NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 21399Beitrag AusDemWegIchBinArzt
01.02.2018, 23:50

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87.) DEDRINGER

Dedringer wurden 1977 in Leeds gegründet, wobei sich der Name eigentlich ursprünglich Deadringer schrieb. Weshalb das "a" im Laufe der Zeit verloren ging, entzieht sich meiner Kenntnis. Möglicherweise aus Gründen der "cooleren" Schreibweise, ähnlich wie bei den Kollegen von
De(a)f Leppard, aber das weiß ich leider nicht genau.

Das Quintett konnte lokal wie auch überregional Aufmerksamkeit erregen und stand schon kurz davor, beim Major Virgin Records einen Plattenvertrag zu unterzeichen, als Virgin die Band überraschend und ohne Begründung wie eine heiße Kartoffel wieder fallen ließen, noch bevor irgendein Kontrakt aufgesetzt war.

Immerhin hatten Dedringer aber einen A & R-Mann von Virgin auf ihrer Seite, der von der Gruppe überzeugt war und sich daraufhin entschloss, die Band wenigstens zu managen.

Statt bei Virgin landeten Dedringer daraufhin bei Dindisc, einem hauptsächlich in England tätigen Unterlabel von Virgin, welches nur wenige Jahre existierte und normalerweise eher im Pop- und New Wave-Bereich tätig war. U.a. veröffentlichten OMD oder The Monochrome Set dort ihre Platten, Dedringer als harte Rockband waren im musikalischen Portfolio der Firma eine echte Ausnahmeerscheinung.

Die erste 7"-Single der Dedringer-Jungs, "Sunday Drivers", erschien im Januar 1980. Kurz darauf begab sich die Band ausgiebig auf Tournee durchs vereinigte Königreich, u.a. mit MSG, Praying Mantis, Triumph und Gillan.

Genau ein Jahr später folgte dann die langersehnte Debüt-LP "Direct Line", flankiert durch den als nächste 7"-Single ausgekoppelten Titeltrack "Direct Line". Eigentlich sollte die Band auch in der legendären "Friday Rock Show" auftreten, aber als im April 1981 mit "Maxine" noch eine zusätzliche EP herauskam, gab es Theater und es kam zwischen der Band und ihrem Label Dindisc erst zum Streit und anschließend zum Bruch.

Außerdem hatten genau zu dieser Zeit zwei der Bandmitglieder auch noch einen schweren Autounfall, so dass Dedringer aus mehreren Gründen lahmgelegt waren und es zur vorübergehenden Trennung kam.

Schon 1982 wurde die Band aber mit zwei neuen Mitgliedern als Ersatz für die beiden nach wie vor an ihren Unfallverletzungen laborierenden Musiker reanimiert und konnte tatsächlich auch gleich einen neuen Plattendeal unter Dach und Fach bringen - diesmal in einem für Hard´n´Heavy-Bands wesentlich geeigneteren musikalischen Umfeld, nämlich bei der Mutter aller NWOBHM-Labels, Neat Records.

Dort fand man sich dann in trauter Gesellschaft zahlreicher Genregenossen wie Venom, Blitzkrieg, Raven, Hellanbach, Satan, Warfare, Glasgow etc.
Noch im gleichen Jahr konnte mit "Hot Lady" erneut eine 7"-Single auf den Markt gebracht werden und 1983 kam schließlich der zweite, gleichzeitig aber auch finale Langspieler "Second Arising" hinterhergeflogen. Danach passierte nicht mehr viel und Mitte der 80er, um 1985 herum, löste man sich stillschweigend auf.

Musikalisch bieten Dedringer einen melodiösen, vergleichsweise harmlosen Hardrock mit Boogie-Anteilen, der von Bands wie Status Quo oder AC/DC, aber auch UFO und Thin Lizzy beeinflußt ist, jedoch stellenweise auch ein wenig an NWOBHM-Kollegen wie Fist erinnert. Macht aber Spaß. 8-)







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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 21566Beitrag AusDemWegIchBinArzt
03.02.2018, 13:18

88.) HAZE

Haze sind ein recht früher Vertreter der NWOBHM und wurden 1978 in Sheffield (ebenfalls Hometown der später berühmt und zeitweise extrem erfolgreich gewordenen Kollegen von Def Leppard) gegründet.

Gründungsväter der meist als Trio agierenden Band sind das Brüderpaar Chris McMahon (Bass, Keyboards) und Paul McMahon (Gesang, Gitarre), denen in den ersten Jahren permanent wechselnde Drummer zur Seite standen. Erst 1983 kehrte mit Paul Chisnell für die nächsten Jahre Kontinuität auf dem Schlagzeughocker und somit Ruhe in der Band ein. Nebenbei gehörten zwar auch immer mal zusätzliche Keyboarder, Querflötisten oder Saxophonisten zeitweise zur Band, aber die Kerntruppe bestand grundsätzlich immer aus den Brüdern plus Drummer.

Musikalisch gehören Haze zum progressiven und eher entspannten Flügel der NWOBHM. Die Wurzeln der Band liegen eindeutig erkennbar in den 70er Jahren und die Kompositionen beinhalten gerne mal folkige bzw. akustische oder verträumt-bekifft klingende Parts, was auch durchaus Sinn macht, wenn man weiß dass Haze ein Slangausdruck für Cannabis ist... :mrgreen:

Die durchweg melodischen Songs können überwiegend mit komplexeren und verspielten Strukturen aufwarten, sind also nicht unbedingt straight gehalten und legen ihren Fokus auch nicht auf Härte. Die natürlich einen typisch britisch-kauzigen Charakter verströmenden Lieder sind eigentlich auch recht zeitlos geraten, lediglich die rumpelig-raue, unausgewogene Produktion verleiht dem Material in den meisten Fällen einen leicht angestaubten Touch, der aber natürlich sehr charmant ist.

Dafür, dass die Band nie sonderlich erfolgreich war und stets recht speziell und eigenwillig rüberkam, existierte sie erstaunlich lange. Die erste Bandphase dauerte nämlich satte 10 Jahre, bis zur Auflösung 1988. Nach einer längeren Pause tat man sich 1998 aber erneut zusammen und ist seitdem wieder aktiv, auch nach wie vor. Inzwischen ist mit Pauls Sohn Danny der dritte McMahon an Bord, der seit geraumer Zeit den Schlagzeugposten bekleidet.

