NWOBHM - Einsteigeralben

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NWOBHM - Einsteigeralben

Beitrag: # 1053Beitrag AusDemWegIchBinArzt
29.05.2017, 07:02

Ich habe den Entschlu√ü gefasst, an dieser Stelle f√ľr alle Neugierigen und Interessierten die wichtigsten Alben vorzustellen, die aus meiner Sicht zum Einstieg in die vielf√§ltige Welt der New Wave Of British Heavy Metal taugen. Ich werde jedem Album eine kurze (oder auch l√§ngere, jenachdem... :mrgreen: ) Rezension beif√ľgen.

Die ausf√ľhrliche Vorstellung des Themas NWOBHM als solches erspare ich mir an dieser Stelle aber, denn zu diesem Punkt habe ich in den anderen themenbezogenen Threads (insbesondere hier detailliert nachzulesen: viewtopic.php?f=85&t=80) schon ausf√ľhrlich geschrieben und Inhalte werden nicht richtiger oder wichtiger, wenn man sie st√§ndig wiederholt. ;-)

Ich ziehe nun also in die Schlacht und beginne mit...

...1.) ANGEL WITCH - "Angel Witch" (1980)

Ein Monument, welches man unbedingt kennen (und besitzen) sollte ! Nicht nur in Bezug auf die NWOBHM der es entstammt, sondern ganz generell eines der besten und wichtigsten Heavy Metal-Alben die √ľberhaupt jemals erschienen sind. Sehr schwer, sehr d√ľster, ein bi√üchen okkult und einfach durch und durch britisch - diese majest√§tische Scheibe zeigt sich in ihren Wurzeln nat√ľrlich klar von Black Sabbath beeinflu√üt, schafft es aber, derlei Einfl√ľsse geschickt in ein eigenst√§ndiges Klangpaket zu verpacken und etwas besonderes daraus zu machen. Obwohl sie ob ihres Potenzials √§hnlich gute Voraussetzungen wie Iron Maiden und Co. besa√üen, sind Angel Witch nie √ľber den Status eines Geheimtips hinausgekommen, vielleicht auch weil sie stets eine Spur sperriger geblieben sind als die oftmals zug√§nglicheren Kollegen, die quasi von Beginn an zudem ein besseres Management und einen besseren Plattendeal (mit EMi) hatten. "Angel Witch" ist und bleibt ein zeitloses, einflu√üreiches und rau produziertes Meisterwerk, welches die Band aus dem Stand zu einer Legende werden lie√ü.

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Re: NWOBHM - Die Top 15-Einsteigeralben

Beitrag: # 1054Beitrag AusDemWegIchBinArzt
29.05.2017, 07:16

2.) IRON MAIDEN - "Iron Maiden" (1980)

Auch das Deb√ľt von Iron Maiden mu√ü eindeutig in dieser Riege genannt werden, obwohl es eine der popul√§rsten Scheiben jener Epoche ist, welche auch bei etlichen Metalfans im Schrank steht, die ansonsten mit dem Thema NWOBHM keine engeren Ber√ľhrungspunkte haben. Die Scheibe ist ungeachtet ihrer Herkunft aus der NWOBHM einfach zu universellem Kulturgut geworden. "Iron Maiden" ist ein absolut zeittypisches NWOBHM-Album, welches in der Bl√ľtezeit dieser musikalischen Bewegung herauskam und vom Start weg als wegweisende Tr√§gerrakete f√ľr den Heavy Metal im Allgemeinen als auch die NWOBHM im Speziellen fungierte. Die Scheibe fixierte die Grundwerte des Hartwurst-Genres neu und setzt eine symbiotische Mischung um, die aus harten Riffs, einem fast schon punkigen, √§u√üerst kraftvollen Energielevel und umwerfenden Melodielinien besteht. Dazu kommen dann noch die charakteristischen zweistimmigen Leadgitarren (ein Erbe von Bands wie Thin Lizzy oder Wishbone Ash) und bereits ein gewisser Hang zu progressiveren, anspruchsvollen Strukturen.

Dass √ľber etlichen Songs dazu noch ein latentes Siebziger-Feeling schwebt (man h√∂re beispielsweise nur die psychedelisch angehauchten Parts von "Strange world" oder "Transylvania"), liegt nat√ľrlich ganz schlicht daran, dass das Material seine Urspr√ľnge noch in eben jenem damals gerade vergangenen Jahrzehnt (die Band wurde 1975 gegr√ľndet) besitzt, was die Scheibe aber nur umso interessanter macht. Mit "Phantom of the opera" befindet sich auf dem Album gleich mal eines der absoluten Maiden-Alltime-Weltklasse-Highlights; eine fr√ľhe Kostprobe der progressiveren Seite von Iron Maiden und einer der ber√ľhrendsten und sch√∂nsten Songs aller Zeiten. Ein unbedingtes must have !

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Re: NWOBHM - Die Top 15-Einsteigeralben

Beitrag: # 1055Beitrag AusDemWegIchBinArzt
29.05.2017, 07:34

3.) DIAMOND HEAD - "Lightning to the nations" (1980)

Urspr√ľnglich erschien "Lightning to the nations" lediglich als unbetitelte, auflagenschwache Privatpressung, die in einer schlichten wei√üen Papierh√ľlle steckte. Dieses sogenannte "White Label Album" ist eine Rarit√§t und heute sehr gesucht, allerdings auch entsprechend f√ľrstlich zu bezahlen, sofern man denn √ľberhaupt f√ľndig wird. Wenig sp√§ter wurde das Album von einer Plattenfirma lizensiert und auf offiziellem Wege nochmal unter dem Titel "Lightning to the nations" ver√∂ffentlicht. Dieses ist die verbreitete Variante und im Vergleich relativ einfach zu bekommen, zumal es immer wieder mal Re-Releases in allen m√∂glichen Formaten gab. Vor allem: F√ľr den Normalh√∂rer d√ľrfte sie alleine schon deswegen interessanter sein, weil die finanzielle Belastung nicht den Familienfrieden gef√§hrdet. ;-)

Was gibt es zu h√∂ren ? Diamond Head, die sp√§ter noch einige k√ľnstlerische Metamorphosen durchmachten, bieten auf ihrem sensationellen Deb√ľt (jeder Song ein Treffer!) hochenergetischen Heavy Rock / Metal, der ungef√§hr die Schnittmenge aus Led Zeppelin und Black Sabbath bedient, versehen mit einer saftigen Portion jugendlicher Frische, H√§rte und Energie. Dieses meisterhafte Deb√ľt geh√∂rt unbedingt in die Sammlung und ist auch als Einstieg am sinnvollsten, wenn man die Band kennenlernen m√∂chte.

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Re: NWOBHM - Die Top 15- Einsteigeralben

Beitrag: # 1066Beitrag AusDemWegIchBinArzt
29.05.2017, 13:33

4.) WITCHFINDER GENERAL - "Death Penalty" (1982)

Etwas sp√§ter erschien das Deb√ľt von Witchfinder General, n√§mlich erst 1982, als viele der zeitgleich gestarteten Kollegen schon zwei oder drei Alben ver√∂ffentlicht hatten und teilweise gerade durch die Decke gingen (Iron Maiden mit "The number of the beast" zum Beispiel). Der versp√§tete LP-Start √§nderte aber nichts daran, dass "Death Penalty" sogleich eines der einflu√üreichsten Alben der Bewegung wurde, obwohl sich das nicht unbedingt in den Verkaufszahlen widerspiegelte. Allerdings schaffte es die Band sogleich, mit dem morbiden, okkult angehauchten Covermotiv von "Death Penalty" direkt auf dem Index zu landen, ein Spiel, welches sich beim Nachfolger "Friends of Hell" ein Jahr sp√§ter wiederholte. Vermutlich warf man der Band Gewaltverherrlichung und Sexismus vor, aber angesichts dessen, was heutzutage an bildlich dargestellten Gewaltexzessen und sonstigem pervertierten M√ľll durch die Medien flutet, geradezu l√§cherlich. Ich pers√∂nlich finde die Artworks beider Alben √ľbrigens sehr gelungen, das nur nebenbei. Vor allem l√§√üt sich aus ihnen perfekt auf den musikalischen Inhalt schlie√üen und der besteht im Prinzip aus einer Art Black Sabbath 2.0.

