NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#26

Beitrag: # 755Beitrag AusDemWegIchBinArzt
25.05.2017, 15:07

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21.) RHABSTALLION

Rhabstallion waren ebenfalls eine der zahlreichen Bands aus der NWOBHM-Ära, bei der man sich bis heute fragt, woran es eigentlich gescheitert ist. Denn auch Rhabstallion besaßen genug Qualitäten, anhand derer sie es eigentlich hätten schaffen können (müssen).

Seinerzeit zählte die Band aus Huddersfield auch keineswegs zu den Unbekannten. Rhabstallion waren schon ganz gut in vorderster Front mit dabei, als die erste NWOBHM-Welle über den Deich schwappte.

Sie gehörten zu den essenziellen Wegbereitern der NWOBHM, was natürlich auch daran lag, dass sie mit ihrer Gründung 1976 zu den frühesten Vertretern gehörten.

Auf dem "New Electric Warriors"-Sampler hatten die Huddersfielder 1980 dann bereits einen Beitrag ("Chain Reaction") geleistet und auch als Liveband wohl einen ziemlich guten Ruf, ehe sie sich zur Herstellung einer 7"-Single entschlossen:

"Day to day" kam 1981 heraus, allerdings nur als Privatpressung, ohne Label im Hintergrund. Obwohl das Teil musikalisch erstklassig ist und einen hervorragenden, kernig-melodiös intonierten Heavy Rock / Metal bietet,
kam damals überhaupt nichts dabei heraus. Das wundert mich wie gesagt noch heute, angesichts der Klasse des Materials.

Während andere, ungefähr zeitgleich gestartete Kollegen entweder richtig abhoben (Iron Maiden, Saxon) oder zumindest für einen gewissen Zeitraum ein bißchen durchstarten konnten (Tygers Of Pan Tang, Witchfynde, Diamond Head), rührte sich bei Rhabstallion rein gar nichts.

Rhabstallion sind eine dieser typischen übersehenen Perlen, die es während der NWOBHM in so enorm reichhaltiger Anzahl gab.

Jedenfalls muckte die Band erst noch ein wenig vor sich hin und löste sich dann irgendwann stillschweigend auf. Ein Jammer !

Immerhin gab es aber Mitte der 90er nachträglich eine CD, welche die "Day to day"-Single plus diverse unveröffentlichte Songs enthielt. Ist aber auch längst vergriffen, so ziemlich.



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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#27

Beitrag: # 780Beitrag AusDemWegIchBinArzt
25.05.2017, 16:37

22.) PERSIAN RISK

Persian Risk aus Cardiff waren das Sprungbrett für zwei Leute, die größeren Bekanntheitsgrad erreichten, obwohl die Band selbst nie den großen Durchbruch schaffte:

Zum einen war da Jon Deverill, der recht frühzeitig die Band verließ und zu den Tygers Of Pan Tang wechselte.

Zum anderen Phil Campbell, welcher von 1984 an Gitarrist bei Motörhead wurde und dort auch bis zu deren Auflösung im Dezember 2015 verblieb.

Persian Risk machten insgesamt über die Jahre diverse Besetzungswechsel durch und bekamen nie ein wirkliches Bein auf den Boden, obwohl die Band äußerst talentiert war und zweifelsohne einen guten Ruf genoß.

Die erste 7"-Single "Calling for you" erschien 1981. Erst 1983 folgte mit "Ridin´high" eine weitere Single, anschließend 1984 die 12"-Maxi "Too different".

Alle kamen bei unterschiedlichen Labels heraus und diese Tatsache, wie auch der recht lange Zeitraum zwischen den Veröffentlichungen und die ständigen Line-Up-Querelen zeigen deutlich auf, dass es im Bandcamp etwas an Kontinuität in diversen Belangen mangelte. Wobei Persian Risk tragischerweise musikalisch immer zu überzeugen wußten.

Alle Bemühungen mündeten dann erst 1986 in einer vollwertigen LP namens "Rise up", doch da war der NWOBHM-Zug weitestgehend abgefahren und es tat sich nichts mehr. Schade, wirklich sehr schade.







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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#28

Beitrag: # 782Beitrag AusDemWegIchBinArzt
25.05.2017, 16:44

24.) SOLDIER

Auf Heavy Metal Records erschien 1982 die erste und einzige 7" ("Sheralee") von Soldier, nachdem die Band bereits mit dem Song "Storm of steel" ein Jahr zuvor auf dem ersten Teil der "Heavy Metal Heroes"-Compilations eine Kostprobe ihrer Qualitäten geliefert hatte.

Viel ist zur Geschichte der Band nicht unbedingt bekannt, aber es war wohl eine typische, hoffnungsvoll gestartete Bandlaufbahn mit einigen Besetzungswechseln und dem ganzen üblichen Tralala.

Es gab diverse Liveauftritte und kleinere Tourneen sowie die besagte Beteiligung am "HM Heroes"-Sampler, anschließend folgte die Single. Angeblich war sogar eine richtige LP geplant, aber das zerschlug sich irgendwann.

Die Band trat auf der Stelle und löste sich letztenendes irgendwann Mitte der 80er auf.

Aber die "Sheralee"-Single weiß ohne jede Frage zu gefallen.

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#29

Beitrag: # 783Beitrag AusDemWegIchBinArzt
25.05.2017, 16:48

25.) LIONHEART

Musikalisch nicht wirklich bedeutsam, aber dennoch eine interessante Fußnote der NWOBHM waren Lionheart.

Die fanden sich 1981 zusammen und bekamen vom Start weg viele Vorschußlorbeeren, weil sich dort anerkannte Koryphäen wie ex-Iron Maiden-Mann Dennis Stratton oder ex-Tygers Of Pan Tang-Goldkehlchen Jess Cox versammelt hatten. Man betrachtete das Unterfangen wohl voreilig als eine Art "Supergroup", aber am Ende kam eigentlich nur heiße Luft dabei heraus.

Zunächst konnte das Musikerkollektiv auf dem "Heavy Metal Heroes, vol.2"-Sampler mit "Lionheart" aber einen Song platzieren, der durchaus Appetit auf mehr machte und knackigen, melodiösen Hardrock bot. Das war es dann aber auch.

Anschließend stieg Jess Cox aus (hatte wohl keinen Bock auf die von Stratton angestrebte, kommerziellere Richtung)
und es gab einige weitere Drehrunden im Besetzungskarussell, auch eine Plattenfirma fand sich nicht so schnell wie erhofft.

Erst 1984 konnte man dann endlich bei - immerhin - Epic die einzige LP "Hot tonight" veröffentlichen und das war und ist eine Enttäuschung auf ganzer Linie: Lahmer, ziemlich seichter Mainstream-Hardrock bzw. AOR-mäßiges Zeug mit billig-käsigen Synthiesounds prägt dieses Album und überzeugt an so gut wie keiner Stelle. Von daher also aus musikalischer Sicht ziemlich verzichtbar, aber eine Erwähnung auf alle Fälle dennoch wert.

