[REVIEW] Eloy - "Time To Turn" (1982)

Antworten
Benutzeravatar

Topic author
AusDemWegIchBinArzt
Administrator
Beiträge: 18111
Registriert: 14.05.2017, 09:06
Wohnort: King Ludwig Country
Hat sich bedankt: 6420 Mal
Danksagung erhalten: 7951 Mal
Kontaktdaten:

[REVIEW] Eloy - "Time To Turn" (1982)

Beitrag: # 66746Beitrag AusDemWegIchBinArzt
05.06.2019, 21:19

Eloy - "Time To Turn" (1982)

Das zehnte Studioalbum der Hannoveraner Art Rock-Legende war ursprünglich als Teil eines Konzept-Doppelalbums geplant, gemeinsam mit dem 1981 veröffentlichten Vorgänger "Planets". Daraus wurde bekanntlich aufgrund einer Intervention der Plattenfirma nichts, so dass man es letztlich vorzog, beide Alben kurz nacheinander separat zu veröffentlichen.

Der musikalische Inhalt von "Time To Turn" setzt im Großen und Ganzen die Linie von "Planets" fort, welches nach dem mit runderneuerter Besetzung eingespielten, überraschend kompakt und griffig gehaltenen "Colours"-Album (1980) eine Rückkehr zu den opulenteren, schwelgerischen und meist um ein thematisches Konzept herum aufgebauten Symphonic Prog-Klängen der herausragenden 70er Jahre-Alben bedeutete, wenn auch um eine eindeutiger ausgeprägte poppige Komponente und modernere Synthiesounds erweitert bzw. modifiziert.

Auf diesem Weg wollte die Band fit für die 80er Jahre werden und sowohl die alten Fans aus den 70ern im Boot halten, als auch neue Fans hinzugewinnen, was im Zeitalter von NDW, Punk und New Wave für altgediente Heroen aus dem vergangenen Jahrzehnt keine ganz leichte Aufgabe war - so manche Band verhob sich auch ganz gehörig daran, wie wir wissen.

Eloy versuchten also einen Mittelweg aus dem altbekannten Stil und neueren, zeitgemäßeren Elementen, ohne dabei ihre ureigene Identität über den Haufen werfen zu müssen.

Das ist grundsätzlich auch ganz gut gelungen und auch Werke wie eben "Time To Turn" strahlen die Eloy-typische, ganze eigene Magie aus - obwohl man natürlich zugeben muss, dass sie nicht zur Gänze mit den famosen, überirdischen und völlig von Zeit und Raum losgelösten, monumentalen 70er-Überwerken mithalten können.

Im Vergleich zu "Planets" sind die Songs auf "Time To Turn" gar noch einen Hauch poppiger ausgefallen, was aber im Zusammenspiel mit den gewohnten symphonischen Bestandteilen ohne Probleme funktioniert. "Time To Turn" ist kein Spitzenalbum, aber immer noch ein allemal gutes - mit ein paar wenigen Ausreißern nach unten.

So ist der Titeltrack mit dem seit damals von Bornemann so favorisierten weiblichen Backgroundgesang eine Spur zu kitschig und aufdringlich und auch das lange "End Of An Odyssey" hat ein paar eingebaute kompositorische Schwachpunkte und überzeugt nicht über die ganze Spieldauer. "The Flash" ist insgesamt eher nichtssagend und wäre verzichtbar gewesen.

Generell muß man konstatieren, dass man außer bei den meiner Meinung nach größtenteils überflüssigen Background-Chanteusen auch nicht zu empfindlich sein darf, was die Keyboardsounds angeht, die teilweise schon sehr zeitgeistig-quietschig rüberkommen (was aber außer bei "Colours" auf allen Eloy-Alben der 80er Jahre so ist) und lange nicht so warm und elegant wie zu seligen Detlev Schmidtchen-Zeiten.

Dafür stehen auf der Habenseite aber tolle Stücke wie der dynamisch pulsierende, eingängige Opener "Through A Somber Galaxy", das ambitionierte "Behind The Walls Of Imagination" oder das recht lässig groovende "Magic Mirrors". Auch der Rausschmeißer "Say, Is It Really True" hat sehr schöne Momente und bildet einen in den Gesamtkontext passenden, qualitativ hochwertigen Abschluß.

