[REVIEW] Deep Purple - "The house of blue light" (1987)

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[REVIEW] Deep Purple - "The house of blue light" (1987)

Beitrag: # 149Beitrag AusDemWegIchBinArzt
19.05.2017, 14:01

DEEP PURPLE - "The House Of Blue Light" (1987)


"The house of blue light" ist für mich immer ein Paradebeispiel dafür, wie man es besser nicht machen sollte.

Die legendäre Mk.II-Besetzung hatte sich Kraft des sensationellen Comebackalbums "Perfect strangers" 1984 wieder mit Macht ins Kollektivgedächtnis der Hardrockwelt zurückkatapultiert und ein höchst gelungenes Werk vorgelegt, welches den klassischen Deep Purple-Sound auf elegante und äußerst stimmige Weise in die 80er Jahre transportierte.

Die Jungs hatten der gesamten Musikwelt würdevoll gezeigt, dass sie auch im Zeitalter des Heavy Metals noch absolut konkurrenzfähig waren, ohne dabei ihr Gesicht zu verlieren.

Und genauso hätte es anschließend auch weitergehen können, stattdessen kam aber ziemlich schnell wieder Sand ins Getriebe.

Die alten Streithammel Ritchie Blackmore und Ian Gillan bekamen sich - wenig überraschend - wieder in die Haare und hatte man diese Egoprobleme auf dem Vorgänger zugunsten der Bandraison noch in den Griff bekommen, traten sie während der Arbeiten zum Nachfolger wieder drastisch in den Vordergrund.

Die Band wurde zwischen den ewigen Zwistigkeiten erneut zerrieben und gleichzeitig entluden sich die Spannungen diesmal auch nicht mehr in besonders energiegeladenen und kreativen Darbietungen, wie es früher noch oftmals der Fall gewesen war.

Der kreative Prozess schien deutlich unter den Umständen zu leiden, denn das Songwriting spuckte diesmal nur wenig erhebendes aus. Das meiste blieb im Mittelmaß stecken und man verließ sich wohl auch ein wenig zu sehr darauf, einfach das Erfolgsrezept von "Perfect Strangers" nochmal zu kopieren: Einige der Songs des "The house of blue light"-Albums klingen eher wie Überbleibsel und Resteverwertung aus den Sessions zum Vorgänger.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die absolut lauwarme Produktion, die reichlich dünn und drucklos daherkommt und auch viel zeittypische 80er Jahre-Kälte mitschwingen läßt.

Das beeinträchtigt natürlich auch jene Songs etwas in ihrer Gesamtwirkung, die eigentlich gelungen sind:

Da wären zum Beispiel der Opener "Bad Attitude" oder "Hard lovin´woman", zwei erstklassige Stücke, die auch auf "Perfect strangers" keinesfalls negativ aufgefallen wären. Wie gut diese beiden Songs wirklich sind, merkt man eigentlich erst so richtig, wenn man sich das 88er Livealbum "Nobody´s perfect" zu Gemüte führt, auf dem diese Lieder auch vertreten sind und zwar in wesentlich organischerem Bühnensound. Dort kommt die eigentliche Klasse beider Nummern erst wirklich zur Geltung.

Beiträge wie "The unwritten law" oder "Strangeways" sind und bleiben dagegen einfach ziemlich unspektakuläre Durchschnittsnummern und es gibt auch richtig blasse Schnarcher, wie zum Beispiel das merkwürdige, bluesige "Mitzi Dupree" sowie gar Tracks, an die man sich nach kurzer Zeit überhaupt nicht mehr erinnert, weder im positiven noch im negativen Sinne. Selbst Blackmore oder Lord können nur verhältnismäßig wenige Akzente setzen.

Richtig inspiriert wirkt "The house of blue light" jedenfalls nicht und die Scheibe gehört trotz mancher guter Ansätze mit Sicherheit nicht zu den unverzichtbaren Highlights im Purple-Katalog, dazu erscheint sie einfach zu zahnlos und bemüht sowie insgesamt nicht sonderlich zielführend.

