[REVIEW] Sly And The Family Stone - STAND! (1969)

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Oracle
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[REVIEW] Sly And The Family Stone - STAND! (1969)

#1

Beitrag: # 1101Beitrag Oracle
29.05.2017, 20:44

Boom shaka-laka-laka Boom shaka-laka-laka Jeder Song eine Hymne - Aufruf zu politischer und sozialer Gerechtigkeit - Protest gegen Diskriminierung - Positive Energie! Optimismus!

Side one:
Stand! – 3:08
Don't Call Me Nigger, Whitey – 5:58
I Want to Take You Higher – 5:22
Somebody's Watching You – 3:20
Sing a Simple Song – 3:56

Side two:
Everyday People – 2:21
Sex Machine – 13:45
You Can Make It If You Try – 3:37

Bild

Das Woodstockjahr brachte viele einflußreiche Bands und Musiker ganz nach oben.
Als eine der ersten (neben The Electric Flag) gemischtrassigen Formationen haben Sly And The Family Stone durchaus provoziert.
Dann nannte Sly die Gruppe auch noch "Family".
Das ganze mit lebensbejahenden Stimmungen anzugehen, bei all der Wut die viele Rockbands (MC5....) entfachten, war nicht üblich.
In Texas, wo Sylvester Stewart (so sein bürgerlicher Name) herkam, wäre er damit wohl nicht durchgekommen.
Nicht umsonst hat sich im gesellschaftlich/kulturell aufgeschlossenen San Francisco, eine derartige Gegenkultur gebildet.
Das Album spiegelt die Stimmungen der Endsechziger perfekt wider -> berauschend, beängstigend, optimistisch!
Aufgenommen, wie viele Frisco-Klassiker, in den Pacific High Recording Studios 1968-1969, kam die Platte im Mai 1969 raus.

Beim grandiosen Eröffnungstrack Stand! hat Sly die Hauptstimme gesungen.
Das Finale mündet in eine mitreißende Gospelcoda. Everbody Stand!, Stand!, Stand!
Kraftvoll, marschierend, melodisch sofort einnehmend, ein Text mit Power, ein musikalisches Ausrufezeichen.

Der aggressive Gesang von Don't Call Me Nigger, Whitey lässt keine Zweifel, dass die Band Rassismus in all seinen Formen verachtet.
Ein sperriges Stück, dass mit seinen Bläsern sehr unruhig und aufwühlend ist.
Sly schlupft nicht in eine Opferrolle , sondern nimmt eine universale Position ein. "Don't call me nigger, whitey, don't call me whitey, nigger".
Es ging ihm vielmehr um Vorurteile generell.

I Want to Take You Higher ist der bekannteste Song des Albums, weil ihn viele Menschen vom Woodstock-Film her kennen.
Auch ich begegnete der Band im Woodstockfilm zum ersten mal.
Sofort war ich hingerissen, von diesem übermächtigen Funkgroove, das schien die Mutter aller Grooves zu sein.
Wir dürfen James Browne nicht vergessen, aber das hier dampft, pumpt, ist heiß und schickt dich in schwindlige Höhen.
Larrys Bass-Riff, die unglaubliche Trompete... ah Mann, dem Song wird keine Beschreibung gerecht.

Für mich der ultimative Wohlfühlsong. Auf Somebody's Watching You freue ich mich bei jedem Spin.
Smooth und gedämpft mit schöner Saxline und tollem Harmoniegesang.

Sing A Simple Song ist ein weiterer starker Groovesong.
Der Track soll eine Lösung bieten, mit den Problemen der Existenz umzugehen: "sing ein einfaches Lied"!
Wie bei den meisten Stücken wechselte sich die Band beim singen ab.

Wer Everyday People für einen harmlosen Titel hält sollte sich den Text genauer anschauen.
Der Song wird zwar von einer trügerischen Eingängigkeit geprägt -scooby dooby doo-bee- ist aber mit all seiner Polyrhythmik und den komplizierten Gesangsarragments alles andere als einfach.
"Everyday People" ist wie alle Tracks auf Stand! ein Message-Song.

Wenn Sly singt:
My own beliefs are in my song
The butcher, the banker, the drummer and then
Makes no difference what group I'm in
I am everyday people, yeah yeah
kann man von einem reflektierenden Menschen ausgehen.
Die Musik sollte ermutigend und nicht verzweifelt klingen.

Mit Sex Machine kommt ein monströser Jam in unser Hörzimmer, gebettet in einen düsteren Orgelklang.
Man wird von wütenden Wah-Wah-Gitarren und seltsamem Talkbox-Gesang weggetragen.
Was auch immer Sly mit diesem Stück bezweckt, es ist wieder mal unbändig groovend.

Der letzte Song wirkt wie eine Zusammenfassung der Platte.
Das Finale fordert zur Gemeinsamkeit auf You Can Make It If You Try
Und alle singen mit der Band "Yeah Yeah Yeah Yeah Yeah" im Chor.

Bild

Sly Stone: vocals, organ, guitar, piano, harmonica, vocoder, and bass guitar on "You Can Make It If You Try."
Freddie Stone: vocals, guitar
Larry Graham: vocals, bass guitar (tracks one through seven)
Rose Stone: vocals, piano, keyboard
Cynthia Robinson: trumpet, vocal ad-libs, background vocals on "I Want to Take You Higher"
Jerry Martini: saxophone, background vocals on "I Want to Take You Higher"
Greg Errico: drums, background vocals on "I Want to Take You Higher"

Sly And The Family Stone wurde mit Musikern völlig unterschiedlicher Herkunft, Hautfarbe und Geschlecht gegründet.
Da durften sogar die Mädels richtige Instrumente bedienen -ein Unding in den 60ern.
Heute sind solche Symbole wertlos aber vor 50 Jahren war das ein gewaltiger Impact.
Die gleiche Kreuzung vollzog Sly auf musikalischer Ebene.
Soul und Funk war nur die Grundlage, Rhythm and Blues, Rock, weißer Pop, Jazz und eine starke Brise Psychedelia, bildeten ein bis dahin nie dagewesenes Gebräu.
Aufgrund tausender Nachahmer, sind Sly's Neuerungen (ähnlich der Stones) allerdings vielfach in Vergessenheit geraten.

Ein absoluter Klassiker -funky ya!
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Vertigo
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Re: [REVIEW] Sly And The Family Stone - STAND! (1969)

#2

Beitrag: # 1135Beitrag Vertigo
30.05.2017, 08:32

Oh ja, Sly Stone war seiner Zeit ordentlich voraus damals. Eine wichtige Platte, ein wichtiger Musiker. Und ohne Sly Stone keinen Prince
Ich lese gerade:

RICHARD DAVID PRECHT - Die Kunst kein Egoist zu sein

ÉMILE ZOLA - Das Paradies der Damen

OSCAR DE MURIEL - Die Schatten von Edinburgh

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Re: [REVIEW] Sly And The Family Stone - STAND! (1969)

#3

Beitrag: # 1378Beitrag AusDemWegIchBinArzt
01.06.2017, 20:43

Vertigo hat geschrieben: ↑
30.05.2017, 08:32
Und ohne Sly Stone keinen Prince
Das vergessen aber viele heutzutage. Und da haben wir es schon wieder: Mangelnde Auseinandersetzung mit den Wurzeln und allgemein fehlendes Bewußtsein und Interesse dafür. Das ist leider ein weitverbreitetes Leiden heute.

Und, ja, Sly Stone ist absolut fantastisch und diese Scheibe ganz besonders !
Wenn Musik Bilder erzeugen und den Hörer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erfüllt.

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