Haze ließen sich nie ernsthaft entmutigen und es steht der berechtigte Verdacht im Raum, dass es der Gruppe wirklich immer nur um den Spaß an der Musik ging und geht, aber nicht vordergründig um irgendwelche kommerziellen Erfolge, was selbstverständlich äußerst sympathisch ist.

Mit "The Night" kam es 1981 zu einer ersten 7"-Veröffentlichung und zwar konsequenterweise im Eigenvertrieb auf dem bandeigenen "Gabadon"-Label, da die Band all die Jahre bis zum heutigen Tage NIE (!) einen Plattenvertrag mit einem professionellen Label besaß und sämtliche Alben oder Singles seit Beginn an ausschließlich über den eigenen Laden laufen läßt. Das bringt natürlich zumindest den Vorteil ultimativer künstlerischer Freiheit mit sich.

Anschließend spielte man 1983 mit "The Cellar Tapes" ein reines Demo ein, welches nur auf Kassette herauskam, wie auch aus dem Titel ersichtlich wird.
Mit "C´est La Vie" kam 1984 dann die erste richtige Langspielplatte, bevor man 1985 mit "Cellar Replay" ein weiteres Kassettendemo und eine EP namens "The Ember" aufnahm. Ebenfalls 1985 wurde auch noch ein Livemitschnitt unter dem Titel "Warts´n´All" herausgebracht, gleichfalls auf Kassette.

Dieses Durcheinander fand seine Fortsetzung 1986 mit einer erneuten 7"-Vinylsingle, die den Titel "Tunnel Vision" trägt. Im Jahr 1987 schließlich schaffte man es, den zweiten richtigen Longplayer "Stoat & Bottle" in Angriff zu nehmen sowie einen letzten Cassette-only-Release namens "Humphrey".

Im Anschluß daran verließ Drummer Paul Chisnell die Band und man löste sich fürs Erste auf, um sich dann wie gesagt zehn Jahre später wieder zusammenzufinden. Seitdem hat die Band einige weitere Releases in Eigenregie unter das musikliebende Volk geschmissen, allerdings vorwiegend Live-Mitschnitte, die zu besonderen Bandjubiläen entstanden sind ("20th Anniversary Show", 1998 und "30th Anniversary Show", 2008). Erst 2013 gelang es der
skurrilen Kapelle, mit "The Last Battle" tatsächlich noch mal eine Full Length-Scheibe auf die Reihe zu bekommen.

Bei Haze handelt es sich definitiv um eine sehr interessante und hörenswerte Band, auch wenn es einige Mühe bereitet, an ihre Alben zu gelangen.





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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 21574Beitrag AusDemWegIchBinArzt
03.02.2018, 15:02

90.) OVERDRIVE

Overdrive stammen aus Grantham in der Grafschaft Lincolnshire, wurden bereits 1977 gegründet und sind damit einer der frühen NWOBHM-Vertreter.
Die erste Bandperiode ging bis 1982, dann erfolgte die Auflösung, bevor 1988 ein zweiter Anlauf unternommen wurde der bis 1994 dauerte. Danach wurde
es für weitere zehn Jahre still um die Band, ehe man sich 2004 ein drittes Mal zusammentat und in dieser Konstellation bis heute existiert.

Man teilte in den Anfangsjahren die Bühne bei Auftritten mit diversen anderen Bands, so u.a. Lionheart, Sparta oder Raven und machte unzählige Line-Up-Wechsel durch, die ein sehr unübersichtliches Bild hinterlassen.

Zunächst hatte man 1978 ein Demo produziert, von welchem aber nur 50 Kopien hergestellt wurden. Erst 1981 konnte man sich dazu aufraffen, einen weiteren Release in Angriff zu nehmen und zwar die superbe 7"-Single "On The Run", von der man immerhin 500 Exemplare bereitstellte, davon die ersten 25 handsigniert. Somit ist aber klar, dass diese frühen Aufnahmen ziemliche Raritäten darstellen, die nur schwer aufzutreiben sind.

Eigens für den Vertrieb von "On The Run" hatte man ein eigenes Label gegründet. Die Band bewies ob ihrer Herkunft Humor und taufte den Laden kurzerhand "Boring Grantham Records", kurz BGR. :biggrinn:

Danach hatte sich das Thema Overdrive aber fürs Erste schon wieder erledigt. Es kam 1982 zur besagten Auflösung und erst sechs Jahre später wagte man einen Neustart. Den dokumentierte man musikalisch 1989 mit einem weiteren Demo, welches man schlicht "Demo 1989" nannte. Da das bandeigene Label BGR weiterhin existent war, wurden die folgenden Releases auch darüber abgewickelt.

Das waren zunächst 1990 die auf 1000 Kopien limitierte LP "Dishonest Words" und dann 1994 das Album "Home Sweet Home: A Day In The Life", welches allerdings nur auf Kassette erschien und das in lediglich 100 Exemplaren.

Damit waren die 90er Jahre veröffentlichungstechnisch auch abgehakt und die Band löste sich abermals auf. Nach längerer Abwesenheit folgte 2004 die bislang letzte und bis heute andauernde Reaktivierung, zunächst begleitet von der (nach wie vor bei BGR erscheinenden) CD "Live & Raw", die einen alten Live-Mitschnitt aus Norfolk vom August 1980 enthält und sehr interessant ist, auch wenn drei der zehn Songs Coverversionen sind (von AC/DC und Motörhead).

Noch weiter zurück in die Frühphase ging man im gleichen Jahr mit der Veröffentlichung der Live-CD "Palais De Danse", die einen Auftritt in Nottingham 1978 featured und gleichfalls sehr hörenswert ist, schon aus historischen Gründen. Ansonsten sind Overdrive wie gesagt nach wie vor aktiv und veröffentlichen in unregelmäßigen Abständen weiterhin Alben bzw. Compilationen in Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Labels (u.a. auch mit High Roller Records), über die ich aber bislang nicht sonderlich viel weiß, außer das es sie gibt. :biggrinn:

Die frühen, legendären Sachen sind jedenfalls prototypischer, eingängiger NWOBHM-Sound der eindeutig spaßbringenden Sorte. 8-)




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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 28167Beitrag AusDemWegIchBinArzt
28.04.2018, 14:27

91.) INCUBUS

Auch so eine Truppe, die es nie geschafft hat. Natürlich nicht zu verwechseln mit der namensgleichen Death Metal-Formation aus Amerika... ;)

Die britischen Incubus, die aus den drei Crawford-Brüdern Steve (Drums), Dave (Gesang) und Ken (Gitarre) plus Basser Colin Evans bestanden, tauchten zunächst 1983 mit zwei Songs auf einem Sampler namens "Pure Overkill" auf, der beim Undergroundlabel Guardian erschien. Dort konnte die Band allerdings noch nicht sonderlich gefallen und somit auch erfolgstechnisch nicht wirklich viel reißen. Das lag unter anderem an den alles dominierenden Kleister-Keyboards, die den Sound der Band für NWOBHM-Verhältnisse viel zu soft und seicht erscheinen ließen.