Soll hei√üen: Witchfinder General klingen weitgehend wie Ozzy-Sabbath anno 1972, nur eine winzige Spur energiereicher, heavier und metallischer, eben der neuen NWOBHM-√Ąra geschuldet. Da S√§nger Zeeb Parkes √ľber weite Strecken auch noch wie ein gesunder Ozzy klingt, entsteht umso mehr der Eindruck, man habe ein unver√∂ffentlicht gebliebenes, geheimes Album der klassischen BS-Besetzung vorliegen. W√ľrde behauptet werden, Sabbath h√§tten Anfang der 80er Jahre eine Reunion mit Ozzy vorgehabt und an diesem Material gearbeitet, man w√ľrde es glatt glauben, w√ľ√üte man es nicht besser. Das ist nichts extrem originelles, macht aber eine Menge Spa√ü und wurde mitrei√üend umgesetzt, so dass man hier in jedem Fall von einem der wichtigen Alben der NWOBHM sprechen kann, welches absolut h√∂renswert ist und seinerseits viele nachfolgende Bands wie Cathedral oder Candlemass nachhaltig beeinflu√üt hat.

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Re: NWOBHM - Die Top 15- Einsteigeralben

Beitrag: # 1067Beitrag AusDemWegIchBinArzt
29.05.2017, 13:47

5.) SAMSON - "Head On"

Der Nachfolger "Shock Tactics" ist noch ein winziges Quentchen wohlgeratener, aber "Head On" ebnete den Weg daf√ľr und stellt f√ľr mich insofern auch den besseren Ausgangspunkt f√ľr die Besch√§ftigung mit Samson dar. Ein entscheidendes Album, auf dem der Nachfolger dann aufbauen konnte. Die Weichen wurden vor allem durch den Einstieg des jungen Gesangstalents Bruce Dickinson, damals noch als Bruce Bruce firmierend, gestellt, der die Band auf ein neues Level hievte und ihren zwar guten, aber stellenweise noch etwas unspektakul√§ren, bluesigen Hardrock deutlich √ľber das Mittelma√ü hinaushob. "Head On" klingt frischer, energischer und eine gute Portion h√§rter als das 79er "Survivors"-Deb√ľt, zeigt eine gefestigtere Band, die wei√ü, wo sie musikalisch hinwill. Die Besetzung dieser Zeit war die beste, die Samson je hatten (neben Dickinson und Bandchef Paul Samson waren das Drummer Thunderstick und Bassist Chris Aylmer).

Die A-Seite besteht nur aus Granaten, sei es "Hard Times", "Take it like a man" oder mein ewiger Favorit, "Vice Versa". Die B-Seite des rau und organisch klingenden Albums ist minimal schw√§cher ausgefallen, enth√§lt mit dem Instrumental "Thunderburst" (sp√§ter von Iron Maiden auf deren 81er Zweitwerk zu "The Ides Of March" umfunktioniert), "Hammerhead" oder "Walking out on you" aber ebenfalls bombige St√ľcke, die teilweise auch immer wieder die bluesigen Wurzeln der Band durchscheinen lassen, was Samson von einem Gro√üteil der √ľbrigen NWOBHM-Kollegen abhebt. Ein gro√üartiges Album und der perfekte Einstieg in die Samson-Welt.

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Vertigo
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Re: NWOBHM - Die Top 10- Einsteigeralben

Beitrag: # 1072Beitrag Vertigo
29.05.2017, 14:58

Ein Knaller nach dem anderen hier, sehr schön.

Ich kann mich √ľbrigens nicht erinnern, dass es in den 80ern gro√üe Debatten um die beiden Witchfinder General Cover gegeben h√§tte, au√üer halt eh in den konservativen Kreisen die generell gegen Heavy Metal w√ľteten. Aber ansonsten hat da keine Sau interessiert. So hysterisch sinds erst heute.

Ich hatte Witchfinder General schon auf einem der Sampler drauf, drum wartete ich da schon aufs Album und wurde nicht enttäusch. Das Cover trug dazu bei, das ich das mir sofort geholt hatte.
"Ich glaube, dass ein Optimist, der erkennen mu√ü, dass seine Ideale sich nicht erf√ľllen, trotzdem ein erf√ľllteres Leben hat, als ein Pessimist, der sich best√§tigt sieht" (Richard David Precht)

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Re: NWOBHM - Die Top 15- Einsteigeralben

Beitrag: # 1100Beitrag AusDemWegIchBinArzt
29.05.2017, 20:41

6.) TRESPASS - "One of these days - The Trespass Anthology"

Warum eine Kompilation an dieser Stelle und kein Originalalbum ? Ganz einfach: Die wichtigsten Aufnahmen von Trespass, zwischen 1979 und 1982 entstanden, sind nie auf LP ver√∂ffentlicht worden. Stattdessen brachte die Band in dieser Zeit nur drei EPs ("Jealousy", "One of these days" und "Bright Lights") unter das Hartwurst goutierende Volk. Abgesehen davon, dass alle drei originalen EPs einen extrem hohen Standard bedienen und mehr oder weniger alle gleich gut sind, bedeutet es einen enormen Aufwand ihrer habhaft zu werden, da sie seinerzeit nur in geringer Auflage √ľber das bandeigene Label Trial Records verbreitet wurden. Da f√ľndig zu werden, ist demnach nicht ganz einfach. Die Suche kann also dauern und im Erfolgsfall w√ľrde es zudem ziemlich teuer werden, da f√ľr solche Rari√§ten nat√ľrlich Liebhaberkurse aufgerufen werden.

Umso besser also, dass unter dem Titel "One of these days - The Trespass Anthology" f√ľr einen bezahlbaren Kurs das Material aller drei EPs auf einer Doppel-CD zusammengefasst wurde, zus√§tzlich veredelt durch weitere, zuvor unver√∂ffentlichte Demoaufnahmen aus jenen Tagen und einen supergeilen Mitschnitt von einem Auftritt bei der legend√§ren BBC-"Friday Rock Show" aus dem Jahr 1980. Das macht sich vom Sammlerstandpunkt aus betrachtet zwar nicht so sch√∂n wie die raren Originalwerke in der Vitrine, macht aber genauso viel Spa√ü, wenn es einem in erster Linie um die Musik geht - und Trespass sollte man definitiv kennen, denn sie waren eine der st√§rksten und wundervollsten Formationen der NWOBHM-√Ąra, die knackige H√§rte mit starken, eing√§ngigen Melodien und verhalten progressiven Einfl√ľssen kreuzten und technisch absolut erstklassig agierten. Eigentlich h√§tten Trespass wie Iron Maiden durch die Decke gehen m√ľssen angesichts ihres Potenzials, stattdessen passierte nichts. Kaum zu glauben, aber leider wahr. Trespass geh√∂ren in jede anst√§ndige NWOBHM-Sammlung, so einfach ist das !

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Pavlos
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Re: NWOBHM - Die Top 10- Einsteigeralben

Beitrag: # 1110Beitrag Pavlos
29.05.2017, 22:26

1, 2, 3 und 6 sind essentiell, 4 und 5 in meinen Augen bzw. Ohren gut, jedoch √ľberbewertet.

