New Wave Of British Heavy Metal: Singles, Maxis, Privatpressungen & Co.

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New Wave Of British Heavy Metal: Singles, Maxis, Privatpressungen & Co.

Beitrag: # 163Beitrag AusDemWegIchBinArzt
20.05.2017, 10:00

New Wave Of British Heavy Metal: Eine Handvoll Singles....


Ein nicht unbedeutendes Phänomen der New Wave Of British Heavy Metal war die große Anzahl von Bands, die ausschließlich Singles oder Maxis im 7" bzw. 12"-Format veröffentlichten, nicht selten als Eigenproduktion im Selbstvertrieb ohne (finanzkräftiges) Label im Hintergrund oder bei irgendeinem ominösen Wald-und Wiesenlabel. Von professionellem Management und ähnlichen Nebensächlichkeiten mal ganz zu schweigen. In erster Linie regierten Idealismus und Spaß an der Musik, geschäftliche oder wirtschaftliche Aspekte waren da eher störend und interessierten (meistens) erst mal nicht weiter...

Nat√ľrlich gab es auch gen√ľgend Bands, die von Anfang an zielgerichteter agierten (Iron Maiden, Saxon, Def Leppard etc.) und es dementsprechend weiter brachten, da sie schon fr√ľhzeitig durch sinnvolle gesch√§ftliche Schachz√ľge (Plattenvertr√§ge mit gr√∂√üeren, umtriebigen Labels sowie gute Managementdeals) hinreichend abgesichert waren, sehr schnell voll durchstarteten und sich gewisserma√üen als Zugpferde der NWOBHM etablieren konnten.

Andere versuchten es auch auf diesem Wege (Tygers Of Pan Tang, Samson, Diamond Head, Angel Witch, Witchfynde und und und...), blieben aber trotz g√ľnstiger Ausgangsbedingungen und guter Single-sowie LP-Ver√∂ffentlichungen letztlich in der zweiten Reihe kleben, weil sie sich die Zukunft durch fragw√ľrdige respektive unkluge gesch√§ftliche Entscheidungen, zwischenmenschlichen Stre√ü, Streitereien oder musikalische Fehlentwicklungen verbauten. Manchmal auch alles zusammen.

Hier soll es indes um jene Bands gehen, die nie wirklich vorw√§rtskamen. Noch nicht einmal zeitweise. Von denen gibt es n√§mlich so einige im Umfeld der NWOBHM. V√∂llig obskure Truppen, die es nie zu einer vollst√§ndigen LP und gr√∂√üerer Aufmerksamkeit brachten. Die bisweilen nur eine einzige 7"-Single zustande bekamen, m√∂glichst noch als auflagenschwache Privatpressung oder bei irgendeinem nicht minder obskuren Hinterhof-Label herausgebracht. Fatalerweise sind da oftmals - nat√ľrlich nicht immer - richtige musikalische Perlen dabei, die es problemlos mit den gro√üen der Zunft h√§tten aufnehmen k√∂nnen.

Also jene Art von Singles und Maxis, die fanatischen Sammlern und notorischen Tr√ľffelsuchern Schwei√üperlen auf die Stirn treiben und aufgrund ihrer Seltenheit in den entsprechenden Kreisen heute gesucht und vor allem teuer sind.

Wer das Geld nicht hat oder ausgeben will bzw. einfach nur die Musik genie√üen m√∂chte ohne dabei den Gegenwert eines gebrauchten Kleinwagens zu verfr√ľhst√ľcken (und auch damit leben kann, nicht die ultraseltene Originalauflage zu besitzen), dem sei empfohlen sich mal im Backkatalog des r√ľhrigen deutschen High Roller-Labels umzusehen.

Dieses fantastische Label, welches ausschie√ülich von echten Idealisten, Liebhabern und Metal-Lunatics betrieben wird, lizensiert n√§mlich seit Jahren skurrile NWOBHM-Rarit√§ten und macht verschollen geglaubte Aufnahmen aus diesem Bereich zug√§nglich, die mit √ľberarbeitetem Artwork und oft in Form einer Kompilation (also die einzigen ein oder zwei offiziellen Singles einer Band auf einem Album zusammengefasst und zus√§tzlich erg√§nzt durch bisher unver√∂ffentlicht gebliebene Demos, Livemitschnitte oder Outtakes) herausgebracht werden. Da sind bisweilen Dinger dabei, die einem sogar als ausgewiesener Kenner der Materie bislang v√∂llig unbekannt waren. Auch ich habe da schon so manche √ľberraschende Entdeckung gemacht und ich besch√§ftigte mich nun auch schon gute 30 Jahre mit der NWOBHM.