Das Niveau der großen Alben aus dem Hause Purple wird jedenfalls kaum oder nur an wenigen Stellen erreicht und es zeigt sich mehr als deutlich, dass die Band sich selbst im Weg stand und nicht in der Lage war, an die Klasse von "Perfect Strangers" kontinuierlich anzuknüpfen.


Die Songs

1. Bad Attitude – 4:43
2. The Unwritten Law – 4:34
3. Call of the Wild – 4:50
4. Mad Dog – 4:29
5. Black and White – 3:39
6. Hard Lovin' Woman – 3:24
7. The Spanish Archer – 4:56
8. Strangeways – 5:56
9. Mitzi Dupree – 5:03
10. Dead or Alive – 4:42


Die Band

Ian Gillan (Gesang)
Roger Glover (Bass)
Ritchie Blackmore (Gitarre)
Jon Lord (Orgel, Keyboards)
Ian Paice (Schlagzeug)

Bild
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Re: [REVIEW] Deep Purple - "The house of blue light" (1987)

Beitrag: # 1909Beitrag Vertigo
12.06.2017, 16:18

Aus den Alben "Perfect Strangers", "The House Of Blue Light" und "The Battle Rages On" hab ich mir wieder einen eigenen Sampler gebastelt, der es sogar auf etwas über 70 Minuten bringt.

- 6 Songs von "Perfect..."
- 4 Songs von "The House..."
- 2 Songs von "The Battle...."

Die "Perfect Strangers" könnte man zwar auch alleine kaufen, aber dann fehlen mir die Songs der beiden anderen Alben. Da ich die aber nicht kaufen mag, weil mir da zuviel langweiliges Zeugs mit drauf ist, hab ich mich für die Lösung entschieden. Und so läuft die für mich richtig gut durch. Wär ja immerhin eine Doppel-LP als Vinyl.
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Re: [REVIEW] Deep Purple - "The house of blue light" (1987)

Beitrag: # 1911Beitrag AusDemWegIchBinArzt
12.06.2017, 16:26

Vertigo hat geschrieben:
12.06.2017, 16:18
Aus den Alben "Perfect Strangers", "The House Of Blue Light" und "The Battle Rages On" hab ich mir wieder einen eigenen Sampler gebastelt, der es sogar auf etwas über 70 Minuten bringt.

- 6 Songs von "Perfect..."
- 4 Songs von "The House..."
- 2 Songs von "The Battle...."

Die "Perfect Strangers" könnte man zwar auch alleine kaufen, aber dann fehlen mir die Songs der beiden anderen Alben. Da ich die aber nicht kaufen mag, weil mir da zuviel langweiliges Zeugs mit drauf ist, hab ich mich für die Lösung entschieden. Und so läuft die für mich richtig gut durch. Wär ja immerhin eine Doppel-LP als Vinyl.
Das ist natürlich auch eine sinnige Lösung. Wo wir gerade beim Thema sind, das wollte ich Dich immer schon mal fragen: Stellst Du Deine Sampler streng chronologisch oder nach einem bestimmten Konzept zusammen oder würfelst Du die Lieder der verschiedenen Alben in zufälliger Reihenfolge durcheinander ?
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Re: [REVIEW] Deep Purple - "The house of blue light" (1987)

Beitrag: # 1913Beitrag Vertigo
12.06.2017, 16:41

Das kommt ganz auf meine Stimmung, die Band und den Stil den sie haben an, auch auf den Sound der Alben.

Bei Bands die einen sehr kohärenten Stil pflegen wähle ich meist die chronologische Reihenfolge. Bei Bands die alles mögliche an Stilen ausprobiert haben mische ich es meist durcheinander, weil sonst die Stile so separiert stehen wenn ich da nach der Chronologie vorgehen würde. Generell aber versuche ich einen Fluß reinzubekommen, so dass die mir beim Durchhören taugt.

Ich kann ja mal in meinem Blog eine Rubrik für meine Sampler machen, die kann man ja auch nicht von außen einsehen, da kann ich die Cover ja dann auch gut reinpacken. Da kann man dann auch gut drüber diskutieren..."wie konntest du nur DIESEN Song weglassen" und "was für ein scheußliches Cover" etc. ;)
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Re: [REVIEW] Deep Purple - "The house of blue light" (1987)

Beitrag: # 1916Beitrag AusDemWegIchBinArzt
12.06.2017, 16:50

Vertigo hat geschrieben:
12.06.2017, 16:41
Das kommt ganz auf meine Stimmung, die Band und den Stil den sie haben an, auch auf den Sound der Alben.

