Obskurer Progressive Rock 1980-1985

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Pavlos
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Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89129Beitrag Pavlos
07.02.2021, 14:42

Ich will aufzeigen, dass der Prog ab Ende der 70er bis Mitte der 80er gar nicht mal soooooo tot war, wie er oftmals dargestellt wird. Er roch vielleicht streng, das stimmt wohl, aber hier und da zuckte er weiter und weigerte sich einfach ins helle Licht zu laufen. Ok, die Hochphase war natürlich schon längst vorbei und andere Stile bestiegen den Thron, aber hier und da wurden auch weiterhin progressive Ausrufezeichen gesetzt, sei es von den great old ones, die weiterhin Scheiben veröffentlichten (Rush, Marillion, King Crimson, Genesis, Yes, Eloy, um jetzt nur mal die ganz großen Namen zu nennen), oder aber auch von weniger bekannten Truppen, die praktisch auf der ganzen Welt verteilt weiterhin ihre veträumte Musik vor sich hin zelebrierten und, scheinbar von der Außenwelt komplett ignoriert, weiterhin ganz dolle an die Kraft ihrer Schöpfung und ihre Wurzeln glaubten. Es folgt eine kleine (chronologische) Auflistung vergessener Juwelen aus dem Zeitraum 1980 bis 1985, die nur darauf warten von Prog-affinen Musikfans entdeckt zu werden. Ich habe für jede Scheibe einen Song verlinkt.


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Asia Minor - Between Flesh And Divine (Frankreich, 1980)
Los geht's mit einer Truppe aus dem Pariser Raum, die zur Hälfte aus türkischen Emigranten bestand. Demenstprechend finden sich viele orientalisch angehauchte Passagen auf der Scheibe, die prima zum emotionalen, instrumental ganz oft an frühe Camel erinnernden Stoff der Band passt. Ja, sogar die Flöte wird oftmals gekonnt integriert, wie man gleich im wunderschönen Opener Nightwind hören kann. Empfehlenswert sind auch der Vorgänger Crossing The Line (1979), sowie das erst letztes Jahr erschienene Points Of Libration, aber ihren kreativen Höhepunkt hatten die Jungs definitiv auf dem hier vorgestellten Meisterwerk des melancholisch angehauchten Symphonic Progs.


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Exodus - The Most Beautiful Day (Polen, 1980)
Bombastischer Symphonic Prog, der gerne das erzählerische Element alter Genesis aufnimmt und gekonnt wiedergibt, aber auch viele harte Passagen am Start hat, die gefühlt schon den bald daruf schon aufkommenden NeoProg vorwegnehmen. Nachzuhören u.a. auf dem grandiosen 20minütigen Titeltrack Ten Najpiekniejszy Dzien - Suita, der die Longtrack-Disziplin begeisternd meistert. Saga oder die ungarischen Omega kommen mir aks Vergleich auch in den Sinn. Ach ja, trotz des englischen Albumtitels wird in der Landessprache gesungen, das vielleicht noch als wichtige Info, da sich der ein oder andere Hörer damit schwertun könnte.


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Kerrs Pink - Kerrs Pink (Norwegen, 1980)
Auch hier waren Camel die großen Vorbilder. Die Musik lebt hauptsächlich von fragilen Gitarrenpassagen, intensiven Mellotronteppichen und den zurückhaltenden (aber irgendwie perfekt passenden) Vocals, die gerne auch mal mehrstimmig vorgetragen werden. Gesungen wird übrigens auf Norwegisch, und zusammen mit den immer wieder eingebauten nordischen Folklore-Parts ergibt das eine wunderbare, für die damalige Zeit wohl einzigartige Mischung. Camel auf Norwegisch, so könnte man die Scheibe kurz zusammenfassen, nachzuhören auf dem ausgezeichneten Hvis Jeg Er Der Neste Aar. Nach dem hier vorgestellten Debüt kam noch ein weiteres (ebenso starkes) Album, gefolgt von einer lange Pause und dem Wiederbeleben der Band Mitte der 90er. Seitdem gibt es alle paar Jahre eine neue Studioscheibe, die Nächste steht schon in den Startlöchern.


