NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#51

Beitrag: # 870Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 18:19

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47.) TRUFFLE

Viel zu erzählen gibt es über Truffle eigentlich nicht, denn die im Eigenvertrieb unters Volk gebrachte 7"-Single "Round Tower" (B-Seite: "If you really want") blieb 1981 das einzige Lebenszeichen der Band aus Portsmouth.

Was verwunderlich ist, denn auch diese talentierte Truppe hätte alles erdenkliche an Rüstzeug besessen, um auf breiterer Ebene durchstarten zu können. Leider wurde nichts draus und daran änderten auch gemeinsame Auftritte mit Spider, Diamond Head oder Tank nichts.

Die melodiöse Heavy Rock der Band besaß teilweise einen gewissen Prog-Einfluß, was sich insbesondere beim atmosphärischen, schleppenden Titeltrack der Single zeigt, der über acht Minuten dauert.

Wenn Musik Bilder erzeugen und den Hörer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erfüllt.

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#52

Beitrag: # 873Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 18:24

48.) BITCHES SIN

Eine weitere Vorliebe hege ich für Bitches Sin, die mich mit ihrem rauen, ungeschliffenen und energischen Heavy Metal immer schon zu begeistern wußten.

Aus Bitches Sin hätte auch mehr werden können, aber auch diese Band hat sich leider mehrfach selber ins Knie geschossen und so ihren weiteren Aufstieg bravourös verhindet, dabei standen die Chancen Anfang der 80er zunächst alles andere als schlecht.

Die aus Cumbria stammenden Bitches Sin schafften es vor allem relativ schnell, sich einen gewissen Status zu erspielen, der über das vereinigte Königreich hinausreichte. So besaß man u.a. in Holland bereits recht frühzeitig eine eingefleischte Gefolgschaft.

1980 wurde das erste Demo eingetütet, welches bei einigen lokalen Radiosendern gut ankam und dementsprechend häufiger gespielt wurde.

Damit erzeugte man natürlich Aufmerksamkeit und schwuppdiwupp konnte man bei Neat Records 1981 die erste, absolut exzellente 7"-Single "Always ready for love" veröffentlichen.

Der Song "Down the road" landete im gleichen Jahr auf dem "Lead Weight"-Sampler, ebenfalls von Neat veröffentlicht.

Erstaunlicherweise, trotz dieses gelungenen Starts, hielt es die Band nicht lange bei Neat und man wechselte binnen kürzester Zeit zum Konkurrenten Heavy Metal Records (kurz: HM Records).

HM Records ließen sich auch nicht lumpen und platzierten die Band mit dem neuen Song "Strangers on the shore" gleich ihrerseits auf einem hauseigenen Sampler, nämlich der legendären "Heavy Metal Heroes"-Compilation, ebenfalls noch 1981 erschienen.

Das superbe "Strangers on the shore" befand sich dann auch auf der kurze Zeit später veröffentlichten "Predator"-LP (1982), dem ersten vollständigen Longplayer der Band. Es ging also vorwärts.

"Predator" besticht schon alleine optisch mit seinem wunderbaren Rodney Matthews-Artwork und auch musikalisch gibt es, abgesehen von "Strangers on the shore", eine Auswahl stilistisch recht vielseitiger und gelungener Stücke.

Schon der Opener "April Fool" überrascht mit dreckigem, hartem Blues Rock. "Aardschok" oder "Haneka" (beides Huldigungen an die Fans in Holland) sind dagegen hoch energetische High Speed-Abrißbirnen, während das melodiöse, eher im mittleren Tempo angesiedelte und mit rhythmischen Fills durchsetzte "Lady Lies" einen angenehmen Kontrast dazu bietet.

Auch "Fallen Star" betont die eingängigere Seite der Band und ist gelungen. Allerdings befinden sich auf "Predator" auch Stücke, die nicht so zwingend und etwas durchschnittlicher ausgefallen sind.

Dennoch ist "Predator" aber ein gutes, typisches NWOBHM-Album und wichtiger Bestandteil jeder ernstgemeinten NWOBHM-Sammlung. Für mich ist die Scheibe so wie sie ist in Ordnung und ich liebe sie sehr.

Der Gesang von Antony Tomkinson erinnert übrigens bisweilen ziemlich an den jungen Paul Di´Anno.

Nach "Predator" rappelte es dann aber im Karton: Tomkinson, mit dessen Leistungen man nicht zufrieden war, wurde rausgeschmissen und gleichzeitig verlor man den Deal mit HM Records.

Daraufhin - inzwischen hatte man mit Frank Quegan wieder einen neuen Sänger - spielte man 1983 mit "Out of mind" erstmal wieder eine 7"-Single ein, die via Terminal Records an den Mann gebracht wurde.

1984 folgte mit dem hervorragenden "No more chances" eine weitere Single, die parallel auch im 12"-Maxi-Format angeboten wurde, mittlerweile allerdings wiederum über ein anderes Label: Diesmal saßen QT Records am Drücker.

Labelmäßig waren das auf alle Fälle von Release zu Release deutliche Verschlechterungen, während musikalisch nach wie vor alles stimmte.

Nach "No more chances" löste sich die Band vorerst frustriert auf. Nur, um dann 1986 einen völlig untergegangenen Comebackversuch zu starten, aus welchem allerdings immerhin die bockstarke "Invaders"-LP resultierte, welche im gleichen Jahr herauskam - um auf breiter Ebene ignoriert zu werden.

Völlig zu Unrecht natürlich, aber die NWOBHM hatte ihren Zenit nun einmal längst überschritten und das Business wartet auf niemanden. Niemals. Nicht schön, aber so ist es leider.

Ältere Songs wie "No more chances" oder "Ice Angels" kommen auf der "Invaders"-LP neben neuem Material auch noch einmal in überarbeiteten Versionen zu frischem Glanz. Stücke wie der Titeltrack oder das fulminante "Ain´t life a bitch" haben es ebenfalls in sich und gehören zum Besten, was die Band jemals aufgenommen hat.

Dennoch brachten alle Bemühungen, wie angedeutet, nichts und das Thema Bitches Sin war nach diesem Album ein für allemal erledigt. Leider, leider, leider.









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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#53

Beitrag: # 874Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 18:28

49.) MILLENIUM

Millenium gehörten mit ihrer Gründung 1982 zu den späteren Vertretern der NWOBHM und veröffentlichten ihre selbstbetitelte Debüt-LP auch erst 1984, bei Guardian Records.

Schon ein Jahr zuvor hatten Guardian gleich drei (!) Songs ihrer Schützlinge auf dem "Pure Overkill"-Sampler untergebracht, nämlich "Rock was meant for me", "Steal your heart" und "Mirror, Mirror".

Überdurchschnittlicher Heavy Metal mit hevorragender Gitarrenarbeit war das, was Millennium auszeichnete. Hart, druckvoll, aber trotzdem eingängig und melodisch. Auch in diesem Fall ein Jammer, dass danach nichts mehr kam.

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#54

Beitrag: # 877Beitrag AusDemWegIchBinArzt
26.05.2017, 18:31

50.) TNT

TNT stammten aus Kent und hatten nichts mit ihren ungleich bekannteren norwegischen Namensvettern zu tun. Viel ist auch nicht über das Quintett bekannt, welches erst relativ spät am Start war, aber ihre einzige 7"-Single "Back on the road" (1984) erschien immerhin bei Neat Records und ist durchaus gutklassig geraten.

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Pavlos
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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#55

Beitrag: # 901Beitrag Pavlos
26.05.2017, 22:11

Bei mir läuft momentan ganz viel NWOBHM und dabei lese ich immer wieder gerne die hier geposteten Texte.

Momentan lausche ich der Chaser Anthology CD von Skol Records und finde das ganz, ganz toll.

Hab grad gestern gelesen, dass es demnächst neue Scheiben von Trident (!!) und Pagan Altar (!!!!) geben soll.

Die Welt ist schön.....

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#56

Beitrag: # 915Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 09:36

51.) PALI GAP

Ebenfalls reichlich obskur sind Pali Gap, weswegen auch nie allzu viel über die Band bekannt geworden ist. Das Trio veröffentlichte 1982 auch nur eine einzige 7"-Single namens "Under the sun" (B-Seite: "The knives are out"), die in sehr geringer Auflage bei einem Wald-und Wiesenlabel namens Synister Records erschien.

Vielleicht hätte aus der Band mehr werden können. Ihr rauer Heavy Rock / Metal war zwar kein Mega-Highlight und ziemlich simpel gehalten, aber dafür eingängig. Das wäre möglicherweise ausbaufähig gewesen, aber natürlich wurde nichts draus.

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#57

Beitrag: # 916Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 09:38

52.) RADIUM

Sehr geil finde ich persönlich auch Radium, die 1980 in Nottingham gegründet wurden und deren recht düsterer Heavy Metal ziemlich roh, dreckig und punkig rüberkommt. Somit zählen Radium folgerichtig zu den derberen, grobschlächtigeren NWOBHM-Acts, konnten allerdings auch getragene und ruhigere Songs.

1981 veröffentlichte die Band eine scheißheiße EP mit dem Titel "Through the smoke", die heute natürlich auch zu den gesuchten NWOBHM-Raritäten gehört.

Viel mehr ist dann auch nicht passiert, allerdings erschien 2014 völlig überraschend eine Compilation mit dem Titel "Through the smoke / Into the grave....alive ´81", die sowohl das Material der besagten einzigen 7" als auch Livematerial enthält, welches - dem Titel entsprechend - 1981 mitgeschnitten wurde.

Selbstredend handelt es sich aber auch dabei um eine Rarität, denn dieses Teil wurde ausschließlich als Doppel-Vinyl in einer Auflage von 500 Stück feilgeboten...wer sich jetzt also schon hoffnungsvoll die Hände rieb in der Erwartung, das Ding bei High Roller bestellen zu können, muß eine Enttäuschung verkraften. :D


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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#58

Beitrag: # 917Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 09:40

53.) OXYM

Oxym gehören zu den ganz heißen Eisen im Feuer der NWOBHM. Leider hat die talentierte Truppe aus Rochedale
nur eine einzige Single ("Music Power", 1980, Cargo Records) zustande gebracht, die allerdings zu den erfreulichsten NWOBHM-Releases überhaupt zählt.

Wer Rush mag und ansonsten mit den eher filigraneren (progressiver orientierten) NWOBHM-Acts wie Chasar, Trespass oder Shiva etwas anfangen kann, wird mit Oxym bestens bedient und sollte sich auf jeden Fall nach der Single umsehen.

