[REVIEW] Holocaust - "The Nightcomers" (1981)

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AusDemWegIchBinArzt
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[REVIEW] Holocaust - "The Nightcomers" (1981)

#1

Beitrag: # 408Beitrag AusDemWegIchBinArzt
22.05.2017, 17:20

HOLOCAUST - "The Nightcomers" (1981)


"The Nightcomers" ist schlicht und ergreifend eines der besten und wichtigsten Erzeugnisse, welches die NWOBHM jemals hervorgebracht hat und ganz allgemein eines der genreprĂ€gendsten Alben ĂŒberhaupt. Dieses großartige, einzigartige Werk hat Heavy Metal fĂŒr alle nachfolgenden Bands mehr oder weniger neu definiert und ist ein Urmeter fĂŒr die weitere Entwicklung dieser Musik und die Ausdifferenzierung in weitere Stilrichtungen wie Speed-oder Thrash Metal.

Ein Orientierungspunkt, der insbesondere in den Anfangsjahren wie ein Leuchtturm den Weg gewiesen und entsprechend unzĂ€hlige weitere Bands nachhaltig beeinflußt hat, auch und gerade auf der anderen Seite des Atlantiks. DafĂŒr muß man sich bloß mal die frĂŒhen Scheiben von beispielsweise Metallica anhören, insbesondere deren Erstling "Kill ÂŽem all" (1983).

Der einzige Unterschied zwischen Holocaust und vergleichbar einflußreichen Bands wie Iron Maiden oder Judas Priest ist der, dass Holocaust immer eher ein Underground-Ding geblieben sind und niemals auch nur annĂ€hrend in Ă€hnliche Erfolgsregionen vorstießen.

DafĂŒr ist der Kultfaktor, der die Band aus Edinburgh umgibt, nochmals um ein vielfaches höher und mĂŒndet meistens in wissendem Kopfnicken bei Kennern, sobald der Name der Truppe fĂ€llt.

Die Schotten um John Mortimer haben nie gezielt auf Breitenwirksamkheit gesetzt und immer konsequent und authentisch ihr Ding durchgezogen und zwar in einer Form bei der man wirklich nur genĂŒĂŸlich mit der Zunge schalzen kann, sobald man an die QualitĂ€t und EigenstĂ€ndigkeit des musikalischen Outputs der Formation denkt.

Die HĂ€rte, die OriginalitĂ€t und die IntensitĂ€t dieses in jeder Hinsicht herausragenden DebĂŒtkrachers lassen einem auch noch 35 Jahre nach Erstveröffentlichung den Atem stocken. Dieser GĂ€nsehaut-Garant hat nichts von seinen QualitĂ€ten im Laufe der Zeit eingebĂŒĂŸt und erzeugt heute noch exakt die gleiche magische Anziehungskraft wie frĂŒher. Ich selber kenne und besitze die Vinylversion dieses Albums seit 1991 und das Teil haut mich auch heute noch gnadenlos vom Hocker. Oder, um es mit dem von mir hoch geschĂ€tzten Louis de FunĂ©s auszudrĂŒcken: That pulls me the shoes out ! :-)

Allen Nachgewachsenen, die heute anfangen sich mit Heavy Metal zu beschĂ€ftigen (und auch sonstigen Ahnungslosen natĂŒrlich), sollte man diesen Klassiker grundsĂ€tzlich als exemplarisches LehrstĂŒck vorspielen. Vergeßt den modernen Kram - this is the real shit !!!

Die rabiate und auch eigenwillig mystische Grundstimmung des Albums nimmt den Hörer vom ersten Ton an gefangen und reißt sofort mit. Ein hochenergetischer Brocken aus schwerem Heavy Metal, doomigen Lava-Passagen, fieser Garstigkeit und einer guten Portion Dreck, der jederzeit zu implodieren droht. Da ist nichts gekĂŒnstelt oder aufgesetzt, nichts poliert. Die Musik auf dieser Platte ist pur, roh, ungefiltert und absolut echt.

Gemessen daran, dass die Platte 1981 erschien, war sie in ihrer ganzen bösartigen AbgrĂŒndigkeit eigentlich ihrer Zeit voraus. Und trotz aller sperrigen Ecken und Kanten verzichten die Lieder nicht auf EingĂ€ngigkeit und Melodik, trotz aller schroffen Direktheit nicht auf VirtuositĂ€t.

Hymnen wie "Heavy Metal Mania", das schnelle "Death or glory", das eher doomige "Mavrock" oder der epische, fast siebenminĂŒtige Zerstörer "The Nightcomers", gleichzeitig auch Titeltrack des Albums und eine geradezu körperlich spĂŒrbare, klirrende KĂ€lte verströmend, sprechen eine eindeutige Sprache.

Die Sprache nĂ€mlich von beinahe unnahbarer Schroffheit und die Sprache monolithischer, spröder Riffs, die ihrer Zeit definitiv voraus waren und Kollegen wie Iron Maiden dagegen wie einen Kindergeburtstag aussehen ließen. Und ich liebe Iron Maiden und werde nie ohne höchsten Respekt von dieser Band sprechen, um das mal klarzustellen. Aber Holocaust sind einfach eine ganz eigene Liga fĂŒr sich, mit der sich nur schwerlich Vergleiche ziehen lassen.

Sie lassen einen fassungslos und völlig geplĂ€ttet zurĂŒck. Und das selbst dann noch, wenn man dieses unheimliche Werk eigentlich schon in- und auswendig kennt. Trotzdem hat dieses Überalbum auch Momente, wo die Band eher melodieorientiert und etwas lockerer unterwegs ist, z.B. bei "Come on back". Auch der rockÂŽnÂŽrolligere (und trotzdem beinharte) Opener "SmokinÂŽwalves" lotet mal andere Ideen aus, was fĂŒr Abwechslung sorgt.

Der rau und verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig unmelodisch klingende, stets etwas schrĂ€g (und auch richtig schön angepisst) intonierende SĂ€nger Gary Lettice paßt wie die Faust aufs Auge zu diesem einzigartigen musikalischen GebrĂ€u und erinnert mich des öfteren an den ursprĂŒnglichen Tygers Of Pan Tang-Frontkasper Jess Cox, was natĂŒrlich per se schon mal als Pluspunkt gewertet werden kann, zumindest nach meinem Geschmack.

Das alles zusammen ergibt pure Magie und fĂŒr jeden geschmackssicheren Metal-Liebhaber ein unverzichtbares Pflichtalbum! Ein musikalisches Monument der Extraklasse.


Die Songs

1. "Smokin' Valves" - 3:46
2. "Death or Glory" - 3:37
3. "Come On Back" - 3:06
4. "Mavrock" - 5:22
5. "It Don't Matter to Me" - 3:18
6. "Cryin' Shame" - 3:11
7. "Heavy Metal Mania" - 4:51
8. "Push It Around" - 4:01
9. "The Nightcomers" - 6:22


Die Band


Gary Lettice (Gesang)
Ed Dudley (Gitarre)
John Mortimer (Gitarre)
Robin Begg (Bass)
Paul Collins (Schlagzeug)



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Wenn Musik Bilder erzeugen und den Hörer mit auf eine Reise nehmen kann, hat sie eine ihrer edelsten Aufgaben erfĂŒllt.

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