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Re: NWOBHM - Die Top 15- Einsteigeralben

Beitrag: # 1151Beitrag AusDemWegIchBinArzt
30.05.2017, 11:13

7.) HOLOCAUST - "The Nightcomers" (1981)

"The Nightcomers" ist schlicht und ergreifend eines der besten und genredefinierendsten Erzeugnisse, welches die NWOBHM jemals hervorgebracht hat und ganz allgemein eines der umwerfendsten Heavy Metal-Alben √ľberhaupt. Dieses gro√üartige, epochale Werk hat dem Heavy Metal und vielen nachfolgenden Bands wie ein Leuchtturm den Weg gewiesen und entsprechend unz√§hlige weitere Gruppen nachhaltig beeinflu√üt, auch wenn sich das in den Verkauszahlen des Albums nie erkennen lie√ü und Holocaust immer ein Underground-Thema geblieben sind. Aber daf√ľr eines, welches Kenner mit der Zunge schnalzen l√§√üt. Die mystische Grundstimmung, die kompromisslose H√§rte, die Originalit√§t und die Intensit√§t dieses in jeder Hinsicht herausragenden Deb√ľtkrachers lassen einem auch noch 36 Jahre nach Erstver√∂ffentlichung den Atem stocken. Dieser G√§nsehaut-Garant hat von seinen Qualit√§ten und seiner magischen Anziehungskraft im Laufe der Zeit nichts eingeb√ľ√üt. Eine Scheibe, die vom ersten Ton an fassungslos macht.

Dem Nachwuchs, welcher heute anf√§ngt sich mit Heavy Metal zu besch√§ftigen, sollte man diesen Klassiker grunds√§tzlich als exemplarisches Lehrst√ľck vorspielen. Die Stimmung des Albums nimmt den H√∂rer vom ersten Ton an gefangen und rei√üt sofort mit. Ein hochenergetischer Brocken aus schwerem Heavy Metal, doomigen Lava-Passagen, bisweilen unerh√∂rter Garstigkeit und einer guten Portion Dreck unter den Fingern√§geln, der alles niederwalzt. Da ist nichts gek√ľnstelt oder aufgesetzt, nichts poliert. Die Musik auf dieser Platte ist pur, roh, ungefiltert und absolut ehrlich. Gemessen daran, dass die Platte 1981 erschien, war sie in ihrer ganzen Fiesheit und Abgr√ľndigkeit eigentlich ihrer Zeit voraus. Und trotz aller sperrigen Ecken und Kanten verzichten die Lieder nicht auf Eing√§ngigkeit und Melodik, trotz aller schroffen Direktheit nicht auf Virtuosit√§t und Hymnen wie "Heavy Metal Mania", das schnelle "Death or glory", das eher doomige "Mavrock" oder der epische, fast siebenmin√ľtige Zerst√∂rer "The Nightcomers", gleichzeitig auch Titeltrack des Albums und eine geradezu k√∂rperlich sp√ľrbare, klirrende K√§lte ausstr√∂mend, sprechen eine eindeutige Sprache. Trotzdem hat dieses √úberalbum auch Momente, wo die Band eher melodieorientiert und etwas lockerer unterwegs ist, z.B. bei "Come on back". Auch der rock¬īn¬īrolligere (und trotzdem beinharte) Opener "Smokin¬īwalves" lotet mal andere Ideen aus, was f√ľr Abwechslung sorgt.

Der rau und verh√§ltnism√§√üig unmelodisch klingende, stets etwas schr√§g und auch richtig sch√∂n angepisst intonierende S√§nger Gary Lettice pa√üt wie die Faust aufs Auge zu diesem einzigartigen musikalischen Gebr√§u und erinnert mich des √∂fteren an den urspr√ľnglichen Tygers Of Pan Tang-Frontkasper Jess Cox, was nat√ľrlich per se schon mal als Pluspunkt gewertet werden kann, zumindest nach meinem Geschmack. Pure Magie.

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Re: NWOBHM - Die Top 15- Einsteigeralben

Beitrag: # 1162Beitrag AusDemWegIchBinArzt
30.05.2017, 12:09

8.) MORE - "Warhead" (1981)

Ein feines Tr√ľppchen waren auch More, die Band von Paul Mario Day, der in grauer Fr√ľhzeit 1975/76 der erste S√§nger von Iron Maiden war.
Die Band wurde 1979 gegr√ľndet, trat u.a. bei der legend√§ren BBC-Sendung "The Friday Rock Show" auf und konnte infolgedessen auch einen Song auf dem nicht minder legend√§ren BBC-Sampler "Metal Explosion" platzieren. Dadurch hatte die Band einen gewissen Bekanntheitsgrad erreicht und konnte schlie√ülich den Major Atlantic f√ľr sich einnehmen, wo man einen Plattenvertrag unterschrieb. Gute Startvoraussetzungen waren also gegeben, aber am Ende lief es nicht so wie erwartet und More kamen, trotz einer gewissen Popularit√§t und guter Reputation, nie √ľber die 2.Reihe hinaus. Daran konnten auch zahlreiche Umtriebe, wie diverse England-und Europatourneen (u.a. mit Iron Maiden) oder Auftritte beim kultigen "Monsters Of Rock"-Festival nichts √§ndern.

"Warhead", das Deb√ľt-Album und gleichzeitig auch die st√§rkere der beiden More-Scheiben, bietet klassischen britischen Heavy Metal im Stil der Zeit, der durch den pr√§gnanten Gesang von Paul Mario Day eine zus√§tzliche Aufwertung erh√§lt und ansonsten diverse Zutaten von Bands wie Judas Priest, Black Sabbath oder Quartz zu einem eigenst√§ndigen Ganzen verarbeitet. Kernig, treibend, druckvoll, mit ordentlich Punch, aber dabei immer melodi√∂s bleibend. Herausragend sind vor allem St√ľcke wie der knackige Titeltrack oder das groovende "We are the Band", auch das interessante, "metallisierte" Arthur Brown-Cover "Fire" ist gelungen. Sollte man kennen.

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Re: NWOBHM - Die Top 15- Einsteigeralben

Beitrag: # 1174Beitrag AusDemWegIchBinArzt
30.05.2017, 14:05

9.) TYGERS OF PAN TANG - "Wild Cat" (1980) und "Spellbound" (1981)

Platz 9 geb√ľhrt gleich zwei Alben, die gleichwertig stark sind und somit als essentiell gelten d√ľrfen. Welchem davon man zum Einstieg den Vorzug gibt, ist letztlich zweitrangig. Das 80er "Wild Cat"-Deb√ľt der Tygers Of Pan Tang ist die wildere, ungez√§hmtere Scheibe, die sehr rau, sehr bodenst√§ndig und erdig klingt. Ein Meisterwerk der fr√ľhen NWOBHM, randvoll gepackt mit Knallern und straight in your face. Es zeigt die Tygers in ihrer Fr√ľhphase absolut authentisch und ungefiltert, was durch den technisch limitierten Gesang von Jess Cox noch betont wird, der zwar kein guter S√§nger im klassischen Sinne, aber ein hervorragender Performer mit jeder Menge Charisma ist. Vergleichbar Paul Di¬īAnno bei den fr√ľhen Iron Maiden. Kraftstrotzende Songperlen wie "Killers", "Wild Cats", "Slave to Freedom", "Badger Badger", "Insanity" oder "Euthanasia" geh√∂ren in jeden gutsortierten Hard¬īn¬īheavy-Haushalt !

Der Nachfolger "Spellbound" agiert qualitativ auf Augenh√∂he mit dem Deb√ľt, ist aber bei gleichbleibender Heavyness melodieorientierter und hymnischer ausgelegt. Zudem war Jess Cox durch Jon Deverill abgel√∂st worden, der dem Gesamtbild seinen eigenen Stempel aufdr√ľckte. Deverill ist Cox gesanglich haushoch √ľberlegen und eher in der Kategorie "klassischer Rockshouter" zuhause, dessen Stimme zudem mehrere Oktaven umfasst, was man vom eher urw√ľchsigen, heiseren herumger√∂hre Jess Cox¬ī nicht unbedingt behaupten kann. Au√üerdem war zu "Spellbound" mit John Sykes ein zweiter Gitarrist zur Band gesto√üen, was der Musik ebenfalls zus√§tzliches Profil verlieh. Hymnen wie "Gangland" (erinnert in seiner w√ľsten Gangart noch am ehesten an das Material vom Deb√ľt), "Hellbound" (inklusive Intro "Minotaur"), das hardrockige "Take it", das epische "Don¬īt stop by" oder die melodischen Heavy-Kracher "Tyger Bay", "Blackjack" und insbesondere das supereing√§ngige "Silver and Gold" sind Zeugnisse eines abwechslungsreichen Albums auf h√∂chster Qualit√§tsstufe, auf dem jeder Song unmittelbar z√ľndet.