Bei den intelligent strukturierten Heavy-Songs von Oxym lohnt es sich jederzeit, beide Ohren zu riskieren. :)

Der Song "Hot Rain" wurde ebenfalls 1980 noch dem legendären "New Electric Warrior"-Sampler beigesteuert, danach hörte man bedauerlicherweise nie wieder was von dieser großartigen Band.



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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#59

Beitrag: # 918Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 09:44

54.) AXE / FIST

Nun kommen wir auf die Band Axe bzw. Fist zu sprechen, einem weiteren Schmuckstück aus den Tiefen der an funkelnden Rohdiamanten nicht gerade armen NWOBHM.

Die Historie der Band läßt sich bis in die Mitte der 70er Jahre zurückverfolgen. Damals spielten die späteren Gründungsmitglieder in verschiedenen lokalen Rock-und Pubbands. Aus diesen Wurzeln entstand 1978 zunächst die Band Axe.

Das Quartett absolvierte diverse Auftritte, fiel jedoch schon nach etwa einem Dreivierteljahr wieder auseinander.
Erst Ende 1979 konnte man sich zu einem Neustart durchringen, allerdings mit einem anderen Bassisten und unter dem neuen Namen Fist. Letzteres u.a. auch deshalb, weil es in Amerika bereits eine Band mit dem Namen Axe gab.

Nach wenigen Auftritten und der Aufnahme eines Demos konnte man bereits das Interesse des NWOBHM-Mutterlabels Neat Records wecken und bekam dort einen Vertrag, so dass man schon im Frühjahr 1980 die legendäre 7"-Single "Name, rank and serial number" herausbringen konnte.

Die Single verkaufte sich durchweg gut, es folgten Auftritte mit anderen Bands wie Samson und schließlich ein weiterer Vertriebsvertrag mit MCA, welcher der Band natürlich Möglichkeiten eröffnete, die weit über das vereinigte Königreich hinausgingen.

Bereits im Sommer 1980 wurde die Debüt-Single über MCA ein weiteres Mal veröffentlicht und zum Ende des Jahres hatte man den ersten richtigen Longplayer "Turn the hell on" im Kasten, eine Scheibe zum Niederknien für jeden Hard´n Heavy-Gourmet.

Mit dem Song "Brain Damage" waren Fist zum gleichen Zeitpunkt auch auf einem hauseigenen NWOBHM-Sampler ("Brute Force") der MCA vertreten.

Auch in Sachen sonstiger Singleauskopplungen ließ sich die MCA nicht lumpen und brachte ebenfalls noch 1980 gleich zwei weitere 7" heraus ("Forever Amber" und "Collision Course"), wobei der auf dem erwähnten "Brute Force"-Sampler vertretene Song "Brain Damage" gleichzeitig auch die B-Seite der "Forever Amber"-Single darstellte.

Anschließend ergab sich eine England-Tournee mit UFO, bevor im Frühjahr 1981 via Neat Records ein weiterer legendärer NWOBHM-Sampler ("Lead Weight") unters Volk geschmissen wurde. Dort waren Fist nicht nur mit dem unveröffentlichten Song "Throwing in the towel" vertreten, sondern kurioserweise befand sich mit "S.S.Giro" auch noch eine alte Aufnahme aus vergangenen Axe-Tagen auf der Kompilation.

Obwohl alles scheinbar gut zu laufen schien, hatte die ganze Chose wenig später Sand im Getriebe und kam nicht mehr vorwärts. Das restliche Jahr 1981 passierte nicht mehr viel. Andere Kollegen trumpften mit einem Spitzenwerk nach dem anderen auf und taten alles, um das Feuer mehr oder weniger am lodern zu halten. Bei Fist indes rührte sich so gut wie gar nichts.

Erst irgendwann 1982 - inzwischen hatte es auch zwischenmenschlich gekracht und zwei Leute waren ausgestiegen sowie durch gleich drei neue Members ersetzt worden - erschien endlich das Zweitwerk "Back with a vengeance", allerdings diesmal nur noch bei Neat Records. MCA waren inzwischen wieder raus aus der Nummer.

Die Band spielte Konzerte u.a. mit Y & T, trat bei der bekannten "Friday Rock Show" auf (wurde auch mitgeschnitten) und ließ mit "The Wanderer" ebenfalls noch 1982 eine weitere 7"-Single auf die Fans los, allerdings alles nur noch mit mäßigem Erfolg.

Nach etwas unmotivierter Herumdümpelei und ohne weitere Veröffentlichungen kam es 1985 schließlich zur Auflösung der Band.

Um 2001, 2002 herum belebten einige Ur-Mitglieder die Band allerdings neu und brachten zunächst die Kompilation "Back with a vengeance: The Anthology" heraus, bevor man dann im Jahre 2005 mit "The Storm" sogar einen neuen Studiorelease nachschob, der aber natürlich außer in Insiderkreisen nur wenig Aufmerksamkeit auf sich ziehen konnte.

Danach setzten Fist dann erneut für eine Weile aus, rauften sich aber mit geändertem Line-Up immer wieder mal sporadisch neu zusammen. Ab und zu tritt die Band heute auch immer noch live auf, z.B. bei Festivals.

Musikalisch bewegen sich Axe bzw. Fist zwischen den Polen des typisch englischen, melodischen 70er Hardrocks und Früh-80er-Heavy Metals.





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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#60

Beitrag: # 919Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 09:47

55.) ARAGORN

Zu den interessantesten Eintagsfliegen der NWOBHM gehören die namentlich durch J.R.R.Tolkien inspirierten Aragorn.

Das 1978 gegründete Quartett hat, obwohl zur richtigen Zeit am richtigen Ort, nie größere Anerkennung erfahren.

Nach zwei eher wenig beachteten Demos im Jahr 1980 sowie parallel dazu einigen grundlegenden Besetzungswechseln schaffte es die Band aus Macclesfield dann doch noch, einen Plattenvertrag mit Neat Records zu ergattern.

Dort konnte man 1981 die einzige offizielle Veröffentlichung, die empfehlenswerte (und natürlich rare) 7"-Single "Black Ice" (B-Seite: "Noonday") herausbringen.

Auf dem Neat-Sampler "Lead Weight" war die Single-B-Seite "Noonday" kurz darauf auch noch einmal vertreten, das war es dann aber auch schon in Sachen Veröffentlichungspolitik.

1982 wurde noch ein weiteres Demo eingespielt und mit den Planungen und Aufnahmen für eine Fulltime-LP begonnen. Die Aufnahmen wurden wohl auch abgeschlossen, allerdings blieb das Resultat traurigerweise unveröffentlicht, wohl auch, weil Neat Records weiteren finanziellen Support ablehnten.

Anfang 1983 fanden noch einige Live-Auftritte statt, bevor Aragorn im Frühjahr 1983 still und leise zu Grabe getragen wurden.

Im Jahr 2003 gab es nachträglich mit "Noonday - The Aragorn Anthology" aber immerhin noch eine Kompilation, welche neben den früheren Demos u.a. auch das Material des unveröffentlichten Albums enthält.

Musikalisch stehen Aragorn für rauen, etwas düsteren und eher schlichten, schnörkellosen Heavy Metal, der hier und dort auch einen leichten Black Sabbath-Einfluß erkennbar werden läßt.

Gerade die "Black Ice"-Single mit ihrem rohen, ungekünstelten und ungeschönten Klang weiß eindeutig zu begeistern. Aus dieser Band hätte mit etwas mehr Glück durchaus etwas werden können.

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#61

Beitrag: # 920Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 09:48

56.) AXIS

Ebenfalls ziemlich kurzlebig waren Axis, die lediglich von 1978 bis 1982 existierten. Obwohl sie damit genau in die Hochphase der NWOBHM fielen, konnten sie keinen Vorteil daraus ziehen. Nichtsdestotrotz gehören auch Axis zu den ganz besonders feinen Trüffeln in Sachen NWOBHM.

Gegründet in der Grafschaft Cleveland im Nordosten der britischen Insel, gaben sich im Laufe der wenigen Jahre diverse Mucker bei Axis die Klinke in die Hand, die davor oder danach u.a. bei Gruppen wie Samson, Tank, Emerson
oder White Spirit auftauchten.

Die erste und einzige, im Übrigen superbe 7"-Single "Lady" (B-Seite: "Messiah") erschien 1980 über Metal Minded, einem Sublabel der bekannten Company Neat Records, welches aber ebenfalls nicht allzu lange die Zeit überdauerte - nach zwei Singles war dort schon wieder Schluß.

Nach der vorzüglichen "Lady"-Single machte sich die Band recht zügig an die Arbeit für eine weitere Single, welche für 1981 geplant war und diesmal sogar direkt beim Mutterlabel Neat erscheinen sollte, dort sogar schon eine Katalognummer zugewiesen bekommen hatte.

Doch wie das Schicksal oder andere ungünstige Umstände es wollten, ist es dazu nicht mehr gekommen und jene Single erblickte nie das Tageslicht.

Es gab immer wieder Besetzungswechsel, die überhaupt während der gesamten Lebensdauer der Band ziemlich häufig vorkamen und daher nur wenig Kontinuität ins Gruppengefüge einkehren ließen.

Neat brachten noch zwei NWOBHM-Sampler heraus ("60 Minutes plus", 1982 und "All Hell is loose", 1983), welche beide das Stück "Flame burns on" enthielten.

Weiter passierte aber nichts und Axis lösten sich bereits Ende 1982 stillschweigend wieder auf.

Musikalisch wird auch hier das typische Gravitationsfeld aus 70er Hardrock und frühem 80er Heavy Metal berührt, plus einer Prise AOR / Melodic Rock und ein paar gelegentlichen progressiven Einsprengseln. Auf jeden Fall ist die Musik durchweg interessant und gut gemacht.

Wer auf raue und gleichermaßen melodiöse Bands wie Samson, frühe Def Leppard oder White Spirit steht, aber auch Sachen wie Rush mag, der kann sich mit Axis garantiert anfreunden. Ich persönlich halte sie für eine der stärksten und überzeugendsten Truppen jener musikalisch so überragenden, einzigartigen Ära.

Für Einsteiger (und Leute, die keine Zeit, Lust, Geduld oder kein Geld haben, nach der raren Originalsingle zu suchen) sehr zu empfehlen ist die Kompilation "Flame burns on", die 2011 bei High Roller Records erschien und neben den Songs der besagten Single auch unveröffentlichtes Material sowie einige Livetracks beinhaltet.