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Agamemnon - Part I & II (Schweiz, 1981)
Wird oft als schweizer Release geführt, und wurde auch dort (St. Gallen) aufgenommen und in Eigenreige veröffentlicht, involviert waren jedoch deutsche Musiker. Dementsprechend krautig klingt der elegisch vorgetragene Psych/Folk Rock der Truppe dann auch, think Minotaurus, Epidaurus und in den folkigen Abschnitten Carol Of Harvest. Es macht Spaß dem Zusammenspiel zwischen Saiten und Tasten in den vielen ausufernden Instrumentalpassagen beizuwohnen, gerade Part I hat viele tolle Momente. Inhaltlich geht es, wer hätte das bei dem Titel gedacht, um das Leben Agamemnons, dem König von Mykene und dem Anführer der Griechen im Trojanischen Krieg. Gedacht war, den Stoff in vier auf zwei seperaten Platten verteilten musikalischen Teilen (Geburt, König, Troja, Tod) zu präsentieren. Leider ging man nach der ersten Scheibe getrennte Wege und so kamen nur die beiden ersten Kapitel zu Veröfentlichungsehren, die Teile II und IV gab es damals nur auf Konzerten zu hören.


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Modry Efekt - 33 (Tschechien, 1981)
Modry Efekt (auch bekannt als M.Efekt oder Blue Effect) waren in ihrer Heimat die führende Progressive Rock Band, vom Status her vergleichbar mit Omega in Ungarn oder SBB in Polen. Zwischen 1970 und 1981 veröffentlichte das Trio acht wunderbare Platten und war dabei von Heavy Rock über Jazz bis hin zu eben Prog Rock in vielen Stilen beheimatet. Die zwei Scheiben davor empfinde ich zwar als noch stärker, aber auch "33" hat ausreichend überzeugende Momente (wie z.B. der Opener Třiatřicet - ja, gesungen wird auch hier in der Muttersprache) und zeigt, dass der Status der Jungs nicht von ungefähr kam. Fähige Musiker, klassisch angehaucht, oft komlex, aber immer wieder auch hookige Momente. 2009 erschien ein Boxset mit neun CDs (acht Studioalben plus Bonus CD), die stundenlange Erkundungsfahrten hinter dem eisernen Vorhang ermöglichen. Sauspannend und deshalb: höchste Empfehlungsstufe!!


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Osiris - Osiris (Bahrain, 1981)
Prog Rock vom Persischen Golf aus dem Jahre 1981, geht es noch exotischer? Dabei hat die Band diesen "Bonus" nicht nötig, wird hier doch auf qualitativer Augenhöhe mit der westlichen Welt musiziert. Im Gegenteil, die oftmals eingebauten Elemente der heimatlichen Musik verschmelzen prima mit denen der eigenen musikalischen Einflüsse aus dem UK (Camel, Yes, Genesis), und so wechseln sich orientalische Gitarrenleads mit langgezogenen Keyboard-Spielereien ab und erschaffen somit etwas völlig eigenständiges - man lausche nur mal dem Zwölfminüter Sailor On The Seas Of Fate. Gesungen wird hier übrigens auf Englisch. Ganz tolles Album!!

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Pavlos
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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89130Beitrag Pavlos
07.02.2021, 14:42

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Synkopy - Sluneční Hodiny (Tschechien, 1981)
Nochmal Tschechien, nochmal symphonischer Prog. Synkopy wurden Anfang der 60er gegründet und starteten mit westlich angehauchter Beatmusik, ehe man in den 70ern so langsam in Richtung Hard Rock (Uriah Heep, Deep Purple) driftete, um dann am Ende des Jahrzehnts dann doch noch im Prog Rock anzukommen. Ausschlaggebend für diesen stilistischen Schlenker war wohl Tastenmann Oldřich Veselý, der für ein paar Jahre zu den oben erwähnten Landsleuten von Modry Efekt wechselte, wo er das dort geleckte Prog-Blut mit seiner Rückkehr 1980 zurück zu Synkopy brachte. Uns so klingt "Sluneční Hodiny" auch oft nach den 70ern Scheiben Modry Efekts, nur mit noch mehr Jazz, noch mehr Funk(!), ja sogar Kammermusik(!!) kommt vor. Ein weitere Pluspunkt ist, dass die zwei Gitarristen die hardrockige Vergangenheit der Truppe immer wieder ins Gedächnis rufen, und zwischen all den symphonischen Passagen immer wieder kantige Uriah Heep durchschimmert (wie z.B. auf dem Closer Toulka Je Oblá). Eine dunkle, atmosphärische Scheibe voll Wendungen.