Wie groß der Unterschied zwischen dem Appetithäppchen "Lionheart" und der ernüchternden späteren Full Length-LP war, kann man im Vergleich sehr gut nachvollziehen:



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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#30

Beitrag: # 786Beitrag AusDemWegIchBinArzt
25.05.2017, 16:58

26.) MYTHRA

Ein ganz heißes Eisen im Feuer der NWOBHM waren auch Mythra, gleichzeitig umweht die Band aber auch ein leicht mysteriöser Nimbus, weil nie allzu viele Details über die Formation bekannt wurden.

Gegründet wurde die Gruppe auf jeden Fall 1976, also relativ früh, in Nordost-England. Aufgelöst hat man sich irgendwann um 1982 herum.

Entscheidend ist eigentlich vor allem, dass 1980 ihr einziges auf Tonkonserve gepresstes Lebenszeichen, die "The Death & Destiny-EP" erschien und zwar sowohl als 7"-Single wie auch als 12"-Maxi.

Das war es dann auch schon. Umso schöner, dass die Schatztaucher von HRR vor einiger Zeit mit "Warriors of time - The Anthology" eine Zusammenstellung sämtlicher jemals von der Band aufgenommenen (und teilweise unveröffentlichten) Songs herausgebracht hat. Ein Fest für jeden NWOBHM-Liebhaber!

Aktuell ist die Band zumindest auf dem Livesektor auch wieder aktiv. Musikalisch sind Mythra eines der unbestrittenen Highlights aus der NWOBHM-Ära.





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#31

Beitrag: # 787Beitrag AusDemWegIchBinArzt
25.05.2017, 17:01

27.) LIMELIGHT

Limelight aus der Grafschaft Nottinghamshire sind ein typischer Vertreter der NWOBHM-Bewegung und konnten neben drei 7"-Singles immerhin auch zwei Langspieler (genaugenommen nur einen, aber der wurde zweimal unter verschiedenen Namen veröffentlicht) unter das Volk bringen.

Hauptinitiatoren der Band waren die Scrimshaw-Brüder Mike und Glenn, die bereits seit den 60er Jahren zusammen Musik machten. Die Wurzeln von Limelight reichen wohl tatsächlich bis ins Jahr 1967 (!) zurück.

Stilistisch servierte man den Fans einen melodischen, intelligent gemachten und stets auf Originalität bedachten Heavy Metal, der trotz durchaus bisweilen komplexerer Arrangements absolut eingängig war und in die Zeit paßte.

Die erste Single "Metal Man" erschien 1980, genauso wie die selbstbetitelte Debüt-LP, welche mit absolut starken Songs zu gefallen weiß und wirklich zu den überzeugendsten Alben der NWOBHM-Ära gehört.

Also auch hier wieder ein Beispiel für die künstlerische Vielfalt und Qualität innerhalb der NWOBHM, anhand dessen man sich zum wiederholten Male die dringende Frage stellt, warum nicht mehr draus geworden ist.

1982 erschien mit "Ashes to Ashes" eine weitere Single, die allerdings diesmal keine Auskopplung aus der LP war, denn dort war der Song nicht vorhanden.

Alle drei Releases, die Singles und die LP, erschienen bei Future Earth Records. Im Anschluß passierte aber erstaunlicherweise erst mal eine ganze Weile gar nichts mehr, bevor man 1984 die Debüt-LP unter dem Titel - surprise, surprise - "Ashes to Ashes" ein zweites Mal veröffentlichte und zwar als Lizenzpressung für die belgische Firma Mausoleum Records und diesmal inklusive der ursprünglichen Non-Album-Single, von der man dann auch gleich den Titel für die Wiederveröffentlichung des ganzen Albums übernahm.

Ebenfalls 1984 gab es mit einer weiteren 7"-Single, "White Fire", auch noch mal brandneues Material zu bestaunen (über Dreambeat veröffentlicht), aber danach war endgültig Ruhe im Karton. Außerdem ist mit "White Fire" eine Hinwendung zu kommerzielleren, keyboardverkleisterten Klängen erfolgt, die nur noch rudimentär mit den früheren Großtaten zu tun hatte. Der gewünschte Erfolg blieb trotzdem aus und so wurde Limelight mehr oder weniger das Licht ausgeblasen.

"White Fire" landete übrigens 1985 auch noch auf dem "Axe Attack"-Sampler von Mausoleum, aber das sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.





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#32

Beitrag: # 788Beitrag AusDemWegIchBinArzt
25.05.2017, 17:05

28.) SABRE

Eine weitere Band die hier nicht fehlen sollte sind Sabre, deren einzige 7"-Single "Miracle Man" (B-Seite: "On the loose") erst im Spätherbst 1982 bei Neat Records veröffentlicht wurde.

Zuvor hatte es bei der 1980 gegründeten Combo bereits diverse Besetzungswechsel gegeben; alleine der Sänger war in der kurzen Zeit schon drei- oder viermal ausgetauscht worden.

Viel mehr tat sich, abgesehen von der Single, sonst auch nicht mehr.

Erwähnenswert wäre lediglich noch der Song "Cry to the wind", der als Beitrag auf dem ultrararen "60 Minutes Plus"-Sampler (1982) von Neat verewigt wurde, welcher ausschließlich und in sehr begrenzter Auflage auf Kassette erschien. Eine absolute Hyperrarität und kaum aufzutreiben.

Von musikalischer Seite aus haben Sabre einen rohen, energischen Heavy-Sound präferiert, der relativ straight und ohne übermäßigen Schnickschnack daherkommt.




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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#33

Beitrag: # 789Beitrag AusDemWegIchBinArzt
25.05.2017, 17:08

29.) TRIARCHY

Was wäre dieser Thread, wenn Triarchy nicht aufs Tapet gebracht würden ?

Triarchy sind in NWOBHM-affinen Kreisen eine (zu recht) hochgeschätzte Band, die von einem beinahe schon mystischen Kultfaktor beflügelt wird, obwohl sie sogar fast noch Prä-NWOBHM waren.

Man kann auch in diesem Falle ohne Zweifel konstatieren, dass hier eine Band mit höchst eigenwilligem Sound agierte, welcher mit keiner anderen Gruppe auch nur ansatzweise vergleichbar ist. Die Schatztruhe der NWOBHM offeriert mit Triarchy einen ganz besonders strahlenden Edelstein.

Die Gründung des aus Kent stammenden Trios fand bereits in den frühen Siebzigern statt und war letztlich das Resultat einer langjährigen Freundschaft, da sich die Bandmitglieder Mike Wheeler und Mark Newbold schon seit Kindertagen kannten.

Das außergewöhnliche musikalische Talent der drei Herren führte dazu, dass man bereits sehr schnell eigene Songs komponierte und sich den üblichen Weg über das covern bekannter Hits anderer Bands weitgehend ersparte.