Ein Jahr später, 1984, hatte sich die ganze Sache jedoch grundlegend geändert. Die Keyboards waren kein Thema mehr und aus der Band war eine knackige Heavy Metal-Truppe geworden, die den diesbezüglichen Erwartungen auch gerecht werden konnte. Bestens dokumentiert durch das nunmehr veröffentlichte LP-Debüt "To The Devil A Daughter", ebenfalls bei Guardian erschienen.

Die Band konnte mit dem Album wirklich fesselnde Musik vorlegen und in diesem Falle war es wirklich mehr als schade, dass sich das anscheinend doch vorhandene Potenzial der Band diesmal nicht auszahlte, denn auch mit dem neu justierten Stil (der ein bißchen an Angel Witch erinnert) konnte die Band keinen Erfolg generieren. Vielleicht aber auch einfach nur deshalb nicht, weil die große Zeit der NWOBHM bereits unweigerlich vorbei war.

Jedenfalls hatte sich die Band damit dann erledigt.


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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 28176Beitrag AusDemWegIchBinArzt
28.04.2018, 15:18

92.) BLACK AXE / WOLF

Die aus North Yorkshire stammenden Black Axe legten eigentlich einen ziemlich guten Start hin und konnten bereits kurz nach ihrer Gründung eine erste 7"-Single aufnehmen ("Highway Rider / Red Lights") die auf einem kuriosen Minilabel namens Metal Recording & Publishing erschien. 1980 ist das gewesen und auch live konnte die Gruppe sich durch umtriebige Aktivitäten schnell einen gewissen lokalen Status erspielen.

Wie das Leben so spielt, fiel man dadurch auch einer der größeren Plattenfirmen (in diesem Falle Chrysalis) positiv auf, bei denen seinerzeit die (damals noch) prall gefüllten Brieftaschen außerordentlich locker saßen, wenn es um neue und vielsversprechende Signings ging.

Somit bekamen Black Axe tatsächlich einen lohnenswert erscheinenden Deal angeboten, benannten sich anschließend zunächst allerdings erstmal in Wolf um, was damals nicht jeder verstand - zumal der alte Bandname alles andere als schlecht klang.

Als Wolf veröffentlichte man im neuen Chrysalis-Heimathafen nun als nächstes die ebenfalls gelungene 7"/12"-Single "Head Contact (Rock´n´Roll)", die jedoch hinter den kommerziellen Erwartungen zurückblieb. Was tut eine Majorfirma in einem solchen Fall ? Klar, sie stiert nur entgeistert auf die Zahlen und schmeißt die junge, vielversprechende Band ohne großes Bohei sofort wieder raus !

Dabei hatte man schon längst Material für ein komplettes Album aufgenommen, bevor man wie eine heiße Kartoffel wieder fallen gelassen wurde. Obwohl die Gruppe sich von dem Chrysalis-Tiefschlag nicht mehr erholte und frustriert auflöste, wurde dieses Wolf-Material gewissermaßen posthum 1984 von Mausoleum Records veröffentlicht und zwar unter dem Titel "Edge Of The World".

Und das ist ein echter Glücksfall, denn die Scheibe gehört zum besten, was britischer Heavy Metal in den 80er Jahren je hervorbrachte und es wäre ein Jammer gewesen, diese großartigen Songs unter Ausschluß jedweder Öffentlichkeit in irgendeiner Schublade verschimmeln zu lassen. Melodiöses Heavy-Kraftfutter vom Feinsten, mit rauem Gesang und tollen Gitarren !




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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 28182Beitrag AusDemWegIchBinArzt
28.04.2018, 15:46

93.) LONE WOLF

Eine weitere Superrarität der NWOBHM ist die einzige 12"-Maxi von Lone Wolf, "Nobody´s Move" betitelt und erst relativ spät, 1984 nämlich, erschienen.

Dahinter steckt mit Brian Ross indes absolut kein Unbekannter, denn der kreative Sänger war / ist u.a. der Kopf von anderen (bekannteren) NWOBHM-Bands wie Blitzkrieg, Avenger oder Satan und gehörte zu den produktivsten NWOBHM-Musikern seiner Zeit.

Irgendwann zwischen seinen umtriebigen Arbeiten mit den ganzen anderen Bands fand Brian Ross dann in einer ruhigen Minute auch noch Zeit und Gelegenheit, sein Soloprojekt Lone Wolf (nicht zu verwechseln mit der namensgleichen Formation um Paul Di´Anno) anzugehen und gedeihen zu lassen.

Immerhin reichte das Material für die besagte 12"-Maxi "Nobody´s Move", welche dann auf Neat Records veröffentlicht wurde, dessen Boss Dave Wood obendrein ein guter Kumpel von Brian Ross war.

Musikalisch handelt es sich um rauen, energisch voranschreitenden Heavy Metal in bester NWOBHM-Manier (wenn auch arttypisch dünn und holprig produziert), der stilistisch in etwa zwischen den anderen Betätigungsfeldern von Herrn Ross liegt und daher auch durchaus den Verdacht nahelegt, dass es sich dabei um übriggebliebenes Songmaterial seiner übrigen Bands handeln könnte, welches einfach zu gut war, um es unter den Teppich zu kehren.

Mehr kam von Lone Wolf dann auch nicht mehr, abgesehen von wenigen Live-Gigs. Auf jeden Fall ist diese Maxi äußerst schwer zu finden.



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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 28183Beitrag AusDemWegIchBinArzt
28.04.2018, 16:00

94.) FIRECLOWN

Täterätää - eine noch größere Unbekannte sind Fireclown aus Manchester. Vorhang auf !

Nachdem man sich den Bandnamen aus einem Roman von Michael Moorcock entliehen hatte - was für einen guten Geschmack der Jungens spricht - fiel man zunächst mal durch eifrige Live-Umtriebe auf, die locker die Dimensionen größerer Bands erreichten - 200 Gigs in 16 Monaten ist schon eine Hausnummer !