Aber gut, auf die umtriebigen High Roller-Leute wollte ich in diesem Zusammenhang nur am Rande hinweisen. Auf jeden Fall eine sehr interessante und stets sehr liebevoll umgesetzte, vor allem bezahlbare Variante dieses ohnehin außerordentlich ergiebigen Themas. Nebenbei: Nicht nur High Roller nehmen sich der Sache an, es gibt da mittlerweile auch noch andere spezialisierte Firmen die ihre Sache sehr gut machen. Aber High Roller fallen mir immer als erstes ein, da sie wirklich eine der besten und aktivsten Firmen auf diesem Gebiet sind.

Und glaubt mir: Es ist f√ľr ein solches Label nicht immer ganz einfach, an Informationen √ľber eine Band zu gelangen, die vor 35 Jahren mal eine Single herausgebracht hat und l√§ngst nicht mehr existiert. Da m√ľssen ex-Mitglieder ausfindig gemacht werden, dann stellt sich heraus dass der Gitarrist seit Jahrzehnten nicht mehr mit dem Drummer spricht, weil der ihm mal die Freundin ausgespannt hat. Obendrein handelt es sich um Engl√§nder, also meistens etwas spleenig, kauzig und eigenwillig, somit eh nicht ganz einfach im Umgang.

Am Ende m√ľssen etliche Leute ihr Einverst√§ndnis geben zu einer Neuver√∂ffentlichung des fr√ľheren Materials und ob die Originalb√§nder dann noch in einem guten, verwertbaren Zustand sind bzw. √ľberhaupt noch auffindbar, ist wiederum eine ganz andere Frage. Oder ob jemand anderes, vielleicht ein anderes Label, die Rechte daran h√§lt. Und Geld sehen wollen die oftmals zerstrittenen Herren ja auch, ganz zu schweigen davon ob man sie √ľberhaupt alle an einen Tisch bekommt. Da lauern soviele Fallstricke, dass man die m√ľhevolle Kleinstarbeit solcher Labels gar nicht hoch genug bewerten kann.

Lustigerweise kommt es bisweilen sogar vor, dass manche der alten Combos aufgrund des neu entfachten Interesses an ihren alten Veröffentlichungen wieder Morgenluft wittern und sich reformieren bzw. aus ihren Kellerproberäumen wieder hervorgekrochen kommen.

Ob das immer sinnvoll ist, wäre eine zweite Frage, aber bisweilen - nicht immer - kann es durchaus ein spaßiges Erlebnis sein, wie manche engagierten Liveauftritte der mitllerweile älteren Herren auf traditionellen Metalfestivals (damit meine ich aber nicht Kommerz-Wacken) zeigen, die bisweilen zum ersten Mal in ihrem Leben, 35 Jahre nach Veröffentlichung ihrer originalen Singles oder Maxis, die Gelegenheit haben doch noch mal in Deutschland oder anderswo in Europa aufzutreten.

Befassen wir uns also mal mit so einigen der gesuchten Raritäten:

Da w√§ren zum Beispiel Apocalypse. Nach einem selbstvertiebenen Demo, schlicht "Demo ¬ī81" betitelt, ver√∂ffentlichte die talentierte Truppe ein Jahr sp√§ter die 7" "Stormchild" √ľber Gate Records. Das war zu einem Zeitpunkt, als Iron Maiden mit "The number of the beast" gerade auf einem wesentlich h√∂heren Level so richtig in die Vollen gingen. Das h√∂rt man nat√ľrlich auch, denn dagegen klingt "Stormchild" ziemlich hemds√§rmelig nach Garagenproduktion, dumpf und pappig. Was aber nat√ľrlich nichts √ľber die Musik aussagt, denn die ist auf "Stormchild" super: Der Titeltrack bietet treibenden, hochmelodi√∂sen Heavy Rock mit typischem NWOBHM-Feeling. Der d√ľsterere B-Seiten-Track "Chosen few" √ľberrascht mit progressiveren Strukturen und zun√§chst getragenenen, fast schon episch anmutenden Passagen, die sich sp√§ter in H√§rte und Geschwindigkeit deutlich steigern. Das eigentliche Highlight dieser Single !