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Werwolf - Creation (Deutschland, 1982)
Der ein oder andere User hier wird sich vielleicht erinnern, dass ich diese sensationelle Scheibe vor ein paar Jahren schon einmal in meiner Prog-Oase vorgestellt habe. Werwolf aus Olpe im Sauerland (die Herkunft raubt dem Bandnamen irgendwie das Gefährliche, wie ich finde) spielten symphonischen Prog Rock der ganz entspannten Art. Eine sofort in den Bann ziehende Mischung aus Melancholie, Zerbrechlichkeit und Mystik wurde hier erschaffen, ELOY und (mal wieder) CAMEL standen Pate, aber bei beiden Bands nur die introvertierten Elemente. Ab und an wird gesungen, dann jedoch auch hier eher zurückhaltend, aber immer mitten ins Herz. Der Gitarrist spielt nicht nur, nein, er pinselt ganze Gemälde vor das geistige Auge des Hörers. Das lässt sich alles schwer erklären, das muss man gehört haben, am besten dafür eigent sich vielleicht das wunderschöne Way To Paradise. Musik für (Tag-)Träumer....und wer tut das nicht in diesen komischen Zeiten?!


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Bacamarte - Depois Do Fim (Brasilien, 1983)
Ein Klassiker des südamerikanischen Prog Rocks, der noch stark nach den 70ern klingt und sich nicht vor den Klassikern aus Übersee verstecken muss. Große Worte, I know, aber wer die Scheibe hört, wird mir beipflichten. Nicht zurecht findet sich "Depois Do Fim" in der All Time Liste der progarchives auf dem 40. Platz wieder. Nicht schlecht, wen man bedenkt, wer und was da alles noch dahinter aufgelistet wird. Analoge Keyboards, (nicht zu) verspielte Strukturen, gaaaanz viel Gitarren (elektrisch, akustisch, neoklassisch - ich fühle mich oft an 70er Rush erinnert, just listen to Smog Alado) und das leicht süssliche Element südamerikanischer Musik - das sind die Zutaten, die hier gekonnt vermischt wurden. Die Flöte kommt oft zum Einsatz, aber weniger im fragilen Stile Camels, sondern mehr auf die "wildere" Art und Weise, wie sie oftmals im Rock Progressivo Italiano vorkommt. Die Songs sind durchweg melodisch gehalten, harmonisch ausbalanciert, gesungen wird selten, dann aber in Portugiesisch (von einer Frau). Gitarrist Mario Neto galt in seiner Heimat als Gitarrengott, und das absolut zurecht, wie der guitar driven Symphonic Rock Bacamartes beweist.


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Solaris - Marsbéli Krónikák (Ungarn, 1984)
Sowas wie der out-of-the-box Kandidat dieser Liste. Zwar schon noch symphonischer Prog, aber oft recht elektonisch (und rein instrumental) gehalten. Keine Ahnung, ob Ayreon Mastermind Arjen Lucassen diese Scheibe schon mal gehört hat bzw. sie ihn vielleicht sogar zu seinem Projekt inspiriert hat, aber falls ja, dann würde mich das nicht wundern. Wuchtige Keyboardfanfaren dominieren zusammen mit herrlich nach allen Seiten ausschlagenden Rock-Passagen. Mal wird das seperat vollführt, mal supercool zusammen vermischt, wie z.B. auf dem stand out track der Scheibe M'ars Poetica. Die Musik lebt weniger von einzelnen Momenten, hier gibt es eigentlich keine Kabinettstückchen zu bestaunen, aber diese "Der Star ist die Mannschaft" Vorgehensweise funktioniert ausgezeichnet. Man merkt, dass hier noch old schoolig komponiert wurde, das große Ganze wird nie aus den Augen verloren. Lucassen, drop your pants!!


