Die Plattenlabel der NWOBHM - Folge 1: Ebony Records

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Die Plattenlabel der NWOBHM - Folge 1: Ebony Records

Beitrag: # 393Beitrag AusDemWegIchBinArzt
22.05.2017, 14:57

Die Plattenlabel der NWOBHM - Folge 1: Ebony Records


Wenn man an britischen Heavy Metal denkt, kommt einem natürlich nahezu automatisch die New Wave Of British Heavy Metal (NWOBHM) in den Sinn, die ihre Hochphase Pi mal Daumen zwischen 1979 und 1984 erlebte.

Genauer gesagt gab es zwei Wellen: Die erste und in ihrer Wichtigkeit bedeutendste Welle erstreckte sich von 1979 bis ungefähr 1984, wie schon gesagt, wobei die wegweisendsten Alben vor allem in den ersten drei Jahren bis 1982 erschienen. Nach 1984 gab es noch eine kleinere zweite Welle, deren Popularität schon geringer war, dennoch aber durchaus diverse weitere hochinteressante Bands ans Tageslicht brachte. Sie dauerte bis etwa 1987 (wobei es auch danach noch immer den einen oder anderen verspäteten Nachzügler gab).

Allerdings mußten die Bands aus dieser zweiten britischen Invasion bereits mit den neuen Power-/Speed-und Thrash Metal-Bands konkurrieren, die u.a. vor allem aus den USA (Bay Area!) und Deutschland kamen und zwar ebenfalls noch mehr oder minder deutlich NWOBHM-beeinflußt, dabei aber auch deutlich härter, extremer und auf der musikalischen Evolutionsleiter schon eine ganze Stufe weiter waren. Auch der Glam-orientierte sogenannte Hair Metal bzw. die aufkommenden Sleaze-Bands machten den britischen Bands zu diesem Zeitpunkt zunehmend das Leben schwer und gruben ihnen über kurz oder lang das Wasser ab.

Denkt man nun aber an die goldenen Jahre der NWOBHM, dann fallen einem natürlich auch die zahlreichen Labels ein, die sich den ganzen unterschiedlichen Bands widmeten, die unter dem Etikett NWOBHM zu finden waren.

Abgesehen davon, dass die Do-it-yourself-Attitüde der NWOBHM natürlich auch zahlreiche Eigenproduktionen und Raritäten in Kleinstauflagen hervorbrachte, gab es auch ein ebenfalls nahezu unübersichtliches Arsenal an Plattenfirmen jeglicher Größen und Betriebszustände, von professionell bis stümperhaft. Manchmal handelte sich gar mehr oder weniger um normale Schallplattenläden mit angeschlossenem Kleinlabelbetrieb im Hinterzimmer.

Da tauchten völlig obskure Firmen wie Rondelet Records, Gull Records oder Reddington´s Rare Records (das war ursprünglich beispielsweise genau so ein besagter Plattenladen) auf, genauso wie Rave On, Logo oder Guardian Records, die oft viel Idealismus, aber andererseits auch wenig Ahnung, Infrastruktur und vor allem kaum Knete besaßen. Einige kamen ursprünglich sogar aus dem Punk-Bereich. Auch die Belgier von Mausoleum Records mischten ein wenig mit.

Natürlich spielten hier und dort auch irgendwann die Majors wie MCA, Phonogram oder EMi eine (insgesamt aber eher bescheidene) Rolle, die selbstredend auch ein Stück vom Kuchen abhaben wollten und die eine oder andere Band signten - Iron Maiden waren besipielsweise von Anfang an bei der finanzstarken EMI, was natürlich sehr karriereförderlich war - aber letztlich das Geschehen nicht dominierten. Die Vielfalt an Bands und Labels bzw. Vertriebsmöglichkeiten war schier gigantisch.

Und dann gab es ferner die "typischen", auf die NWOBHM spezialierten bzw. mit ihr gewachsenen Firmen, die in Punkto Größe und Anspruch zwischen den kleinen, hemdsärmelig-popeligen Wald-und Wiesenläden und den mächtigen Majorunternehmen lagen.

Hier nun dominierten primär drei Namen das Geschehen: Neat Records (die wohl professionellste und bedeutendste Firma aus diesem Bereich; sie steht quasi synonym für die NWOBHM an erster Stelle), dahinter Heavy Metal Records und schließlich die Nummer Drei, Ebony Records.

Ebony waren auch nicht ganz von Beginn an dabei, im Gegensatz etwa zu Neat oder Heavy Metal Records, sondern traten erst ab ca. 1982 auf den Plan. Zu diesem Zeitpunkt waren die wichtigsten NWOBHM-Alben indes schon erschienen und am Horizont zeichnete sich bereits ein allmähliches Nachlassen der ersten Welle ab. Insofern hatten Ebony ihre große Zeit vor allem mit den Bands der kurze Zeit später aufschwappenden zweiten Welle und einigen Nachkömmlingen, was den Schwerpunkt der Labeltätigkeit somit auf die Jahre 1982-87 lenkt.

Viele kleinere und eher unbekanntere NWOBHM-Acts veröffentlichten Mitte der 80er Jahre via Ebony ihre Alben und obwohl das Label nach Neat und HM Records unter den Indielabels wohl das drittgrößte- oder drittbekannteste war, schwamm die Firma nicht unbedingt im Geld, was sich häufig in der Aufnahmequalität der dort veröffentlichenden Bands niederschlug: Der Low-Fi-Sound von Ebony-Produktionen war seinerzeit berüchtigt....

