[REVIEW] Eloy - "Silent cries and mighty echoes" (1979)

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[REVIEW] Eloy - "Silent cries and mighty echoes" (1979)

Beitrag: # 634Beitrag AusDemWegIchBinArzt
24.05.2017, 19:53

ELOY - "Silent cries and mighty echoes" (1979)

Nähern wir uns nun einmal einem Album der weitreichenden Eloy-Discographie, welches für mich, natürlich einer entsprechend subjektiven Betrachungsweise unterzogen, zu den stärksten Outputs der Band gehört.

"Silent cries and mighty echoes" ist das letzte Album der wohl populärsten und erfolgreichsten Eloy-Besetzung gewesen, die nur drei kurze aber kreative Jahre von 1976 bis 1979 existierte.

Während dieses letzte gemeinsame Album entstand, war es mit der Harmonie innerhalb des Bandgefüges bereits nicht mehr zum Besten bestellt. Der endgültige Zusammenbruch des Line-ups ließ dann auch nicht mehr lange auf sich warten und erfolgte Ende 1979.

Die beiden Vorgängeralben "Dawn" (1976) und vor allem das sehr erfolgreiche "Ocean" (1977) hatten den Weg zu "Silent cries..." bereits vorgezeichnet. Von daher darf man das 79er Werk als fast schon logisches Follow-up von "Ocean" bezeichnen, was sich in der stilistischen Nähe auch deutlich bemerkbar macht.

Gemein sind beiden Alben eine ausgeprägt mystische Grundstimmung und eine Art Unterwasserwelt-Feeling, was zumindest im Falle von "Ocean" auch thematisch durchaus den Kern trifft, da sich jenes Album bekanntlich um die sagenumwobene Geschichte von Atlantis dreht.

Dennoch besitzt auch "Silent cries...." eine ähnliche musikalische Ausrichtung; wird ähnlich wie "Ocean" von sphärischen Synthieklängen dominiert und bedient sich vergleichbarer Elemente, ist aber in der Gesamtheit einen Ticken rockiger und abwechslungsreicher als "Ocean" geraten.

Während sich "Ocean" ausschließlich in sehr langen Kompositionen ergeht (2 Titel pro Albumseite) und an mancher Stelle auch, bei aller Liebe, einen dezenten Hang zur Langatmigkeit aufweist (siehe z.B. "Atlantis´agony"), wirkt "Silent cries..." trotz ähnlicher Grundzutaten um einiges dynamischer. Es handelt sich sozusagen um eine griffigere Variante von "Ocean".

Ansonsten bewegen sich beide Alben aber kompositorisch auf einem vergleichbar hohen Qualitätslevel.

Der vielfach von Kritikern geäußerte Vorwurf, das Album sei eine platte Kopie von Pink Floyd, läßt sich aus meiner Sicht nicht halten.

Auch wenn ich nicht bestreiten möchte, dass manche Passagen, vor allem bezüglich des Gitarrenspiels Bornemanns, deutlich hörbar von David Gilmour inspiriert wurden, so bleibe ich dennoch der Meinung dass die Scheibe eindeutig nach Eloy klingt und genügend Eigenständigkeit und Originalität aufweist, um nicht als Plagiat verurteilt werden zu müssen.

Tolles Material bietet "Silent cries... in jedem Fall, wieder einmal ein Eloy-Album, in welchem man zur Gänze versinken und sich hinwegträumen kann.

Die Scheibe beinhaltet ein ganzes Füllhorn großartiger Eloy-Kompositionen aus einem Guß, welche dem damaligen Anspruch der Band in jeder Hinsicht gerecht werden und zu keiner Sekunde spürbar werden lassen, dass es bandintern bereits heftig kriselte.

Besondere Highlights:

1.Das großartige Einstiegsdoppel "Astral entrance" / "Master of sensation".

2. Das in mehrere Kapitel unterteilte "The apocalypse", welches sich auf eine Gesamtlänge von fast 15 (kurzweiligen) Minuten ausdehnt.

3. Das eingängige, straight nach vorne gehende und dennoch absolut Eloy-typische "Pilot to paradise"

Der Rest dieser Scheibe steht den genannten drei Songs aber nicht wirklich nach, wobei ich persönlich allerdings den Track "Mighty echoes" insgesamt etwas schwächer als das übrige Material finde.

Definitiv eine Veröffentlichung, welche sich mit vollem Recht zu den unvergesslichen Eloy-Großtaten aus den 70ern zählen darf.

Die Songs:

1. a) Astral Entrance
b) Master of Sensation 9:03

2. The Apocalypse:
a) Silent Cries and Mighty Echoes
b) The Vision - Burning
c) Force Majeure" 14:54

3. "Pilot to Paradise" 7:01
4. "De Labore Solis" 5:12
5. "Mighty Echoes" 7:16

Die Band:

Frank Bornemann (Gesang, Gitarre)
Klaus-Peter Matziol (Bass)
Detlev Schmidtchen (Synthesizer etc.)
Jürgen Rosenthal (Schlagzeug)

Bild
Wenn Musik Bilder erzeugen und den Hörer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erfüllt.



Ein Komma kann über Leben und Tod entscheiden. Zum Beispiel bei dem Satz "Wir essen jetzt, Opa."

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