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Barrock - Barrock (Italien, 1985)
Vielleicht die obskurste Scheibe dieser Liste. "Barrock" wurde bisher leider nur im Original als Kassette veröffentlicht, mehrere Rerelease-Versuche scheiterten seitdem. Musikalisch auch sehr speziell, wird hier leichtfüssiger early 80s Rock mit dominanten Keyboards und zwei Sängerinnen vorgetragen. Das klingt dann wie eine Mischung aus Abba und dem Ayreon Debüt (nur in nicht ganz so ausufernd und -typisch Italien eben- fast schon Pop-Charakter). Das wird dem "seriösen" Progfan höchstwahrscheinlich viel zu schwülstig daherkommen, aber ich bin ja bekennender Käsefan und kann mich der Charme von z.B. Lilia nicht entziehen. Barrock veröffentlichten in den 90ern drei weitere Alben, wo sie ihren doch recht kauzigen Stil beibehielten. Absolutes Liebhaberthema und nur für (Käse-)Extremisten. Die jedoch werden es abfeiern.


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North Star - Feel The Cold (USA, 1985)
Eine der bisher leider immer noch unentdeckten Bands des US Progs. Dabei liefert die Band schon seit 1984 konstant ab und sollte mit ihrem stark an "alte Genesis mit Gabriel" (und damit eben auch early Marillion) orientierten Sound eigentlich ausreichend Fans bzw. Beachtung finden. Wer mit solchen "Kopien" leben kann, der taucht hier ein in Heavy Progressive mit ganz viel Keyboards und einem fähigen Sänger. Wieso wird Sänger Joe Newman nie in einem Atemzug mit seinen Kollegen von Marillion, Twelfth Night oder IQ gennant? Close your eyes, hört Euch den Opener und Titeltrack Feel The Cold an und ihr versteht sofort, was ich meine. Ein würdiger Abschluss dieser Liste.

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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89131Beitrag Pavlos
07.02.2021, 14:45

Ich habe diese "the dark ages of Prog" Liste für ein anderes Forum erstellt, denke jedoch, dass sie auch hier ganz gut aufgehiben ist. Ich habe vor, weitere Scheiben zu ergänzen (und habe schon eine Liste mit ca. 20 weiteren Platten erstellt)...und wäre auch froh, wenn der ein oder andere User hier mitergänzt. Ich glaube nämlich, dass da noch viel mehr tolles Zeug veröffentlicht wurde, das es zu entdecken (und lieben) gibt.

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Vertigo
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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89135Beitrag Vertigo
07.02.2021, 14:59

Sehr schöne Idee, ich werde mal schauen ob mir da noch was einfällt
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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89136Beitrag AusDemWegIchBinArzt
07.02.2021, 15:24

Ja ja, die Werwolf ist eine ganz feine Scheibe, die ich immer wieder gerne auflege (und poste). Das ist schon seit vielen Jahren einer meiner ganz großen Favoriten, wenn es um 70er-Symphonic Prog aus deutschen Landen geht. Als das Album 1982 erschien, war es eigentlich auch schon fast aus der Zeit gefallen - wäre "Creation" irgendwann zwischen 1974 und 1977 herausgekommen, würde der Erfolg vielleicht größer gewesen und die Band heute einem breiteren Publikum bekannt sein. Jedenfalls eine abwechslungsreiche und dennoch homogene Scheibe, ein starkes Stück Musik.

Den ätherischen und doch auch passagenweise kraftvollen Gesang von Gitta Löwenstein empfand ich immer als sehr angenehm und sehr gut passend zur Musik. Dem Vergleich mit Eloy oder Camel stimme ich ebenfalls vorbehaltlos zu, auch Novalis würden mir als Referenz einfallen... und in Nuancen höre ich auch immer wieder mal Uriah Heep durchschimmern. :good:

Weitere Anspieltips außer "Way To Paradise" wären für mich auch "Flying High" und "Daydream".
Wenn Musik Bilder erzeugen und den Hörer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erfüllt.