Nichtsdestotrotz stehen auf der Ebony-Habenseite eine Menge (musikalisch) hochklassiger Veröffentlichungen heute oftmals nahezu vergessener Bands wie Grim Reaper, Chateaux, Savage oder Samurai. Ansonsten gab es auch noch anderen obskuren Kram bei Ebony, u.a. diverse mehr oder minder gehaltvolle Sampler und seltsame Formationen wie The Sterling Cooke Force, unter denen selbst ich mir bis heute nichts vorstellen kann. Auch genrefremdes Zeugs wurde durchaus mal dazwischengemogelt, wie etwa die Wave/Electro-Compilation "Synthetic Romance" von 1982.

Immerhin war auf einem der besagten Sampler ("Metallic Storm", 1982) aber auch das erste offizielle, auf einer Vinylveröffentlichung zu Ehren kommende musikalische Dokument der dänischen Kultmetaller Mercyful Fate enthalten.

Irgendwann gegen Ende der 80er Jahre, spätestens Anfang der 90er, verschwanden Ebony still und leise von der Bildfläche, das genaue Datum ist nicht bekannt. Die letzten offiziellen Releases über Ebony wurden jedenfalls um 1987 herum herausgebracht. Offenbar sah man anschließend keine weitere Zukunft mehr für eine Aufrechterhaltung des Betriebes.


Veröffentlichungen 1982:

V/A - "Metal Fatigue", LP, EBON 1
V/A - "Synthetic Romance", LP, EBON 2
The Pete Ryan Band - "Dolli Parten´s Tits", 7", EBON 4
Moby Dick - "Nothing to fear" / "Can´t have my body tonight", 7", EBON 5
V/A - "Metallic Storm", LP, EBON 6
Strategy - "Technical Overflow", 7", EBON 7
V/A - "Metal Maniaxe", LP, EBON 8
Chateaux - "Young Blood" / "Fight to the last", 7", EBON 9
Savage - "Ain´t no fit place", 7", EBON 10

Veröffentlichungen 1983:

V/A - "Metal Warriors", LP, EBON 11
Savage - "Loose´N´Lethal", LP, EBON 12
Chateaux - "Chained and desperate", LP, EBON 13
V/A - "Metal Plated", LP, EBON 14
Shy - "Once bitten...twice shy", LP, EBON 15
Grim Reaper - "See you in hell", LP, EBON 16

Veröffentlichungen 1984:

Grim Reaper - "See you in hell", Tape, NFK1-8038
Grim Reaper - "The show must go on", 7", PB 13932
Holland - "Early Warning", LP, EBON 17
Chateaux - "Fire Power", LP, EBON 18
Demon Eyes - "Rites of chaos", LP, EBON 19
The Sterling Cooke Force - "Full Force", LP, EBON 20
Blade Runner - "Hunted", LP, EBON 21
Nightmare - "Waiting for the twilight", LP, EBON 22
Syron Vanes - "Bringer of evil", LP, EBON 23
Samurai - "Sacred Blade", LP, EBON 24
Samurai - "Fires of hell", 7", EBON 25
Blade Runner - "Back Street Lady", 7", EBON 26
Touched - "Dream Girl", 7", EBON 27
Touched - "Back Alley Vices", LP, EBON 28

Veröffentlichungen 1985:

Hammer - "Contract with hell", LP, EBON 29
Nightmare - "Power of the universe", LP, EBON 30
Chateaux - "Highly Strung", LP, EBON 31
Grim Reaper - "Fear No Evil", LP, EBON 32
Grim Reaper - "Fear No Evil", LP, AFL1-5431
Grim Reaper - "Fear No Evil", Tape, AFK1-5431

Veröffentlichungen 1986:

Touched - "Death Row", LP, EBON 33
Rankelson - "Hungry for blood", LP, EBON 34
Blade Runner - "Warriors Of Rock", LP, EBON 35
Syron Vanes - "Revenge", LP, EBON 36
Samurai - "Weapon Master", LP, EBON 37
Tyga Myra - "Deliverance", LP, EBON 38
Cobra - "Back from the dead", LP, EBON 39
Preyer - "Terminator", LP, EBON 40
Blood Money - "Red Raw and Bleeding!", LP, EBON 41
Dealer - "First Strike", LP, EBON 42
V/A - "The Metal Collection, Vol.I", LP, EBON S100

Veröffentlichungen 1987:

Fast Kutz - "Burnin´", LP, EBON 44
Rankelson - "The Bastards of Rock´n´roll", LP, EBON 45
Rankelson - "The Bastards of Rock´n´roll" / "Hungry for blood", Do.-LP (Twofer), 0000
Blood Money - "Battlescared", LP, EBON 46
V/A - "The Metal Collection, Vol.II", LP, EBON S101
V/A - "The Metal Collection, Vol.III", LP, EBON S102
V/A - "Rock Meets Metal, Vol.I", LP, EBON S104
V/A - "Rock Meets Metal, Vol.II", LP, EBON S105

Veröffentlichung unbekannt:

Devils Workshop - "Satan´s Soul", 7", GE-DW-156


Ich kann leider keine Aussage darüber treffen, weshalb die Katalognummern EBON 3, EBON 43 und EBON S 103 nicht vergeben wurden, ebensowenig warum einige wenige Veröffentlichungen Katalognummern erhielten (z.B. GE-DW-156 oder einfach nur 0000), die vom üblichen Schema abwichen.

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