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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#62

Beitrag: # 921Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 09:50

57.) BRONZ

Bronz, die aus Bath stammten, waren mit ihrer Gründung Mitte der 70er Jahre eigentlich schon ziemlich frühzeitig dran.

Trotzdem erschien das erste Album "Taken by storm" erst 1984, also schon einen ordentlichen Ticken zu spät, um noch vom Schwung der ersten NWOBHM-Welle mitgerissen werden zu können. Schlechtes Timing.

Zuvor hatte die Band ihre Zeit hauptsächlich mit zahlreichen Liveauftritten verbracht, darunter einige Festivalgigs und diverse Supportslots bei Kollegen wie More, Angel Witch oder Diamond Head, quer durchs vereinigte Königreich.

Irgendwann wurde man schließlich von Bronze Records gesigned, die immerhin auch Motörhead, Uriah Heep, Osibisa, Colosseum oder Manfred Mann´s Earth Band unter Vertrag (gehabt) hatten.

Dort erschienen dann 1984 das besagte Debütalbum "Taken by storm" sowie die Single "Send down an angel" (B-Seite: "Tiger").

Zu hören ist recht typischer, melodisch-hymnischer Heavy Metal im Stil der Zeit. Kann man sich gut geben, aber herausragend ist die Musik auch nicht unbedingt. Nix besonderes eben - im mit zahlreichen feinen Pretiosen gesegneten NWOBHM-Bereich letztlich als eher durchschnittlich zu betrachten.

Kurz darauf brachen Bronze Records zusammen und die Band Bronz (wie gut der Bandname doch zum Labelnamen passt...) gleich mit.

Mit einer neuen Besetzung sollte ein zweites Album ("Carried by the storm") entstehen, doch während der Arbeiten an diesem Album lief einiges schief, so dass die Scheibe am Ende unveröffentlicht blieb und erst viele, viele Jahre später (2010) doch noch nachträglich das Licht der Welt erblickte.

Bronz versuchten zwischenzeitlich immer wieder, aktiv zu werden. Zuletzt 2013, als man sich ein weiteres Mal an ein neues Album wagte. Doch auch dieses Mal ging alles in die Hose, weil Originalgitarrist Shaun Kirkpatrick tragischerweise verstarb. Eine Band, die wirklich immer vom Pech verfolgt wurde.




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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#63

Beitrag: # 922Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 09:52

58.) HANDSOME BEASTS

Die Handsome Beasts gehören zu den kultigsten und irgendwie liebenswertesten Truppen der gesamten NWOBHM, obwohl ihre Musik nie besonders originell oder sonstwie herausragend war. Sicherlich ist sie aber bis zu einem gewissen Grad eigenständig und besitzt Wiedererkennungswert, wie das bei den meisten NWOBHM-Bands der Fall ist.

Auf der anderen Seite erscheint die Mucke aber nie von unerreichbarer Spitzenklasse, weil sie dafür letztlich dann doch einen Ticken zu durchschnittlich geraten ist. Was nicht heißen soll, dass es nicht einige überaus akzeptable Songs der Gruppe geben würde.

Was den Chaotenhaufen aus Wolverhampton so einzigartig machte, liegt anstelle der Musik viel mehr vor allem in der Person ihres charismatischen früheren Frontmannes Garry Dalway begründet und in der Neigung zu überwiegend schrägen, anzüglichen, provokativen oder einfach nur hinreißend bescheuerten Albumcovern - beides Dinge, die den Jungs sicherlich so etwas wie ein unbedingtes Alleinstellungsmerkmal garantierten.

Garry Dalway kokettierte gerne mit seinem immensen Körpergewicht. Der adipöse Frontmann dürfte sicherlich einer der schwergewichtigsten Sänger der Rockgeschichte gewesen sein, was ihn indes nicht daran hinderte, ungehemmt seine gewaltige Plauze, auf der sich im Übrigen mühelos eine Dose Bier abstellen ließ(!), bei Live-Autritten nackt über die Bühne zu schieben.

Der Hang zu Koketterie und Selbstironie läßt sich u.a. auch sehr schön auf dem Artwork zur ersten Scheibe "Beastiality" erkennen, auf dem der schmerzfreie Dalway nackt mit Nickelbrille und fettigen Haaren neben einem Schwein posiert, während seine rechte Hand auf einem Schild ruht, auf dem der Hinweis "Please do not feed animals" zu lesen ist...

Das eigenwillige Image der Band stieß selbstredend nicht überall auf Gegenliebe. Das britische Metal-Magazin "Kerrang!" brachte seinerzeit zum Thema Handsome Beasts folgenden despektierlichen Kommentar: "Lower division NWOBHM-act from Wolverhampton, fronted by the original fat bastard Garry Dalway." :D

1981 waren die Handsome Beasts eine der ersten Bands, die auf dem neugegründeten Heavy Metal Records-Label die Chance bekamen, sich den Fans auf breiterer Ebene vorzustellen und zwar auf dem legendären Sampler "HM Heroes", wo man mit dem Song "Local heroes" verewigt wurde.

Das lief so gut, dass man schließlich die erste offizielle 7"-Single für das Label überhaupt einspielen durfte, was man mit "All riot now" auch prompt in die Tat umsetzte. Die Musik der Biester war durchschnittlicher, prototypischer NWOBHM-Sound in meist mittleren Tempobereichen, mit etwas wackeligem Gesang und dezenten Blues-Einflüssen.

Wie gesagt, nichts extrem überwältigendes, aber soweit trotzdem völlig in Ordnung und auch absolut wohlwollend von den Fans aufgenommen. Also durchaus eine spaßige Angelegenheit.

Ebenfalls 1981 erschienen die zweite 7"-Single, welche den Titel "Breaker" trug, sowie die bereits angesprochene Debüt-LP "Bestiality", welche allerdings auch die bereits als 7" veröffentlichten Songs beinhaltete, also zu 50% aus bereits bekanntem Material bestand.

Man ließ es sich nicht nehmen, noch ein paar Kohlen zusätzlich ins Feuer zu schaufeln und brachte es mit der sehr netten "Sweeties"-7" gar noch auf eine dritte Single-Veröffentlichung im Jahr 1981. Eine LP und drei Single-Veröffentlichungen im selben Jahr - das hat bei Heavy Metal Records keine andere Band geschafft !

Genützt hat es trotzdem nichts, denn der kommerzielle Erfolg blieb aus, was dazu führte, dass die Band kurze Zeit später getrennte Wege ging. Das hielt Garry jedoch nicht davon ab, knapp zehn Jahre später einen zweiten Anlauf zu wagen und mit dem durchaus gutklassigen "The beast within´" ein veritables Comeback-Album in die Läden zu wuchten.

Außer "Fat" Garry Dalway war ein komplett neues Line-Up am Start, was sich aber nicht weiter störend auf die Musik auswirkte, die nun - nach fast zehn Jahren Pause - jedoch völlig aus der Zeit gefallen wirkte und natürlich nicht den Hauch einer Chance gegen die Unmengen nachgewachsener Bands hatte.

Zehn Jahre sind eine lange Zeit und man hatte schlicht die zwischenzeitlichen Entwicklungen im Genre verpennt. Ich persönlich finde so was (musikalisch) überhaupt nicht schlimm - ich bin eh alte Schule bis zum Abwinken, da ist jede Hoffnung verloren ;) - aber nicht wenige Fans tendieren dann doch meist eher zu den neueren, frischeren und härteren Angeboten aus dem Sektor und nicht unbedingt zu einer obskuren Underground-Truppe, die wenig "zeitgemäß" klingt.

Im Wesentlichen war es das dann auch, obwohl Garry Dalway nicht aufgab und die Band mehr oder weniger funktionsfähig am Leben erhielt. 2004 erschien dann sogar mal wieder eine neue LP, zweckmäßig "04" betitelt, die aber leider völlig unbedeutend ist.

Unglücklicherweise verstarb der charismatische Garry kurze Zeit später (und viel zu früh) - im Jahr 2005 - an einem Herzanfall. Wahrscheinlich, weil er so gesund gelebt hat.

Die übrige Band machte ohne ihn mit verschiedenen Sängern weiter; zunächst Simon Hall, kurze Zeit später S.I.Fielding und seit Ende 2007 nunmehr mit ex-Wrathchild-Fronter Rocky Shades. Kurz zuvor erschienen in Form des Albums "Rock and a hard place" die letzten Aufnahmen mit Garry Dalway.

Ansonsten ist seitdem aber nicht mehr allzuviel passiert. Die Band tingelt auf Hobbyniveau durch die meist lokale Umgebung und gibt gelegentlich Konzerte, die dem Vernehmen nach auch nicht allzu schlecht besucht sein sollen. Neue Albumaufnahmen sind seither aber nicht mehr vorzuweisen.




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#64

Beitrag: # 925Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 09:56

59.) EF BAND

Obwohl die EF Band zur NWOBHM gezählt wird, handelt es sich eigentlich gar nicht um eine rein britische Muckervereinigung, vielmehr war die Gruppe schwedischen Ursprungs.

Allerdings mit einem britischen Drummer in ihren Reihen und zwar keinem geringeren als Dave Dufort, der neben Par Ericson (Gesang, Bass) und Bengt Fisher (Gitarre) das Trio komplettierte.

Angesichts des Namens Dave Dufort dürfte es bei dem einen oder anderen klingeln, denn der Schlagwerker stammt aus einer musikalischen Familie: Seine ebenfalls Schlagzeug spielende Schwester Denise ist Gründungs- und Langzeitmitglied der NWOBHM-Mädelskapelle Girlschool.

Außerdem hat Dave Dufort neben der EF Band noch ganz andere Namen in seinem Portfolio, denn er bereicherte mit seinem Drumming zeitweise auch das Klangbild der Kollegen von Angel Witch und Tytan.

Und nicht nur das: Dufort war bereits lange vor der NWOBHM aktiv (seit 1966 um genau zu sein) und spielte unter anderem bei/mit Kevin Ayers, Screaming Lord Sutch und Ian Hunter, also bei weitem nicht ausschließlich im Heavy Metal-Bereich. Ein vielseitiger Mann.

Aber zurück zur schwedisch-britischen EF Band, die 1978 gegründet wurde und ungeachtet der genauen regionalen Herkunft ihrer Mitglieder ohne jeden Zweifel perfekt in das musikalische und sonstige Umfeld der NWOBHM hineinpaßte. Das wußte man zu nutzen.