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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89137Beitrag AusDemWegIchBinArzt
07.02.2021, 15:38

In diese Auflistung gehört auch unbedingt das einzige, selbstbetitelte Album von Tibet rein.
Die Scheibe erschien 1978, also einen Ticken früher als der Thread als Zeitraum vorgibt, geht aber grob in eine ähnliche stilistische Richtung wie Werwolf, mit vergleichbaren Einflüssen, welche die Band aber durchaus eigenständig umzusetzen weiß. Obskur ist das Album jedenfalls auch definitiv.

Tibet stammten aus Werdohl im Sauerland und existierten rund 10 Jahre, von 1970 bis 1980.

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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89143Beitrag Oracle
07.02.2021, 18:07

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Castanarc - Journey to the East (UK, 1984)

‎Das Debüt von Castanarc wurde 1984 veröffentlicht und kam aus der ersten Neoprog-Welle, mit einem Sound, der den Fish-Marillion sehr ähnlich war.
Die Musik war für Progrock ziemlich entspannt am besten sind die 8-Minüter "The Fool" und "Journey to the East"
Sie hatten einen ausgeprägteren Yes-Einfluss - vor allem durch den exzellenten Gesang von Mark Holidays.
Der Gitarrist Paul Ineson konkurriert mit Steve Rothery, wenn es um lange, langgezogene David Gilmour-inspirierte Gitarrensoli geht, während die Keyboard-Arbeit von David Powell ein konstantes Merkmal des Albums ist.
Castanarc spielt sehr leichte, poetische, melodische, einfache... mit einem Wort: fröhliche progressive Musik, die damals als Neoprog bezeichnet wurde. ‎
‎Trotz des Einsatzes einer Drum-Machine in einigen Songs hört sich der Rhythmus-Teil konsistent und solide an und wird durch einige Tempowechseln gewürzt.

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nixe
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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89147Beitrag nixe
07.02.2021, 19:48

Ok, von den Ersten kenne ich ein Paar, könnte also interessant werden. Mal sehen, was von mir so kommt?
Musik hat die Fähigkeit uns geistig, körperlich & emotional zu beeinflussen!

!!!I like Prog!!!

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Tschüß
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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89171Beitrag Oracle
08.02.2021, 20:24

East waren eine ungarische Band die Neo-Prog-Einflüsse mit aufwendigen Keyboard- und jazzrockigen Gitarre-Arrangements verbanden.
Sie galten als eine der besten osteuropäischen Progbands die sowohl auf Ungarisch als auch Englisch sangen.
Der Schlagzeuger spielt in klassischer Neo-Prog-Manier, durchaus komplex.
Die Gesangsparts sind sehr schön, aber auf Ungarisch versteht man die Botschaft der Texte nicht.
Ich denke, dass die 3 ersten Alben dieser Band, eine sehr gute Basis für jeden Progrock-Sammler ist, speziell weil osteuropäische Rockbands zu Zeiten des Eisernen Vorhangs verboten waren.

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EAST ‎– Játékok (1981, Hungary)

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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89202Beitrag Pavlos
09.02.2021, 17:54

Sehr schön, Männer!!

Die Tibet (klasse Scheibe, indeed!!) steht hier schon, East ist mir bekannt und steht schon seit langer Zeit auf der Einkaufsliste.

Castarnac kannte ich bisher überhaupt nicht, liest sich aber toll....da werd ich definitiv mal reinhören.

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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89210Beitrag Oracle
09.02.2021, 21:25

‎Diese schwedischen Jungs hatten großes Glück, weil sie für ihr Debütalbum "New Views" den ehrwürdigen Schlagzeuger Pierre Moerlen der legendären Formation Gong, gewinnen konnten.
Ihm verdanken sie die exquisiten Percussion-Einsätze, Glocken- und Marimba-Einlagen.
Die Idee Mitte der 1980er Jahre mit einem Intellektuellen und instrumentalen Progalbum zu starten war schon Wahnsinn, dennoch wagten die skandinavischen Musiker diese riskante Idee.
"New Views" kann ohne Übertreibung ein Sympho-Prog-Meisterwerk der 80er Jahre genannt werden, trotzdem gab es nur eine begrenzte LP-Auflage.
Der einzige Autor des Materials war der Multiinstrumentalist Christer Redin, der für Keyboards, Akustikgitarre und Drums verantwortlich war.
Das Ergebnis seiner kompositorischen Arbeit war eine erstaunliche Melange von kosmischem Synthesizerklängen im Geiste von Eloy, gewürzt mit Rockparts und hellen Melodien, klassischer Sonatenform und kleinen Folkloreeinlagen.
Das abschließende 20-minütige Epos verbindet Hackett-Akustikmusik mit Klanglandschaften à la Mike Oldfield und Vangelis.