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Re: NWOBHM - Die Top 15- Einsteigeralben

Beitrag: # 1192Beitrag AusDemWegIchBinArzt
30.05.2017, 18:19

10.) WITCHFYNDE - "Give ¬īem hell" (1980)

Das Deb√ľt der ebenfalls bereits fr√ľhzeitig (1975) gegr√ľndeten Gruppe ist eines meiner ewigen Inselalben, ein perfektes Beispiel f√ľr den √úbergang vom 70er-Hardrock zum 80er-Heavy Metal. Eine Platte, wie sie geradezu signifikant f√ľr die √Ąra ist und wirklich nur 1980 erscheinen konnte. Mit einem Bein in der Vergangenheit, was auch kein Wunder ist, da ein gro√üer Teil der Songs bereits in den sp√§ten Siebzigern entstanden ist und zum Zeitpunkt der Aufnahmen teilweise schon jahrelang bei Liveauftritten erprobt und immer weiter verfeinert worden war. Und mit dem anderen Bein im neu angebrochenen Jahrzehnt, was die kraftvolle, frische Darbietung angeht, die bereits in die Zukunft weist.

Und dabei agieren die stets von einem okkulten Nimbus umgebenen Witchfynde auch noch ur-britisch, n√§mlich spleenig, bisweilen morbide und d√ľster, exzentrisch - mit einem Wort: Kauzig. Quasi die britische Ausgabe von Bands wie Manilla Road, die vom kernigen Rocker ("Ready to roll" oder Titeltrack), √ľber melodi√∂s-hymnisches ("Leaving Nadir") bis hin zu geradezu progressiven Nummern (das unheimliche "Unto the ages of ages") eine breit gef√§cherte Palette auff√§hrt. Hin und wieder blitzen Black Sabbath oder auch mal Wishbone Ash und Thin Lizzy durch, aber Witchfynde haben stets darauf geachtet, ein eigenst√§ndiges, originelles Klangbild zu weben und damit wunderbare Musik zwischen eing√§ngig und sperrig zu schaffen. Das Deb√ľt ist dabei die st√§rkste Scheibe der Band. Ein wesentlicher NWOBHM-Klassiker !

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Re: NWOBHM - Die Top 15- Einsteigeralben

Beitrag: # 1528Beitrag AusDemWegIchBinArzt
04.06.2017, 17:15

11.) DEF LEPPARD - "On through the night" (1980)

Das Deb√ľt von Def Leppard sollte man nat√ľrlich kennen, wenn man den Einstieg in die NWOBHM sucht, weil es eines der essentiellen Alben der fr√ľhen NWOBHM ist und √§hnliche Breitenwirkung besitzt wie das selbstbetitelte Deb√ľt von Iron Maiden oder "Wheels Of Steel" von Saxon, beide im gleichen Jahr erschienen. Alben wie "On through the night" oder die anderen genannten bilden das Fundament jener √Ąra und sind ma√ügebliche Ausgangsstationen f√ľr die weitere Entwicklung gewesen.

Egal, was Joe Elliott und seine Sheffielder Jungs sp√§ter unternommen haben um sich von ihren Fr√ľhwerken im Allgemeinen und der NWOBHM im Speziellen zu distanzieren - alles K√§se ! Fakt ist: "On through the night" ist Heavy Rock-/Metal pur, der den damaligen Zeitgeist perfekt reflektiert und musikalisch den sp√§teren Erfolgswerken ("Hysteria"; "Adrenalize"), mit denen Def Leppard zu den erfolgreichsten Bands im kommerziellen 80er Jahre-Plastik-Pop-Hair Metal wurden, haushoch √ľberlegen ist. Auch, wenn Def Leppard das nicht gerne wahrhaben wollen - es ist einfach so !

"On through the night" bietet b√§renstarkes Material, welches die 1977 gegr√ľndete Band teilweise schon einige Jahre im Live-Repertoire hatte und dementsprechend ausreifen lassen konnte. S√§mtliche Songs z√ľnden sofort, seien es der eing√§ngige, eher mainstreamige Galoppel-Rocker "Hello America", das etwas komplexere, wundersch√∂ne "The Overture" oder knallharte Brecher a¬īla "Satellite", "When the walls came tumblin¬īdown" (was f√ľr ein Hammer !), der kernige Opener "Rock Brigade" oder das halbballadeske, dramatische "Sorrow is a woman".

Auch zun√§chst "unscheinbarere" St√ľcke wie "Answer to the master" oder "Wasted" sitzen sp√§testens beim zweiten Durchlauf und zeigen eine junge, hungrige, spielfreudige und vor Energie schier zerberstende Band. Ich wei√ü nicht, welche Probleme Joe Elliott mit dem Begriff Heavy Metal und der Zuordnung zur NWOBHM hat - aber wenn das hier kein Heavy Metal-Album sein soll, was bitte dann ??? Diese Scheibe ist geradezu prototypisch NWOBHM, da kann der Gute erz√§hlen was er will. Mu√ü man definitiv haben.

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Re: NWOBHM - Die Top 15- Einsteigeralben

Beitrag: # 1529Beitrag AusDemWegIchBinArzt
04.06.2017, 17:46

12.) SAXON - "Wheels Of Steel" und "Strong Arm Of The Law" (1980)

An dieser Stelle wieder ein Album-Doppel, √§hnlich wie bereits bei den Tygers Of Pan Tang, weil man keiner der nahezu gleich starken Scheiben einen klaren Vorzug zubilligen kann und jeder der beiden Releases als Einstiegsalbum f√ľr sich stehen kann. Beide Scheiben sind nahezu gleichwertig in ihrer Bedeutung und integrale Bestandteile der NWOBHM, zudem erschienen sie im zeitlich kurzen Abstand weniger Monate des Jahres 1980 und k√∂nnen daher getrost als Quasi-Zwillingsalben betrachtet werden.

Nach dem zwar schon recht guten, aber noch etwas unentschlossenen und uneinheitlichen selbstbetitelten Deb√ľt im Jahr zuvor setzten Saxon nun alles auf eine Karte und lenkten den Zug, angetrieben durch den Geist der in voller Bl√ľte stehenden NWOBHM, fest entschlossen in Richtung Heavy Metal.

Dort, wo "Saxon" 1979 noch im leicht angestaubt wirkenden, manchmal etwas bieder daherkommenden 70er-Hardrock ("Stil fit to Boogie"; "Big Teaser") gewildert hatte oder sich progressivere Schlenker ("Frozen Rainbow" / "Rainbow Theme") erlaubte, die bereits mit einer ersten Frischeinjektion Richtung NWOBHM gekreuzt wurden ("Stallions of the highway"), setzte "Wheels Of Steel" nur kurze Zeit sp√§ter konsequent auf knackige H√§rte und ein deutliches Mehr an Energie, sch√ľttelte somit √ľberfl√ľssigen Ballast und alten Muff ab.

Schon der famose, rasante Opener "Motorcycle Man" zeigt kurz und knapp, wie die Luzie abgeht. Der groovig stampfende, schwere Titeltrack wurde augenblicklich zu einer unverzichtbaren Bandhymne, dazwischen tummelt sich allerhand hochwertiges und interessantes Material wie "Stand up and be counted", "See the light shining" oder "Street Fighting Gang" und "Machine Gun", die schnörkellos und direkt zur Sache gehen und teilweise fast ein bißchen wie eine Heavy Metal-affinere Version von Motörhead wirken. Aber auch melodiöse, kommerziellere Nummern konnte die Band damals schon richtig gut, wie "Suzie hold on" und "747 (Strangers in the night)" unmißverständlich beweisen.