Der Originalgitarrist hörte auf den Namen Derek Lomas, aber der wurde irgendwann aus dem Verkehr gezogen und durch Graham Legg ersetzt, damit stand dann vorerst eine stabile Besetzung.

Ende der 70er spielte man zunächst ein Demo ein und dann, 1979, schließlich die kultisch verehrte 7"-Single "Save the khan".

Was die Musik, die aus kauzig-kernigem, aber stets melodiösem Heavy Rock bestand, zu etwas besonderem machte, waren ein gewisser Progressive Rock-Einfluß und vor allem der sinnstiftend und gekonnt dargebrachte Einsatz eines Synthesizers. Dieser Umstand verlieh Triarchy damals unter allen NWOBHM-Bands ein ziemliches Alleinstellungsmerkmal.

Die Single war mehr oder weniger eine limitierte Privatpressung und wurde 1980 noch einmal veröffentlicht, diesmal bei Bullet Records.

Ebenfalls 1980 verließ Graham Legg die Band und wurde durch Brian Galibardy ersetzt, mit dem sogleich eine zweite 7"-Single namens "Metal Messiah" aufgenommen wurde.

Obwohl Kult-DJ Tommy Vance die Band in seiner "Friday Rock Show" lobend erwähnte und sogar eine kleinere Tour mit den Kollegen von Vardis stattfand, war der weiteren Existenz von Triarchy trotz aller musikalischen Kompetenz kein Glück beschieden.

Es gab noch einen Besetzungswechsel, weil Brian Galibardy es nicht lange bei Triarchy aushielt. Man dümpelte anschließend noch etwas herum und löste sich aufgrund mangelnder Erfolgsaussichten schließlich auf, ohne weitere Releases.

Bei HRR erschien vor nicht allzu langer Zeit allerdings eine wunderbare Compilation, die ebenfalls "Save the Khan" betitelt ist und neben den beiden 7"-Singles sämtliches an Demos und unveröffentlichtem Material enthält, was jemals von der Band aufgenommen wurde.

Eine regelrechte Fundgrube vom Feinsten und alleine schon deshalb für jeden Interessierten dringend empfehlenswert, weil die originalen 7"-Singles nicht so einfach aufzutreiben sind. Und günstig schon mal gar nicht.



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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#34

Beitrag: # 790Beitrag AusDemWegIchBinArzt
25.05.2017, 17:10

30.) THUNDERFIRE

Ein weiteres ganz obskures Werk stammt von einer Band namens Thunderfire, über die nicht allzu viel bekannt ist.

Es handelt sich um deren selbstbetitelte Debüt-LP aus dem Jahre 1983, damals immerhin über Roadrunner auf den Markt gebracht und gleichzeitig auch der einzige Longplayer, den man in die Läden stellte.

Allerdings gab es im gleichen Jahr mit "The beast on the run" noch eine Single, die jedoch als Privatpressung lief.

Musikalisch waren Thunderfire eher derbe und punkig unterwegs, irgendwo in Richtung Motörhead, Tank, Warfare orientiert. Also durchweg spaßig und gut gemacht, mit einem herrlich asozial röhrenden Sänger, der mich irgendwie an eine Mischung aus dem jungen James Hetfield, Algy Ward und Cronos von Venom erinnert.

Tante Youtube (die insgesamt gut aufgestellt in Sachen NWOBHM ist) hat sogar überraschenderweise solche Raritäten im Repertoire, was ich nicht unbedingt erwartet hätte, aber das erleichtert es mir natürlich sehr, auch solche Pretiosen hier vorzustellen.



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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#35

Beitrag: # 814Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 09:40

31.) A II Z

Als nächstes kommen A II Z (sprich: A to Z) an die Reihe. Die erblickten 1979, also gerade rechtzeitig zur ersten, prägenden NWOBHM-Welle, in Manchester das Licht der Welt.

Dahinter standen die beiden Owens-Brüder Dave (Gesang) und Gary (Gitarre) und im Gegensatz zum üblichen Werdegang vieler anderer NWOBHM-Bands, die mit Eigenpressungen oder windigen Hinterhoflabels herumkrebsten, konnte man bei A II Z direkt klotzen und wurde ohne viel Theater gleich von der großen Polydor unter Vertrag genommen.

Damit gehörten A II Z zu den wenigen glücklichen (?) NWOBHM-Bands, die quasi von Beginn an bei einem Majorlabel unterkommen konnten: Def Leppard waren bei Phonogram, die Tygers Of Pan Tang bei der MCA, Iron Maiden und Angel Witch bei EMi und A II Z eben bei Polydor.

Genützt hat es der Gruppe jedoch nicht viel. Trotz häufiger (und vielversprechender) Liveauftritte, dem Deal mit der Polydor und sogar einem hauptamtlichen Management in der Hinterhand, konnten A II Z am Ende nicht viel reißen.

Die erste (und letzte) LP "The witch of Berkeley", welche 1980 über Polydor auf den Markt kam, war im Prinzip eine billige Low-Budget-Produktion und weit unter dem angesiedelt, was man an Unterstützung durch ein großes Label hätte erwarten können.

Offenbar hatte die Polydor in Wirklichkeit gar keinen großen Bock auf die Band und behandelte sie ziemlich stiefmütterlich, wie ein ungeliebtes Kind sozusagen. "The witch of Berkeley" ist im Prinzip ein billig produziertes Album, welches unter Live-Bedingungen aufgenommen wurde. Also gewissermaßen eine Quasi-Liveplatte, in mäßiger Klangqualität.

Musikalisch ist das ganze aber absolut okay. Die Platte enthält rauen, relativ einfach gestrickten Heavy Metal im Stile der Zeit, der etwas okkult angehaucht ist und diesen ganz typischen Charme besitzt.

Man spielte anschließend Konzerte mit Bands wie Black Sabbath oder Girlschool, wo man jeweils den Support-Slot genoß und diese Gigs liefen entsprechenden Quellen nach zu urteilen auch nicht allzu schlecht.

Ebenfalls noch 1980 wurde "No fun after midnight" als 7"-Single und 12"-Maxi herausgebracht, um wohl das Interesse an der Band wachzuhalten. Die Maxi-Version kam dabei in rotem Vinyl heraus und ist logischerweise sehr gesucht.

Es hätte eigentlich ganz gut so weiterlaufen können, doch dann passierte der Band bzw. der Plattenfirma jener Kardinalfehler, der A II Z das Genick brach:

Die Band wollte sich, auch im Sinne ihrer Plattenfirma, in eine etwas massentauglichere, kommerziellere und melodischere Richtung entwickeln. Dazu fehlte jedoch ein echter Single-Hit.

Da die Owens-Brüder und ihre Bandkollegen allerdings wohl nicht in der Lage waren, einen solchen Song zustande zu bringen, schaltete sich die Polydor ein und beauftragte einen Fremdkompositeur, der das Wunder vollbringen sollte. Für eine Firma wie Polydor echte Peanuts.

