[REVIEW] Aerosmith - "Rock in a hard place" (1982)

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[REVIEW] Aerosmith - "Rock in a hard place" (1982)

#1

Beitrag: # 140Beitrag AusDemWegIchBinArzt
18.05.2017, 21:54

AEROSMITH - "Rock in a hard place" (1982)


Dieses ist ohne Zweifel ein in Fankreisen nicht sonderlich wohlgelittenes Album und auch die Band möchte sich wohl nicht so gerne an die Scheiblette erinnern. Sicherlich sind da auch Egos und Eitelkeiten im Spiel, schließlich entstand das Album in einer sehr schwierigen Phase:

Die Bostoner waren seinerzeit quasi in Auflösungserscheinungen begriffen, Steven Tyler schwer drogenabhängig.

Die Gitarristen Joe Perry und Brad Whitford, beide ebenfalls Identifikationsfiguren der Gruppe, glänzten durch Abwesenheit und waren durch Jimmy Crespo und Rick Dufay ersetzt worden.

Und das einst in den 70ern so wild lodernde kreative Feuer war mittlerweile auch nur noch einer verhaltenen Glut gewichen.

Insofern w√§re es also auch vermessen, bei "Rock in a hard place" von einer vergessenen Perle zu sprechen. Es hat seine Gr√ľnde, warum die Scheibe genau das NICHT ist. Allerdings ist es auch alles andere als fair, die Platte mit Nichtbeachtung zu strafen, denn so mies ist sie beileibe ebenfalls nicht.

Man mu√ü sogar eher sagen, angesichts der widrigen Umst√§nde ist der Band ein kompaktes und √ľberraschend stringentes Album gegl√ľckt, welches sicherlich nicht so schlecht ist wie es oft dargestellt wird.

Wobei "Rock in a hard place" ganz klar nicht gerade eine der inspiriertesten Veröffentlichungen der Band darstellt und entsprechend nicht jeder Song ein Volltreffer ist, aber das versteht sich wahrscheinlich von selbst.

Dass Steven Tylers Gesangsleistung stellenweise f√ľr seine Verh√§ltnisse unterirdisch ist, n√§mlich kraftlos und schwachbr√ľstig, d√ľrfte indes nicht verwunderlich sein wenn man bedenkt, dass man es zu diesem Zeitpunkt mit einem Drogenwrack zu tun hatte, welches bis in die Haarwurzeln mit allen denkbaren und undenkbaren Substanzen zugedr√∂hnt war und seine Umwelt nur noch im Dauertran wahrnahm.

Dennoch können die spielerischen Leistungen der restlichen Bandmitglieder, allen voran die der beiden damals neuen Gitarristen, aber auch das solide, fantastisch eingegroovte Rhythmusfundament von Tom Hamilton und Joey Kramer, einige dieser Schwachpunkte bis zu einem gewissen Grad kompensieren.

Eines wird allerdings trotz diverser (verzeihbarer) Schwächeleien deutlich: Solange Aerosmith ihre Lieder selber schrieben und das kreative Zepter in eigener Hand behielten anstatt es an kommerzielle Songwriter abzugeben, klangen sie stets bodenständiger, rauer und gefährlicher.

Das war ein Erbe ihrer großartigen 70er-Alben und verlieh selbst kompositorisch eher schwachen Songs auf RIAHP immer noch einen gewissen Charme, welcher dann der gelifteten (aber immens erfolgreichen) Version der Band ab Ende der 80er komplett abging.

Ich h√∂re mir lieber zehnmal am St√ľck RIAHP an, als auch nur eines der gegl√§tteten, wenig begeisternden Mainstream-Alben ab "Permanent Vacation" (1987). Die "alten" Aerosmith haben selbst in ihren schw√§chsten Momenten mehr Arsch getreten, als die "neuen" Aerosmith in ihren besten.

Und so finden sich auch auf "Rock in a hard place" immer noch ein paar verdammt gute Nummern. Der geile, v√∂llig unterbewertete Groove-Rocker "Bitch¬īs Brew" zum Beispiel, das kernig treibende "Lightning strikes", die fantastisch gelungene, l√§ssige Ella Fitzgerald-Coverversion "Cry me a river" oder der feiste Titeltrack.

Auch wenn ansonsten nicht jeder Song ein kompositorischer Volltreffer ist, so wirkt die Platte dennoch einheitlich wie aus einem Gu√ü und atmet noch unzweifelhaft den alten Aero-Geist. Wie gesagt, nicht das ultimative Juwel f√ľr Perlentaucher, aber doch deutlich besser als ihr Ruf und auf jeden Fall zu gut, um in Vergessenheit zu geraten.


Die Songs

1."Jailbait" - 4:38
2."Lightning Strikes" - 4:26
3."Bitch's Brew" - 4:14
4."Bolivian Ragamuffin" - 3:32
5."Cry Me a River" - 4:06
6."Prelude to Joanie" - 1:21
7."Joanie's Butterfly" - 5:35
8."Rock in a Hard Place (Cheshire Cat)" - 4:46
9."Jig Is Up" - 3:10
10."Push Comes to Shove" - 4:28


Die Band

Steven Tyler (Gesang)
Tom Hamilton (Bass)
Rick Dufay (Gitarre)
Jimmy Crespo (Gitarre)
Joey Kramer (Schlagzeug)

Bild
Wenn Musik Bilder erzeugen und den H√∂rer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erf√ľllt.



I think I spider - that pulls me the shoes out !!!

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