"Strong Arm Of The Law" kommt im Vergleich, bei grunds√§tzlich gleichwertigem Songmaterial, eine Spur detaillierter ausgearbeitet und kontrollierter r√ľber, ohne es dabei auch nur im Geringsten an Power missen zu lassen. Au√üerdem ist die Produktion etwas runder und wohlt√∂nender ausgefallen als auf dem zwar ausgesprochen rauen, aber auch etwas drucklos und h√∂henlastig r√ľberkommenden "Wheels Of Steel".

Songperlen wie die schnellen, wilden "Heavy Metal Thunder" oder "20000 FT" treten in die Fu√üstapfen √§hnlich ausgerichteter Songs vom Vorg√§nger, w√§hrend der eing√§ngige Titelsong eher hymnischen Charakter aufweist und mit dem treibend groovenden "Dallas 1 P.M." einer der besten Saxon-Songs aller Zeiten vorhanden ist, der mit seinen sich ineinander verzahnenden Gitarren auch heute noch zu Beifallsst√ľrmen hinrei√üt.

Ein weiteres Highlight ist das mittelschnelle und dennoch energisch voranst√ľrmende "Taking your chances", w√§hrend es bei "Hungry Years" eher in Richtung bluesigen Heavy Rocks tendiert, was der Band aber ausgesprochen gut zu Gesicht steht. Eine weitere Hymne. Beide Alben bilden f√ľr mich im Prinzip eine Einheit und sind als Einstieg in die NWOBHM als auch generell in das Thema Saxon nicht wegzudenken.

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Re: NWOBHM - Die Top 15- Einsteigeralben

Beitrag: # 1534Beitrag AusDemWegIchBinArzt
04.06.2017, 18:41

13.) GIRLSCHOOL - "Hit And Run" (1981)

Lemmys Lieblings-Mädelsband ist aus meiner bescheidenen Sicht auch eine der bedeutenderen Hausnummern der NWOBHM, nicht nur, weil sie als rein weibliche Formation eine Art Ausnahmestellung innehaben, sondern auch und gerade, weil sie den männlichen Kollegen musikalisch in nichts nachstehen.

Die Connection zu Freund und F√∂rderer Lemmy gipfelte u.a. 1981 in der superben "St.Valentine¬īs Day Massacre"-Split-EP mit Mot√∂rhead und auch ansonsten standen sich beide Bands musikalisch nicht v√∂llig kontr√§r gegen√ľber - vielmehr konnte man Girlschool durchaus als weibliche Pendants des Mot√∂rhead-Sounds sehen. Gespeist durch die Energie des Punks, beeinflu√üt durch den Heavy Rock und Glam Rock der 70er Jahre aber auch durch klassischen Rock¬īn¬īRoll, betten Girlschool all diese Grundlagen in superbe eigene Songs und kommen dabei mit unpr√§tenti√∂ser, rotziger Attit√ľde um die Ecke.

Ab "Play Dirty" (1983) wurde der Sound vor√ľbergehend zwar deutlich glattgeleckter und polierter, um nicht zu sagen kommerzieller, aber w√§hrend des Zweitwerks "Hit And Run" waren die Damen noch ganz bei sich. Das ebenfalls gute 80er "Demolition"-Deb√ľt t√∂nt zwar noch etwas roher und ungez√ľgelter und bildet praktisch die Basis f√ľr alles weitere, aber "Hit And Run" besitzt einwandfrei die qualitativ besseren Songs, die vor allem in einer h√∂heren Dichte zusammengetragen wurden. Daher f√ľr mich die beste Girlschool-Scheibe √ľberhaupt und idealer Ausgangspunkt, um sich mit der weiblichen Seite der NWOBHM n√§her zu besch√§ftigen.

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Re: NWOBHM - Die Top 15- Einsteigeralben

Beitrag: # 1543Beitrag AusDemWegIchBinArzt
04.06.2017, 19:47

14.) PRAYING MANTIS - "Time tells no lies" (1981)

Ein weiterer Meilenstein, √ľber den man eigentlich gar nicht mehr so viel schreiben mu√ü. Praying Mantis repr√§sentieren die melodische, zug√§ngliche Seite der NWOBHM und kommen beinahe wie die melodi√∂seren Br√ľder von Iron Maiden r√ľber. Dabei erscheinen die Songs aber nie flach und einfallslos, sondern bieten vielmehr bet√∂rend sch√∂ne Melodiel√§ufe zum Niederknien, die man in einen passenden und durchaus kernigen Rockkontext gesetzt hat, der aber nie zum Ziel hatte, H√§rterekorde auszuloten und daher etwas gem√§√üigter r√ľberkommt als bei den deutlich heavieren Kollegen vom Schlage Iron Maiden, Saxon oder Tygers Of Pan Tang und wie sie alle hei√üen.

Ich w√ľrde es als britische Variante typischen Melodic Hardrocks bezeichnen. Eing√§ngig, melodieorientiert und nat√ľrlich mit kommerziellem Potenzial ausgestattet, aber nie zu seicht oder verweichlicht. Ein elegantes Album und ohne jede Frage eine der besten Scheiben der gesamten NWOBHM-Periode, die wieder einmal mehr deutlich macht, welche Vielf√§ltigkeit sich unter dem Etikett NWOBHM verbirgt. Eine in jeder Hinsicht ganz wichtige Platte und durch eines der sch√∂nsten Rodney Matthews-Artworks veredelt.

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Re: NWOBHM - Die Top 15- Einsteigeralben

Beitrag: # 1545Beitrag AusDemWegIchBinArzt
04.06.2017, 20:08

15.) SAVAGE - "Loose¬īn¬īLethal" (1983)

Eine absolut essentielle und wirklich rundherum famose Scheibe, auch wenn sie zu einem Zeitpunkt erschien, als die erste NWOBHM-Welle schon mehr oder weniger in den letzten Z√ľgen lag und ihren Zenit im Prinzip bereits √ľberschritten hatte. Leider klingt die Produktion relativ hingeschissen und undifferenziert, aber auf der anderen Seite ist ein solch roher Sound ja auch ein Markenzeichen vieler Bands der NWOBHM-√Ąra.

Au√üerdem waren Ebony, bei denen die Deb√ľt-LP von Savage erschien, seinerzeit sowieso regelrecht ber√ľchtigt f√ľr ihre billigen Produktionen und auch aus diesem Grund waren Savage mit ihrem Low Budget-Sound absolut kein Einzelfall. Das tut aber zum Gl√ľck der Freude an der Musik keinerlei Abbruch.

Obwohl die Band relativ sp√§t dran war und somit ein ziemlich ung√ľnstiges Timing an den Tag legte was die Ver√∂ffentlichung der Deb√ľt-LP "Loose¬īn¬īLethal" anbetraf - andere Kollegen wie beispielsweise Iron Maiden & Co. waren schon l√§ngst bei Album Nr. 3 oder 4 angelangt und hatten sich bereits etabliert - galt sie durchaus als eine von Europas gr√∂√üeren Heavy Metal-Hoffnungen und konnte sogar beachtliche 25.000 Exemplare ihres Deb√ľts absetzen.

In Sachen H√§rte und Heavyness waren Savage trotz oder sogar gerade wegen des versp√§teten Starts bereits eine Evolutionstufe weiter als Iron Maiden und hatten den klassischen Heavy Metal mit ihren messerscharfen Kreiss√§gen-Riffs schon einen entscheidenden Schritt weiterentwickelt, somit also eine der wesentlichen Grundlagen f√ľr den kurze Zeit sp√§ter voll durchstartenden Speed-und Thrash Metal geschaffen. Vergleicht einen Song wie "Let it loose" beispielsweise mal mit dem nur kurze Zeit sp√§ter erschienenen Deb√ľt von Metallica...