1979 gab es mit "Night Angel" eine erste Single und anschließend mit "Self made suicide" eine zweite, die Anfang 1980 herauskam. Single Nummer 3,
"Devil´s eye", erschien ebenfalls noch 1980.

Auf dem ersten "Metal for Muthas"-Sampler konnte man mit "Fighting for Rock and Roll" parallel dazu auch ein Stück platzieren, es ließ sich also alles ganz gut an.

Anschließend folgte eine Tournee mit Angel Witch, welche die Gelegenheit nutzten, Dave Dufort abzuwerben. Er wurde durch Dag Eliason ersetzt

Mit dem neuen Mann hinter den Kesseln wurde 1981 dann die erste richtige LP, das famose "Last Laugh is on you"-Album, herausgehauen. Ein kraftvolles, energisches Stück Heavy Rock/Metal im besten Stil der Zeit, wie man es sich besser kaum wünschen könnte. Eine Power-Perle wie aus dem Bilderbuch.

Man entschloß sich anschließend, mit John Ridge einen hauptamtlichen Sänger in die Band zu holen, um Par Ericson von der Doppelbelastung Bass/Gesang zu entbinden. Bald darauf begab man sich erneut ins Studio, um mit "Deep Cut" die nächste LP einzuspielen, welche 1982 veröffentlicht wurde.

Leider kommt diese nicht mehr in Gänze an das kernige Debüt heran. Ein passables Album, mehr aber auch nicht. Zu allem Überfluß ist dort außerdem eine Russ Ballard-Komposition ("Love is a game") verbraten worden und das will meistens nichts gutes heißen.

Anschließend kehrte erst mal für eine Weile Ruhe im Bandcamp ein, da man mit dem Zweitwerk auch nicht sonderlich viel reißen konnte.

John Ridge verließ die Band derweil und wechselte zur Hamburger Roy Last Group.

Sein Ersatz hinterm Mikro hieß Roger Marsden und gleichzeitig stockte man die ursprünglich als Trio gestartete und zwischenzeitlich auf Quartettstärke angewachsene Truppe noch einmal um ein weiteres Mitglied zum Quintett auf: Mit Anders Allhage wurde ein zweiter Gitarrist verpflichtet und der machte nur wenig später unter dem Künstlernamen Andy LaRocque als Sidekick von King Diamond in dessen Soloband Karriere.

1985 erschien mit "One Night Stand" dann die letzte LP der EF Band. Dieses Album ist zwar musikalisch keine Katastrophe, hat aber mit dem NWOBHM-Sound der Anfangstage nun wirklich überhaupt nichts mehr zu tun und geht eher in die Poser-/Glam Metal-Richtung, welche seinerzeit angesagt war und das wird auch durch das entsprechende Outfit der Band auf dem Albumcover dokumentiert.

Das war es dann und die EF Band verschwand, nachdem natürlich auch diese LP floppte, endgültig in der Versenkung.





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#65

Beitrag: # 926Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 09:58

60.) SHYWOLF

Nicht gerade viel bekannt ist über Shywolf, von denen ich deren einziges Lebenszeichen, die bei M.R.S. Records erschienene und ziemlich rare Single "Lucretia", glücklicherweise im Regal stehen habe.

Die genau Herkunft des Trios, welches aus Steve Littlewood (Bass, Gesang), Phil Toone (Gitarre, Gesang) und Jay Melbourne (Drums) bestand, ist mir nicht geläufig und man findet selbst heute, im Zeitalter des Internets, kaum Informationen.

Da die Single aber in den Midland Recording Studios in Walsall aufgenommen wurde, vermute ich mal einen regionalen Bezug. Also dürften Shywolf wohl aus den West Midlands oder umzu gestammt haben.

Die A-Seite der 1982 erschienenen Single, "Lucretia", bietet flotten, Laune machenden Heavy Rock, wie er eigentlich typisch für die Entstehungszeit und die Herkunft ist. Nichts hyperoriginelles, aber absolut in Ordnung.

Die B-Seite "California Jam" (hier singt Phil Toone statt Steve Littlewood, welcher auf der A-Seite den Gesang übernommen hat) klingt lustigerweise ein wenig nach "You really got me" von den Kinks... ;)

Ich habe zu meiner Überraschung sogar bei der Röhre was gefunden:

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#66

Beitrag: # 943Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 12:38

61.) ROX

Auch Bands, die sich musikalisch und/oder äußerlich eher in Richtung Glam orientierten, brachte die NWOBHM hervor. Bekanntere Beispiele dafür sind Girl oder Silverwing.

Ein weniger bekanntes Beispiel wären die 1981 gegründeten Rox, die wie Silverwing ebenfalls aus Manchester stammten. Nach einigen umfassenderen Besetzungswechseln und damit zusammenhängenden musikalischen Entwicklungsschritten schälte sich schließlich die endgültige Marschrichtung heraus.

Zunächst brachte man ein Demo zustande, dem alsbald die erste, (Achtung: Ironie) einfallsreich betitelte 7"-Single "Hot Love in the City" folgte. Das alles fand 1981 / 82 statt.

Dann, 1983, ging es für die hoffnungsvollen Newcomer scheinbar richtig ab, nachdem man einen Deal mit Roadrunner Records eingesackt hatte:

Die bereits bekannte Single wurde dort ein weiteres Mal veröffentlicht, diesmal aber im 12"-Maxiformat, mit dem geänderten und mindestens genauso "originellen" Titel "Love ya like a Diamond".

Nahezu zeitgleich folgte der erste und einzige Longplayer "Violent Breed". Ebenfalls noch 1983 ließ man dann noch eine weitere 12"-Maxi auf die Menschheit los ("Krazy Kutz"), die aber merkwürdigerweise nicht bei Roadrunner, sondern bei Music For Nations erschien.

Mehr passierte nicht und nach diesem Veröffentlichungsoverkill war das Thema Rox dann auch ganz schnell wieder vom Tisch.

Musikalisch ist das alles gut gemachter, solider Heavy Metal, eben mit leichter Glamkante. Aber andererseits auch nichts sonderlich aufregendes, einfallsreiches oder weltbewegendes, da gab es eine Vielzahl deutlich stärkerer Bands.



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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#67

Beitrag: # 945Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 12:42

62.) TRÖJAN / TALIÖN

Tröjan waren eher ein spätes Kind der NWOBHM-Ära, welches mit seiner Gründung 1982 zu einem Zeitpunkt das Licht der Welt erblickte, als die erste große Welle bereits ihren Höhepunkt erreicht und zahlreiche wegweisende Genreklassiker hervorgebracht hatte.

Die Band stammte aus der Grafschaft Greater Manchester und tat das, was man als junge Band im Allgemeinen so macht: Sie nahm noch im Gründungsjahr ein Demo auf, welches sich im Laufe der nächsten Monate über dreitausend Mal verkaufen ließ, was schon eine ganz ordentliche Hausnummer für eine Demokassette ist.

Unter anderem kam diese Stückzahl auch dadurch zustande, dass dieses Demo vom damals federführenden britischen Metal-Magazin "Kerrang" nachdrücklich gefeatured wurde.

Auch eine geplante EP-Veröffentlichung stand 1983 zunächst im Raum, wurde dann aber nicht realisiert, obwohl das Material bereits fertig aufgenommen vorlag. Stattdessen feuerte Gitarrist Pete Wadeson, der die Band auch ins Leben gerufen hatte, sämtliche anderen Mitglieder und fing mit neuem Line-Up noch mal von vorne an.

Ein weiteres Demo mit der neuen Besetzung wurde im Frühjahr 1984 aufgenommen und dieses führte dazu, dass man einen Plattenvertrag mit Roadrunner Records unter Dach und Fach bringen konnte.

Noch im gleichen Jahr produzierte man erneut ein Demo, diesmal unter professionelleren Bedingungen, da man bereits die finanzstarke Company im Rücken hatte und dieses Demo mündete schließlich in die Aufnahmen der ersten und einzigen LP "Chasing the storm", die dann 1985 auf den Markt kam und speedigen Heavy Metal enthält.

Für die LP wurden teilweise auch Songs verwertet, die vorher bereits auf den Demos enthalten waren.

Man spielte einige Konzerte - nachdem man in den Jahren zuvor nur sehr wenige Liveauftritte absolviert hatte - aber irgendwie entwickelte sich die ganze Chose nicht wunschgemäß.

Es folgte dann fast schon erwartungsgemäß das Ende der Beziehung zu Roadrunner und anschließend, 1988, die endgültige Trennung der Band, ohne dass man vorher noch mal in irgendeiner Form den Hintern hochbekommen hätte.

Pete Wadeson gründete im Anschluß die Band Lethal, welche sich nach kurzer Zeit in Taliön umbenannte und musikalisch in vergleichbarer Richtung unterwegs war.

Doch auch hier blieb es bei einer einzigen LP ("Killing the world", Peaceville Records), welche 1989 erschien, sowie einem im gleichen Jahr aufgenommenen Demo.





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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#68

Beitrag: # 947Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 12:46

63.) TRESPASS

Schlagen wir hier nun ein weiteres Kapitel des Fortsetzungsromans "NWOBHM-Bands, die es nicht geschafft haben" auf.

Warum ist das eigentlich überhaupt so ? Faktisch war schließlich alles vorhanden, was Trespass zu einem ganz heißen Eisen hätte machen können: Talent, kompositorische und spieltechnische Kompetenz, Feeling und sicherlich ohne jede Frage auch ausreichend Motivation und Ehrgeiz.

Beim Namen Trespass fangen außer meiner Wenigkeit noch viele andere ausgewiesene NWOBHM-Liebhaber sofort an zu sabbern, einen solch exzellenten Ruf genießt die Band aus Suffolk in der Szene. Völlig zu recht im Übrigen.

Und das, obwohl die Truppe während ihrer besonders bedeutsamen Frühphase - es gab später noch einen Reunionsversuch, in den 90ern - nicht einmal eine komplette LP zustande brachte.

Bereits 1976 - also quasi noch zu Prä-NWOBHM-Zeiten - gegründet und damit ein besonders zeitiger Vertreter der ersten (und wichtigeren) Welle, brachte die Band um die Sutcliffe-Brüder Mark und Paul im Jahr 1979 ihre erste 7"-Single "One of these days" heraus.