Übrigens bedeutete "Time To Turn" auch die Rückkehr des bewährten Fritz Randow, der bereits von 1972-1975 mit seinem kraftvollen Drumming in der Band Akzente setzen konnte und von Bornemann kurzfristig als Ersatz für den in Ungnade gefallenen Kurzzeit-Trommler Jim McGilivray zurück zu Eloy gelotst wurde.

So bleibt unterm Strich also ein leicht zwiespältiges Album, welches aber insgesamt einen mehrheitlich doch noch ordentlichen Eindruck hinterläßt, der einen auch mit den Schwächen somit weitestgehend leben läßt. Wie gesagt: Nicht das allerstärkste Eloy-Album, aber bei weitem auch nicht das schlechteste und das reicht schon allemal als Rechtfertigung, um die Scheibe zu besitzen und hin und wieder gerne mal aus dem Regal zu ziehen.

Die Songs

1. "Through a Somber Galaxy" - 6:00
2. "Behind the Walls of Imagination" - 6:25
3. "Time to Turn" - 4:32
4. "Magic Mirrors" - 5:25
5. "End of an Odyssey" - 9:25
6. "The Flash" - 5:34
7. "Say, Is it Really True" - 4:45


Die Band

Frank Bornemann (Gesang, Gitarre)
Klaus-Peter Matziol (Bass)
Hannes Arkona (Gitarre, Keyboards)
Hannes Folberth (Keyboards)
Fritz Randow (Schlagzeug)


Bild
Wenn Musik Bilder erzeugen und den Hörer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erfüllt.



Ein Komma kann über Leben und Tod entscheiden. Zum Beispiel bei dem Satz "Wir essen jetzt, Opa."

Benutzeravatar

nixe
Beiträge: 13002
Registriert: 15.06.2017, 15:42
Wohnort: am Rande von NDS
Hat sich bedankt: 6498 Mal
Danksagung erhalten: 5365 Mal
Kontaktdaten:

Re: [REVIEW] Eloy - "Time To Turn" (1982)

Beitrag: # 66747Beitrag nixe
05.06.2019, 21:29

Gute Rezi & Du hast recht, ich müßte es auch mal wieder hören, inklusive Planets; gehören ja zusammen!
Musik hat die Fähigkeit uns geistig, körperlich & emotional zu beeinflussen!

!!!I like Prog!!!

!!!Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten!!!

Tschüß
nixe

Benutzeravatar

Vertigo
Beiträge: 18725
Registriert: 18.05.2017, 11:24
Wohnort: München
Hat sich bedankt: 12618 Mal
Danksagung erhalten: 5750 Mal
Kontaktdaten:

Re: [REVIEW] Eloy - "Time To Turn" (1982)

Beitrag: # 66762Beitrag Vertigo
06.06.2019, 08:22

Ich glaub da blieben mir so auf Anhieb nur "End Of An Odyssey" und "Say, Is It Really True" hängen
"Ich glaube, dass ein Optimist, der erkennen muß, dass seine Ideale sich nicht erfüllen, trotzdem ein erfüllteres Leben hat, als ein Pessimist, der sich bestätigt sieht" (Richard David Precht)

Benutzeravatar

Topic author
AusDemWegIchBinArzt
Administrator
Beiträge: 18111
Registriert: 14.05.2017, 09:06
Wohnort: King Ludwig Country
Hat sich bedankt: 6420 Mal
Danksagung erhalten: 7951 Mal
Kontaktdaten:

Re: [REVIEW] Eloy - "Time To Turn" (1982)

Beitrag: # 66855Beitrag AusDemWegIchBinArzt
08.06.2019, 05:43

Vertigo hat geschrieben:
06.06.2019, 08:22
Ich glaub da blieben mir so auf Anhieb nur "End Of An Odyssey" und "Say, Is It Really True" hängen
Hör Dir mal "Through A Somber Galaxy" oder "Magic Mirrors" an....da müßte es eigentlich auch klingeln.... ;)
Wenn Musik Bilder erzeugen und den Hörer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erfüllt.



Ein Komma kann über Leben und Tod entscheiden. Zum Beispiel bei dem Satz "Wir essen jetzt, Opa."

Antworten
  • Vergleichbare Themen
    Antworten
    Zugriffe
    Letzter Beitrag