Jedenfalls ist das Deb√ľt die beste Scheibe von Savage geblieben, an dessen geradezu primitive Rohheit, Direktheit und Intensit√§t schon der Zweitling "Hyperactive" (1985) nicht mehr ankn√ľpfen konnte. Ein √§u√üerst wichtiges Werk voller unsterblicher Kracher, entstanden an der Schwelle von der ersten zur zweiten NWOBHM-Generation.

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Re: NWOBHM - Die Top 15- Einsteigeralben

Beitrag: # 11473Beitrag AusDemWegIchBinArzt
17.10.2017, 11:07

So, dann machen wir hier doch mal ein bißchen weiter... ;)

16.) BITCHES SIN - "Predator" (1982)

Das Bitches Sin-Deb√ľt verk√∂rpert f√ľr mich genau das, was viele NWOBHM-Bands ausmacht, in Reinkultur: Rauer Charakter, hemds√§rmelige do-it-yourself-Attit√ľde ohne Anspruch auf √ľbertriebene Perfektion und gesunde Grundh√§rte in Verbindung mit starken Melodien.

Als das Album 1982 erschien, war man schon fast ein bi√üchen zu sp√§t dran, die gro√üen Klassiker des Metiers waren alle schon erschienen und die NWOBHM hatte ihren ersten H√∂hepunkt schon erreicht, wenn nicht sogar bereits knapp √ľberschritten. Insofern war das Timing der Band aus der Grafschaft Cumbria nicht das allerbeste.

1980 gegr√ľndet, hatte man, abgesehen von zwei recht gut verkauften Demos, bereits mit der superben "Always ready (for love)"-Single vorgelegt, die 1981 erschienen war. Interessanterweise konnten Bitches Sin damit vor allem in den Niederlanden ziemlich gut abr√§umen, weil eine Radio-DJane namens Hanneke Kappen h√§ufiger die Band spielte. Daran h√§tte man direkt anschlie√üen k√∂nnen bzw. m√ľssen, doch leider lie√ü die Band einfach zuviel Zeit verstreichen, bis sie schlie√ülich mit dem LP-Deb√ľt √ľber den Deich kam.

Sicherlich nicht unschuldig daran, das soviel unn√∂tige Zeit ins Land zog, waren die permanenten Line-Up-Probleme, interne Streitereien sowie Schwierigkeiten, einen ad√§quaten Plattendeal unter Dach und Fach zu bringen. Neat Records, bei denen die Single erschienen war und die auch eines der St√ľcke f√ľr ihren "Lead Weight"-Sampler verwendet hatten, boten der Band keinen weiteren Vertrag an und nach einigem hin-und her landete man schlie√ülich bei Heavy Metal Records. Die brachten die Band zun√§chst ebenfalls auf einem hauseigenen Sampler unter ("Heavy Metal Heroes") und ver√∂ffentlichten dann endlich mit "Predator" den ersten Longplayer.

Zuvor war die Band abermals umbesetzt worden und als das Album Mitte 1982 schlie√ülich erschien, bekam es schlechte Kritiken und auch Bitches Sin selbst zeigten sich unzufrieden mit der Scheibe, gaben dem Label die Schuld f√ľr die vermeintlich ungen√ľgende Qualit√§t und behaupteten, man habe zu sehr unter Zeitdruck arbeiten m√ľssen und au√üerdem habe es Probleme beim Mischen und Schneiden des Albums gegeben.

Aus meiner Sicht ist die Kritik so nicht nachvollziehbar. "Predator" ist ein raues, kraftvolles Heavy Metal-Album ohne √ľberfl√ľssigen Schnickschnack und ganz dem typischen Sound jener Tage verpflichtet. Die Riffs sind √ľberwiegend gut, die Melodien √ľberzeugen, spieltechnisch gibt es auch nicht wirklich viel zu meckern. Es ist nat√ľrlich nicht perfekt und die Produktion ist in der Tat ziemlich d√ľnn, rumpelig und drucklos, aber genau das macht auch wieder den Charme aus. F√ľr mich ist "Predator" ein wichtiges Zeitdokument, welches den Geist der NWOBHM sehr pr√§zise reflektiert.

S√§nger Tony Tomkinson (einer von vielen, es ist auf fast jedem Bitches Sin-Release ein anderer S√§nger zu h√∂ren) klingt mit seinem unmelodi√∂sen, limitierten Organ wie ein unsouver√§nerer Zwillingsbruder von Paul Di¬īAnno, aber es pa√üt. Au√üerdem wird die Scheibe einmal mehr von einem wundersch√∂nen Rodney Matthews-Artwork veredelt.

Das bluesrockige "April Fool" ist ein echtes Highlight, eigentlich schon fast ein kleiner Hit. Dazu gibt es schnelle Granaten wie "Haneka" (inspiriert durch die erw√§hnte holl√§ndische DJane), ausgefeilteres wie "Strangers on the shore" mit bockstarken Gitarrenparts oder das melodi√∂se, eing√§ngige und dennoch harte "Lady Lies", welches f√ľr mich ebenfalls einer der st√§rksten Songs jener √Ąra √ľberhaupt ist. Das Album belohnt also den aufmerksamen Zuh√∂rer auch durchaus mit Abwechslungsreichtum.

Vielleicht hätten Bitches Sin sogar mehr erreichen können, wenn sie sich nicht ständig selber Steine in den Weg gelegt hätten - das Potenzial dazu hätten sie durchaus gehabt. Aber die was-wäre-wenn-Frage ist wohl genau jene Frage, auf die es niemals eine eindeutige Antwort geben wird.

Die 83er "No more chances"-EP sowie die 86er "Invaders"-Scheibe sind √ľbrigens ebenfalls stark, litten aber an √§hnlichen Problemen w√§hrend der Entstehung (instabiles Besetzungskarussell, Plattenfirmen√§rger). Nach "Invaders" war dann nicht mehr viel √ľbrig von ihrer Band und sie zerlegte sich endg√ľltig in ihre Einzelteile. Sie ist zwar seit einigen Jahren wieder aktiv, aber nur noch auf Hobbykellerniveau, mit gelegentlichen Demover√∂ffentlichungen im Eigenvertrieb.


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Re: NWOBHM - Die Top 20 - Einsteigeralben

Beitrag: # 11475Beitrag AusDemWegIchBinArzt
17.10.2017, 12:18

17.) QUARTZ - "Stand up and fight" (1980)

Wer an Quartz denkt, denkt zuerst an deren leider Anfang dieses Jahres verstorbenen Gitarristen und Keyboarder Geoff Nicholls, der zwischenzeitlich √ľber viele Jahre hinweg die Keyboardsounds zu den Alben von Black Sabbath beisteuerte, beginnend mit "Heaven And Hell" (1980). Normalerweise eher verl√§√ülich im Hintergrund agierend, wurde Nicholls ab Mitte der 80er Jahre sogar kurzzeitig als offizielles Black Sabbath-Mitglied gef√ľhrt.

Die guten Connections zur Birminghamer Heavy Metal-Legende und dort insbesondere zu Riffmeister Tony Iommi waren allerdings auch vorher schon gegeben, denn letzterer geb√§rdete sich fr√ľhzeitig als Proteg√© von Quartz, war er doch bereits zu einem Fan der 1974 gegr√ľndeten Gruppe geworden, als diese noch unter ihrem urspr√ľnglichen, etwas albernen Bandnamen Bandylegs auftrat.

Nachdem die Band noch als Bandylegs bereits drei Singles aufgenommen hatte, die eher biederen Hardrock enthielten, verhalf Iommi der nunmehr zu Quartz umbenannten Truppe zu ihrem Plattenvertrag mit Jet Records und produzierte auch gleich ihr selbstbetiteltes 77er Deb√ľtalbum, welches musikalisch irgendwo zwischen dem 70er-Hardrock aus Bandylegs-Zeiten und Black Sabbath-Zitaten liegt. Keine wirklich schlechte Scheibe, aber noch ein ganzes St√ľck von sp√§teren Glanzleistungen entfernt - allerdings ist mit "Mainline Riders" bereits eines der besten Quartz-St√ľcke aller Zeiten vertreten.