Dieser externe Songwriter entpuppte sich ausgerechnet als der berüchtigte Russ Ballard, der u.a. schon für Kiss und Rainbow tätig gewesen war und das nicht zum musikalischen Vorteil dieser Bands, insbesondere was Rainbow betrifft.

Und so klang der Hit, den Ballard für A II Z ablieferte ("I´m the one who loves you"), peinlicherweise fast wie eine 1:1-Kopie des schrecklichen und ebenfalls von ihm verbrochenen Rainbow-Schmachtfetzens "Since you´ve been gone".

Das konnte nur schiefgehen und das tat es dann auch. Während Rainbow, die "Since you´ve been gone" nur kurze Zeit vorher veröffentlicht hatten, tierisch abräumten, fuhren A II Z die Karre mit ihrer "I´m the one who loves you"-Single komplett an die Wand. Folglich trennte sich die Polydor von der Gruppe und das hatte die Auflösung von A II Z zur Konsequenz.

Aber "The witch of Berkeley" ist ein nettes Scheibchen, welches in jede gutsortierte NWOBHM-Sammlung gehört.







Und hier das Corpus Delicti ;):

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#36

Beitrag: # 815Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 09:48

32.) HELLANBACH

Widmen wir uns nun Hellanbach. Die waren im Prinzip sowas wie die englischen Van Halen und hörten sich auch genauso an. Hellanbach klangen beinahe mehr nach den frühen Van Halen, als Van Halen höchstselbst.

Das gut produzierte und professionell aufgemachte "Now hear this"-Albumdebüt von 1983 besitzt in jeder Hinsicht eine solch frappierende Ähnlichkeit zum Van Halen-Sound, dass man fast schon von dreistem Diebstahl sprechen könnte.

Man kann es aber auch wohlwollend als Verbeugung vor den holländischen Brüdern sehen und gelungen ist die hochenergetische Scheibe allemal.

Drei Jahre zuvor hatte die 1979 gegründete Band bereits als Appetizer die 7"-Single "Out to get you" auf den Weg gebracht, noch bei Guardian Records.

Dann tat sich erst mal eine Weile überhaupt nichts und so gab es erst 1983 den vollen Nachschlag in Form des Langspielers, der dann allerdings bei Neat erschien.

Der Zweitling "The big H" erschien 1984, ebenfalls bei Neat. Auch dieses Album ist keineswegs schlecht geraten, allerdings nicht ganz so überragend wie das Debüt und einen Ticken kommerzieller.

Bei "Now hear this" indes kann man es fast kaum glauben, dass dort nicht early Van Halen zu hören sind. Selbst der Gesang von Jimmy Brash erinnert passagenweise an David Lee Roth und auch das Gitarrenspiel wurde erkennbar durch Eddie van Halen beeinflußt.







Leider habe ich meinen Favoriten "Times are getting harder" nicht bei der Röhre gefunden.
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#37

Beitrag: # 816Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 09:56

33.) TAURUS

Wahrlich obskur sind auch Taurus aus Middlesborough. Die Band hat es zu Lebzeiten noch nicht mal auf eine Single gebracht, sondern war lediglich 1980 mit dem Song "Paper Chaser" auf dem "Metal Explosion"-Sampler der BBC vertreten, wo man sich in illustrer Gesellschaft von musikalischen Schwergewichten wie Angel Witch oder Trespass wiederfand.

Und Taurus konnten definitiv qualitativ mithalten, obwohl sie eher zur Riege Status Quo-beeinflußter Bands gehörten. Dennoch ist "Paper Chaser" ein klasse Stück und es ist wirklich verwunderlich, dass darauf nicht aufgebaut werden konnte.

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#38

Beitrag: # 817Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 10:00

34.) PAGAN ALTAR

Was wäre die NWOBHM ohne Pagan Altar ? Diese begnadete Truppe gehört unbedingt dazu, obwohl sie ihr erstes richtiges Album erst 1998 veröffentlichte.

Allerdings existierte das Doom-Geschwader schon seit 1978 und brachte es 1982 zu einem Demo, bevor man sich irgendwann Mitte der 80er fürs Erste sang- und klanglos auflöste.

Die Band genoß in Undergroundkreisen immer einen exzellenten Ruf, obwohl sie es damals zu keinem offiziellen Release brachte, was dem Mythos um Pagan Altar eigentlich aber nur förderlich war.

Düsterer, typisch britisch-kauziger Heavy Rock / Metal der ganz alten Schule, mit teilweise starker Doom-Akzentuierung und etwas okkultem Firlefanz ist das Metier dieses wunderbaren wie wundersamen Haufens.

Das besagte erste Album, welches dann erst 1998 erschien, bestand im Prinzip aus Songs, die ursprünglich für ein bereits 1980, also zur besten NWOBHM-Zeit geplantes Werk entstanden waren, welches dann aus verschiedenen Gründen nicht realisiert wurde.

Richtig zusammengefunden haben sich Pagan Altar erst wieder im Jahre 2004, seitdem aber einige gute bis herausragende Full Lenght-Alben in ihrem unverändert gebliebenen Stil herausgebracht, wie auch nach guter, alter Sitte eine Single ("Walking in the dark", 2013) und zwei Split-Scheiben (eine mit Jex Thoth, die andere mit Mirror Of Deception).

Eine ganz wundervolle Band.






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#39

Beitrag: # 818Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 10:05

35.) VIRTUE

Ein später NWOBHM-Vertreter waren die fantastischen Virtue, deren 7"-Single "We stand to fight" erst im Jahre 1985 erschien. Flotter, dynamischer Heavy Metal, der trotzdem melodisch und eingängig daherkommt, war das Metier dieser Gruppe. Vermutlich waren Virtue einfach ein paar Jahre zu spät dran, denn eigentlich hätten sie mit ihrem Sound alle Chancen auf einen vernünftigen Plattenvertrag haben müssen...

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#40

Beitrag: # 819Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 10:18

36.) VENOM

Eine Band, die ein integraler Bestandteil der NWOBHM war und ist, obwohl das manche vielleicht gar nicht vermuten würden, sind Venom.

Venom gelten heute im Prinzip als Vorreiter von Black-, Death- und Thrash Metal zusammen. Sie waren zur damaligen Zeit einzigartig und sind es auf ihre ureigene Art auch heute noch.

Dabei hatten sie damals sicherlich gar nicht im Sinn, eines Tages als große Innovatoren und Initialzünder eines bzw. mehrerer Genres gefeiert zu werden. Seinerzeit wollten Sie einfach nur extremer, auffälliger und härter als alle anderen bis dato bekannten Bands sein.

Dass die eigenen musikalischen Fähigkeiten eher vergleichsweise rudimentär vorhanden waren, störte bei diesem Vorhaben nicht im Geringsten. Venom waren absolut primitiv, aber effektiv.

Ihre Musik klang dabei allerdings beileibe nicht wie das, was man gemeinhin heute so mit Death- oder Black Metal assoziiert, der mittlerweile oft technisch sogar extrem ausgefeilt daherkommt.