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Tribute - New Views (1984)

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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89217Beitrag Vertigo
10.02.2021, 10:41

Zwischen Progressive- und Hard-Rock ist die hier. Hatte ich mal, hab ich nimmer und auch keine echte Erinnerung mehr dran, aber man findet im Netz was. Von 1981, eine US-Band, "In The Following Half-Light" heißt das Album

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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89251Beitrag AusDemWegIchBinArzt
11.02.2021, 02:53

Auch von den Eidgenossen gab es hörenswertes....in diesem Falle die sehr interessante Band Flame Dream, die im weitesten Sinne wie eine Mischung aus sperrigeren (Peter Gabriel-)Genesis, Gentle Giant, Van Der Graaf Generator, UK und ein wenig Yes tönt, mit einem Sänger, dessen helles Timbre an Supertramps Roger Hodgson erinnert. Zudem warten viele Songs neben opulenten Synthesizer-und Pianoklängen mit dem Einsatz eines Saxophons auf.

Das Ganze ist komplex und musikalisch anspruchsvoll, ohne es deswegen aber an Zugänglichkeit fehlen zu lassen. Die Band existierte ungefähr 10 Jahre, von 1977 bis 1986/87 und veröffentlichte in dieser Zeit immerhin 6 Studioalben, von denen die späteren allerdings eine deutlich kommerziellere, mainstreamigere Schlagseite besitzen, wie so oft.

Die ersten drei Alben der Schweizer sind meines Erachtens die interessantesten und von denen möchte ich an dieser Stelle insbesondere die dritte Scheibe "Out In The Dark" hervorheben, die 1981 erschien. Dürfte für jeden Prog- bzw. Musikliebhaber in diesem Forum ein gefundenes Fressen sein ;) .

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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89252Beitrag AusDemWegIchBinArzt
11.02.2021, 03:14

Irgendwann hatte ich schon mal an anderer Stelle was zu Antares geschrieben, aber hier passt die Gruppe natürlich hervorragend rein, da zweifellos obskur.

Die norddeutsche Band stammte aus der Ecke um Oldenburg und Wilhelmshaven herum und existierte von 1977 bis 1984. Während dieser Zeit nahm man 1982 die Eigenproduktion "Over The Hills" auf, ein Konzeptalbum, welches (in geringer Auflage) über Bellaphon vertrieben wurde.

Musikalisch wird melodischer und zeitüblicher Progressive Rock mit AOR-Einflüssen, massiven Keyboardteppichen und ausdrucksstarkem Gesang geboten, der gar nicht typischer nach späten 70ern / frühen 80ern klingen könnte und zudem rudimentär noch leicht krautig angehaucht ist.

Das ist echt eine kleine Perle, die ich mal per Zufall entdeckt habe - und es war auch gar nicht so einfach, da über die Jahre genauere Informationen zusammenzutragen, weil nicht viel über die Band bekannt ist.

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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89425Beitrag Pavlos
13.02.2021, 16:22

Cool, weitere Vorschläge!!

Flame Dream und Netherworld kenne ich beide, Letztere wollte ich auch hier vorstellen. Von Tribute kenne ich nur Album Nummer Zwei, das gefällt mir eigentlich ganz gut, ergo werd ich in die New Views definitiv mal reinhören. Bei der Antares hab ich das schonmal vor etlichen Monaten getan, auch auf einen Tipp vom ADWIBA hin, meine aber, dass mich das damals nicht ganz so weggehauen hat. Aber ich werde auch da nochmal reinlauschen.

Vielen Dank für die Tipps....ich hab mich in den beiden letzten WOchen total in dieses superspannende Thema vertieft.

More to come....