Trotz ihres guten Rufs, die Bühnenaktivitäten betreffend, gab es aber von Fireclown längere Zeit keinerlei Material auf Konserve zu hören. Das lag vor allem daran, dass keine einzige Plattenfirma anbiss.

Nachdem die enttäuschend verlaufende Suche nach einem Label der Band zu blöd wurde, entschied sie sich kurzerhand dazu, in Eigenregie eine EP aufzunehmen und im Eigenvertrieb (unter Fireclown Records) herauszubringen.

Dabei gelang der Band gleich noch das Novum, als so ziemlich weit und breit einzige NWOBHM-Truppe einen Release im seltenen 10"-Format vorzulegen, statt im gängigen 7"-oder 12"-Schema.

Da das Geld knapp war, reichte es dummerweise auch nicht mehr zu einem Cover für den Tonträger. Die drei vorhandenen Songs allerdings sind keineswegs von schlechten Eltern und bieten locker damaligen NWOBHM-Standard, riffen knackig nach vorne und sind teils auch etwas bluesig angehaucht.

Eigentlich sehr seltsam, dass diese Band niemand unter Vertrag nehmen wollte...


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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 28187Beitrag AusDemWegIchBinArzt
28.04.2018, 16:20

95.) SCORCHED EARTH

Ein weiteres weithin unbeschriebenes Blatt sind Scorched Earth - und das trotz auch hier reichlich vorhandener musikalischer Qualitäten. Manchmal versteht man die Welt nicht mehr, vor allem wenn man mal so drüber nachdenkt, welcher Schrott einem sonst so tagtäglich um die Ohren geblasen wird und das Hirn püriert.

Allerdings waren Scorched Earth auch relativ spät dran, denn ihre einzige EP "Tomorrow never comes", die exzellenten, melodiösen und durchaus anspruchsvolleren NWOBHM-Stoff bietet, kam erst 1985 heraus und damit ein bißchen zu spät. Zu diesem Zeitpunkt waren die großen Stücke des Kuchens weitgehend schon verteilt und da nützte es der Band auch nichts mehr, dass die EP bei der großen Firma Carrere erschien, die u.a. Saxon unter Vertrag hatte.

Carrere hatten als Engineer für einen amtlichen Sound sogar keinen geringeren als Guy Bidmead ins Rennen geschickt, der von Motörhead und Saxon bis hin zu Wildfire, Jon Lord oder Cozy Powell schon etliche Rockmusiker aus NWOBHM und nicht-NWOBHM klangtechnisch betreut hatte. Die Troy-Brüder von Praying Mantis fungieren auf der EP übrigens als Backgroundsänger.

Doch alle Bemühungen waren vergebens, die EP von Scorched Earth verkaufte sich wirklich überhaupt nicht und gilt bis heute als am schlechtesten verkaufter Carrere-Release aller Zeiten. Das verstehe wer will, angesichts dessen, was geboten wird.


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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 37133Beitrag AusDemWegIchBinArzt
18.06.2018, 09:20

96.) DREQUON

Zu den ganz besonders großen Unbekannten der NWOBHM zählen Drequon aus Wolverhampton. Über die Band ist so gut wie nichts bekannt und selbst in heutigen Zeiten des Internets kaum was zu finden. Weder das genaue Datum der Gründung, noch der Zeitpunkt der Auflösung sind klar. Auch über die Mitglieder ist nichts herauszubekommen, außer dass zwei der Members Jarvis und Wheeler hießen - doch an welchen Instrumenten sie tätig waren, liegt ebenso im Dunkeln. Hier ist also munteres Rätselraten angesagt.

Der einzige jemals veröffentlichte Song der Band ist "Goddess Of The Night" und zwar auf einer (seltenen)( 4-Track-Split-EP, gemeinsam mit den ebenfalls nahezu unbekannten Bands Applicators, Midnight Ramblers und Freetime. Dieser 7"-Release erschien 1983 bei der obskuren Firma D.T.A.Records unter der Katalognummer DTA 002. Wieviele Katalognummern mit anderen Bands noch folgten, ist mir unbekannt...aber allzuviele Veröffentlichungen dürften es nicht gewesen sein.

Musikalisch ist die Musik von Drequon eigentlich auch nix besonderes und ziemlich biederer Hard´n´Heavy-Durchschnitt, die Band war einfach nicht besonders genug, um aus der Masse anderer Bands sonderlich hervorzustechen. Aber eine interessante Fußnote der NWOBHM ist es allemal.


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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 37135Beitrag AusDemWegIchBinArzt
18.06.2018, 09:54

97.) RAGE

Die britischen Rage haben natürlich nichts mit der etwas später zunächst unter dem Namen Avenger gegründeten und dann in Rage umbenannten, ungleich populäreren deutschen Formation zu tun.

Bei den UK-Kollegen aus Liverpool handelte es sich vielmehr um die Überreste der mit einem etwas dämlichen Namen ausgestatteten 70er-Hardrockformation Nutz, die Mitte, Ende der 70er durchaus ein paar Achtungserfolge im Heimatland vorweisen konnte, einige LPs veröffentlichte und unter anderem die Bühne mit Leuten wie Budgie (denen sie auch stilistisch nicht ganz unähnlich waren) oder Rory Gallagher teilte.

Nachdem Nutz Geschichte waren, formten sich aus deren Asche 1980 Rage...genauer gesagt bestanden Rage zu 4/5 aus vormaligen Nutz-Mitgliedern, also fast die komplette Band (nur Gitarrist Terry Steers kam neu hinzu).

Bis zum Split 1984 veröffentlichten Rage, die schon aufgrund der Vorgeschichte ihrer Mitglieder schnell einen gewissen Bekanntheitsstatus aufbauen konnten, einiges an Material (alles über Carrere, bei denen u.a. auch Saxon unter Vertrag standen):

Zunächst kam 1980 die 7"-Single "Money" (B-Seite: "Thank That Woman"), welcher 1981 der in Paris aufgenommene 7"-Live-Mitschnitt "Bootliggers" folgte "(B-Seite: "Roll The Dice"). Noch im gleichen Jahr kam auch die erste vollständige LP namens "Out Of Control" unter die Leute. Bereits von den Singles bekannte Songs wie "Money" oder "Roll The Dice" waren dort ebenfalls vertreten.
Das Titelstück "Out Of Control" (B-Seite: "Double Dealer") wurde zusätzlich als Single herausgebracht.