Da man wohl keine große Lust hatte, sich mit halbseidenen und unfähigen Wald-und Wiesen-Labels rumzuärgern, geschah dieses gleich in Eigenregie auf dem bandeigenen Label Trial Records.

Die Single gilt, zumindest unter Eingeweihten, bis zum heutigen Tage als einer der ganz großen NWOBHM-Klassiker schlechthin. Damals sorgte der Dreher dafür, dass die Band ihren Bekanntheitsgrad deutlich erweitern konnte und sich ein steigendes Interesse an der Gruppe verzeichnen ließ.

So ließ man schon 1980 die nächste 7" namens "Jealousy" folgen, auch wieder im Eigenvertrieb via Trial Records. "Jealousy" wurde in den Spaceward Studios zu Cambridge aufgenommen und enthielt mit den beiden Songs "Jealousy" und "Live it up" durchweg starkes Material, wenn auch nicht ganz so herausragend wie die Stücke auf der ersten Single.

Noch im gleichen Jahr bekam man die Chance, Material für zwei Sampler zur Verfügung stellen zu können, was der Band natürlich eine wunderbare Möglichkeit bot, sich einer noch breiteren Öffentlichkeit präsentieren zu können und vor allem bei größeren, professionelleren Plattenfirmen nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Als erstes tauchte man auf dem "Metal Explosion"-Sampler der BBC auf, wo man die atemberaubende Halbballade "Visionary" darbot. Die Kritiken waren hervorragend.

Anschließend schien dann der ganz große Deal zum Greifen nah, denn beim zweiten Sampler handelte es sich um die legendäre "Metal for Muthas, vol.II"-Kompilation, welche von der EMi (die damals noch was zu sagen hatte) aufgelegt wurde.

Dort waren Trespass die einzige Band, die zwei Stücke beisteuern durfte, wie zuvor schon Iron Maiden beim ersten Teil der "Metal for Muthas"-Serie.

Trespass waren mit dem bereits bekannten "One of these days" sowie der Überhymne "Stormchild" vertreten (ein absoluter Hammer !). Doch im Gegensatz zu Iron Maiden zuvor wurden Trespass anschließend nicht zur ganz großen Nummer, sondern gingen im Sturzflug zu Boden wie ein Düsenjäger, bei dem die Triebwerke ausgefallen sind. Das Musikbusiness war eben noch nie von Gerechtigkeit geprägt, was in diesem speziellen Fall ganz besonders bedauerlich ist.

Unglaublich, wie dumm und ignorant (und taub?) die Verantwortlichen bei der EMi waren, dieser erstklassigen Band keinen Anschlußdeal offeriert zu haben! Vermutlich hatten sich diese Volldeppen mit den Fingern in beiden Ohren und Kissen überm Kopf im Keller eingeschlossen....

Natürlich machte sich daraufhin im Bandcamp Frust breit, was Trespass allerdings nichts davon abhielt, eine weitere Single in Eigeninitiative zu veröffentlichen. Noch steckte man den Kopf nicht in den Sand, sondern sammelte vielmehr seine Kräfte und lieferte mit der 1981 erschienenen "Bright lights"-Single das ultimative Highlight der gesamten Bandgeschichte ab.

Die Sutcliffes und ihre Bandkollegen zeigte sich in höchst potenter Form und lieferten eine bestechende Mischung aus songschreiberischer Klasse, Komplexität und hartem, kraftvollem Riffing ab. Die drei Stücke "Bright lights", "The duel" (!!!!!!! *lechz*) und "Man and machine" sind von zeitloser Güte und gehören zu den überwältigendsten Momenten der gesamten NWOBHM.

Trotzdem brachten alle Bemühungen nichts mehr. Sowohl der Enthusiasmus als auch die musikalische Klasse der Band zielten bedauerlicherweise komplett ins Leere und zogen an keiner Stelle die verdiente Aufmerksamkeit nach sich. Man spielte noch einige Konzerte (die auch allesamt sehr gute Kritiken bekamen) und löste sich dann irgendwann enttäuscht auf.

Die Sutcliffe-Brüder sowie Dave Crawte, ein weiteres Trespass-Mitglied, ließen aus der Asche von Trespass etwas später die-Formation Blue Blud auferstehen. Obwohl die Band aus drei Vierteln Trespass bestand, klang sie musikalisch weitgehend anders und bediente sich stattdessen vielmehr sämtlicher Insignien des Mainstreams, so dass am Ende ein Mix aus typischem 80er Glam Metal und AOR / Melodic Hardrock dabei herauskam. Also kein Vergleich zu Trespass.

Und tatsächlich schafften Blue Blud das, was Trespass immer verwehrt geblieben war: man konnte einen Deal mit einem größeren Label einsacken (in diesem Falle: Music For Nations) und stockte das Quartett durch Hinzunahme eines Keyboarders auf Quintettgröße auf.

Letztlich blieben aber auch Blue Blud, trotz Majordeals und kommerzieller Ambitionen, nur eine unbedeutende Fußnote in der Rockgeschichte.

Da der Name Trespass in Undergroundkreisen, vor allem in Japan und England, aber immer noch einen ausgezeichneten Ruf genoss, trug man Blue Blud Anfang der Neunziger Jahre wieder zu Grabe und versuchte sich tatsächlich an einem Trespass-Comeback.

1993 traten die reformierten Trespass auch wieder live auf europäischem Boden auf, unter anderem zusammen mit Holocaust beim damals noch sehr kleinen und übersichtlichen Wacken-Festival (kein Vergleich zu der nervtötenden Party-Event-Bespaßungskultur mit übermächtiger Medienpräsenz, die heute dort inszeniert wird).

Kurz darauf gab es dann gar tatsächlich neue Aufnahmen von Trespass zu bestaunen: "Head", übrigens der erste und einzige richtige Langspieler in der "Karriere" der Kapelle und auf einem seltsamen Label namens Alien Egg veröffentlicht, konnte jedoch überhaupt nicht überzeugen und bot einen unausgegorenen, nicht sonderlich mitreißenden Mix aus wenigen alten Trespass-Elementen, die mit modernen (und damals trendigen) Grunge-Sounds und gemäßigten Metallica-/Megadeth-Einflüssen gekreuzt wurden.

Keine Spur des früheren Niveaus und ergo ziemlicher Müll, wenn man ehrlich ist. Weit weg von der alten Magie und Qualität und eigentlich an keiner Stelle auch nur ansatzweise mit den Klassikern dieser begnadeten Truppe vergleichbar. Kann und sollte man vergessen.

Anschließend war das Thema Trespass dann - erwartungsgemäß - auch schon wieder erledigt, denn so ließen sich natürlich auch keine Blumentöpfe gewinnen. Chance vertan. Seitdem hat man auch keine neuen Lebenszeichen mehr von der Band vernommen, allerdings scheint sich seit einiger Zeit wieder was zu rühren und irgendwo habe ich die Information her, dass man wohl auf die alten Tage gedenkt, doch noch mal mit neuem Material über den Deich zu kommen. Wir warten ab.

Sehr empfehlenswert (gerade für Einsteiger, denen die Geduld oder das nötige Kleingeld fehlt, die Originalsingles aufzutreiben) ist aber noch "One of these days - The Trespass Anthology", die 2004 released wurde und sämtliches Material der Singles sowie diverse weitere Aufnahmen aus sonstigen Sessions enthält. Kurzum so ziemlich alles, was die Band zwischen 1979 und 1982 in irgendeiner Form aufgenommen hat.







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#69

Beitrag: # 948Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 12:48

64.) ORAL

Frauenbands in der NWOBHM ? Okay, werden die meisten sagen, da gibt es Girlschool und Rock Goddess. Ist ja auch vollkommen richtig. Aber es gibt noch eine viel obskurere Truppe, die zu keinem Zeitpunkt auch nur annährend das im Verhältnis doch deutlich höhere Popularitätslevel der beiden anderen erreicht hat. Schlimmer noch, die Band ist selbst gut informierten NWOBHM-Kennern häufig kein Begriff und de facto nahezu unbekannt.

Und das, obwohl man in Bezug auf Bandnamen, Auftreten und Image versuchte, mit dem Thema "Sex sells" zu punkten - lange vor Gruppen wie Rockbitch, die in den späten 90ern kurzzeitig auftauchten und dieses Thema besetzten, dabei allerdings noch um einiger krasser und "anstößiger" agierten, frei nach dem Motto "Tabus sind zum brechen da".

Nun, von wem ist die Rede ? Von einer All Girl-Band, die sich den provokanten Namen Oral verpaßte.

Kein Scherz, dieser zwar wohl aus Berechnung gewählte aber doch ziemlich ungeschickte und somit dämliche Bandname war Programm und irgendwie ist es angesichts dessen auch kein Wunder, dass es mit einer Karriere nicht so richtig klappen wollte.

Passend dazu ist der einzige, 1985 erschienene Tonträger "Oral Sex" betitelt und die drei Ladies sind auf dem Cover als sexy Häschen mit Gesichtsbemalung, in High Heels und Lederminis abgelichtet. Nun ja.

Das Ganze besitzt schon einen ziemlich skurrilen Touch, wobei das Unterfangen musikalisch gar nicht mal unbedingt so schlecht ist, wie man vielleicht erwartet. Es ist nichts weltbewegendes: Flott und recht rau dargebrachter, melodiöser Hardrock an der Grenze zum Heavy Metal, mit weiblichem Charme, hin und wieder etwas an Girlschool erinnernd.

Spielen können die Mädels auf jeden Fall, die Songs selbst sind kompositorisch mehr oder weniger guter Durchschnitt. So schräg oder schrill wie man anhand des Images denken könnte, kommt das ganze musikalisch nicht daher. Eher überraschend bieder gestrickt. Auf mich entsteht sogar ein wenig der Eindruck, die Damen sind vom spielerischen her fitter denn als Songschreiberinnen und können eigentlich mehr, als sie zeigen.

Wie auch immer, Sex hin, Sound her.....nach der "Oral Sex"-EP hat man nie wieder etwas von den Mäuschen gehört, über die auch ansonsten reichlich wenig bekannt ist, außer dass es sich um ein Trio handelte welches aus Brighton kam.

Oral sind eine lustige, durchaus unterhaltsame Fußnote der (späten) NWOBHM, aber jetzt auch nichts, was man wirklich zwingend in der Plattensammlung bräuchte. Aber wenn man das Teil mal irgendwo sieht (was so gut wie unmöglich ist), kann man es spaßeshalber ruhig mitnehmen.



