" erschienen ist....*duck und weglauf* ;-)

Nein, im Ernst jetzt...selbst bei allen zu recht kritisierbaren Schwachpunkten der Bailey-oder der neuen Dickinson-Ära haben sich Maiden nie an billige Trends angebiedert wie Priest und ohne sich um andere zu scheren immer ihr eigenes Ding gemacht, egal ob da was gutes oder weniger gutes bei herauskam.

Zweitens haben Maiden auch in ihren schwächsten Zeiten (also seit "The X-Factor") immer die bessere Antenne für Melodien gehabt (auch wenn sich vieles wiederholt, nicht auf den Punkt kommt, in Dudelparts ertrinkt oder durch ewig gleich klingende Intros eingeleitet und nach häufig ähnlichem Schema aufgebaut wird).

Und drittens hat es nie ein Maiden-Album gegeben, was rundum beschissen war. Selbst auf "X-Factor" gibt es den einen oder anderen guten Song ("Sign of the cross", "The Unbeliever"), ebenso auf "Virtual XI." ("Clansman", "Futureal") und sogar auf dem von mir geradezu verhassten "Final Frontier" ("Satellite 15...The Final Frontier", "Mother Of Mercy"). Wenn auch nicht in jedem Fall so gut wie die großen Klassiker der Band, dann doch zumindest sehr dicht dran und mit vernünftigem Gesang (die Bailey-Nummern) und vor allem vernünftiger Produktion (alle) bzw. einem Martin Birch als Korrektiv hätten sie exakt das gleiche Level erreicht.

Auf jedem Maiden-Album, egal wie schwächlich es geraten ist, finden sich immer doch so mindestens zwei bis drei wirklich gelungene Stücke, das kann ich auch problemlos zugeben, auch wenn ich nach wie vor der Ansicht bin dass a) "Seventh Son..." die letzte wirklich rundum überzeugende, großartige, fehlerfreie Maiden war und b) das vielgescholtene "No Prayer.."-Album und auch "Fear of the Dark" besser sind als etliches, was von Maiden seit "The X-Factor" kam.

Und damit meine ich auch besser als "Brave New World", das für mich damals eher enttäuschend ausfiel, weil sich eigentlich im Vergleich zu den Bailey-Alben nicht wirklich viel geändert hatte, nur dass der Gesang wieder besser war und mit "Ghost of The Navigator" ein echtes spätes Highlight vertreten.

Bei "Book of souls" hat für mich die Kurve erstmals seit Jahren wieder wirklich nach oben gezeigt, eine solche Steigerung im Vergleich zum finalen Frontier oder einigen anderen Alben der jüngeren Maiden-Zeit hätte ich nicht mehr für möglich gehalten. Obwohl auch das kein zweites "Seventh son..." mehr geworden ist, aber immerhin qualitativ auf einem Niveau mit etwa "Fear Of The Dark" und das heißt schon was, nämlich, dass es sich um das beste Maiden-Album seit 1992 handelt. Immerhin.
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Re: [RATING] Judas Priest

#14

Beitrag: # 49155Beitrag Vertigo
08.11.2018, 08:45

So, mit den "Kurz" :mrgreen: -Kommentaren, finde ich das Rating tatsächlich viel, viel besser und vor allem nun interessant zu lesen.

Denn, mal ehrlich, wie interessant isses denn, wenn du irgendwo reinguckst und da siehst du Sternchen und sonst nix?
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Re: [RATING] Judas Priest

#15

Beitrag: # 49172Beitrag AusDemWegIchBinArzt
08.11.2018, 10:09

Vertigo hat geschrieben: ↑
08.11.2018, 08:45
So, mit den "Kurz" :mrgreen: -Kommentaren, finde ich das Rating tatsächlich viel, viel besser und vor allem nun interessant zu lesen.

Denn, mal ehrlich, wie interessant isses denn, wenn du irgendwo reinguckst und da siehst du Sternchen und sonst nix?
Kürzer gings bei einigen einfach nicht.. :biggrinn: ...aber mir gefällt das tatsächlich so auch besser. Vielleicht sollten wir das wirklich so beibehalten in Zukunft.
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Re: [RATING] Judas Priest

#16

Beitrag: # 49177Beitrag Vertigo
08.11.2018, 10:15

AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ↑
08.11.2018, 10:09
Vielleicht sollten wir das wirklich so beibehalten in Zukunft.
Wär ich absolut dafür. Da würde ich mich dann auch mal aufraffen und Wertungen abgeben, weils einfach dann interessant zu lesen ist.
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Re: [RATING] Judas Priest

#17

Beitrag: # 49213Beitrag AusDemWegIchBinArzt
08.11.2018, 17:26

Vertigo hat geschrieben: ↑
08.11.2018, 10:15
AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben: ↑
08.11.2018, 10:09
Vielleicht sollten wir das wirklich so beibehalten in Zukunft.
Wär ich absolut dafür. Da würde ich mich dann auch mal aufraffen und Wertungen abgeben, weils einfach dann interessant zu lesen ist.
Ich hab jetzt mal mit meiner alten Scorpions-Bewertung weitergemacht und die entsprechend überarbeitet. Das ist natürlich etwas aufwendiger als einfach nur die Sterne hinzuknallen, klar, macht aber definitiv Spaß. Wobei ich jetzt immer wieder feststelle, dass
es mit zwei Sätzen nur in wenigen Fällen getan ist. :biggrinn:
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Re: [RATING] Judas Priest

#18

Beitrag: # 49217Beitrag Vertigo
08.11.2018, 18:05

...man kennt dich ja :biggrinn:
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Re: [RATING] Judas Priest

#19

Beitrag: # 49218Beitrag AusDemWegIchBinArzt
08.11.2018, 18:17

Vertigo hat geschrieben: ↑
08.11.2018, 18:05
...man kennt dich ja :biggrinn:
Ich fürchte, ja.... boys_0222
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