Das Kampftrio hörte sich vielmehr wie eine rohe, punkige Brachialversion von Motörhead an, einmal durch den Fleischwolf gedreht. Zumindest blieb auch ein gewisser Rock´n´Roll-Faktor stets mehr oder minder offensichtlich präsent.

Venom waren nicht die Chefvirtuosen vom Dienst und auch keine Meister der Subtilität. Das 1979 in Newcastle gegründete Abrißkommando agierte stets plakativ, derb und schmutzig. Auf die Fresse, fertig!

Ohne viel Aufhebens prügelten Venom ihre Hymnen damals ohne jede Spur von Filigranität ein, aber genau das macht den Charme ihrer frühen Alben wie "Welcome to hell" oder "Black Metal" aus. Etwas vergleichbares hatte man bis dato noch nicht gehört.

Entscheidend dabei war, dass sie all den späteren Nachahmern und all den heutigen, technisch oftmals erstklassigen Extrem-Bands etwas wesentliches voraus hatten. Nämlich etwas, was man nicht für Geld und gute Worte kaufen kann:

Nicht nur dass sie die vermutlich erste wirklich extreme Band überhaupt waren, nein, sie verfügten vor allem über jede Menge Street-Credibility. Und damit wurden sämtliche technischen Mängel in jeder Hinsicht wettgemacht.

Kurzum: Kaum eine andere Band klang so heftig und so asozial wie Venom und brachte das auch dermaßen überzeugend rüber.

Venom waren kompromisslos, laut, brachial, rotzig, anarchistisch, pflegten ein böses Image und legten als Krönung noch ein bißchen satanistisches Gedöns obendrauf (natürlich eher dem kauzigen Humor der Engländer geschuldet und nicht wirklich ernst gemeint - aber dennoch sehr hingebungsvoll betrieben). Eine traumhafte Kombination, die natürlich einen massiven Unterhaltungswert generierte und unter Metalfans für erhöhte Aufmerksamkeit sorgte.

Im Prinzip waren Venom somit ein Stück weit ihrer Zeit voraus und beeinflußten mit ihrer unmißverständlichen Art etliche Nachfolger, weltweit.

Die Band stand bei Neat unter Vertrag und veröffentlichte dort sämtliche Releases bis etwa Mitte der 80er Jahre. Dave Woods, der ursprüngliche Neat-Boss, wollte der Legende nach Venom gar nicht signen, weil er deren Herumgelärme entsetzlich fand.

Da er aber Bassist und Sänger Cronos, der zu dieser Zeit in den Neat-Studios jobbte, persönlich zugetan war und bei genauerem Überlegen doch erkannte, dass Venom in bestimmter Hinsicht etwas besonderes waren, gab er der schrägen Truppe schließlich doch einen Vertrag.

Am legendärsten und wichtigsten sind vor allem die angesprochenen ersten beiden Studio-Alben "Welcome to hell" (1981) und "Black Metal" (1982), die musikalisch alles in Schutt und Asche legen und auch heute noch sehr viel Spaß machen. Ebenfalls in Ordnung sind "At war with Satan" (1984) und "Possessed" (1985).

Danach begann dann eine Durststrecke für die drei chaotischen Streithansel, die einige Besetzungswechsel zur Folge hatte und auch diverse weniger mitreißende Alben hervorbrachte. Der Abstieg von Venom begann auch ungefähr analog zu der Zeit, als sie von ihren musikalischen Söhnen und Enkeln (Slayer, Sodom, Kreator usw.) künstlerisch und auch in anderen Aspekten allmählich überholt wurden. Was ihrem Status als Wegbereiter natürlich nichts anhaben konnte und kann.

Die wichtigsten 7"-Singles und 12"-Maxis erschienen auch zwischen 1981 und 1985, beispielsweise "In League with Satan", "Warhead", "Bloodlust", "Die hard" oder "Manitou".

Erwähnenswert wäre zudem noch die in EP-Form erschienene "...Assault"-Reihe, die zwischen 1985 und 1987 insgesamt sieben Fortsetzungen fand.

Jene Reihe bestand aus jeweils einer EP, die dann so nur exklusiv in einem bestimmten Land veröffentlicht wurde (entsprechend auch danach betitelt: "French Assault"; "German Assault"; "Canadian Assault" usw.) und zumeist zusammengewürfelt war aus Studio- und speziellem Livematerial.

Manchmal war auch noch ein Interview mit drauf oder eine unveröffentlichte Demoversion. Diese "...Assault"-Alben sind dementsprechend sehr gesuchte Sammlerstücke.

Heute gibt es zwei Formationen, die das Erbe von Venom weiterführen und für sich jeweils beanspruchen, der Originalband am nächsten zu kommen:

Zum einen Venom Inc., die aus Originalgitarrist Mantas und Drummer Abaddon sowie dem Sänger Demolition Man bestehen. Damit steht exakt jene Venom-Besetzung auf der Bühne, die bereits von 1989-92 existierte und Alben wie "Prime Evil" einspielte. Damals war Originalmitglied Cronos ausgestiegen und durch Demoliton Man ersetzt worden, der eigentlich Tony Dolan heißt.

Die andere Venom-Inkarnation heißt ganz normal weiterhin Venom, ohne "Inc." dahinter und besteht aus Cronos sowie zwei jüngeren Mitstreitern. Die neueren Alben sind auch nicht unbedingt schlecht geraten, aber ihnen fehlt dann doch etwas wesentliches im Vergleich zu den alten Klassikern: Der unnachahmliche Rumpelfaktor und die nicht reproduzierbare Frische und äh, Unschuld (sofern man das bei Venom so nennen darf). :)









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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#41

Beitrag: # 820Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 10:28

37.) WEAPON

Weapon hatten in ihren Reihen den Drummer Bruce Bisland, der später zu einem angesehenen Sessionmusiker wurde und u.a. auch bei Wildfire und Praying Mantis spielte.

Auch die Chancen auf einen erhöhten Bekanntheitsgrad standen anfangs nicht schlecht, denn die Band durfte mehrmals Motörhead supporten, beispielsweise auch im legendären Hammersmith Odeon.

Dennoch konnten sich Weapon nicht auf breiterer Front durchsetzen und auch keinen vernünftigen Plattenvertrag einheimsen.

Das einzige offizielle Lebenszeichen auf Tonkonserve war und blieb die - allerdings sehr, sehr gute - "It´s a mad mad world"-Single (B-Seite: "Set the stage alight") von 1980, die sowohl als 7"- wie auch in einer 12"-Version herausgegeben wurde. Beide im Eigenvertrieb natürlich.

Das war es dann aber auch. Ein kurzfristiger Reformierungsversuch von Weapon im Jahre 1984 blieb ebenfalls ohne Ergebnis.

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#42

Beitrag: # 821Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 10:31

38.) WITCHFYNDE

Witchfynde, eine meiner allerliebsten Bands überhaupt, waren äußerst wichtige Baumeister der NWOBHM und lagen in ihren besten Tagen popularitätstechnisch zwar hinter absoluten Megaburnern wie Iron Maiden oder Def Leppard, aber durchaus auf Augenhöhe mit anderen Bands aus der "zweiten Reihe", also etwa Diamond Head, Tygers Of Pan Tang, Samson oder Angel Witch.