1983 benannten sich Apocalypse in Omega um und ver√∂ffentlichten unter diesem Namen zwar keine Singles, daf√ľr aber tats√§chlich sogar eine volle LP, die jedoch kaum jemand kennen d√ľrfte. Diese erschien unter dem Titel "The Prophet" 1985 und bietet im Prinzip eine Fortsetzung der "Chosen few"-Richtung. Episch-melodischer Heavy Rock-/Metal mit progressivem Ansatz, mittlerweile durch Keyboards erg√§nzt. Ein richtig gutes Album, leider auch das einzige von Omega, aber es soll auf jeden Fall an dieser Stelle auch Erw√§hnung finden.

Rhabstallion waren durch ihre fr√ľhe Gr√ľndung 1976 praktisch noch Pr√§-NWOBHM und entstanden in Huddersfield aus den Rudimenten mehrerer lokaler Bands. Man schaffte es zun√§chst sogar, einen Song ("Chain reaction") auf dem NWOBHM-Sampler "New Electric Warriors" (1980) von Logo Records unterzubringen, wo man sich in illustrer Gesellschaft von anderen hoffnungsfrohen Bands wie Vardis, Silverwing, Turbo, Buffalo oder Oxym befand. Dadurch ermutigt brachte man 1981 die selbstproduzierte Single "Day to day" heraus, die absolut hochkar√§tig ist. Die Band tourte wie verr√ľckt und tat alles um sich selbst zu promoten, aber es n√ľtze nichts - niemand sprang darauf an, erst recht keine vern√ľnftige Plattenfirma. Es wurde sogar im gleichen Jahr noch eine weitere Single eingespielt, die jedoch nie das Licht der Welt erblickte und gar nicht erst gepresst wurde. Man krebste noch etwas herum und l√∂ste sich dann Mitte der 80er Jahre frustriert auf.

Ein Sp√§tz√ľnder dagegen waren Virtue, die ihre erste und einzige Single "We stand to fight" erst im Jahre 1985 herausbrachten (auf Other Records). Zwar ist der Sound eher d√ľnn und somit m√§√üig, aber musikalisch wird gutklassiger Brit-Metal geboten. Schnell, treibend und mit kommerziellem Potenzial sowie ausgesprochen starken Gitarren. Die B-Seite "High treason" ist gar noch st√§rker. Aber auch hier wurde es nichts mit einem Plattenvertrag und heute ist das Teil eine der gesuchtesten NWOBHM-Rarit√§ten √ľberhaupt.

Ein ganz besonderes Highlight sind Triarchy, deren "Save the khan"-Single bereits 1979 ver√∂ffentlicht wurde und die - ein Novum unter den damaligen Metalbands - ganz selbstbewu√üt Synthesizer zum Einsatz brachten, mit denen sie auch umgehen konnten wohlgemerkt. Das war schon mal ein Alleinstellungsmerkmal par excellence, auch wenn es ihnen letztlich nichts eingebracht hat. Musikalisch ist die Band eigentlich aber auch kein purer Heavy Metal / NWOBHM, sondern noch deutlich vom 70er Jahre Hard-und Heavy Rock gepr√§gt gewesen und auch sehr melodi√∂s ausgerichtet. Mit "Metal Messiah" erschien 1980 noch eine zweite, etwas h√§rtere Single, die ansonsten genauso stark ausf√§llt. Hier sei nochmals auf High Roller Records verwiesen, die 2014 das "Save the khan"- und "Metal messiah"-Material auf einer CD-Kompilation nebst etlicher Bonustracks und rarer Outtakes wiederver√∂ffentlicht haben. Diese Kompilation tr√§gt ebenfalls den Titel "Save the khan" und besitzt ein √ľberarbeitetes Artwork, welches sich aber stark an jenes der urspr√ľnglichen Single anlehnt.

