[REVIEW] Eloy - "Time To Turn" (1982)

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[REVIEW] Eloy - "Time To Turn" (1982)

#1

Beitrag: # 66746Beitrag AusDemWegIchBinArzt
05.06.2019, 21:19

Eloy - "Time To Turn" (1982)

Das zehnte Studioalbum der Hannoveraner Art Rock-Legende war ursprĂŒnglich als Teil eines Konzept-Doppelalbums geplant, gemeinsam mit dem 1981 veröffentlichten VorgĂ€nger "Planets". Daraus wurde bekanntlich aufgrund einer Intervention der Plattenfirma nichts, so dass man es letztlich vorzog, beide Alben kurz nacheinander separat zu veröffentlichen.

Der musikalische Inhalt von "Time To Turn" setzt im Großen und Ganzen die Linie von "Planets" fort, welches nach dem mit runderneuerter Besetzung eingespielten, ĂŒberraschend kompakt und griffig gehaltenen "Colours"-Album (1980) eine RĂŒckkehr zu den opulenteren, schwelgerischen und meist um ein thematisches Konzept herum aufgebauten Symphonic Prog-KlĂ€ngen der herausragenden 70er Jahre-Alben bedeutete, wenn auch um eine eindeutiger ausgeprĂ€gte poppige Komponente und modernere Synthiesounds erweitert bzw. modifiziert.

Auf diesem Weg wollte die Band fit fĂŒr die 80er Jahre werden und sowohl die alten Fans aus den 70ern im Boot halten, als auch neue Fans hinzugewinnen, was im Zeitalter von NDW, Punk und New Wave fĂŒr altgediente Heroen aus dem vergangenen Jahrzehnt keine ganz leichte Aufgabe war - so manche Band verhob sich auch ganz gehörig daran, wie wir wissen.

Eloy versuchten also einen Mittelweg aus dem altbekannten Stil und neueren, zeitgemĂ€ĂŸeren Elementen, ohne dabei ihre ureigene IdentitĂ€t ĂŒber den Haufen werfen zu mĂŒssen.

Das ist grundsĂ€tzlich auch ganz gut gelungen und auch Werke wie eben "Time To Turn" strahlen die Eloy-typische, ganze eigene Magie aus - obwohl man natĂŒrlich zugeben muss, dass sie nicht zur GĂ€nze mit den famosen, ĂŒberirdischen und völlig von Zeit und Raum losgelösten, monumentalen 70er-Überwerken mithalten können.

Im Vergleich zu "Planets" sind die Songs auf "Time To Turn" gar noch einen Hauch poppiger ausgefallen, was aber im Zusammenspiel mit den gewohnten symphonischen Bestandteilen ohne Probleme funktioniert. "Time To Turn" ist kein Spitzenalbum, aber immer noch ein allemal gutes - mit ein paar wenigen Ausreißern nach unten.

So ist der Titeltrack mit dem seit damals von Bornemann so favorisierten weiblichen Backgroundgesang eine Spur zu kitschig und aufdringlich und auch das lange "End Of An Odyssey" hat ein paar eingebaute kompositorische Schwachpunkte und ĂŒberzeugt nicht ĂŒber die ganze Spieldauer. "The Flash" ist insgesamt eher nichtssagend und wĂ€re verzichtbar gewesen.

Generell muß man konstatieren, dass man außer bei den meiner Meinung nach grĂ¶ĂŸtenteils ĂŒberflĂŒssigen Background-Chanteusen auch nicht zu empfindlich sein darf, was die Keyboardsounds angeht, die teilweise schon sehr zeitgeistig-quietschig rĂŒberkommen (was aber außer bei "Colours" auf allen Eloy-Alben der 80er Jahre so ist) und lange nicht so warm und elegant wie zu seligen Detlev Schmidtchen-Zeiten.

DafĂŒr stehen auf der Habenseite aber tolle StĂŒcke wie der dynamisch pulsierende, eingĂ€ngige Opener "Through A Somber Galaxy", das ambitionierte "Behind The Walls Of Imagination" oder das recht lĂ€ssig groovende "Magic Mirrors". Auch der Rausschmeißer "Say, Is It Really True" hat sehr schöne Momente und bildet einen in den Gesamtkontext passenden, qualitativ hochwertigen Abschluß.

Übrigens bedeutete "Time To Turn" auch die RĂŒckkehr des bewĂ€hrten Fritz Randow, der bereits von 1972-1975 mit seinem kraftvollen Drumming in der Band Akzente setzen konnte und von Bornemann kurzfristig als Ersatz fĂŒr den in Ungnade gefallenen Kurzzeit-Trommler Jim McGilivray zurĂŒck zu Eloy gelotst wurde.

So bleibt unterm Strich also ein leicht zwiespĂ€ltiges Album, welches aber insgesamt einen mehrheitlich doch noch ordentlichen Eindruck hinterlĂ€ĂŸt, der einen auch mit den SchwĂ€chen somit weitestgehend leben lĂ€ĂŸt. Wie gesagt: Nicht das allerstĂ€rkste Eloy-Album, aber bei weitem auch nicht das schlechteste und das reicht schon allemal als Rechtfertigung, um die Scheibe zu besitzen und hin und wieder gerne mal aus dem Regal zu ziehen.

Die Songs

1. "Through a Somber Galaxy" - 6:00
2. "Behind the Walls of Imagination" - 6:25
3. "Time to Turn" - 4:32
4. "Magic Mirrors" - 5:25
5. "End of an Odyssey" - 9:25
6. "The Flash" - 5:34
7. "Say, Is it Really True" - 4:45


Die Band

Frank Bornemann (Gesang, Gitarre)
Klaus-Peter Matziol (Bass)
Hannes Arkona (Gitarre, Keyboards)
Hannes Folberth (Keyboards)
Fritz Randow (Schlagzeug)


Bild
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Re: [REVIEW] Eloy - "Time To Turn" (1982)

#2

Beitrag: # 66747Beitrag nixe
05.06.2019, 21:29

Gute Rezi & Du hast recht, ich mĂŒĂŸte es auch mal wieder hören, inklusive Planets; gehören ja zusammen!
Musik hat die FÀhigkeit uns geistig, körperlich & emotional zu beeinflussen!

!!!I like Prog!!!

!!!Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen selbst Zwerge lange Schatten!!!

TschĂŒĂŸ
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Vertigo
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Re: [REVIEW] Eloy - "Time To Turn" (1982)

#3

Beitrag: # 66762Beitrag Vertigo
06.06.2019, 08:22

Ich glaub da blieben mir so auf Anhieb nur "End Of An Odyssey" und "Say, Is It Really True" hÀngen
Die Liste der Besonderen (wird fortgesetzt):

- David Lynch
- Christian Vander
- Tom Waits

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Re: [REVIEW] Eloy - "Time To Turn" (1982)

#4

Beitrag: # 66855Beitrag AusDemWegIchBinArzt
08.06.2019, 05:43

Vertigo hat geschrieben: ↑
06.06.2019, 08:22
Ich glaub da blieben mir so auf Anhieb nur "End Of An Odyssey" und "Say, Is It Really True" hÀngen
Hör Dir mal "Through A Somber Galaxy" oder "Magic Mirrors" an....da mĂŒĂŸte es eigentlich auch klingeln.... ;)
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