Und genau wie bei all diesen anderen Gruppen auch, die Kraft ihres Potenzials viel mehr hätten erreichen können oder besser gesagt müssen, gab es irgendwann - nach vielversprechendem Beginn- in der Leistungsbilanz einen herben Knick nach unten, welcher der Band letztlich das Genick brach und somit weitere Karrieresprünge vereitelte.

Die Ursprünge der Band liegen im Jahre 1975, als Witchfynde im englischen Mansfield gegründet wurden und somit für sich beanspruchen dürfen, neben Saxon (gegründet 1976 in Barnsley) oder Iron Maiden (1975 in London) zur frühen Speerspitze der NWOBHM gezählt werden zu können.

Nachdem man die ersten Jahre überwiegend im Proberaum verbracht hatte, konnte man 1979 schließlich einen Deal mit dem Hinterhoflabel Rondelet Records abschließen, wo u.a. auch die Kollegen von Gaskin unter Vertrag standen.

Das erste Ergebnis dieser Zusammenarbeit war 1980 die fantastische 7"-Single "Give ´em Hell" (B-Seite: "Gettin´ heavy"), welcher kurz darauf die ebenfalls "Give ´em Hell" titulierte Debüt-LP folgte. Und bei diesem Sahnestück handelt es sich um eines meiner zehn liebsten NWOBHM-Alben, eine Inselscheibe für mich!

"Give ´em hell" überzeugte durch meist kürzere, aggressive Tracks ("Pay now, love later"; Titelsong), getragenere und melodischere Nummern ("Leaving Nadir") und fast schon experimentell anmutende, düster und episch wirkende Heavy-Stücke mit einem dezent progressiv anmutenden Einschlag ("Unto the ages of ages").

Auf den Punkt gebracht bieten Witchfynde auf "Give ´em hell" (und den anschließenden Alben) kauzigen, obskuren Heavy Rock / Metal mit okkultem Firlefanz, der wie schon angedeutet eine recht große stilistische Bandbreite abdeckt und einfach voller Charme steckt.

Ebenfalls noch im gleichen Jahr wurde der Nachfolger "Stagefright" veröffentlicht, der mit dem Debüt in der gleichen Liga spielte und mit Hammernummern a´la "Wake up screaming", "In the stars" , "Doing the right thing" oder dem Titeltrack genauso zu überzeugen wußte, insgesamt aber etwas melodiöser und eingängiger ausgefallen war.

Danach fing dann auch bei Witchfynde das oftmals übliche interne Theater an, welches die Band letztlich wie viele ihrer Kollegen aufs Abstellgleis manövrierte.

Bereits vor "Stagefright" hatte es schon Ärger gegeben, der dazu führte, dass Originalbasser Andro Coulton durch Pete Surgey abgelöst worden war.

Nach "Stagefright" tauchte die Band dann scheinbar für einige Zeit komplett unter, was natürlich in karrieretechnischer Hinsicht schnell tödlich für eine junge, aufstrebende Gruppe endet. Ausschlaggebend dafür war u.a. auch in diesem Falle massive Unzufriedenheit mit der Plattenfirma.

Rondolet Records, waren nun einmal ein kleines Undergroundlabel und hatten sich vormals vorrangig auf dem Punk-Sektor ausgetobt. Leider lief bei Rondolet alles relativ unprofessionell und chaotisch ab, obwohl man die Alben für Deutschland sogar über Bellaphon vertreiben konnte.

Witchfynde beklagten mangelnde Unterstützung von Seiten der Firma, sowohl im Hinblick auf allgemeine Promotion, als auch in Bezug auf die Finanzierung kostspieliger Tourneen.

Am Ende finanzierte die Band ihre Tourneen selber und machte alles im Alleingang klar. Professionelles Management, das sich hätte kümmern können, gab es de facto keines, denn die unfähige Plattenfirma war dummerweise gleichzeitig auch das Management.

Der Band wuchsen Kosten und Organisation über den Kopf, Shows mußten abgesagt oder drastisch zusammengestrichen werden, was wiederum zu negativen Reaktionen führte.

Ein Teufelskreis - zumal man ja nebenbei auch noch mit nicht ganz unwichtigen Dingen wie Songwriting beschäftigt war - der letztlich zum zeitweisen Stillstand führte. Das hatte selbstredend negative Auswirkungen auf alle weiteren Pläne.

Verständlich, dass auch das Line-up derartigen Belastungen natürlich nicht standhielt. Nächstes Opfer war Sänger Steve Bridges, der zwischenzeitlich den Stuhl vor die Tür gesetzt bekam und durch Luther Beltz ersetzt wurde.

Dann, 1983, also fast drei Jahre nach "Stagefright", meldeten sich Witchfynde erst zurück. Da war der Karrierezug natürlich längst abgefahren.

Das 83er Album "Cloak and dagger" erschien bei einem neuen Label, nämlich Expulsion. In Deutschland wurde die Scheibe via Roadrunner vertrieben.

Auch die Liaison mit Expulsion war von vorneherein ähnlich problembelastet wie zuvor bei Rondolet. Denn auch Expulsion war vormals ein reines Punk-Label gewesen und nicht unbedingt auf Heavy Metal spezialisiert. Drummer Gra Scoresby konstatierte später trocken, dass Expulsion von "Cloak and dagger" nur soviele Platten gepreßt hätten, bis man dort das Geld für die drei Punk-Bands wieder hereinbekommen hätte, die vor Witchfynde herausgebracht worden seien.

Dabei ist "Cloak and dagger" ein hervorragendes, tendenziell wieder härteres Album. Vielleicht atmosphärisch nicht ganz so dicht und etwas heterogener zusammengesetzt als die beiden Frühwerke, aber dennoch mit überwiegend starkem Songmaterial. Zudem ist der Sound etwas besser und nicht so dumpf-dünn wie auf "Give ´em hell" oder "Stagefright".

Dennoch kam es, wie es kommen mußte: "Cloak and dagger" verkaufte sich nicht besonders, woran neben fehlender Plattenfirmen-Unterstützung auch teils ungerechtfertigt schlechte Kritiken und die lange Abwesenheit der Band Schuld trugen. Anschließend implodierte auch das eh schon angeschlagene Verhältnis zu Expulsion und die Kapelle stand abermals ohne Plattenvertrag da.

Nach all den schlechten Erfahrungen hätten Witchfynde hier schon endgültig aufgeben können, aber sie taten es noch nicht. Vielmehr unterschrieb man einen weiteren Plattenvertrag, diesmal aber den für lange Zeit letzten und zwar beim belgischen Mausoleum-Label.

Dort erschien 1984 die für viele Jahre letzte LP "Lords of sin", ein immer noch ordentliches und hörenswertes Album, aber zugegebenermaßen doch deutlich durchwachsener als die überwiegend superben Vorgänger.

