[REVIEW] Band - Music from Big Pink

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Oracle
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[REVIEW] Band - Music from Big Pink

#1

Beitrag: # 11194Beitrag Oracle
13.10.2017, 20:48

The Band - Music From Big Pink

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Rick Danko — bass guitar, fiddle, vocals
Levon Helm — drums, tambourine, vocals
Garth Hudson — electronic organ, piano, clavinet, soprano and tenor saxophone
Richard Manuel — piano, organ, drums, vocals
Robbie Robertson — electric and acoustic guitars, vocals

John Simon — producer, baritone horn, tenor saxophone, piano
Don Hahn — engineer
Tony May — engineer
Shelly Yakus — engineer
Bob Dylan — cover painting
Elliott Landy — photography

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The Band machten sich längst einen Namen als Begleitband von Bob Dylan, bei dem sie eine wichtige Rolle bei einigen entscheidenden Momente der Rockmusik spielten.
Darüber hinaus waren sie impulsgebend für das was man später Americana oder Roots-Rock nennen sollte.
Als 1968 Music From Big Pink erschien, dominierte noch die Psychedelia-Welle.
Es war Zeit wieder auf den Boden zurückzukommen, Zeit wieder Geschichten zu erzählen, Zeit sich auf alte Werte zu besinnen und zu einem erdigen musikalischen Konzept zurückzukehren.
5 hochbegabte Multi-Instrumentalisten und äußerst kooperative Musiker, die sich aufs trefflichste ergänzten.
Eric Clapton wollte unbedingt bei The Band einsteigen aber die hatten ja schon einen Gitarristen: Robbie Robertson.
Robertson war der Hauptsongschreiber und fĂĽr einige absoluten Klassiker verantwortlich.
Hört man die Musik dieser Band, stellt man jedoch schnell fest, dass es nicht um solistische Leistungen, sondern um einen unverkennbaren Rock-Sound geht, der von Rockabilly, Ragtime, R & B, Blues, Country und Folk inspiriert wurde.
Für das Frontcover wurde ein naives Gemälde von Bob Dylan ausgewählt, der auch als Co-Autor beteiligt war.
Auf der RĂĽckseite, des Foc-Covers, ist das pinke Haus zu sehen, in dessen Keller, ein GroĂźteil der Songs entstand.
Das innere des Klappcovers zeigt eine Menge Leute, die sich in ihrem damaligen Domizil, in Woodstock, um sie versammelt hatte.

Tears of Rage > beginnt mit schleppendem Tempo, weichen Vocals und massiven Zwischenspielen von Bläsern.
Tears of Rage brach alleine schon deshalb die Rock-Tradition, da es ein langsames Lied am Albumanfang war.
Das Timing von Bass und Drums prägt das Stück, wobei der soulige Gesang alle Aufmerksamkeit auf sich zieht.
Text und Gesang ist sehr melancholisch -einfach wunderschön, ja: herzzerreißend!
To Kingdom Come > was kann nach diesem famosen Auftakt noch folgen?
Dieses Lied wirkt wie ein Kontrapunkt nach Tears...
Ein Song, mit einer Mischung aus Beatles-Melodien und filigranen Gitarrenakkorden.
Das rhythmusbetonte, verspielte Keyboardspiel spendiert dem StĂĽck sehr viel Schwung.
Der Lead-Gesang stammt hier von Robbie Robertson, der insgesamt nur 3 Songs im Band-Oeuvre sang.
In a Station > Heitere Töne, von vielschichtigen Instrumentalarrangements getragen, ist In a Station einer von Richard Manuel wunderbar wehmütig vorgetragenen Songs.
Die Slide-Gitarre unterstreicht die zarte Sehnsucht, des Songs -awesome!
Caledonia Mission>ist ein Klassiker, mit starkem Country und Gospel Einfluss.
Danko’s Stimme klingt fantastisch, und ist besonders gut während des Refrains.
Der Chor wechselt von Country zu Gospel begleitet von stampfenden Piano-Akkorden.
The Weight> Das legendärsten und wohl beste Stück des Albums.
The Weight war der frühe Höhepunkt von The Band.
Eine perfekte Vermählung von Text und Musik.
Der Song beginnt catchy und rhytmisch präzise.
Das Instrumentalspiel ist aufs nötigste reduziert.
Obwohl ich nicht verstehe, was der Text aussagt, höre ich ihn unheimlich gerne.
Der Refrain ist ziemlich ungewöhnlich, wie ein Kanon mit beruhigend wirkenden Harmonien.
Es gibt keinen Begriff dafĂĽr, vielleicht: White Soul.
We Can Talk> Seite 2 beginnt mit einem schwungvollen, eingängigen Stück.
Die instrumentale Arbeit ist intelligent und perfekt getimt.
Die Backing Vocals sind manchmal sehr dominant und voller Vielfalt.
Long Black Veil > war ein altes Volkslied und ist ein weiteres Highlight des Albums!
Die Instrumente sind hier sehr sauber organisiert, im Gegensatz zu den letzten Titeln.
Das Lead-Instrument ist die Orgel.
Obwohl in einer einfachen Art und Weise gespielt, bietet es einen perfekten Rhythmus, zusammen mit dem Bass, fĂĽr den Gesang.
Chest Fever > Dieser Song öffnet mit schweren Orgelklängen, hat irgendwas von J.S. Bach.
Die Vocals sind unisono gesungen, ziemlich rotzig.
Der Song geht auch durch zahlreiche Tempo-und Tonartwechsel und aufwĂĽhlenden Instrumentalparts. Virtuos!
Lonesome Suzie > Eine Manuel-Sehnsuchts-Ballade im Bluesstil.
Unnachahmlich dieser Fistelgesang und wieder eine tieftraurige Stimmung.
Wheels on Fire > FĂĽr viele ist dies das absolutes Highlight der Gemeinschaftsarbeiten mit Bob Dylan.
Temporeich, rockig und inbrĂĽnstig gesungen.
Wurde von Bob Dylan und Rick Danko geschrieben und tauchte auch auf Dylans, The Basement Tapes auf.
I Shall Be Released > Schlusspunkt und Ausrufezeichen eines ĂĽberragenden Albums.
Geschmackvoll das Klavier und Robbies Gitarre, die sich an den Rhythmus hält und einfache Akkordfolgen spielt.
Viele Band-Songs haben so eine gewisse religiöse Sensibilität, auf I Shall Be Released trifft dies besonders zu.
Ein Klagelied, wie ein schwerer Abschied, episch, träge, und deprimierend mit rustikaler Inbrunst vorgetragen.