Erst auf "Stand up and fight" konnte die Band sich dann aber kreativ richtig entfalten und lieferte aus dem Stand eine der besten Genre-Ver√∂ffentlichungen ab. Der bisher noch knietief in den 70ern steckende Hardrock hatte eine ordentliche Schippe NWOBHM-Power-und Frische erhalten, der Einflu√ü von Black Sabbath zeigte sich zwar weiterhin in den doomigen Elementen, wurde aber etwas eigenst√§ndiger umgesetzt als zuvor. Vor allem das Songwriting hatte enorm an Qualit√§t zugelegt und lieferte gediegene Hymnen der Extraklasse ab. Der Titelsong, "Stoking up the fires of hell" oder "Wildfire" sind eine Liga f√ľr sich.

Leider ist das grandiose "Satan¬īs Serenade" nicht auf der Scheibe enthalten (wurde damals nur als separate Non-Album-Single ver√∂ffentlicht), aber das l√§√üt sich angesichts der sonstigen Klasse des Albums verschmerzen. "Stand up and fight" ist ein richtig gutes, rundum gelungenes St√ľck Musik und fraglos der in seiner Gesamtheit √ľberzeugendste Tontr√§ger aus dem Hause Quartz.


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Beitrag: # 11481Beitrag AusDemWegIchBinArzt
17.10.2017, 12:58

18.) VARDIS - "100 M.P.H." (1980)

Vardis geh√∂ren zu jenen NWOBHM-Bands, die deutlich h√∂rbar von Status Quo und Rock¬īn¬īRoll beeinflu√üt wurden. Im Prinzip klingen sie wie die ungezogenen kleinen Br√ľder von Rossi, Parfitt & Co.

Satter, breitbeiniger Boogie-Hardrock mit einer zusätzlichen Dosis Wumms (im Vergleich zu Quo) war und ist das Metier von Vardis, jede Menge Spielfreude, Spaß und gute Laune bis in die Backen inbegriffen.

Sch√∂n heavy geht es direkt und schn√∂rkellos zur Sache, die lange Matte (sofern vorhanden) fliegt im Takt dazu und der Schwei√ü tropft von der Decke. Es ist sehr beeindruckend, welche Energie Steve Zodiac und seine beiden Mitmusiker auf diesem Album entfachen. Ungeschliffen geht es zur Sache, das Trio feuert mit ungest√ľmer Power aus allen Rohren und kennt auf "100 M.P.H." nur eine Richtung: Volle Kraft voraus !

Eine herrliche Scheibe, die auch einmal mehr deutlich macht, welche stilistische Vielseitigkeit sich hinter der Schublade NWOBHM verbirgt. Zudem wurde "100 M.P.H.", gleichzeitig auch das Deb√ľt von Vardis, komplett live eingespielt. Eine Produktionsweise, die damals viele (vor allem kleinere) NWOBHM-Labels ihren Bands aus Kostengr√ľnden vorgaben. So oder so, die Scheibe ist ein Hammer und bringt einen zwangsl√§ufig zum Grinsen, sogar bei Regenwetter.

Steve Zodiac ist zwar nicht der beste S√§nger der Welt, aber daf√ľr ein exzellenter Gitarrist, dem man im Rahmen des relativ eng gesteckten stilistischen Rahmens sogar schon regelrechte Virtuosit√§t attestieren kann. Klasse Album ! 8-)


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Re: NWOBHM - Einsteigeralben

Beitrag: # 18183Beitrag AusDemWegIchBinArzt
30.12.2017, 15:22

19.) FIST - "Turn The Hell On" (1980)

Sehr reizvoll und unverzichtbar als Grundstock einer anst√§ndigen NWOBHM-Kollektion ist auch die Deb√ľt-LP der 1978 gegr√ľndeten Fist aus Newcastle. "Turn The Hell On" erschien nach zwei bereits vorangegangenen Singles ebenfalls bei Neat Records, der Mutter aller NWOBHM-Label.

Musikalisch handelt es sich bei Fist eher um einen melodi√∂seren Vertreter der NWOBHM. Das Material der Band steht mit einem Bein definitiv noch im Hardrock und ist bis zu einem gewissen Grad eher rock¬īn¬īrollig gepr√§gt, besitzt nichtsdestotrotz aber jede Menge Biss und kann ohne Zweifel mit den anderen Bands der Zeit mithalten.

Grob kann man die Band stilistisch und h√§rtem√§√üig irgendwo zwischen den fr√ľhen Def Leppard und Vardis einordnen, wobei aber dennoch klar erkennbar stets Wert auf ein eigenst√§ndiges und originelles Klangbild gelegt wird.

"Turn The Hell On" ist jedenfalls eines der besten und interessantesten Alben jener Zeit, wenn auch immer etwas untersch√§tzt, was dazu f√ľhrte, dass Fist nie die Erfolgssph√§ren so manch anderer Kollegen erreichen konnten.

So oder so aber ein angenehm zeitloses Scheibchen. Immer wieder gut und mit Freude anzuhören.


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Re: NWOBHM - Einsteigeralben

Beitrag: # 18251Beitrag AusDemWegIchBinArzt
31.12.2017, 09:50

20.) CLOVEN HOOF - "Dominator" (1988)

Ein sp√§ter NWOBHM-Nachz√ľgler ist die 88er Scheibe von Cloven Hoof. Es handelt sich nat√ľrlich nicht um die erste LP der Band, sondern bereits um die zweite. Das Deb√ľt "Cloven Hoof" erschien schon 1984 und wenn man die EP "The Opening Ritual" (1982) dazurechnet, war "Dominator" sogar schon die insgesamt dritte Ver√∂ffentlichung der 1979 gegr√ľndeten Truppe aus Wolverhampton.

Allerdings waren einerseits damit auch die ersten Veröffentlichungen zeitlich schon eher der zweiten, kleineren NWOBHM-Welle zuzurechnen und zum anderen gehörten besagte Erstlingswerke qualitativ nicht gerade zur ersten Liga der NWOBHM. Bei "Dominator" hatte sich das jedoch geändert und deswegen empfehle ich auch jene Scheibe an dieser Stelle, da sie zu den stärksten Veröffentlichungen der Band im Speziellen und im weiten Umfeld der NWOBHM allgemein gehört, auch wenn sie erst 1988 erschien.

Eine lustige Randnotiz ist √ľbrigens, dass Cloven Hoof in ihrer Anfangszeit ausgesprochene Proteg√©s von Robert Plant und Rob Halford waren, denen das erste Demo der Band 1979 so gut gefallen hatte, dass beide die Band fortan unterst√ľtzten wo sie nur konnten und das Demo regelm√§√üig bewarben. Ehrerbietung also von h√∂chsten Weihen aus. ;)

Dennoch waren wie gesagt die ersten offiziellen Tontr√§ger eher mittelm√§√üig, aber auf "Dominator" hatte sich das Blatt nach eingehenden Umbesetzungen und einigen Jahren kreativer Pause h√∂rbar zum positiven gewandelt. Obwohl die Produktion ziemlich verwaschen und drucklos klingt, hat es das Songmaterial in sich. Die Band kredenzt auf "Dominator" einen satten, kraftvoll-melodi√∂sen und mit markanten eigenen Charakteristika ausgestatteten Heavy Metal, der sehr dicht am Power Metal gebaut ist und sich insofern bereits ein St√ľck vom prototypischen NWOBHM-Sound der fr√ľhen 80er abhebt.

