[REVIEW] Captain Beyond - "Captain Beyond" (1972)

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[REVIEW] Captain Beyond - "Captain Beyond" (1972)

Beitrag: # 490Beitrag AusDemWegIchBinArzt
23.05.2017, 10:13

CAPTAIN BEYOND - "Captain Beyond" (1972)


Eines meiner liebsten Alben aus der Ära des frühen Hardrocks und Proto-Metals ist das selbstbetitelte Debüt von Captain Beyond, die leider nie den Erfolg bekommen haben der ihnen zugestanden hätte.

Dieses Album zählt zu den mitreißendsten und qualitativ besten Releases jener innovativen Ära der Rockmusik und was will man auch anderes erwarten, wenn Koryphäen wie Larry Reinhardt und Lee Dorman - beide zuvor bereits mit Iron Butterfly erfolgreich - gemeinsam mit dem nicht minder begabten Rod Evans, der bis 1969 in Diensten von Deep Purple stand, in einer Band musizieren. Drummer Bobby Caldwell, zuvor u.a. bei Johnny Winter, war auch kein unbeschriebenes Blatt und zudem ein Tier an seinem Instrument.

Natürlich ist man da geneigt allzu schnell das Attribut "Supergroup" zu bemühen, obwohl das nur allzu oft ein Synonym für heiße Luft ist. Und Captain Beyond waren definitiv mehr als nur das, deswegen lassen wir das mit den Superlativen einfach mal.

Die amerikanisch-britische Connection war bestens aufeinander eingespielt. Da hatten sich wirklich die richtigen Leute gesucht und gefunden und die legten mit ihrem intensiven Debütalbum einen Einstand nach Maß vor, wie man ihn sich umwerfender nicht hätte wünschen können.

Außerdem möchte ich anmerken, dass ich Rod Evans als Sänger immer schon grandios fand, auch schon bei Deep Purple. Ich konnte es nie so ganz nachvollziehen, warum er dort durch Ian Gillan ersetzt werden mußte (der natürlich auch großartig ist, keine Frage).

Der Hauptunterschied zwischen beiden Sängern dürfte vor allem darin liegen, dass Gillan seine Stimme extremer einsetzen konnte und diese ganzen hohen Screams hinbekommen hat, während Evans mit seinem warmen, angenehmen Timbre eher so der klassische Rock´n´Roll-Crooner war und mehr an Leute wie Elvis erinnerte.

Musikalisch wird kraftstrotzender Früh-70er-Heavy Rock geboten, der neben der durchaus beachtlichen Härte dennoch durch spielerische Finesse und Filigranität glänzen kann und auch vor progressiven Schlenkern oder dezenten psychedelischen Anleihen (kein Wunder ob der Iron Butterfly-Vergangenheit von Dorman und Reinhardt) keineswegs Halt macht.

Im Prinzip ein fetziges, in sich fließendes Hardrockfeuerwerk mit progressiven Arrangements, vielen Breaks und einem hohen Maß an Dynamik und Variabilität, so kann man das Ganze wohl am sinnvollsten in einem Satz auszudrücken versuchen.

Insgesamt erinnert das Ganze stilistisch manchmal schon hier und dort an Deep Purple, ist aber trotzdem stets originell genug, um auf eigenen Füßen stehen zu können und Wiedererkennungswert zu besitzen.

Das alles wird auf jeden Fall auf äußerst hohem Niveau dargeboten und generiert ein Aha-Erlebnis nach dem anderen. Es gibt nicht viele Alben, deren unbedingte Großartigkeit man auf Anhieb erkennt, aber das hier ist so ein Beispiel.

Ich spare es mir, einzelne Songs herauszupicken. Dieses Album muß man komplett erleben. Ein höchst intensives Hörerlebnis. Nur soviel: Wer power- und geschmackvolle Songs wie "Raging river of fear" oder "I can´t feel nothin´" zustande bringt, dem hätte eigentlich die halbe Musikwelt zu Füßen liegen müssen. Ein Hammer jagt hier den nächsten und über allem thront die einzigartige Stimme von Rod Evans.

Wirklich ein Trauerspiel, dass es mit dem Erfolg noch nicht mal ansatzweise geklappt hat und die Band schon mit dem folgenden Album auseinanderfiel, denn mit Deep Purple, Uriah Heep und wie sie alle heißen konnte man es aus dem Stand aufnehmen.

Ein späterer Comeback-Versuch blieb ebenso unbeachtet. Larry Reinhardt und Lee Dorman leben mittlerweile nicht mehr und von Rod Evans hörte man zuletzt 1980, als er mit einer höchst fragwürdigen Inkarnation unter dem Namen Deep Purple durch die USA touren wollte, was ihm erwartungsgemäß nichts als einen Haufen juristischen und finanziellen Ärger einbrachte. Gerüchteweise soll er heute als Arzt sein Brot verdienen, aber man weiß nichts genaues, denn er ist mehr oder weniger von der Bildfläche verschwunden.

Mit diesem Album haben Captain Beyond ein extrem hochkarätiges künstlerisches Vermächtnis hinterlassen, an das auch die beiden anderen Alben der Band nicht heranreichen konnten, obwohl auch die keinesfalls schlecht waren. Aber dies ist einer der seltenen Fälle, wo das Debüt alles andere toppt.


Die Songs

1. "Dancing Madly Backwards (on a Sea of Air)" - 4:02
2. "Armworth" - 1:52
3. "Myopic Void" - 3:27
4. "Mesmerization Eclipse" - 3:48
5. "Raging River of Fear" - 3:47
6. "Thousand Days of Yesterdays (Intro)" - 1:47
7. "Frozen Over" - 3:15
8. "Thousand Days of Yesterdays (Time Since Come and Gone)" - 3:59
9. "I Can't Feel Nothin' (Part 1)" - 3:06
10. "As the Moon Speaks (to the Waves of the Sea)" - 1:27
11. "Astral Lady" - 0:58
12. "As the Moon Speaks (Return)" - 1:56
13. "I Can't Feel Nothin' (Part 2)" - 1:45


Die Band

Rod Evans (Gesang)
Lee Dorman (Bass, Orgel)
Larry Reinhardt (Gitarre)
Bobby Caldwell (Schlagzeug)


Bild
Ein Komma kann über Leben und Tod entscheiden. Zum Beispiel in dem Satz "Wir essen jetzt, Opa !"

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warpigcat
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Re: [REVIEW] Captain Beyond - "Captain Beyond" (1972)

Beitrag: # 119775Beitrag warpigcat
23.06.2022, 14:04

Auch dieses Album ist eine Klasse für sich. Wurde auch schon des Öfteren gecovert.


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