Bild

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass diese Musik von der stilistischen Wechselspannung und dem Schwerpunkt auf verschiedenen Instrumentierungen lebt.
Auf auĂźerordentlich hohem Niveau sind auch die Lyrics.
Ich liebe es immer wieder diese gesungenen Zeilen zu hören:
Crazy Chester followed me and he caught me in the fog
He said, I will fix your rags, if you'll take Jack, my dog
I said, Wait a minute, Chester, you know I'm a peaceful man
He said, That's okay, boy, won't you feed him when you can?
Take a load off Anny
Take a load for free


Es hat nichts mit dem Inhalt zu tun, es erzeugt einfach so eine spezielle Atmosphäre.

Music From Big Pink trat TĂĽren auf, blieb dabei jedoch trotzig unkommerziell.

Side One
Tears of Rage (Bob Dylan, Richard Manuel) 5:23
To Kingdom Come (Robbie Robertson) 3:22
In a Station (Manuel)3:34
Caledonia Mission (Robertson) 2:59
The Weight (Robertson) 4:34

Side Two
We Can Talk (Manuel) 3:06
Long Black Veil (Marijohn Wilkin, Danny Dill) 3:06
Chest Fever (Robertson) 5:18
Lonesome Suzie (Manuel) 4:04
This Wheel’s on Fire (Dylan, Rick Danko) 3:14
I Shall Be Released (Dylan) 3:19

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Vinyl
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Re: [REVIEW] Band - Music from Big Pink

#2

Beitrag: # 11198Beitrag Vinyl
13.10.2017, 21:23

Ein schönes Thema und eine "Band", der gar nicht genug gewürdigt werden kann, denn irgendwie schienen sie nie ihr ganzes Potential ausgeschöpft zu haben. Meines Wissens nach waren sie in Teilen erstmals auf Dylans "Blonde On Blonde" zu hören. "Music From Big Pink" ist ein Album, dass man als Musikfreund bedenkenlos kaufen und genießen kann!

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Forever Old
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Re: [REVIEW] Band - Music from Big Pink

#3

Beitrag: # 11214Beitrag Forever Old
13.10.2017, 23:51

Schwarzwurst hat geschrieben: ↑
13.10.2017, 21:23
Ein schönes Thema und eine "Band", der gar nicht genug gewürdigt werden kann, denn irgendwie schienen sie nie ihr ganzes Potential ausgeschöpft zu haben. Meines Wissens nach waren sie in Teilen erstmals auf Dylans "Blonde On Blonde" zu hören. "Music From Big Pink" ist ein Album, dass man als Musikfreund bedenkenlos kaufen und genießen kann!
Yep, zählt auch meines Erachtens mit zu den besten Alben von THE BAND !
Music Is The Healing Force Of The Universe (Albert Ayler)

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