Mit Hymnen wie "Nova Battlestar", "Reach For The Sky", "Rising Up" oder "The Fugitive" ist jede Menge Material erlesenster Klasse vertreten, welches zum Besten gehört, was diese Band jemals aufgenommen hat. Eine sehr gute Figur macht dabei auch der damalige Neu-Sänger Russ North, der zuvor bei Tredegar gesungen hatte, jenen Budgie-Soundalikes um die ehemaligen Budgie-Mitglieder Tony Bourge und Ray Phillips.

Da "Dominator" sp√§ter mehrfach neu aufgelegt wurde, d√ľrfte es auch nicht allzu schwer sein, ein Exemplar dieses tollen Albums (als CD oder LP) an Land zu ziehen. Es lohnt sich, eine ganz tolle Scheibe !


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Re: NWOBHM - Einsteigeralben

Beitrag: # 20257Beitrag AusDemWegIchBinArzt
21.01.2018, 23:22

21.) WHITE SPIRIT - "same" (1980)

Eine weitere Perle aus dem schier unersch√∂pflichen NWOBHM-F√ľllhorn ist das selbstbetitelte Deb√ľt von White Spirit aus dem Jahre 1980. Leider blieb es gleichzeitig auch der einzige Longplayer, welchen die Band jemals in die Regale der Plattenl√§den hieven konnte.

Die bereits 1975 in Hartlepool gegr√ľndete Truppe (somit auch ein fr√ľher Vertreter der NWOBHM) ist heutzutage manchen Leuten zumindest namentlich haupts√§chlich deshalb ein Begriff, weil Gitarrist Janick Gers 1981 zu Gillan wechselte um dort Bernie Torm√© zu ersetzen. Das ist jedoch noch nicht alles, denn mit Gillan nahm Gers zwar zwei Alben auf ("Double Trouble", 1981 und "Magic", 1982), doch das richtig gro√üe Los zog er erst einige Jahre sp√§ter: 1990 wurde er Nachfolger von Adrian Smith bei Iron Maiden, wo er bis heute spielt.

Doch zu zur√ľck zu White Spirit: Die hatten 1980 endlich einen Plattenvertrag abgeschlossen - mit dem NWOBHM-Vorzeigelabel Neat Records - und mit "Backs To The Grind" sogleich eine 7"-Single lanciert.

Es folgte ein Beitrag zum legend√§ren EMi-Sampler "Metal For Muthas II", f√ľr den die B-Seite besagter Single, "Cheetah", ein weiteres mal verwurstet wurde. Und dann stand die talentierte Band auch schon mit ihrem ersten Full Length-Album in der T√ľr, welches ganz pragmatisch selbstbetitelt blieb.

Gillan-Basser John McCoy hatte die LP produziert und das eigentlich interessante an dieser per se sowieso gro√üartigen Scheibe ist, dass sie gar nicht so sehr nach Heavy Metal klingt. Vielmehr steckt sie noch knietief in den 70er Jahren und atmet den Geist von Bands wie Deep Purple, Uriah Heep oder eben auch Gillan. Die Einfl√ľsse und Wurzeln sind jedenfalls eindeutig erkennbar, was aber dem hohen Niveau der Kompositionen zu keiner Sekunde Schaden zuf√ľgt und auch nicht den Eindruck eines billigen Plagiats entstehen l√§√üt.

Die musikalische Darbietung t√∂nt auf alle F√§lle viel mehr nach klassischem, melodi√∂sem, manchmal gar dezent progressiv angehauchtem Hard-/ Heavy Rock als nach "richtigem" Heavy Metal, auch wenn das Ganze selbstredend dem Zeitgeist entsprechend hier und dort etwas z√ľgelloser daherkommt und mit einer gewissen Frische- und Energieinfusion versehen wurde - was demnach nat√ľrlich die Zuordnung zur NWOBHM erleichterte. Aber als Heavy Metal im engeren Sinne w√ľrde ich dieses Album niemals einstufen.

Die Band verzichtete ganz stilecht in diesem Kontext auch nicht auf den häufigen Einsatz einer röhrenden Hammondorgel, was ihr unter den sowieso höchst unterschiedlichen Bands der NWOBHM eine zusätzliche Ausnahmestellung verlieh.

Potenzial ist jedenfalls mehr als genug vorhanden gewesen. Um das nachvollziehen zu k√∂nnen, mu√ü man sich nur mal Klassesongs wie das grandiose "Red Skies" oder die nicht minder mitrei√üenden "High Upon High", "Way Of The Kings", "Fool For The Gods" oder "Midnight Chaser" zu Gem√ľte f√ľhren. Und das sind nur f√ľnf besonders gelungene Beispiele, der Rest des Deb√ľts steht dem aber kaum nach.

Auch auf dem 80er Reading Festival durften White Spirit auftreten und insgesamt besaß die Band nicht die allerschlechtesten Aussichten, aber es sollte anders kommen: Nachdem White Spirit eine gemeinsame Tour mit Gillan absolviert hatten, wurde Janick Gers direkt vom guten Ian in dessen Band abgeworben.

Damit war das Schicksal von White Spirit leider besiegelt. Mit dem späteren Tank-Gitarristen Mick Tucker und dem Sänger Brian Howe (einige Jahre danach als Nachfolger von Paul Rodgers bei Bad Company) wurde 1982 noch die Single "Watch Out" aufgenommen, aber das war es dann. Danach kam nichts mehr und die resignierte Band zerstreute sich in alle Winde.

In sp√§teren Jahren gab es allerdings auch nachtr√§glich immer wieder mal Sampler, vorzugsweise zum Thema NWOBHM, welche Songs von White Spirit enthielten. Zuletzt die vorz√ľgliche und mittlerweile auch schon kaum noch aufzutreibende "NWOBHM ¬ī79 Revisited"-Compilation aus dem Jahre 1990, die ma√ügeblich von Metallica-Drummer Lars Ulrich initiiert wurde.

White Spirit-Drummer Graeme Crallan spielte später ebenfalls bei den Kollegen von Tank und verstarb vor einigen Jahren an den Folgen seiner Alkoholkrankheit.

Die erste und einzige LP von White Spirit ist - und da ist keinerlei Zweifel zul√§sssig - ein kleines Juwel, welches jede ernstgemeinte Plattensammlung bereichert und sowieso zwingend in jeden anst√§ndigen Hard¬īN¬īHeavy-Haushalt geh√∂rt. ;) 8-)


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Re: NWOBHM - Einsteigeralben

Beitrag: # 20270Beitrag Vertigo
22.01.2018, 10:26

die h√§tte ich jetzt z.B. nie in die NWOBHM einsortiert. Die erschien zwar zu der Zeit hat aber nix was da f√ľr mich typisch f√ľr den Heavy Metal ist. Das ist f√ľr mich eine wunderbare 70er Hard-Rock Scheibe mit einem Hauch Progressive. Hab ich schon immer sehr gesch√§tzt und drum war ich auch der Einzige der, als es hie√ü Janick Gers wird neuer Gillan-Gitarrist, mich dr√ľber gefreut, was dann sp√§ter bei Iron Maiden nochmal passiert ist.
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Re: NWOBHM - Einsteigeralben

Beitrag: # 20325Beitrag AusDemWegIchBinArzt
22.01.2018, 16:56

Vertigo hat geschrieben: ‚ÜĎ
22.01.2018, 10:26
Die erschien zwar zu der Zeit hat aber nix was da f√ľr mich typisch f√ľr den Heavy Metal ist. Das ist f√ľr mich eine wunderbare 70er Hard-Rock Scheibe mit einem Hauch Progressive.
Alles richtig, das sehe ich auch so. Aber trotzdem wird das Album nun mal (ganz offiziell, das ist nicht auf meinem Mist gewachsen ;) ) in das NWOBHM-Umfeld gezählt und deswegen ist es hier dabei, aber Du weißt ja auch, dass die NWOBHM-Schublade sowieso sehr groß ist und viele stilistisch unterschiedliche Bands darin versammelt sind. Insofern ist das schon ok.
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