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#70

Beitrag: # 950Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 13:07

65.) TYGERS OF PAN TANG

Die Tygers Of Pan Tang genießen in Insiderkreisen bis zum heutigen Tage einen hervorragenden Ruf, welcher primär auf den ersten vier Alben beruht.

Zu ihren besten Zeiten bewegten sich die Tygers popularitätstechnisch durchaus in Rufweite zu den Großen des Metiers wie Iron Maiden oder Saxon, schafften es schlußendlich dann aber doch nicht, über die "zweite Reihe" hinauszukommen. Am Ende versiebte die Band, wie auch so viele andere talentierte Kollegen, ihre Chancen nach Strich und Faden. Und auch hier waren die typischen Problemquellen auszumachen, welche Bands gerne mal ausbremsen:

Plattenfirmenärger, kommerzielle Ambitionen und eine daraus resultierende musikalische Fehlentwicklung, ein gleichermaßen dämliches wie geldgieriges Management, sowie persönliche Differenzen und allgemein unkluge Entscheidungen. Wie so oft, addierten sich am Ende mehrere kleinere Einzelfaktoren zu einem einzigen, großen Gesamtproblem.

Die Liste ist jedenfalls lang und enthält mehr oder weniger fast alle denkbaren Problemklassiker, wie sie nicht selten auch vielen anderen hoffnungsvoll gestarteten NWOBHM-Combos am Ende das Genick gebrochen haben.

Dabei fing alles so gut an: Die Band wurde 1978 in der Whitley Bay-Gegend im Nordosten Englands gegründet, mußte allerdings zunächst mehr um Anerkennung kämpfen als andere Gruppen, da die Mitglieder im Gegensatz zu den meisten übrigen englischen Hardrock-und Heavy Metal-Bands nicht aus der Arbeiterklasse stammten, sondern geschlossen aus besseren Mittelschicht-Verhältnissen.

Die Gründungsmitglieder der Tygers Of Pan Tang waren Jess Cox (Gesang), Robb Weir (Gitarre), Richard "Rocky" Laws (Bass) und Brian Dick (Schlagzeug).

Bereits 1979 konnte die erste 7"-Single "Don´t touch me there" (B-Seite: "Burnin´ up" & "Bad times") veröffentlicht werden. Dieses geschah beim in NWOBHM-Kreisen äußerst umtriebigen Labels Neat Records, welchem man eine gewisse Professionalität und somit einen guten Ruf nachsagen konnte.

Die Tygers Of Pan Tang gehörten 1979 zu den ersten Bands, die bei der damals gerade frisch gegründeten Firma veröffentlichen durften.

Allerdings blieb die Band nicht lange bei Neat Records, denn die 7" hatte das Interesse des Branchenriesen MCA geweckt und somit wechselte die Band noch im gleichen Jahr zu MCA, welche die Single prompt bei sich noch einmal veröffentlichten.

Man hoffte nicht zu Unrecht darauf, zu einer ähnlich großen Nummer wie Iron Maiden werden zu können. Steve Harris & Co. standen nämlich von Anfang an beim potenten Major EMI unter Vertrag und hatten dadurch natürlich ganz andere Möglichkeiten.

Musikalisch hätten die Tygers Of Pan Tang auch mit Sicherheit das Zeug zur großen Karriere gehabt, denn sie gehörten zu den besten und überzeugendsten Bands der gesamten NWOBHM-Periode und besaßen jede Menge Potenzial.

MCA veröffentlichten 1980 dann auch gleich noch zwei weitere 7"-Singles namens "Rock´n´roll man" (B-Seite: "All right on the night" / "Wild cat") und "Suzie smiled" (B-Seite: "Tush", ein ZZ Top-Cover), bevor man rechtzeitig vor dem Reading Festival 1980 die erste Langspielplatte "Wild Cat" folgen ließ.

Auf "Wild Cat" befand sich auch ein Teil des zuvor bereits auf Single veröffentlichten Materials, allerdings in leicht überarbeiteten bzw. optimierten Versionen. Das Album ist ein absoluter Hammer und dürfte zu den umwerfendsten Veröffentlichungen gehören, die in Sachen Heavy Metal je das Licht der Welt erblicken durften: Keine Füller, jeder ein Song ein Treffer für die Ewigkeit!

Darunter Kaliber wie das knallharte Groove-Monster "Killers", das verschachteltere, etwas verspieltere "Slave to Freedom", der knackig-kurze Titeltrack oder das von Irrenhausgeschrei eingeleitete, göttliche "Insanity". Es regiert durchgehend rauer, roh und rotzig produzierter, prototypischer NWOBHM-Sound vom Feinsten, der bei aller Härte dennoch stets elegante Melodiebögen aufzufahren weiß. Die Scheibe ist ohne jede Frage sicherlich das authentischste, ungeschliffenste und kraftvollste aller Tygers-Alben.

Das i-Tüpfelchen auf den Songs ist dabei sicherlich der einzigartige "Gesang" von Jess Cox, der zwar kein technisch guter Sänger nach herkömmlichen Maßstäben ist und eine reichlich limitierte Stimme besitzt, dafür seinerzeit aber tonnenweise Charisma versprühte, was die stimmlichen Mängel locker wettmachte. Insofern ungefähr vergleichbar mit Paul Di´Anno bei Iron Maiden.

Zu dieser Zeit waren die Tygers Of Pan Tang richtig gut im Geschäft, spielten viele Konzerte und Tourneen, u.a. mit den Scorpions, gaben häufige Interviews und besaßen zweifellos alle Aussichten auf eine glorreiche Zukunft. Genau an dieser Stelle begannen aber nun die ersten Schwierigkeiten, welche die Band letztlich an die Wand fuhren.

Zunächst ging nach "Wild Cat" Jess Cox. Er verließ die Band, um gemeinsam mit dem ex-Iron Maiden-Gitarristen Dennis Stratton die Band Lionheart auf die Beine zu stellen, von denen aber außer einem Samplerbeitrag ("Lionheart" auf "Heavy Metal Heroes II", 1982) und einem Album ("Hot tonight", 1984), welches deutlich kommerzieller und AOR-orientierter klang, nicht allzuviel bekannt wurde. Vor allem nicht viel brauchbares .

Als Ersatz wurde Jon Deverill von der Waliser Band Persian Risk verpflichtet (bei denen sich auch Motörheads Phil Campbell seinerzeit erste Meriten verdiente), der dann später, Mitte der Neunziger Jahre, auch vorübergehend als Nachfolger von Bruce Dickinson bei Iron Maiden im Gespräch war, dort aber nicht genommen wurde. Meines Erachtens nach hätten Maiden den Job lieber Deverill anstatt Blaze Bailey geben sollen, aber das ist ein anderes Thema...

Auch bei den Hannoveranern Victory hatte Deverill übrigens Ende der 80er Jahre vorgesungen, als diese einen Nachfolger für Charlie Huhn suchten. Dort bekam aber der Schweizer Fernando Garcia am Ende den Zuschlag.

Wie auch immer, Jon Deverill besaß eine wesentlich melodiösere Stimme als Jess Cox und war diesem gesanglich haushoch überlegen. Deverill bewegt sich vom Gesang her eher in der Kategorie "klassischer Rockshouter" a´la David Coverdale, Ronnie James Dio etc. Zusätzlich zum neuen Sänger kam mit John Sykes auch gleich noch ein zweiter Gitarrist in die Band, der dann später bei Thin Lizzy und Whitesnake zu Weltruhm gelangen sollte, bevor er ab 1989 mit Blue Murder zeitweise eine eigene Band betrieb.

Diese personellen Änderungen wirkten sich auch auf den Sound der Band aus. Das folgende 81er Album "Spellbound" ist grundsätzlich ebenso stark wie das "Wild Cat"-Debüt, aber auf einer völlig anderen Ebene.

Zwar ist "Spellbound" ähnlich heavy ausgerichtet, aber nicht in einer solch ungestümen und rohen Form, sondern melodiebetonter und hymnischer angelegt.

Der Rohdiamant wurde also punktuell ein wenig geschliffen, brachte aber trotzdem herausragenden NWOBHM-Stoff hervor, wie z.B. den noch verhältnismäßig wüsten Opener "Gangland", das fantastische "Hellbound", oder das eher hardrockige "Take it" - sowie auf der B-Seite melodische und dennoch harte Hymnen wie "Tyger bay", "Silver and gold" oder das düstere "Blackjack".

Mit der Halbballade "Mirror", dem epischen "Don´t stop by" oder dem schon fast poppigen Gute Laune-Rocker "The story so far" sind aber auch ganze andere Stücke dabei, die dem Album die nötige Abwechslung garantieren und nicht mehr so wild aufs Gaspedal treten wie noch zu Debützeiten.

Ebenfalls noch 1981 folgte dann auch direkt Album Nr.3, "Crazy nights", welches mit einem sehr schön gestalteten Rodney Matthews-Artwork versehen wurde, was keinesfalls verschwiegen werden sollte.

"Crazy nights" war das letzte Album in Folge, welches nahezu durchgehend an das musikalische Niveau der Vorgänger anküpfen konnte. Es ist auch wieder einen Ticken rauer und nicht ganz so melodieversessen wie "Spellbound", weist dafür aber hier und dort einen dezent bluesigen Einschlag auf. Im Prinzip bildet "Crazy Nights" das musikalische Bindeglied zwischen den ersten beiden Alben.

Auch auf "Crazy nights" befindet sich zum Großteil erstklassiges Material, etwa die schnellen Brecher "Do it good" und "Never satisfied", die Breitbein-Hymne "Love don´t stay" und andere Highlights wie "Down and out" oder das melodischere "Running out of time". Man könnte sagen, alle bisherigen Ingredienzen des charakteristischen Tygers-Sounds werden hier noch mal zu einem neuen Gesamtbild verwoben.

Nach "Crazy Nights" setzte dann die Abwärtsspirale ein, welche die Tygers ins Verderben riss. Die Erfolgs-Achterbahn, die bislang fast kontinuierlich in mehr oder weniger großen Schritten nach oben gefahren war, bewegte sich plötzlich talwärts.

Dem ging ein abermaliger Besetzungswechsel voraus, nachdem John Sykes die Band verlassen hatte und dem Ruf Phil Lynotts zu Thin Lizzy gefolgt war.
Sein Ersatzmann war ein gewisser Fred Purser, der von der New Wave/Punk-Band Penetration kam und neben Gitarre auch Keyboards spielte, welche er teilweise massiv in den nunmehr modifizierten Tygers-Sound einbrachte.