1982 erschien die LP "Nice´N´Dirty", der kurz darauf die Single "Woman" (B-Seite: "Ready To Go") entnommen wurde. Und schon 1983 ging es in dieser Schlagzahl weiter, denn das dritte Album "Run For The Night" wurde auf den Markt gebracht. Da es bei Rage mittlerweile zum guten Ton gehörte, gab es auch hier flugs eine Singleauskopplung...diesmal war es der Opener "Cry From A Hill" (B-Seite: "Lady Killer"), welcher dran glauben mußte.

Und noch im gleichen Jahr gab es mit "Never Before" (B-Seite: "Rock Fever") eine weitere Single. Danach jedoch war die Luft raus.
Trotz der vielfältigen Bemühungen und recht zahlreichen Veröffentlichungen, zudem auf einem nicht ganz unpotenten Label, konnten Rage nicht genug reißen, um zur ganz großen Nummer zu werden und blieben letztlich immer dritte Liga.

Das Songmaterial war zwar nicht schlecht, aber vielleicht doch eine Spur zu durchschnittlich und unoriginell und auch die in Teilen kommerziellere Ausrichtung von "Run For The Night" hatte daran nicht viel ändern können. Jedenfalls kam es 1984 zur Auflösung der Formation.




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Beitrag: # 37146Beitrag AusDemWegIchBinArzt
18.06.2018, 14:25

98.) CHALLENGER

Auch im Zuge der NWOBHM an die Oberfläche gespült wurden Challenger aus Yorkshire. Dabei hatte die Musik mit Heavy Metal im Prinzip gar nichts zu tun. Das Quintett frönte vielmehr einem ziemlich harmlosen, tendenziell Boogielastigen und bereits damals leicht angestaubt wirkendem Rock-/Hardrock, der sogar mit Orgel- bzw. Keyboardsounds untermalt wurde.

Die einzige 7"-Single "So Sure Of Yourself" erschien 1981 bei C.M.C. Records und ist nicht unbedingt der Brüller vor dem Herrn. Wobei die B-Seite "Out To Kill" klar ein Stückchen besser ausfällt als der titelgebende A-Seiten-Track und auch etwas härter ist.

Danach hörte man nie wieder was von Challenger.





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Vertigo
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Beitrag: # 37165Beitrag Vertigo
18.06.2018, 19:19

Rage - Cry From A Hill .....das war ne Pflichtnummer in der Hard & Heavy Disco. Wurde immer wieder von den anwesenden Mädels verlangt. Gefiel mir aber auch gut.
Ich glaube jedem der die Wahrheit sucht
Ich glaube keinem der sie gefunden hat
(Kurt Tucholsky)

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Beitrag: # 45483Beitrag AusDemWegIchBinArzt
22.09.2018, 13:49

99.) ALKATRAZZ

Bei diesen Alkatrazz handelt es sich mitnichten um die gleichnamige Combo von Graham Bonnet - letztere schrieben sich nämlich Alcatrazz und waren auch erst einige Zeit später am Start.

Nein, Alkatrazz mit "k" stammten aus Maidstone und wurden 1980 gegründet. Bereits 1983 trennte sich die Band wieder, da fing Graham Bonnet mit seiner Band gerade erst an.

Am ehesten Aufsehen erregt haben dürften Alkatrazz vor allem dadurch, dass der umtriebige Clive Burr nach seiner Zeit bei Iron Maiden und Trust für kurze Zeit Mitglied war.

Dabei hätte die Band es durchaus verdient gehabt, auch durch ihre Musik die Fans zu überzeugen, denn die war alles andere als schlecht. Am ehesten würde ich den Alkatrazz-Sound als knochentrockenen und rifflastigen, dicht am Hardrock angesiedelten Heavy Metal bezeichnen, der phasenweise etwas an Spät-70er-Judas Priest oder frühe Def Leppard erinnert.

Innerhalb kurzer Zeit gelang es der Gruppe sogar, zwei vollständige Studio-LPs einzuspielen: Das Debüt "Young Blood" erschien 1981, im Jahr darauf kam der Nachfolger "Radio 5", der, man ahnt es anhand des Titels schon, deutlich kommerzieller und "radiofreundlicher" ausfiel, auch insgesamt eine ganze Ecke schwächer als das Debüt war. Alle Bemühungen waren jedoch umsonst und somit war mit "Radio 5" auch schon das Finale eingeläutet und wenige Monate später brach die Band auseinander.




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Beitrag: # 45485Beitrag AusDemWegIchBinArzt
22.09.2018, 14:14

100.) CRACKED MIRROR

Über Cracked Mirror ist eigentlich so gut wie gar nichts bekannt, außer dass das Gründungs-Line up der 1978 formierten Band aus dem offenbar
polnischstämmigen Jozef Rytlewski (Gesang, Gitarre), Michael Dixon (Bass), Kevin White (Drums) und Jackie Hazell (Keyboards) bestand.

Weder der genaue Herkunftsort, noch der Zeitpunkt der Auflösung sind exakt definiert. Letztere ist vermutlich Mitte der 80er Jahre, auf jeden Fall nach Veröffentlichung des einzigen Albums (selbstbetitelt) erfolgt, welches 1983 als Eigenpressung unter die Leute gebracht wurde und von dem laut Sänger/Gitarrist Rytlewski gerade einmal 450 Kopien entstanden sind. Also heutzutage eine absolute Hyperrarität !

Zuvor hatte man 1979 bereits ein Demo aufgenommen und im Laufe der Zeit machte die Band auch die üblichen Besetzungswechsel durch. Vielleicht war das auch mit ein Grund dafür, dass man total auf der Stelle trat und seine Bekanntheit nie über lokale Grenzen hinaus ausdehnen konnte. Aber auch musikalische Gründe dürften nicht ganz unwesentlich gewesen sein, denn der Sound der Truppe erwies sich schlicht als zu unspektakulär und zu wenig "hart". Man rangierte am äußersten Rande der NWOBHM und war eigentlich dichter am normalen Rock, denn am Hardrock oder gar Heavy Metal unterwegs.

Trotzdem eine sicherlich nicht ganz uninteressante Randnotiz, die wieder einmal unterstreicht, wie unterschiedlich die Ergebnisse sein konnten, welche der Schoß der NWOBHM gebar.