Bei Bands die einen sehr kohärenten Stil pflegen wähle ich meist die chronologische Reihenfolge. Bei Bands die alles mögliche an Stilen ausprobiert haben mische ich es meist durcheinander, weil sonst die Stile so separiert stehen wenn ich da nach der Chronologie vorgehen würde. Generell aber versuche ich einen Fluß reinzubekommen, so dass die mir beim Durchhören taugt.

Ich kann ja mal in meinem Blog eine Rubrik für meine Sampler machen, die kann man ja auch nicht von außen einsehen, da kann ich die Cover ja dann auch gut reinpacken. Da kann man dann auch gut drüber diskutieren..."wie konntest du nur DIESEN Song weglassen" und "was für ein scheußliches Cover" etc. ;)
Ja, mach das mal, eine gute Idee. Das interessiert mich schon länger und das ist wirklich eine gute Basis für Diskussionen und Inspirationen. Außerdem hatte ich Dich doch unlängst erst dabei ertappt, wie Du "Lord of the thighs" beim Aerosmith-Sampler weggelassen hattest...unverzeihlich ;-)
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Re: [REVIEW] Deep Purple - "The house of blue light" (1987)

Beitrag: # 1918Beitrag Vertigo
12.06.2017, 17:00

AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben:
12.06.2017, 16:50

.... Außerdem hatte ich Dich doch unlängst erst dabei ertappt, wie Du "Lord of the thighs" beim Aerosmith-Sampler weggelassen hattest...unverzeihlich ;-)
der kommt auf die Remastered Deluxe-Ausgabe mit drauf, ist schon organsiert das Stück und bei mir, muß nur neu brennen. Der ist mir tatsächlich einfach durchgerutscht, denn den mochte ich schon immer und weiß nicht warum der nicht drauf war.
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Re: [REVIEW] Deep Purple - "The house of blue light" (1987)

Beitrag: # 1920Beitrag AusDemWegIchBinArzt
12.06.2017, 17:02

Vertigo hat geschrieben:
12.06.2017, 17:00
AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben:
12.06.2017, 16:50

.... Außerdem hatte ich Dich doch unlängst erst dabei ertappt, wie Du "Lord of the thighs" beim Aerosmith-Sampler weggelassen hattest...unverzeihlich ;-)
der kommt auf die Remastered Deluxe-Ausgabe mit drauf, ist schon organsiert das Stück und bei mir, muß nur neu brennen. Der ist mir tatsächlich einfach durchgerutscht, denn den mochte ich schon immer und weiß nicht warum der nicht drauf war.
Nimmst Du den denn in der originalen Studioversion mit auf den Re-Release oder in einer der noch deutlich feurigeren Livevarianten ?
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Re: [REVIEW] Deep Purple - "The house of blue light" (1987)

Beitrag: # 1922Beitrag Vertigo
12.06.2017, 17:14

AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben:
12.06.2017, 17:02
Vertigo hat geschrieben:
12.06.2017, 17:00
AusDemWegIchBinArzt hat geschrieben:
12.06.2017, 16:50

.... Außerdem hatte ich Dich doch unlängst erst dabei ertappt, wie Du "Lord of the thighs" beim Aerosmith-Sampler weggelassen hattest...unverzeihlich ;-)
der kommt auf die Remastered Deluxe-Ausgabe mit drauf, ist schon organsiert das Stück und bei mir, muß nur neu brennen. Der ist mir tatsächlich einfach durchgerutscht, denn den mochte ich schon immer und weiß nicht warum der nicht drauf war.
Nimmst Du den denn in der originalen Studioversion mit auf den Re-Release oder in einer der noch deutlich feurigeren Livevarianten ?
Da bin ich in der Regel strikt und packe Studiosongs auf Studiosampler und Liveversionen auf Livesampler. Zumal ich in dem Fall ja die "Live Bootleg" eh auf CD hab, sogar als Japan-Ausgabe, weil die das Cover so schön reproduziert haben.
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