Neben starken, harten Witchfynde-typischen Tracks a´la "The lord of sin" oder "Scarlet lady" findet sich auch viel durchschnittliches und seltsam uninspiriertes Material auf der Scheibe, was die Gesamtnote natürlich etwas nach unten zieht. Stellvertretend zu nennen wären da etwa "Stab in the back", "Conspiracy" (auch als Single veröffentlicht) oder das fast schon poppige "Heartbeat".

Den ersten 10.000 Exemplaren der "Lords of sin"-Scheibe lag noch eine 12"-Maxi mit Liveaufnahmen der 84er Europa-Tour bei.

Auch mit dem Artwork von "Lords of sin" ging einiges schief, denn ursprünglich wollte die Band dafür im Londoner Gruselkabinett "The London Dungeon" mit nackten Frauen und Männern posieren. Diesem Vorhaben machten aber die Aufsichtsbehörden einen Strich durch die Rechnung, als sie davon erfuhren. Das Fotoshooting wurde abgeblasen und stattdessen mußte ein alternatives Cover ausgewählt werden.

Kurz nach "Lords of sin" löste die Band sich dann endgültig auf und auch die einzelnen Musiker verschwanden nahezu sang- und klanglos von der Bildfläche, kamen nicht in anderen Bands unter.

Allerdings kam es um die Jahrtausendwende herum zu einer Reunion mit den Bandmitgliedern Gra Scoresby, Pete Surgey und Montalo.

Ganz wichtig zu erwähnen ist aber noch ein wundervoller Rohdiamant, welcher 2014 das Licht der Welt erblickte: "The lost tapes" !

Dabei handelt es sich um Demoaufnahmen aus den ganz frühen Proberaumtagen (1975-77) , die Ur-Basser Andro Coulton beim Aufräumen seines Kellers entdeckt hatte und welche man somit nachträglich (zum Glück!) der Öffentlichkeit zugänglich machte.

Anhand dieser "Lost tapes" läßt sich die Entwicklung der Band bis zu ihrem Debüt-Album "Give ´em hell" im Nachhinein sehr gut nachvollziehen, zumal einige der dort vertretenen Songs in embryonalen und teils recht skurrilen Versionen bereits in den Anfangstagen der Band existierten und im Laufe der Zeit immer weiter verbessert worden waren. Ein wunderbares Zeitdokument.

Der größte Unterschied zu den späteren Studioalben ist die fehlende Grundhärte. Witchfynde zu "Lost Tapes"-Zeiten waren noch wesentlich zaghafter und zahmer unterwegs, ihr (ohne Zweifel von der Substanz her bereits ansprechender) Hardrock wirkte damals noch geradezu tiefenentspannt, relaxt und war noch recht weit von der Energie entfernt, die dann später zu NWOBHM-Zeiten entfacht wurde.

Die "Lost Tapes" kann ich nur jedem Interessierten immer wieder dringendst ans Herz legen !









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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#43

Beitrag: # 822Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 10:34

39.) TORA TORA

Tora Tora (nicht zu verwechseln mit den amerikanischen und sonstigen Namensvettern) waren ein Quartett - beziehungsweise zeitweise ein Quintett - welches hätte groß rauskommen können, stattdessen jedoch völlig abschmierte und dadurch nur noch unter "...ferner liefen" bekannt ist, wenn überhaupt.

Zunächst gab es 1980 eine 7" namens "Red Sun Setting" (B-Seite: "Highway"), die als Privatpressung vertrieben wurde.

1981 spielte man dann auf einem größeren Festival, gemeinsam mit Genossen vom Schlage Diamond Head oder Venom und hätte dort alle Chancen gehabt, auf breiterer Ebene bekannt zu werden.

Und es hätte fast geklappt, denn nach dem Auftritt kam der mächtige Major CBS auf die Gruppe zu und bot ihr einen Deal über fünf (!) Alben an, den man dem Vernehmen nach auch tatsächlich unterschrieb.

Fast unglaublich, aber wahr: Man hörte entgegen der Erwartung anschließend nie wieder was von (den britischen) Tora Tora! Dabei war ihr kerniger Sound wirklich gut und ausbaufähig.

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#44

Beitrag: # 823Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 10:38

40.) TOBRUK

Tobruk hätten Erfolg haben können, mit ihrem recht melodiösen, tendenziell leicht AOR-lastigen Sound. Auch die Benutzung von Keyboards war kein Fremdwort für die Band.

Außerdem hatte man mit der legendären EMi ein fähiges, solventes Majorlabel mit den entsprechenden Möglichkeiten in der Hinterhand, um die Band aufbauen zu können.

Lediglich die erste Single "Wild on the run" wurde 1983 noch bei Neat veröffentlicht, gleich danach stand dann schon die EMi Gewehr bei Fuß und übernahm Tobruk.

Tobruk gingen mit Twisted Sister auf Tour durchs vereinigte Königreich und spielten 1985 für EMi ihre erste LP ein, die ebenfalls "Wild on the run" betitelt wurde und erwartungsgemäß recht kommerziell ausgefallen ist.

Das Ding war jedoch ein totaler Rohrkrepierer, verkaufstechnisch betrachtet. Auch die beiden Singles "Falling" und "On the rebound", ebenfalls 1985, brachten keine Besserung. Das guckte man sich bei der EMi natürlich nicht lange mit an und feuerte die Band ziemlich schnell wieder.

Danach kamen Tobruk bei FM Revolver unter und brachten in rascher Folge zwei weitere LPs ("In Motion", 1986 und "Pleasure and pain", 1987) heraus, die partiell etwas härter und energischer sind. Das brachte aber auch nichts mehr, der Drops war einfach gelutscht.

Außerdem ist das Songmaterial zwar durchaus gut, aber nicht überragend genug und einfach zu sehr (wenn auch guter) Durchschnitt, um aus der Masse an Bands besonders herauszustechen.





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#45

Beitrag: # 836Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 15:13

41.) DEMON PACT

Demon Pact sind auch einer dieser Namen, die im Zusammenhang mit der NWOBHM eine gewisse Rolle spielen und immer mit Wohlwollen und Anerkennung genannt werden, obwohl sie nie eine LP veröffentlicht haben oder in breiterem Ramen populär geworden sind.

Es langte 1981 lediglich zur der 7"-Single "Eaten alive", die dafür aber mit rohem, straight nach vorne gehendem Heavy Metal zu begeistern weiß und ohne falsche Bescheidenheit zu den ansprechendsten und überzeugendsten Veröffentlichungen der an Göttergaben nicht gerade armen NWOBHM zählt.

Ein absolut geiles Stück Musik, auf das sich der heutzutage gerne inflationär verwendete Begriff "Kult" sicherlich treffsicher anwenden läßt.



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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#46

Beitrag: # 839Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 15:52

42.) GIRL

Girl waren das Sprungbrett für den Gitarristen Phil Collen und den Sänger Phil Lewis.