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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 45565Beitrag AusDemWegIchBinArzt
23.09.2018, 15:47

101.) EZY MEAT

Deutlich härter zur Sache ging es wiederum bei Ezy Meat, die zur brachialeren Fraktion unter den unzähligen NWOBHM-Bands zählten und aus Irland stammten. Das Trio konnte in seinem rauen, manchmal etwas an Tank oder Motörhead erinnernden Sound einen latenten Punk-Einfluß nicht verleugnen und so gab es bei Ezy Meat immer schön was auf die Fresse, dabei aber immer melodiös und auf ansprechendem spielerischen Niveau bleibend.

Die 1980 gegründete Band bestand aus den Brüdern Ivan (Gesang, Gitarre) und Paul (Gesang, Bass) Lavery sowie Ray McKenna hinter der Schießbude.

Nach einem ersten Demo 1980 kam es 1981 zu einer Split-Veröffentlichung namens "Belfast", der neben Ezy Meat diverse andere, damals hoffnungsvolle irische Talente beiwohnten (beispielsweise Strike oder Stage B), von denen man jedoch auch nie wieder etwas hörte.

1984 schließlich kam es dann zur ersten vollständigen LP, bezeichnenderweise "Not For Wimps" betitelt, was die musikalische Attitüde der Band augenzwinkernd und dennoch ziemlich sinnig auf den Punkt gebracht unterstrich.

1986 entstand der LP-Nachfolger namens "Rock Your Brains", welcher ebenfalls auf dem ziemlich ominösen Electric Storm-Label erschien.

Viel konnten Ezy Meat trotz durchaus ansprechender Songs aber nicht reißen. Nachdem man 1987 noch einen Beitrag zum "Metal Warriör"-Sampler geleistet hatte (neben Bands wie Trojan, Deuce oder Crisis), zerstreute die Band sich in der Folgezeit irgendwann still und leise in alle Winde.




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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 45885Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.09.2018, 19:36

102.) MONEY

Birmingham, die legendäre Stadt, die so unzählig viele ebenso legendäre Bands (Judas Priest, Black Sabbath etc.) hervorgebracht hat, war auch Heimat von Money, die jedoch im Gegensatz zu ihren ungleich berühmteren Kollegen lediglich als relativ unbedeutende Fußnote Einzug in das Heavy Metal-Geschichtslexikon fanden.

1978 gegründet, war bereits 1981 wieder Schicht im Schacht, also zu einem Zeitpunkt, als die NWOBHM gerade so ziemlich auf ihrem absoluten Höhepunkt war.

Wenigstens ein Mitglied des Money-Line ups konnte sich aber später noch einen Namen machen, nämlich Chris Tsangarides, der bereits vor Money einen Job als Tontechniker begonnen hatte (war schon 1976 bei "Sad Wings Of Destiny" von Judas Priest involviert) und bei Money für die Keyboards zuständig war. Nach dem frühen Ende der Band startete er als Produzent in Sachen Hardrock und Heavy Metal richtig durch - u.a. für Thin Lizzy, Judas Priest, Bitches Sin, Tygers Of Pan Tang, Exodus, Bruce Dickinson, Helloween, Tokyo Blade, UFO, Y & T, King Diamond, Gary Moore und und und....die Liste ist lang und namhaft. Leider auch vor kurzem (Anfang 2018) überraschend verstorben.

Jedenfalls schafft die Band es gleich zu Beginn ohne viel Aufhebens, eine vollständige LP einzuspielen. Diese, sinnigerweise "First Investment" betitelt, erschien 1979, als es mit der NWOBHM gerade allmählich richtig losging und zwar beim Indie-Label Gull, welches u.a. berüchtigt dafür war, alle naselang irgendwelche obskuren, ständig neu betitelten Judas Priest-Best Ofs auf den Markt zu werfen, die ausschließlich aus immer demselben Material der ersten beiden Priest-Scheiben zusammenkompiliert waren (Priest hatten ihre ersten beiden LPs über Gull rausgebracht, bevor sie zu CBS/Columbia wechselten). Diese Ausschlachteritis setzte sich bei Gull bis in die 90er Jahre fort. Aber das nur nebenbei.
,
Musikalisch konnte die Band mit ihrer rauen und etwas uneinheitlichen Mischung aus 70er Hardrock, progressiven Elementen und (Prä-)NWOBHM-Klängen allerdings keinen richtigen Blumentopf gewinnen, jedenfalls setzte sie sich nicht durch und das dürfte auch schon der Hauptgrund gewesen sein, warum wenig später Ende im Gelände war und man nie wieder was von Money hörte. Da nützte es auch nichts, dass der bekannte Radio-DJ Tommy Vance die Band in seiner populären "Friday Rock Show" spielte.

Zuvor erschien 1980 allerdings noch eine selbstbetitelte EP, die tendenziell etwas "runder" war, aber das half wie gesagt auch nichts mehr, weil der Abstand zu den Platzhirschen der NWOBHM einfach nicht mehr aufzuholen war. Damit war das Thema Money durch, obwohl die Band musikalisch insgesamt alles andere als schlecht war.




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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 45903Beitrag Vertigo
28.09.2018, 08:08

Wußt ich gar nicht, dass Tsangarides selber mal Musiker war
Ich glaube jedem der die Wahrheit sucht
Ich glaube keinem der sie gefunden hat
(Kurt Tucholsky)

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 45940Beitrag AusDemWegIchBinArzt
28.09.2018, 15:31

Vertigo hat geschrieben: 28.09.2018, 08:08 Wußt ich gar nicht, dass Tsangarides selber mal Musiker war
Doch doch, er war jahrelang als Musiker aktiv - auch in anderen Bands, nicht nur bei Money. Auch in seinen späteren Produzenten-Jahren hat er bei seinen zahlreichen Produktionen immer mal wieder selber in die Saiten oder Tasten gegriffen, wenn die Gruppen, die er betreute, das aus welchen Gründen auch immer nicht selber hinbekamen oder irgendwie Not am Mann war.

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 46088Beitrag AusDemWegIchBinArzt
30.09.2018, 10:49

104.) FORCE

Force kamen wie so viele andere Kollegen aus der Arbeitermetropole Birmingham und stiegen 1983 aus der Asche der bereits 1974 gegründeten Cryer empor, also zu einem Zeitpunkt, als die ursprüngliche NWOBHM bereits in den letzten Zügen lag und alle wichtigen und wegweisenden Werke dieser Ära längst erschienen waren.