Ganz obskur sind auch Truffle, die erst 1981 gegr√ľndet wurden (in Portsmouth) und bereits 1982 ihre 7" mit dem Titel "Round tower" als Privatpressung herausbrachten. Musikalisch ist das ganze zwar melodi√∂s und mit Hang zur Epik, aber aufgrund der eher progressiven Strukturierung trotzdem nicht unbedingt eing√§ngig. Der eher ruhige, getragene Titeltrack erstreckt sich √ľber 8 Minuten, der B-Seiten-Track "If you really want" tendiert in eine √§hnliche Richtung. Definitiv aber eine der interessantesten Ver√∂ffentlichungen aus dem NWOBHM-Bereich.

Ein ganz beliebtes Thema unter NWOBHM-Afficionados sind auch Jameson Raid, die mit ihrer Gr√ľndung 1977 ebenfalls zu den fr√ľhen NWOBHM-Vertretern z√§hlten. Die Band war spieltechnisch exzellent und erarbeitete sich schnell einen guten Ruf als hervorragende Liveband. Bereits 1979 erschien via GBH Records die legend√§re Deb√ľt-Single "Seven days of splendour", deren drei Songs kernig inszenierten, typischen NWOBHM-Sound bieten, der aber auch durch akustische Eins√§tze und psychedelische Elemente aufgelockert wird. Das gute Renommee dieser Band kommt nicht von ungef√§hr. Mit "The Hypnotist" folgte 1980 noch auf Blackbird Records eine √§hnlich gute Single, bevor man das Handtuch warf.

Auch die 1980 ins Leben gerufenen Bashful Alley konnten nach einem vorangegangenen Demo auf ihrer 82er "Running blind-"Single mit prototypischem, rauem britischen Heavy Rock-/Metal √ľberzeugen. Zwei Songs dieses Demos wurden dann etwas sp√§ter f√ľr besagte Single benutzt. Eine Besonderheit der Single ist, dass sie 1982 bei zwei verschiedenen Labels herauskam (zum einen bei Ellie Jay Records als auch bei Graffiti Records). Die Versionen unterschieden sich in erster Linie durch eine geringf√ľgig abweichende Farbgestaltung des Covers.

Ebenfalls ein veritables Glanzlicht sind Bleak House. Eine meiner absoluten Favoriten-Truppen, wenn es um die NWOBHM geht. Diese Band h√§tte den Durchbruch unbedingt verdient gehabt, daran besteht √ľberhaupt kein Zweifel. Ein absoluter Jammer, dass diese Band nie "entdeckt" wurde! Eine der vom Potenzial her umwerfendsten Gruppen, die es auf der britischen Insel gab. Leider blieb es bei zwei 7"-Singles, die √ľber Buzzard Records ver√∂ffentlicht wurden. Die erste hei√üt "Rainbow warrior" und erschien 1980, die zweite, "Lions in winter", kam 1982. Die Band hat es dort geschafft, einen komplett eigenst√§ndigen und unwiderstehlichen Stil zu kultivieren, der von hochmelodischem Gesang, teilweise melancholisch anmutenden Melodielinien und harten Gitarrenriffs lebt, sowie au√üerdem Anspruch mit Griffigkeit verbindet.

Pali Gap geh√∂ren auch zu jenen Gruppen bei denen man traurig ist, dass man nie die Chance bekam mehr zu h√∂ren als die 82er Single "Under the sun", die auf Synister Records erschien. Rauer aber eing√§ngiger Metal der gut ins Ohr geht, war das Metier der Truppe, √ľber die nicht allzuviel bekannt ist. Die B-Seite "The knives are out" geht in die gleiche Richtung, ist aber deutlich schneller.

Hammerhead, Ende der 70er Jahre gegr√ľndet, brachten zu Anfang ebenfalls zun√§chst ein Demo zustande, welches bereits 1978 erschien. Dem folgte mit gewissem zeitlichem Abstand 1981 die 7"-Single "Time will tell". 1984 kam in Form eines weiteren Demos dann nochmal ein kleiner Nachschlag, bevor die Band erstmal getrennter Wege ging. Musikalisch guter, kraftvoller britischer Heavy Metal, der Einfl√ľsse von Judas Priest und Black Sabbath erkennen l√§√üt. Seit einiger Zeit ist die Gruppe wieder aktiv und hat es seitdem sogar zu zwei richtigen Longplayern gebracht ("Headonizm", 2005 und "The sin eater", 2015), welche durchweg h√∂renswert sind. Mit derma√üen gro√üen zeitlichen Pausen zwischen einzelnen Ver√∂ffentlichungen und zeitweiliger Aufl√∂sung l√§√üt sich nat√ľrlich nicht von einer kontinuierlichen Karriere sprechen, aber das was sie heute machen tun sie definitiv aus Spa√ü an der Freude und auch hier haben High Roller Records ma√ügebliche Unterst√ľtzungsarbeit und Motivationshilfe geleistet.