Das vierte Album "The cage" erschien 1982 und gilt zwar noch als letztes "echtes" Tygers-Album, unterscheidet sich in Teilen aber schon recht deutlich von den Vorgängerwerken.

Es ist auf alle Fälle weniger heavy, aber deutlich melodischer und kommerzieller ausgefallen. Auch erreicht die allgemeine Qualität des Songmaterials nicht mehr die Dichte wie auf den vorherigen Scheiben. "Lonely at the top" ist einer der härteren und besten Tracks auf der Scheibe, erinnert aber lustigerweise an die Scorpions, mit denen man zuvor öfter, wie bereits erwähnt, aufgetreten war.

Das schöne "Paris by air" und der etwas härtere A-Seiten-Opener "Rendezvous" (auch als Single ausgekoppelt) sind zwei sehr melodiöse Songs, die auch noch in Ordnung gehen. Dazu wäre noch die gelungene Coverversion des Oldies "Love Potion No.9" zu nennen, die durchaus Feuer besitzt.

Das restliche Albummaterial rangiert leider deutlich wahrnehmbar im Bereich Mittelmaß und wird nicht unbedingt dem gerecht, was man von den Tygers Of Pan Tang bis dato gewohnt war. Teilweise wirkt das Album etwas zahnlos und uninspiriert. Nichtsdestotrotz ist "The cage" noch immer stärker als das, was dann einige Jahre später unter dem bis dato untadeligen Bandnamen verbrochen wurde. Dennoch war es mehr oder minder der Anfang vom Ende, denn hier ist wohl der Knick zu suchen, von dem sich die Gruppe nie mehr erholen sollte.

Als erstes wanderten zahlreiche Fans ab, denen die zunehmend belangloser agierende Band nicht mehr heavy genug war. Die einstmals scharfen Tigerkrallen wurden immer abgewetzter, die Verkäufe brachen ein und die erste Folge davon war logischerweise, dass die Band von ihrer Plattenfirma MCA wie eine heiße Kartoffel fallen gelassen wurde. Als nächstes stieg Fred Purser aus, während Bassist Rocky wohl mit Alkoholproblemen zu kämpfen hatte.

Im Endeffekt führte das alles dazu, dass die Band quasi stillgelegt wurde. Jon Deverill und Robb Weir gründeten Sergeant, von denen man aber ansonsten eigentlich nie was zu hören bekam.

Später versuchte sich Robb Weir gemeinsam mit Originalsänger Jess Cox unter dem Namen Tyger Tyger an einer kurzzeitigen Wiederbelebung der Band, die allerdings ebenfalls scheiterte.

Von Tyger Tyger ist aber immerhin ein Song ("Small Town Flirt") überliefert, der 1986 auf der Tygers Of Pan Tang-Compilation "First Kill" Verwendung fand, die ansonsten vordergründig aus Demos der frühen Tygers-Jahre besteht und sehr interessant ist.

Dann, 1985, also mehrere Jahre nach "The Cage", waren die Tygers Of Pan Tang plötzlich wieder da. Leider hatten sie durch die lange Auszeit aber einige wichtige Entwicklungen im Heavy Metal verpaßt und obendrein waren sie so gut wie in Vergessenheit geraten. Drei Jahre können eine lange Zeit sein, vor allem im Musikbusiness.

Die neuen Tygers Of Pan Tang waren aber auch eher ein gemeinsames Projekt von Jon Deverill und Brian Dick unter altem Namen, denn außer den beiden war kein einziges früheres Mitglied dabei - nicht mal Robb Weir - und genaugenommen war Jon Deverill ja auch kein Gründungsmitglied und erst seit dem zweiten Album dabei.

Ansonsten herrschte besetzungsmäßig ein relatives Chaos vor, mit häufig wechselnden Mitmusikern und wenig Kontinuität. Zunächst waren da die beiden Gitarristen Steve Lamb und Neil Shepherd, sowie der Bassist David Donaldson. Mit denen spielte man 1985 das Comebackalbum "The Wreck-Age" ein, das absolut nichts mehr mit dem Geist der NWOBHM gemein hat und einfach nur ein belangloses, seichtes und auf Kommerz getrimmtes Unterdurchschnittswerk ist.

Das Album ist eine völlige Nullnummer. Ein Blindgänger wie aus dem Bilderbuch, der kaum noch an die alten Tygers zu ihren Glanzzeiten erinnert. "The Wreckage" erschien übrigens bei dem Klein-Label MFN Records und blieb selbstverständlich wie Blei in den Regalen liegen. Im Anschluß verabschiedete sich der damalige Manager der Band bei Nacht und Nebel und hinterließ einen Scherbenhaufen.

Einer der beiden Gitarristen, Neil Shepherd, sowie Bassist David Donaldson machten ebenfalls die Biege und wurden durch den Nur-Keyboarder Gordon Hall und den Basser Brian Emerson ersetzt. Die hielten aber bezeichnenderweise gar nicht erst bis zum nächsten Album durch, welches man dann tatsächlich komplett mit bezahlten Studiomusikern einspielen mußte. Von einer "Band" im eigentlichen Sinne konnte keine Rede mehr sein.

Das leidige Thema Plattenfirma mußte natürlich auch wieder aufgerollt werden, da sich MFN von der desolaten Band ebenfalls schnell wieder getrennt hatten. Diesmal sprangen Zebra Records in die Bresche. Dort wurde 1987 dann das noch katastrophalere, vorläufe Abschiedswerk"Burning in the shade" herausgebracht, über welches man wirklich nur noch den Mantel des Schweigens decken sollte. Superpeinliches Teil, weit unter dem früheren Niveau der Band.

Nach diesem unwürdigen Abgang war das Thema Tygers Of Pan Tang bis auf weiteres für viele Jahre erledigt. Erst im Jahr 2000, also nach fast 15 Jahren Pause, entschied sich Robb Weir, die Tygers noch einmal zu reaktivieren und hält seitdem auch als einziges Originalmitglied das Schiff auf Kurs.

In den Jahren nach dem Comeback herrschte zunächst noch eine gewisse Mitgliederfluktuation und die ersten Alben aus dieser Zeit ("Mystical" 2001; "Noises from the cathouse" 2004) überzeugen überhaupt nicht und bieten relativ beliebigen, schlaffen Hardrock, sind also weitgehend verzichtbar. Seit dem Album "Animal Instinct" (2008) hat sich die Lage jedoch stabilisiert und das Blatt zugunsten der Tygers zunehmend gewandelt. Der Sänger Jacopo Meille, ein gebürtiger Italiener, brachte frischen Wind in die Band und überzeugt mit besten Qualitäten der Jon Deverill-Liga, klingt aber trotzdem eigenständig.

Mit "Ambush" (2012) folgte dann erstmals wieder ein gelungenes Album. "Ambush" ist die Scheibe, die eigentlich nach "Crazy Nights" oder spätestens nach "The Cage" hätte erscheinen müssen und kann fast nahtlos dort anknüpfen.

In diesem Jahr kam ein weiteres Studioalbum, selbstbetitelt, welches ungefähr dort weitermacht, wo "Ambush" aufgehört hat, also als überraschend gelungen bewertet werden darf. Somit sind die Tygers also, wenn auch natürlich kleinere Brötchen backend als Anfang der 80er, doch derzeit auf einem recht stabilen Niveau aktiv und treten auch immer wieder gerne live auf, u.a. auch in Deutschland.





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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#71

Beitrag: # 951Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 13:26

66.) STRATUS

Stratus waren eine Art Follow-Up von Praying Mantis: Die beiden Troy-Brüder plus Clive Burr (ex-Iron Maiden) sowie der heutige Uriah Heep-Sänger Bernie Shaw.

Stratus lebten nicht sehr lange. Kurze Zeit nach dem einzigen Album reaktivierten die Troys Praying Mantis, während Burr und Shaw ihrer bekannten Wege gingen (Burr spielte dann Mitte der 90er auch noch mal bei Praying Mantis).

Musikalisch stark AOR-lastiger 80er Jahre Melodic-Hardrock, zum Teil auf jeden Fall nochmals eine Spur eingängiger und kommerzieller als Praying Mantis.



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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#72

Beitrag: # 952Beitrag AusDemWegIchBinArzt
27.05.2017, 13:36

67.) SCARAB

Sehr interessant sind auch die beiden 7"-Recordings von Scarab aus Birmingham. "Rock Night" war die erste Single, die 1981 herauskam. Nach reichlichen drei Jahren (viel zu langer) Pause kam dann erst 1984 der zweite Release "Poltergeist". Empfehlenswert sind beide ohne Einschränkungen. Nach einem weiteren Demo (1985) war dann erstmal Schicht im Schacht.

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#73

Beitrag: # 972Beitrag Oracle
27.05.2017, 23:53

einfach grandios, deine Abhandlungen über NWOBHM.
Irgendwann wären noch Einsteigeralben und die essentiellen Scheiben interessant.
Danke!!!

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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#74

Beitrag: # 989Beitrag AusDemWegIchBinArzt
28.05.2017, 09:27

Vielen Dank für die anerkennenden Worte. Es freut mich, wenn es gefällt und gerne gelesen wird und evtl. vielleicht auch als Inspiration dient. Mit den Einsteigeralben bringst Du mich auf eine gute Idee, die hatte ich noch gar nicht...danke für die Anregung, das werde ich auf jeden Fall aufgreifen (und dabei ist dieser Fred ja auch noch lange nicht fertig). :-)
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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#75

Beitrag: # 998Beitrag AusDemWegIchBinArzt
28.05.2017, 10:47

68.) QUARTZ

Eine Band, die ich ebenfalls sehr mag und schätze, sind Quartz, die wie so viele andere gute Bands des vereinigten Königreichs aus der Industriestadt Birmingham stammen. Der graue Arbeitermoloch ist für Heavy Metal-Bands stets ein kreativer Schmelztiegel gewesen und diese Umgebung hat direkten Einfluß auf die Musiker ausgeübt, so dass der Sound der durch dieses Umfeld geprägt wurde naturgemäß deutlich anders klingt als bei einer Band, die mit dem Surfbrett unterm Arm an den sonnigen Stränden Kaliforniens abhängt.