Musikalisch gehörte die Band zu den tendenziell kommerzieller orientierten Acts innerhalb der NWOBHM und pflegte einen eher eingängigen
und melodiösen Hard-/Heavy Rock mit AOR-Anteilen und Synthesizereinsatz, wie er durchaus nicht untypisch für die 80er Jahre war. Was nichts daran ändert, dass die Songs, die sich auch an Bands wie Magnum orientierten, überwiegend sehr gelungen waren. Leider verhalf das aber auch Force trotz unbestreitbarer Qualitäten trotzdem nicht zum Durchbruch, obwohl sich der Sound als durchweg mehrheitsfähig zeigte.

Die einzige vollständige LP mit dem Titel "Set Me Free" erschien 1984 und war bereits aufgenommen worden, als die Band noch unter dem Namen Cryer firmierte. Kurz nach der Veröffentlichung verlor sich die Spur der Musiker endgültig im Nirwana der Musikgeschichte und man hörte nie wieder was von der durchaus vielversprechenden Formation.


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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 46091Beitrag AusDemWegIchBinArzt
30.09.2018, 11:20

105.) SAM THUNDER

Eine ganze Ecke zackiger zur Sache ging es dagegen bei Sam Thunder aus Manchester, die zunächst mit herrlich rohem und rotzigem Heavy Metal
durch die Botanik bretterten.

Bereits Anfang 1981 gegründet, wurde 1982 zunächst ein Demo herausgebracht. Die Band versuchte, sich durch Livekonzerte über Wasser zu halten und hatte einige, durchaus nicht unbedeutende Auftritte - zum Beispiel im legendären Londoner "Marquee" im Vorprogramm der damals sehr populären Metal-Queen Lee Aaron.

Es dauerte jedoch einige Zeit und diverse Besetzungswechsel, ehe man einen Plattenvertrag mit dem semiprofessionellen Label Bullet Records unterzeichnen konnte, welches dann 1984 zunächst die EP "Don´ t Take Forever" veröffentlichte. Anschließend rumpelte es ein weiteres Mal im Line-Up. Unter anderem wurde nun auch ein Keyboarder in die Band aufgenommen, woran bereits erkennbar ist, in welche musikalische Richtung der Hase zukünftig laufen sollte (siehe weiter unten).

Da sich die EP recht gut verkauft hatte, sah man frohen Mutes dem nun geplanten ersten Longplayer entgegen, welcher noch im gleichen Jahr unter dem Titel "Manoeuvres" erschien.

Leider hatte sich der ursprüngliche Stil der Band nach der EP zwischenzeitlich in eine sehr kommerzielle und AOR-orientierte Richtung entwickelt und konnte auch qualitativ nicht mehr zu Gänze das Niveau früheren Materials erreichen.

Der Schuß ging auch insgesamt nach hinten los, denn Bullet Records besaßen weder die finanziellen Mittel und wohl auch nicht das Interesse, um die Scheibe ausreichend bewerben und vermarkten zu können. Daraufhin trennte sich die Band vom Label und löste sich 1985 stillschweigend auf.

Abgesehen davon war es wahrscheinlich auch einfach zu spät, um noch ein größeres Stück vom Kuchen abzubekommen, da die Hauptphase der NWOBHM bereits vorbei war, härtere Bands aus Übersee den Markt fluteten und die Band sich mit den ganzen Line Up-Problemen über die Jahre auch selber zu sehr ausgebremst hatte.

Die beiden nachfolgenden Songs machen sehr gut den Unterschied zwischen dem ursprünglichen Sam Thunder-Sound und der glattgebügelten späteren Ausrichtung deutlich. Das erste Lied stammt von der noch sehr geilen EP "Don´t Take Forever", während sich der zweite Track auf der nur wenige Monate später veröffentlichten, deutlich kommerzielleren "Manoeuvres"-LP befindet.




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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 46112Beitrag AusDemWegIchBinArzt
30.09.2018, 16:44

106.) SPLIT BEAVER

Split Beaver, 1979 gegründet, waren ebenfalls eine Band die aus dem sogenannten "Black Country" stammte, jener durch Bergbau und Industrie dominierten Gegend um Birmingham herum, aus der unzählige weitere Musiker und Bands des Hardrock und Heavy Metal stammen. Die Hometown
von Split Beaver war in diesem Falle Wolverhampton, nur einen Katzensprung von Birmingham entfernt.

Die Band startete ursprünglich als Quintett mit zwei Gitarristen, verschlankte sich aber nach dem Ausstieg eines der beiden Herren zum Quartett mit
demzufolge nur noch einem Klampfer.

Man konnte sich schnell einen guten Ruf erspielen und wurde unter anderem auch von damals angesagten britischen Heavy Metal-Magazinen wie dem "Kerrang!" protegiert. Recht schnell konnte man einen Plattenvertrag bei dem ebenfalls aufstrebenden Indielabel Heavy Metal Records einheimsen, was zur Aufnahme der ersten 7" Single "Savage" (B-Seite: "Hound Of Hell") führte, die 1981 auf den Markt geschmissen wurde.

Anschließend fackelte man nicht lange und ließ bereits 1982 mit "When Hell Won´ t Have You" den ersten - und leider auch einzigen - Longplayer folgen, natürlich ebenfalls via Heavy Metal Records.

Musikalisch bot die Band überwiegend typischen NWOBHM-Stoff: Klischeereichen, rau und häufig schnell gespielten Heavy Metal, der tierischen Spaß bereitet und an manchen Stellen auch durchaus Ursprünge im Boogie, Blues und Rock´ N´ Roll durchscheinen läßt, genauso wie man aber auch Einflüsse der frühen Iron Maiden, von Thin Lizzy, Motörhead und Tank zuordnen kann. Der Song "Hound Of Hell" indes nimmt bereits den Speed Metal vorweg.

Insgesamt eine sehr spaßige und absolut geile Scheibe, die leider jedoch nicht den erhofften Durchbruch brachte. Die Band verlor ihren Plattenvertrag und dümpelte noch einige Jahre auf niedrigem Niveau vor sich hin. 1988 spielten Split Beaver dann unverhofft noch ein Demo ein, bevor man sich kurze Zeit später auflöste.




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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 46323Beitrag AusDemWegIchBinArzt
03.10.2018, 13:23

107.) STREETFIGHTER

Eine meiner liebsten Perlen aus NWOBHM-Zeiten sind Streetfighter, die aus Burnley in der Grafschaft Lancashire kamen und bereits sehr frühzeitig,
im Jahr 1977 nämlich, gegründet wurden. Zu den Gründungsmitgliedern gehörte u.a. ein gewisser John Sykes, der uns bestens von seinen späteren Engagements bei u.a. Thin Lizzy und Whitesnake bekannt ist. Bei Streetfighter zockte er bis 1981, ehe er zunächst dem Ruf der Tygers Of Pan Tang folgte, bevor er dann ab 1983 die Stufen auf der Karriereleiter bei besagten anderen Bands im Laufschritt nahm.