Ein cooler Haufen waren auch Paralex, die nicht ohne Grund zu den Lieblingen von Metallicas Lars Ulrich z√§hlen, seines Zeichens gro√üer NWOBHM-Fan. Paralex w√§hlte er auch f√ľr den von ihm zusammengestellten Sampler "NWOBHM ¬ī79 Revisited" Anfang der Neunziger Jahre aus, welcher auch aus heutiger Sicht eine hervorragende √úbersicht √ľber die gesamte NWOBHM bietet, seinerseits mittlerweile leider aber ebenfalls vergriffen (und gesucht) ist. Urspr√ľnglichen brachten Paralex zu Lebzeiten ihre einzige 12"-Maxi "Travelling man" 1980 beim Birminghamer Mini-Label Reddingtons Rare Records heraus, eigentlich nicht viel mehr als ein sehr umtriebiger Plattenladen mit angeschlossenem Kleinstlabelbetrieb. Die drei auf der Maxi vertretenen Songs bieten wunderbar kantigen, kraftvollen, typisch englischen Fr√ľh-80er-Heavy Metal.

Neben den bereits erw√§hnten Rhabstallion geh√∂ren auch Oxym zu den Protagonisten, die 1980 auf dem in diesem Zusammenhang ebenfalls bereits kurz angesprochenen "New Electric Warriors"-Sampler von Logo Records vertreten waren (mit dem St√ľck "Hot Rain"). Die aus Rochdale in der N√§he von Manchester stammende Band konnte als ungef√§hres britisches Pendant zu Rush durchgehen, war insofern also eher im weiteren Sinne dem Heavy Metal / der NWOBHM bzw. deren progressiv orientiertem Zweig (wie auch Shiva oder Chasar) zuzurechnen. Die superbe, dem Samplerbeitrag folgende, einzige Single "Music Power" erschien bei Cargo Records 1980 und zeigt intelligent konstruierte Tempiwechsel und andere filigrane Details, welche die Band von anderen abhoben. Mehr passierte dann aber leider auch nicht mehr.

Bei Mendes Prey handelte es sich um ein weiteres Juwel der Extraklasse (zu NWOBHM-Zeiten existierten davon ja so einige), welches auch zun√§chst mit einem Sampler-Beitrag startete ("What the hell¬īs going on" auf "HM Heroes vol.II", 1982). Wenig sp√§ter im gleichen Jahr erschien mit der selbstproduzierten 7" namens "On to the Borderline" ein echtes Sahnest√ľck und die Band sah sich durchaus auf einem guten Weg. Der Durchbruch w√§re angesichts der Klasse des Songmaterials zu dieser Zeit, um 1982/83 herum, durchaus noch zu schaffen gewesen! Stattdessen versiebte man es und anschlie√üend passierte nicht mehr viel. Erst nach vier Jahren Pause konnte man sich 1986 zu einer weiteren selbstfinanzierten Single mit dem Titel "Wonderland" aufraffen, aber die kann √ľberhaupt nicht begeistern und ist eindeutig zu belanglos und kommerziell ausgefallen. Damit konnte man seinerzeit aus guten Gr√ľnden also auch nichts mehr rei√üen.

Eine kuriose Randerscheinung waren Mayday aus Birmingham, die allerdings eindeutig zum AOR-lastigen Fl√ľgel der NWOBHM geh√∂rten. Also √§hnlich wie auch die Praying Mantis, nur sind die doch noch um einiges kerniger und energischer, vor allem kompositorisch deutlich st√§rker unterwegs. Mayday klingen im Vergleich wesentlich zahnloser und banaler und nerven zudem mit wirklich ganz entsetzlichen, quietschig-penetranten Keyboardsounds, die nach 80er Jahre-Computerspiel t√∂nen. Ansonsten ist das Ganze im Bereich ultraeing√§ngiger, ziemlich biederer AOR-/Pomp Rock-Songs beheimatet, die in ihren besseren Momenten minimal an Magnum an einem schlechten Tag erinnern. Mit Heavy Metal hat das so gut wie gar nichts und mit Hardrock nur peripher zu tun. Der Sound der einzigen Single "Day after day" (1980) ist zudem auch nicht das Gelbe vom Ei, obwohl immerhin Mick Hopkins von den NWOBHM-Kollegen Quartz auf dem Produzentenstuhl sa√ü. Ver√∂ffentlicht wurde die 7" √ľbrigens auch beim legend√§ren Reddingtons¬īRare-Minilabel.