Quartz, die zu den frühesten NWOBHM-Vertretern überhaupt gehören, wurden 1974 vom Gitarristen Mick Hopkins gegründet, der zuvor gemeinsam mit einigen später bei ELO berühmt gewordenen Musikern bei The Idle Race gespielt hatte, die zu ihrer Zeit auch nicht völlig unbekannt waren. Zur Stammbesetzung von Quartz gehörten neben Mick Hopkins der Sänger Mike Taylor, der Bassist Derek Arnold sowie Malcolm Cope hinter der Schießbude.

In den Anfangstagen agierte die Band übrigens zunächst noch unter dem ziemlich lächerlichen Namen Bandylegs, unter welchem man bereits 1976, also lange vor dem eigentlichen Beginn der NWOBHM, auch die erste 7"-Single "Bet you can´t dance" veröffentlichte, nachdem man einen Vertrag mit Jet Records unterschrieben hatte. Jet Records, Ihr wißt schon - das Label des ob seiner Methoden mehr als berüchtigten Don Arden, dessen Tochter Sharon später Ozzy Osbourne ehelichen sollte, der seine ersten Soloalben ebenfalls dort veröffentlichte.

1977, nach Hinzunahme des Keyboarders Geoff Nicholls, erschien die erste komplette LP "Deleted". Schlauerweise hatte man den Bandnamen zuvor in das wesentlich solidere und griffigere Quartz geändert, was auch deutlich besser zur Musik paßte. Geboten wird auf "Deleted" melodisch-schleppender Heavy Rock, noch stark in den 70ern verwurzelt und auch mal etwas düsterer, allerdings bisweilen etwas bieder gestrickt und unspektakulär dargeboten. So ganz hundertprozentig ausgereift war der Sound der Gruppe trotz aller bereits vorhandenen Qualitäten noch nicht, da konnte auch der prominente Bandkumpel Tony Iommi nicht helfen, der das Album immerhin produziert hatte.

Allerdings enthält "Deleted" als herausragendes Stück das wunderbare "Mainline Riders", welches einige Jahre später als Quasi-1:1-Vorlage für den Black Sabbath-Klassiker "Heaven and hell" herhielt. Da Geoff Nicholls zwischenzeitlich bei BS eingestiegen war, sei ein Schelm, wer böses dabei denkt...;-)
Ich finde übrigens beide Stücke exzellent, trotz aller Parallelen.

Jet Records fackelten ob der eher bescheidenen Verkäufe auch nicht lange und setzten Quartz wieder an die frische Luft. Quartz schlugen sich ohne Vertrag vorwiegend auf dem Livesektor durch und spielten zahlreiche Konzerte, u.a. natürlich als Support von Black Sabbath. Erst 1979 konnte man einen neuen Deal unterzeichnen und zwar beim Indie Reddington´s Rare Records, eigentlich vielmehr ein charmanter Plattenladen mit angeschlossener Kleinstlabeltätigkeit.

Dort erschien noch im gleichen Jahr die brilliante 7"-Single "Nantucket Sleighride", eine mehr als gelungene Coverversion von Leslie Wests großartigen Mountain. Ein echter Killer, sowohl in der Original- als auch in der Quartz-Version.

1980 wurde dann das veröffentlichungsreichste Jahr in der Quartz-History. Reddington´s Rare veröffentlichten zunächst die fulminante Livescheibe "Live Quartz", während Jet auch nochmal ein Stück vom Kuchen abhaben wollten und einen Re-Release der erst drei Jahre alten und einst gefloppten "Deleted"-Scheibe herausbrachten. Ebenfalls 1980 wurde ein weiterer Hammer unter das Volk gestreut, nämlich die 7" "Satan´s Serenade", die allerdings bei Logo Records erschien. Man hört zwar einen massiven Black Sabbath-Einfluß heraus, aber das ist egal, weil das Stück ein absoluter Knaller ist, den Ozzy, Iommi & Co. auch nicht besser hinbekommen hätten.

Nachdem sich die Saat entwickelt hatte, konnte nunmehr die Ernte beginnen und die wollten natürlich die Majorlabels einfahren. So unterschrieben Quartz einen Deal mit MCA, bei denen unter anderem auch die Tygers Of Pan Tang unterzeichnet hatten. Und noch im Jahr 1980 erschienen bei MCA somit zwei weitere Kracher, nämlich zum Einen die 7" "Stoking up the fires of hell" und dazugehörig endlich auch der zweite Langspieler "Stand up and fight".
Die Band hatte sich seit der noch etwas durchwachsenen "Deleted" nochmal ein gutes Stück entwickelt und nun wirklich eine Scheibe vorgelegt, die ohne Fehl und Tadel war und von vorne bis hinten zu überzeugen wußte.

Es gab eine Tour mit Rush, man spielte mit Gillan und alles schien sich insgesamt recht gut zu entwickeln. Auf dem Livesektor war die Band nach wie vor gefragt, leider konnten die Plattenverkäufe aber rätselhafterweise nicht mithalten. Jet Records, die immernoch ihre Finger im Spiel hatten, brachten (auch noch 1980) zusätzlich den Song "Street Fighting Lady" vom wiederveröffentlichten "Deleted"-Debüt als Single heraus, was aber niemanden wirklich so richtig interessierte. Es herrschte ein gewisses Durcheinander.

Nachdem die MCA den Titelsong der "Stand up and fight"-Scheibe 1981 ebenfalls noch als Single released hatten, schmissen sie Quartz kurzerhand wieder raus, weil den feinen Anzugträgern vom Label die miserablen Verkausfzahlen missfielen.

Danach passierte erstmal eine Weile nichts, dann gab es 1982 einen personellen Umbruch, als Sänger Mike Taylor und Bassmann Derek Arnold die Band verließen. Den Posten am Mikro nahm Geoff Bate ein, für den Bassisten kam Steve McLoughin. In dieser Form konnten Quartz abermals einen neuen Plattenvertrag einsacken, diesmal mit Heavy Metal Records, in NWOBHM-Indiekreisen die Nummer Zwo nach Neat Records.

Dort erschien 1983 das für lange Zeit letzte Studioalbum "Against All Odds", eigentlich keine schlechte Scheibe, aber dennoch schwächer als "Stand up and fight". Für die Keyboards zeigte sich wieder der ex-Bandkollege Geoff Nicholls zuständig und auch Tony Iommi stand der Band nach wie vor mit Rat und Tat zur Seite, aber es reichte einfach nicht mehr für den Durchbruch. Musikalisch steht "Against All Odds" für eine Verbindung aus dem alten Stil der Band und deutlich kommerzieller orientierten Elementen, die sich u.a. durch eine Ausweitung der Synthiesounds und eine stärkere Wertlegung auf Eingängigkeit zeigten.

Doch es nützte alles nichts, auch "Against All Odds" konnte nicht wirklich viel reißen und so lösten sich Quartz fürs Erste stillschweigend auf. Vor allem Geoff Nicholls brachte es in den Jahren danach als Mitglied von Black Sabbath zu etwas.

1996 wurde mit dem akzeptablen Album "Resurrection " ein kurzlebiger Comebackversuch unternommen, der jedoch weitgehend unbeachtet bliebt.
Dann die Überraschung: 2011 reformierte sich die Band erneut und zwar in kompletter Originalbesetzung, allerdings minus Sänger Mike Taylor. Dieser wurde durch David Garner ersetzt, der aber absolut überzeugende Leistungen bringt und insofern ein adäquater Ersatzmann ist.

Im Herbst 2016 schließlich erschien erstmals nach 20 Jahren wieder ein neues Album und ob man es glaubt oder nicht: "Fear No Evil", so der TItel, zeigt die Band in unerwartet bestechender Form und schließt im Prinzip die musikalische Lücke zwischen "Stand up and fight" und "Against All Odds". Ein saustarkes Comeback, welches nur durch den Umstand getrübt wurde, dass binnen kurzer Zeit sowohl Geoff Nicholls, der noch am Album mitgewirkt hatte, als auch der abwesende Ur-Sänger Mike Taylor verstarben.







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Re: NWOBHM: Bekannte & unbekannte Highlights (mit Hörbeispielen)

#76

Beitrag: # 1014Beitrag AusDemWegIchBinArzt
28.05.2017, 11:53

69.) SYAR

Etwas später dran waren Syar, die mit ihrer Gründung 1982 somit eher zur zweiten Generation NWOBHM-Bands gezählt werden müssen. Die aus Harrogate, Yorkshire, stammende Band konnte allerdings schon sehr zeitig nach ihrer Gründung einen Albumdeal unter Dach und Fach bringen und zwar bei der belgischen Company Mausoleum Records, die in Heavy Metal-Kreisen alles andere als unbekannt ist.

Dennoch ließ man sich Zeit und es dauerte gute zwei Jahre, bis man 1984 endlich die erste und einzige LP" Death before dishonour" in die Plattenläden wuchten konnte.

Das Warten hatte sich jedoch gelohnt, denn Syar gelang es auf Anhieb, eine der besten und gehaltvollsten Scheiben der gesamten NWOBHM-Ära einzuspielen, die musikalisch weit überdurchschnitlich geraten ist und mit druckvoll gespieltem, wuchtigem und dennoch eingängigem Heavy Metal in meist mittlerem Tempo zu überzeugen weiß, der auch gelegentliche dezent progressive Schlenker zuläßt, aber alles in allem sehr gut auf den Punkt gebracht ist.

Das Songwriting ist allererste Sahne, besitzt großartige Hooklines und selbst die Produktion, üblicherweise nicht gerade eine Spezialität bei den meist auf Low Budget geeichten Mausoleum-Bands, ist ausgesprochen gut geraten. Lustig ist übrigens auch das (gelungene) Artwork in seinem Schwerter-Krieger-Drachen-Klischeedesign, welches eher an nordische Bands der Marke Heavy Load erinnert.

Leider hielten Syar trotz aller musikalischen Substanz nicht lange durch und lösten sich schon bald nach dem Debüt wieder auf, Singles wurden erst gar nicht herausgebracht. Vermutlich dürstete es viele Fans Mitte der 80er Jahre einfach schon zu sehr nach härteren und extremeren Bands, wie sie insbesondere aus den USA herüberschwappten, als das sie Syar noch eine reelle Chance geben wollten.

Wer "Death before dishonour" aber irgendwo sieht, sollte unbedingt zugeifen. Es lohnt sich ! Das Teil wurde 1994 bei Mausoleum Classix auch nochmal als CD wiederveröffentlicht, die allerdings mittlerweile mindestens genauso rar wie die LP sein dürfte.

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