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nixe
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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89539Beitrag nixe
16.02.2021, 10:32

So, ich bin immernoch am hadern, ob das in diesem Sinne ist, aber der vorgegeben ZeitRahmen paßt jedenfalls:

BildBild
Stern Meißen - '81 Reise zum Mittelpunkt des Menschen
Den Begriff Combo hätten sie hier im Namen noch stehen lassen sollen, denn dieses Album ist noch besser als Weßes Gold. Danach bauten sie erst ab!
https://www.babyblaue-seiten.de/album_1889.html
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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89549Beitrag AusDemWegIchBinArzt
16.02.2021, 16:54

nixe hat geschrieben:
16.02.2021, 10:32
So, ich bin immernoch am hadern, ob das in diesem Sinne ist, aber der vorgegeben ZeitRahmen paßt jedenfalls:

BildBild
Stern Meißen - '81 Reise zum Mittelpunkt des Menschen
Den Begriff Combo hätten sie hier im Namen noch stehen lassen sollen, denn dieses Album ist noch besser als Weßes Gold. Danach bauten sie erst ab!
https://www.babyblaue-seiten.de/album_1889.html
Die SCM ist eine hervorragende Band mit großartigen Alben, zumindest in den ersten Jahren ! Absolut auf Weltniveau. :good:

Allerdings finde ich sie jetzt nicht direkt (wie das Threadthema fordert) obskur, wenn ich ehrlich bin... boys_0137
Wenn Musik Bilder erzeugen und den Hörer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erfüllt.



"Heutzutage werden Songs meist von Linda Perry geschrieben, von Timbaland produziert und dann auf Horrorsendern wie Bayern 3 von Computern ausgerülpst."
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Pavlos
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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89559Beitrag Pavlos
16.02.2021, 19:10

Ja, in der Tat eine tolle Scheibe, wobei mein Favorit der Band (die ich auch nicht als soooo obskur empfinde, aber das sieht wohl jeder anders) bleibt wohl auf immer unewig das Weiße Gold.

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nixe
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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89562Beitrag nixe
16.02.2021, 19:38

OK, dann müssen wir abwarten, bis mir was obscures in die Hände fällt.
Musik hat die Fähigkeit uns geistig, körperlich & emotional zu beeinflussen!

!!!I like Prog!!!

!!!Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten!!!

Tschüß
nixe

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AusDemWegIchBinArzt
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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89566Beitrag AusDemWegIchBinArzt
16.02.2021, 20:02

Pavlos hat geschrieben:
16.02.2021, 19:10
Ja, in der Tat eine tolle Scheibe, wobei mein Favorit der Band (die ich auch nicht als soooo obskur empfinde, aber das sieht wohl jeder anders) bleibt wohl auf immer unewig das Weiße Gold.
Mein persönlicher Favorit ist die erste von ´77, mit dem "Kampf um den Südpol" und der Mussorgsky-Adpation "Eine Nacht auf dem kahlen Berge". Zum Niederknien großartig ! :rainbow:

Aber wie gesagt, letztlich sind das alles fantastische Alben, die sich in ihrer Großartigkeit nur um Nuancen voneinander unterscheiden. 8-)
Wenn Musik Bilder erzeugen und den Hörer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erfüllt.



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Re: Obskurer Progressive Rock 1980-1985

Beitrag: # 89979Beitrag Pavlos
26.02.2021, 19:46

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Eden - Perelandra (Deutschland, 1980)
Eden waren eine der ersten christlichen Rockgruppen in Deutschland und brachten es zwischen 1978 und 1980 auf drei Platten. Perelandra, inspiriert von bzw. benannt nach der gleichnamigen Buchtrilogie von C.S. Lewis,erschien 1980 und verbindet auf bezaubernde Weise den Bombast des Symphonic Prog (wie z.B. auf Abgesang, dem Eloy-mässigen Opener mit fetten Chören, Twin Guitars und Keyboardfanfaren en masse) mit den fragilen Elementen des Folk. Da die Truppe Kommunen-mässig organisiert war, kamen neben dem harten Kern immer wieder diverse Gäste an den verschiedensten Instrumenten (u.a. Flöte, Bouzouki, Streicher, Sitar) zum Zuge, was in einer wunderbar abwechslungsreichen und kurzweiligen Reise resultiert. Die Bibel-lastigen Texte muss man dabei jedoch abkönnen.


