[REVIEW] Liar - Straight From The Hip (1977)

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Monk
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[REVIEW] Liar - Straight From The Hip (1977)

#1

Beitrag: # 71008Beitrag Monk
13.08.2019, 13:01

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Es gehört zu den grossen Mysterien der Rockmusik, warum es viele Bands, die es in qualitativer Hinsicht mit den ganz Grossen locker aufnehmen konnten, nicht schafften, über einen kleinen Achtungserfolg hinaus zu kommen oder nachhaltig Eckpunkte zu setzen für eine Karriere, die vielleicht länger als nur gerade ein oder zwei Alben lang dauern würde. Die Band Liar aus Maidenhead in Berkshire (England) gehört auf jeden Fall zu diesen Bands. Gegründet im Jahre 1975 von Dave Taylor, der in den ausgehenden 60er Jahren mit Edison Lighthouse und dem Titel "Love Grows" als sogenanntes 'One Hit Wonder' in die Geschichte einging. 1970 spielte Dave Taylor dann bei den britischen Jazzrockern von Catapilla.

Produzent Chris Demetriou entdeckte die Band und empfahl sie der Plattenfirma Decca Records, nachdem er den Sänger und Songschreiber Paul Travis, den er persönlich betreute, in der neu formierten Gruppe platzieren konnte. Als die Band mit Clive Brooks, der für die Bands Egg und die Groundhogs am Schlagzeugstuhl sass und Sänger David Burton schliesslich komplett war, entstanden die Aufnahmen zum ersten Album "Straight From The Hip" 1976, und für diese Aufnahmen wurden ein paar weitere Top-Sessionmusiker beigezogen, unter anderen der Gitarrist Geoff Whitehorn, damals mit der Band Crawler unterwegs, später dann vor allem bekannt mit Roger Chapman bei den Streetwalkers, ausserdem Steve Mann (Lionheart, Michael Schenker Group) und Keyboarder John "Rabbit" Bundrick (Free, Mallard, Amazing Blondel und andere).

Heraus kam ein beeindruckend gutes und kompetent eingespieltes leicht bluesig gefärbtes Rockalbum, das so typisch war für die damalige Zeit und leider genauso typisch im allgemeinen Punkrummel völlig unterging. Immerhin warf das Album eine Single ab, und zwar den Opener "Soft Lights, Sweet Music", bei dem es sich entgegen des vermeintlichen Titels um einen soliden Rocksong handelte, der leider genauso wenig Echo auslöste. Die Ballade "Full Time Woman", eine herzzerreissend schöne Nummer, veröffentlichte der Sänger Paul Travis später, angereichert mit zusätzlichen Streichern, als Single, die ebenfalls nicht punktete.

Nach der Veröffentlichung des Debütalbums unternahm die Band eine erste Tour durch Grossbritannien zusammen der Gruppe Slade, gefolgt von zwei Europatourneen, auf welcher Liar die Niederlande und Deutschland bereisten. Es folgte eine dreiwöchige Tournee durch Ungarn, bei der die Bühne mit der ungarischen Top-Band Piramis geteilt wurde, und die letzte Show dieser Tournee in Budapest hatte 35000 Zuschauer. Ein zweites Album wurde vorgeschlagen, dessen Produktion John Alcock übergeben wurde, der zuvor unter anderem mit Thin Lizzy zusammengearbeitet hatte. Das Management wurde von Del Taylor von Delta Artist Management übernommen, der auch Alexis Korner und Jim Diamond betreute. Das neue Album wurde in The Who 's Ramport Studios aufgenommen, in Battersea London.

Da Taylor der Meinung war, dass die Band von einem progressiveren Label profitieren würde, arrangierte sie einen Gig an der Hatfield University, zu dem bedeutende Persönlichkeiten aus der Plattenindustrie eingeladen wurden. Als Ergebnis verliess die Band ihr Label Decca Records und unterschrieb bei Albert Grossman 's Plattenfirma Bearsville Records. Das zweite Album wurde 1978 veröffentlicht, mit einer Single "Set The World on Fire", und nach einem Werbebesuch in den USA von Burton und Taylor unternahm die Band eine Tournee durch Jugoslawien in Vorbereitung auf eine landesweite Tournee durch die Vereinigten Staaten mit der amerikanischen Band Styx . Das Album wurde zunächst in den USA gut aufgenommen. Eine zeitlang war es das am dritthäufigsten gespielte Album in den Billboard Airplay Charts hinter Bob Dylan's "Street Legal" und The Who's "Who Are You". Diese relativ hohe Radiopräsenz führte dazu, dass das Album in die Album-Charts einzog, und trotz des starken Widerstandes der Band wurde vom Bandmanagement die Entscheidung getroffen, sich von der Styx-Tour zurückzuziehen, in der Überzeugung, dass die Band bald durch ihre vielen Plattenverkäufe in die Schlagzeilen kommen würde und dadurch Auftritte als Headliner bestreiten könne. Doch das Radio-Airplay liess bald nach und das Album konnte sch nicht weiter in den Charts halten.

Bearsville Records traf trotzdem die Entscheidung, mit der Band ein weiteres Album in Kalifornien aufzunehmen. So nahmen Liar Ende 1978 vorübergehend ihren Wohnsitz in Hollywood auf und spielten ein drittes Album in Stevie Wonder's Crystal Studios in Los Angeles ein, das wiederum von John Alcock produziert wurde. Das Album wurde schliesslich auf eine geplante Single-Veröffentlichung reduziert und Gespräche über die Politik zwischen Management und Bearsville scheiterten schliesslich ganz, sodass auch eine weitere Single nicht zustande kam. An einem Punkt erwog dann die Plattenfirma A & M Records, die Band unter Vertrag zu nehmen, tat dies dann aber doch nicht. Während dieser vertraglichen Auseinandersetzung kehrte die Band zunächst frustriert nach Grossbritannien zurück und unternahm eine erfolgreiche und ausverkaufte Tournee zusammen mit UFO, die in zwei Auftritten im renommierten Londoner Hammersmith Odeon gipfelte. Es erwies sich dennoch als unmöglich, eine Lösung für die Vertragsprobleme der Band zu finden, und Liar fielen auseinander. Der Auftritt im Hammersmith Odeon am 16. Februar 1979 wurde auch ihr letzter.






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Oracle
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Re: [REVIEW] Liar - Straight From The Hip (1977)

#2

Beitrag: # 71010Beitrag Oracle
13.08.2019, 13:32

ist mir völlig unbekannt.
Mein Interesse hast du jedenfalls geweckt. :good:

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Vertigo
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Re: [REVIEW] Liar - Straight From The Hip (1977)

#3

Beitrag: # 71014Beitrag Vertigo
13.08.2019, 15:35

Ich mein das Cover blieb mir schonmal irgendwo hängen (Kunststück) aber die Band war mir nicht bewusst und hab ich auch nie gehört. Erinnern mich spontan an Widowmaker, Meal Ticket oder Hard Stuff. Auch gute Rockalben die einfach zur völlig falschen Zeit rauskamen, weil sie einfach zu bodenständig waren und nicht ins aufkommende Punk-Fieber passten.

Gefällt mir aber, wär ein Fall für Esoteric Recordings die drei Alben in der Pappbox wiederzuveröffentlichen, sowas machen die ja recht gerne.
Die Liste der Besonderen (wird fortgesetzt):

- David Lynch
- Christian Vander
- Tom Waits

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