Collen ersetzte ab 1983 Pete Willis bei Def Leppard und machte Weltkarriere. Lewis stieg zwar nicht in ganz so abgehobene Erfolgssphären auf, aber nichtsdestotrotz schaffte auch er es bis nach Amerika, wo er bei den Sleaze-Rockern L.A.Guns landete, die auch nicht ganz unbekannt sind.

Zuvor hatten die beiden allerdings mit ihrer alten Truppe Girl die Longplayer "Sheer Greed" (1980) und "Wasted Youth" aufgenommen, die immerhin bei Jet Records erschienen (dort stand damals u.a. auch Ozzy Osbourne unter Vertrag).

Zwischen 1980 und 1982 gab es zudem auch nicht weniger als 6 Single-Releases ("My Numer"; "Do you love me"; "Hollywood Tease"; "Love is a game"; "Thru´the twilite"; "Old Dogs"). Die Band besaß also durchaus eine funktionierende Ausgangsbasis.

Girl waren eher Protagonisten der Poserfraktion innerhalb der NWOBHM, zumindest ließ sich ein gewisser Glam-Faktor (muskalisch wie äußerlich) nicht verleugnen.

Mit ihrem straighten, mehr oder weniger stark Glam-beeinlußten Hardrock-/Heavy Metal konnte die Band durchaus punkten.

"Sheer Greed", das Debüt, ist dabei eine Spur schnoddriger geraten und lebt den Glam-Einfluß offensiver aus, während "Wasted Youth" bei leicht reduziertem Glam-Einfluß einen Ticken fokussierter und heavier klingt. Gut und empfehlenswert sind sie aber letztlich beide ohne Abstriche !





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#47

Beitrag: # 859Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 17:38

43.) ACE LANE

Ace Lane, die mit ihrem melodisch-eingängigen Heavy Metal erst auf den Plan traten, nachdem die erste große Welle schon ihren Zenit hinter sich gebracht hatte, sind eigentlich immer eine Randnotiz der NWOBHM geblieben.

Und das, obwohl sie das seltsame Kunststück fertigbrachten, ihre einzige LP "See you in heaven" (1983) im gleichen Jahr bei drei verschiedenen Labels herauszubringen. Wie auch immer sie das geschafft haben und vor allem was die Hintergründe dafür gewesen sind, das wird wohl ewig im Dunkeln bleiben.

Ace Lane-Bassist Stef Prokupczuk war zuvor übrigens Mitglied von Gaskin und ist auch auf deren "End of the world"- Masterpiece zu hören.


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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#48

Beitrag: # 860Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 17:40

44.) OVERKILL

Overkill gibt es nicht nur als (ungleich populärere) US-amerikanische Ausgabe, sondern es existierte zuvor bereits eine britische Band dieses Namens.

Die englischen Overkill hatten allerdings nichts mit Speed-/Thrash Metal wie ihre amerikanischen Namensvettern am Hut, sondern waren wesentlich melodiöser und old schooliger unterwegs.

Gegründet 1979 in der Grafschaft Hampshire, waren sie quasi von Beginn an am Puls der Zeit und gehörten somit noch zu den frühen NWOBHM-Ausläufern.

Die Band war wohl auch live recht umtriebig, brauchte aber aufgrund der üblichen Line-Up-Probleme letztlich gute zwei Jahre, bis sie mal endlich 1981 ein Lebenszeichen auf Tonkonserve von sich geben konnte.

Und dabei handelte es sich auch "nur" um eine 7"-Single namens "Elemental" (B-Seite: "On my own"), die allerdings sehr gut geraten ist und auf dem bandeigenen Label Killer Records erschien. Damit hatte es sich dann aber auch schon und von Overkill ward nie wieder was gehört. Was sehr schade ist, denn "Elemental" ist in jeder Hinsicht hörenswert.




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#49

Beitrag: # 861Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 17:42

45.) SAMURAI

Die Waliser Samurai gehörten zu den Bands der zweiten NWOBHM-Generation und brachten ihre Tonträger folglich erst Mitte der 80er unters Volk.

Dabei handelte es sich um die 7" "Fires of hell" (1984) sowie die beiden Langrillen "Sacred Blade" (1984) und "Weapon Master" (1986).

Alle Veröffentlichungen kamen über Ebony Records in den Handel; nach Neat und Heavy Metal Records quasi der dritte "große" Indie in Sachen NWOBHM, allerdings etwas später (ca. 1982) gestartet als die beiden anderen.

Man befand sich bei Ebony auch in illustrer Gesellschaft, schließich standen dort auch Grim Reaper oder Chateaux unter Vetrag.

Allerdings waren Ebony-Bands teilweise berüchtigt für ihre lausig klingenden Low Budget-Produktionen, die sie von ihrem ewig klammen Label verordnet bekamen.

Dennoch gaben Samurai mit ihren Releases ein musikalisch überzeugendes Bild ab, was der Gruppe allerdings nicht zu langfristiger Existenz oder größeren Erfolgen verhelfen konnte.





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#50

Beitrag: # 869Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 18:16

46.) SALEM

Aus der Asche der wundervollen Ethel The Frog, die bereits in diesem Thread thematisiert wurden, erhoben sich spät im Jahr 1980 Salem.

Salem wurden nämlich von den beiden ex-Fröschen Paul Tognola und Paul Conyers betrieben, allerdings blieb Paul Tognola nur ein knappes Jahr an Bord.

So machte Paul Conyers schließlich alleine mit der umbesetzten Band weiter und nach einem Demo 1981 wurde schließlich 1982 die 7" "Reach to eternity" in Angriff genommen, die als Privatpressung vertrieben wurde.

Nach Einspielung dieser Single hatte sich das Thema Salem allerdings schon wieder erledigt und damit hatte die Band noch nicht mal so viel erreicht wie Ethel The Frog, die es immerhin auf einen (erstklassigen!) Longplayer gebracht hatten.

Musikalisch waren Salem härter als Ethel The Frog und, wenn man so will, deutlich mehr Metal als die Vorgängertruppe, welche wesentlich stärker und absolut unüberhörbar im 60er-/70er-Hardrock wurzelte.

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#51

Beitrag: # 870Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 18:19

47.) TRUFFLE

Viel zu erzählen gibt es über Truffle eigentlich nicht, denn die im Eigenvertrieb unters Volk gebrachte 7"-Single "Round Tower" (B-Seite: "If you really want") blieb 1981 das einzige Lebenszeichen der Band aus Portsmouth.

Was verwunderlich ist, denn auch diese talentierte Truppe hätte alles erdenkliche an Rüstzeug besessen, um auf breiterer Ebene durchstarten zu können. Leider wurde nichts draus und daran änderten auch gemeinsame Auftritte mit Spider, Diamond Head oder Tank nichts.

Die melodiöse Heavy Rock der Band besaß teilweise einen gewissen Prog-Einfluß, was sich insbesondere beim atmosphärischen, schleppenden Titeltrack der Single zeigt, der über acht Minuten dauert.

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