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Kayak - Merlin (Niederlande, 1981)
Die Band veröffentlichte Anfang bis Ende der 70er ein paar Semiklassiker des Genres, ehe man sich, wie so viele andere Prog-Dinos auch, den poppigeren Klängen öffnete und versuchte, diese mit dem alten Sound zu kombinieren. Das gelang ihnen auf Merlin (hier mal als Anspieltipp der Titeltrack) ganz gut, wie ich finde. Die erste Seite beinhaltet ein Konzept und erzählt mit hymnisch-semiproggigen Tracks über das Leben und Wirken des Zauberers, die zweite Seite enthält seperate Songs, die deutlich straighter daherkommen. Da das Album nicht erfolgreich lief, löste sich die Band sich vorrübergehend auf....um im Jahr 2000 wiederzukommen. Seitdem ist man wieder aktiv und haut eine Platte nach der anderen raus, u.a. auch ein Remake (Merlin - A Bard Unseen, 2003) der hier vorgestellten Scheibe.


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Eden's Taste - Meilensteine (Deutschland, 1983)
Eine interessante Mischung aus Genesis (zur Zeit nach Gabriels Ausstieg), 80er Eloy und early Marillion hatten diese Jungs zu bieten. Dazu dann noch der Gesang in der Muttersprache, dieses typische Kraut Prog Märchenfeeling (mit einem leicht modernisierten Sound) und die Erwähnung Anoyone's Daughters, bei denen der Mann am Mikro zuvor auch mal tätig war, und schon sollte interessierten Progfans das Wasser im Munde zusammenlaufen. Zurecht, wie ich finde, denn Meilensteine ist ein von Menscheit, Raum und Zeit vergessenenes Juwel. Als Anspieltipp verlinke ich mal das bombastische Erinnerungen, will dabei jedoch noch betonen, dass die Nummer nicht stellvertretend für den Rest dieser recht abwechslunsreichen Platte steht. Ein höchst charmantes Album, wie ich finde.


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Craft - Craft (England, 1984)
Ein rein instrumentales one-and-done Album bzw. Trio, zu 2/3 bestehend aus Ex-The Enid Musikern. Die Konzeptscheibe (es geht um Sternzeichen und die dazu passende musiklaische Untermalung) läuft zwar unter Symphonic Prog, und es gibt wirklich a lot of pompöse Keyboardfanfaren und anspruchsvolle (da ungerade und/oder unerwartete) Arrangements zu hören, aber was leider praktisch nie erwähnt wird, der Sache aber ordentlich Dampf verleiht, sind das treibende Schlagzeug, der stets pumpende Bass und das wirklich heavy klingenden Gitarrenspiel. Als ob ELP zusammen mit einer (vielleicht'nen Tick zu glatt produzierten) 80er Rockband musizieren, nachzuhören auf dem Opener Aries. Ich liebe diesen Breitwandsound!!


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Gunesh Ensemble - Looking At The Earth (Turkmenistan, 1984)
Zunächst als reines Jazz-Studioprojekt des Staatsfernsehens mit reifen und entsprechend ausgebildeten Musikern gegründet, schloßen sich nach dem Debüt (1980) immer mehr junge Musiker dem Ensemble an, und sorgten mit all den frisch hinzugekommenen Einflüssen und Stilen aus dem Ausland für eine zunächst mal kurios klingende Mischung aus Jazz, Brass, Folk, Rock und World Music, die widerum eine wunderbar abgefahren progressive Mischung ergibt, bei/in der es soooo viel tolle Details zu entdecken gibt. Diesr Mix aus uralten folkloristischen Gesängen und (für das Turkmenistan der 80er) modernen Instrumentalabfahrten ist wohl ziemlich einmalig, denke ich. Hier mal der Achteinhalbminüter Rhythms Of The Caucasus zum Reinkommen. (M)ein Gedankengang, der mir jedes Mal in den Kopf kommt: Was für den Rest der Welt eine Kombination aus Alt und Exotisch war, muss für die beteiligten Musiker absolutes Neuland gewesen sein. Spannende Sache, indeed.

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