Ein weiteres nicht ganz unbekanntes Gründungmitglied von Streetfighter ist der Bassist Merv Goldsworthy, der zwar nicht ganz so populär wie sein Kollege Sykes wurde, aber immerhin u.a. bei Diamond Head (von 1983-85, er ist auf der "Canterbury"-Scheibe zu hören) und den AOR-Hardrockern FM landete.

1980, noch unter Mitwirkung von Sykes, landete die Band einen ersten musikalischen Volltreffer mit dem Song "She´ s No Angel", welcher für den legendären "New Electric Warriors"-Sampler von Logo Records Verwendung fand.

Mit etwas Verzögerung erschien 1982 die selbst produzierte und mangels Plattendeal in Eigenregie aufgelegte 4-Track-EP "Crazy Dream", mittlerweile ohne Sykes, der inzwischen wie erwähnt bei den Tygers Of Pan Tang seine (kurzzeitige) musikalische Bleibe gefunden hatte. Auf der EP wurde sein Name zwar noch angegeben, aber das war nicht korrekt, da er das Material nicht mehr mit eingespielt hatte. Leider verkaufte sich "Crazy Dream" nicht sonderlich gut, was dann 1983 die Trennung von Streetfighter zur Folge hatte.

Musikalisch standen Streetfighter für erstklassigen, mal angebluesten, mal flotten Hard-/Heavy Rock mit mehr oder weniger deutlichen Anleihen bei Thin Lizzy (Twin Guitars !) und rauer Schale, im typisch britischen Geist der frühen 80er Jahre.




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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 46325Beitrag AusDemWegIchBinArzt
03.10.2018, 13:52

108.) DARK STAR

Eine der vielversprechendsten Bands der NWOBHM waren Dark Star, die 1979 gegründet wurde und zwar - surprise, surprise - in Birmingham. Ausgangspunkt war zunächst eine reine Coverband unter anderem Namen, aus der sich dann Dark Star herauskristallisierten, nachdem einige Mitglieder gewechselt hatten und man damit begonnen hatte, eigene Lieder zu schreiben.

Noch im gleichen Jahr schaffte man es bereits, als Support von Budgie durch Großbritannien zu touren und ein erstes Demo einzuspielen, welches die damals noch allmächtige EMi auf die Band aufmerksam werden ließ. Die Hymne "Lady Of Mars" (eines der zehn geilsten NWOBHM-Stücke aller Zeiten !) fand dann auch prompt Verwendung für den zweiten Teil der legendären "Metal For Muthas"-Samplerreihe, die 1980 erschien.

Kurz darauf plante die Band eine selbstfinanzierte Single einzuspielen, die neben zwei weiteren Liedern ("Renegade" und "Rock´ n´ Romancin´ ") ebenfalls "Lady Of Mars" enthalten sollte. Akuter Geldmangel jedoch verhinderte zunächst eine Veröffentlichung dieser Single. Nach einigem Hin-und her konnte man sie schließlich doch noch herausbringen und zwar auf dem bandeigenen Label Steel Strike Records, wenn auch nur in sehr geringer Stückzahl. Demnach ein gesuchtes Sammlerstück.

Schließlich konnte man einen Deal mit dem Hinterhoflabel Avatar Records abschließen, welche die Single ein weiteres Mal veröffentlichten, allerdings war "Renegade" nun nicht mehr enthalten. Man erkennt also, es lief alles wenig professionell und ziemlich chaotisch im Hause Dark Star ab, womit die Band beileibe keinen Einzelfall unter den zahlreichen NWOBHM-Acts darstellte.

Immerhin konnten Avatar Records der Band einige Liveauftritte spendieren, u.a. im Vorprogramm von White Spirit und Angel Witch. Nach einigen Besetzungswechseln machte die Band sich schließlich daran, ihre selbstbetitelte Debüt-LP aufzunehmen, welche 1981 (nach wie vor bei Avatar) erschien.

Die Band tourte in England mit den Kollegen von Limelight und Chevy, danach auch in Resteuropa, u.a. mit Ten Years After, Budgie (die man bereits von den gemeinsamen ´ 79er Konzerten kannte) und Magnum.

1982 wurde die Single "Captain America" veröffentlicht, nur wenig später, um 1983 herum, kam es dann zur Auflösung der Gruppe.

Jedoch nicht für lange, denn 1985 versuchten einige ehemalige Dark Star-Members gemeinsam mit Sessionmusikern, die Band zu reaktivieren.
Bei FM Revolver Records brachte man dann 1987 das Comeback-Album "Real To Reel" heraus, welches jedoch mit dem ursprünglichen Sound der Band nicht mehr allzuviel gemein hat und deutlich glatter, kommerzieller und streckenweise geradezu poppiger klingt. Erfolg war dem ganzen Unterfangen auch diesmal nicht beschieden und nur wenig später kam es zur endgültigen Auflösung der Band.

Die erste Scheibe jedoch gehört in jeden gutsortierten "Hard´n´Heavy"-Haushalt, nicht nur (aber sehr wohl auch) wegen "Lady Of Mars". Eine tolle, melodische und dennoch kraftvolle Heavy Rock-Scheibe urtypischer NWOBHM-Prägung, in der stilistischen Schnittmenge aus frühen Def Leppard, Thin Lizzy und Diamond Head - jedenfalls zur groben Orientierung.




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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 46330Beitrag Vertigo
03.10.2018, 17:16

"Lady Of Mars" ist für mich ein Muss-Stück in Sachen NWOBHM. Den hatte ich auch in meiner Radiosendung zu altem Heavy Metal drin
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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 46338Beitrag AusDemWegIchBinArzt
03.10.2018, 19:00

Vertigo hat geschrieben: 03.10.2018, 17:16 Den hatte ich auch in meiner Radiosendung zu altem Heavy Metal drin
Ich weiß, hast Du mal erzählt. Ist ja aber auch ein absoluter Kracher, das Stück ! 8-)

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

Beitrag: # 46345Beitrag Pavlos
03.10.2018, 22:50

Die FORCE Scheibe finde ich ja großartig, die hat so'nen latenten early Magnum Touch.

:good:

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