Ein ungleich st√§rkerer Geheimtip sind dagegen Hollow Ground, die √ľber Guardian Records ihre einzige Single "Warlord" (1980) releasten. F√ľr den kultigen Guardian-Sampler "Roksnax" (1980) durfte man gleich vier (!) Songs beisteuern und w√§hrend dieser Aufnahmesession spielte man noch zwei zus√§tzliche St√ľcke ein, welche dann zusammen mit zweien der f√ľr den Sampler bestimmten Songs f√ľr besagte "Warlord"-Single verwendet wurden. Die Single gab es nur in Kleinstauflage von etwa 500 Exemplaren, einen Gro√üteil davon ohne richtiges Cover, was sie heute entsprechend wertvoll und gesucht macht. Auch musikalisch geh√∂rt die ganze Chose zu den wertvollsten Ver√∂ffentlichungen der NWOBHM und bedient einen ungef√§hren stilistischen Bereich zwischen dem Sound der fr√ľhen Def Leppard und Siebziger-Hardrock der Marke Led Zeppelin & Co.

Bei Raw Deal handelte es sich um eine Truppe, √ľber die auch in NWOBHM-Insiderkreisen eher wenig bekannt ist. In so manchen Verzeichnissen taucht sie gar nicht erst auf. Und das, obwohl sie ihre einzige Single "Lonewolf" (B-Seite: "Take the sky") 1981 sogar beim f√ľr die NWOBHM unerme√ülich wichtigen, wegweisenden Neat-Label ver√∂ffentlichten. Allerdings ist der eher durch Bands wie Free und Status Quo gepr√§gte, herk√∂mmliche Blues- und Boogielastige Heavy Rock vermutlich f√ľr damalige Verh√§ltnisse einfach eine Spur zu hausbacken und unspektakul√§r gewesen. Demnach fand die Gruppe nie gr√∂√üere Beachtung, was eigentlich schade ist, denn Spa√ü macht die Mucke auf jeden Fall.

Das wären jetzt mal so einige der wichtigsten, aber längst nicht alle Einzel-Singleveröffentlichungen aus dem schier unerschöpflichen Reservoir der NWOBHM und ihrer zahlreichen obskuren bis obskursten Vertreter, von denen jeder seinen eigenen Klang besaß und seinen ureigenen Beitrag zu dieser Bewegung leistete, die sich in viele stilistische Bereiche harter Rockmusik verästelte.

Ich weise daher immer wieder auf folgenden Punkt hin: Die Bezeichnung NWOBHM ist letztlich nur ein Sammelbegriff f√ľr die unterschiedlichsten Bands. Deren Gemeinsamkeiten bestehen in erster Linie in der Hingabe zur Musik, der britischen Herkunft bzw. dem typisch britischen Klang und der aus dem Punk entlehnten Do-it-yourself-Attit√ľde. Dieses Thema ist so oder so aber ein sehr weites und ergiebiges Feld, welches mich heute immer noch mit der gleichen Leidenschaft, Liebe und Begeisterung erf√ľllt wie fr√ľher und mich daher nie losgelassen hat.




Wichtige Singles (Auswahl)



Rhabstallion - "Day to day" (1981)
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Virtue - "We stand to fight" (1985)
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Truffle - "Round Tower" (1982)
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Jameson Raid - "Seven days of splendour" (1979)
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Bashful Alley - "Running blind" (1982)
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Bleak House - "Rainbow warrior" (1980)
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Pali Gap - "Under the sun" (1982)
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Hammerhead - "Time will tell" (1981)
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Paralex - "Travelling man" (1980)
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Oxym - "Music Power" (1980)
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Mayday - "Day after day" (1980)
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Hollow Ground - "Warlord" (1980)
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Raw Deal - "Lonewolf" (1981)
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