[REVIEW] Gypsy - Gypsy (US 1970)

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Oracle
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[REVIEW] Gypsy - Gypsy (US 1970)

#1

Beitrag: # 910Beitrag Oracle
26.05.2017, 23:34

Eine falsche Entscheidung hat schon viele Bands in den Abgrund der Erfolglosigkeit gestĂĽrzt.
Der kreative Höhenflug, der GYPSY zu ihrem famosen Debütalbum führte, hätte 1970 wie eine Bombe einschlagen müssen.
Ihr musikalisches Konzept war so eingängig wie Einmalig.
Beeindruckt von komplexen Strukturen britischer Progbands, schrieben sie melodiöse Songs mit punktgenauem Satzgesang und jazzigen Instrumentalparts.
Kommerziell belohnt, wurden sie dafĂĽr nicht.


Dabei begann alles vielversprechend.
Im Jahr 1969 siedelte die Band von Minneapolis nach Los Angeles ĂĽber.
Noch unter dem alten Namen „The Underbeats“ spielten sie in Clubs und bekamen bald Auftrittsmöglichkeiten im legendären Whiskey-a-Go-Go.
Die Hausband der Stunde waren keine geringeren als Chicago Transit Authority.
Als die ihr epochales DO-Album CTA veröffentlicht hatten, beendeten sie ihr Engagement im Whiskey und gingen auf Tournee.
Nach der zeitgemäßen Umbenennung von The Underbeats zu GYPSY, waren sie für 8 Monate die neue Hausband im Whiskey-a-Go-Go.
FĂĽr eine junge Band konnte es nicht besser laufen.
Das Whisky war der heiĂźeste Schuppen in LA.
Hier spielten Jimi Hendrix, The Doors oder Steppenwolf und es verkehrten die wichtigen Leute der Plattenfirmen.
Schnell kamen Angebote von verschiedenen Labels: ABC Dunhill, Altlantic Rec. und Metromedia.
Es gab gute GrĂĽnde, sich fĂĽr Metromedia zu entscheiden.
Die Band befĂĽrchtete, dass sie bei einem groĂźen Label in der Masse untergehen wĂĽrden.
45.000 $ Vorschuss und ein 16-Spur Aufnahmestudio, waren sehr verlockend.
Sie hatten genug Material fĂĽr ein Doppelalbum und es sollte ein Start, wie bei Chicago, werden.


FĂĽr die Aufnahmen fand sich folgendes Line-up in den Devonshire Studios, North Hollywood, CA zusammen:
Jame Walsh - vocals, keyboards, percussion,
Enrico Rosenbaum - vocals, guitars, percussion,
Jay Epstein - drums,
James C. Johnson - vocals, lead guitar,
Doni Larson – bass


1. Gypsy Queen Part 1 - 4:21
üppige Vokalchöre, ruppige Gitarren und ein kräftiges Hammond-Orgelfundament markieren den Opener.
Mit feinen Instrumentalpassagen und agilen Rhythmen war der Titel sehr beliebt und wurde häufig im nationalen Radio gespielt.
2. Gypsy Queen Part 2 - 2:33
sonnige Melodien, Streicherteppiche und gut gelaunte Texte sind die GrundzĂĽge dieses WohlfĂĽhl -Popsongs. Hat mit Part 1 eigentlich nichts zu tun.
3. Man Of Reason (James C. Johnson) - 2:59
Riff-getrieben mit tollem Harmoniegesang, melodiösen Gitarrenlinien und Pianoklängen.
4. Dream If You Can (E. Rosenbaum, Jay Epstein) - 2:48
gesanglich eine der besten Leistungen auf dem Album. Toller Gitarren-Dialog im Soloteil.
5. Late December - 4:12
ein etwas dĂĽsterer Up-Tempo-Song mit komplexen Instrumentalpassagen.
6. The Third Eye (James Walsh) - 4:55
Piano-Ballade mit wunderschönen Gesangsmelodien und Streichern zum heulen schön. Sehr gut arrangiertes Mittelteil mit Orgel und Gitarre.
7. Decisions - 8:16
viele Tempo- und Stimmungswechsel, herausragende Vokalsätze, Twingitarren-solo. Sehr Balladesk, ideenreiche Keyboardpassagen.
8. I Was So Young - 4:00
sehr rhythmisch und hard-rockend angelegtes Stück mit angezerrten Gitarren und saftiger Hammond Orgel. Schöne Coda.
9. Here In My Loneliness - 3:10
Softer, von Keyboard dominierter Popsong mit brillanten Vokalharmonien.
10.More Time - 5:35
dramatisches StĂĽck mit rockigem Gesang und satter Keyboardbasis.
11.The Vision - 7:30
eine dĂĽstere schleppende Ballade, sehr nachdenklich mit jazzigen Piano und symphonischem Mittelteil.
12.Dead And Gone - 11:07
das Highlight des Albums. Folk-orientierter Longtrack mit vielen Stimmungswechsel und Instrumentaleinlagen.
Eine verkürzte Version lief häufig im Radio.
13.Tomorrow Is The Last To Be Heard - 5:48
sehr dynamisches RockstĂĽck mit starkem Rhythmus und hohem Tempo.

Als Produzenten agierten James Walsh, Enrico Rosenbaum und Glen Pace.
Platz 64 ist fĂĽr die Single "Gypsy Queen Part 1" in den Billboard-Charts verzeichnet.
Nach Veröffentlichung von "Gypsy" gingen sie, wie zuvor Chicago, auf eine landesweite Tournee.
Es wurden Auftritte im Fillmore East / West , im Winterland und anderen Locations absolviert.
Das Atlanta Pop Festival stellte sie 100000 Leuten vor.
1971 folgte ein weiteres erstklassiges Album namens "In the Garden".
Schnell versandete ihre Karriere, als Metromedia in finanzielle Schwierigkeiten gerät.
Ohne Promotion kamen sie an keine guten Gigs.
Der talentierte Hauptsongschreiber Enrico Rosenbaum versank zunehmend in Drogenproblemen.
1979 verstarb er wegen seiner Sucht.
Das Ende der Gruppe, war zu diesem Zeitpunkt trotz Wiederbelebungsversuche längst besiegelt.

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Re: Gypsy - Gypsy (US 1970)

#2

Beitrag: # 929Beitrag Vertigo
27.05.2017, 10:12

Oracle hat geschrieben: ↑
26.05.2017, 23:34

Bild
Zwei tolle Scheiben, die leider sogar so untergegangen sind, dass sie bis heute nur inoffiziell als CDs erschienen sind
Ich lese gerade:

RICHARD DAVID PRECHT - Die Kunst kein Egoist zu sein

ÉMILE ZOLA - Das Paradies der Damen

OSCAR DE MURIEL - Die Schatten von Edinburgh

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Re: Gypsy - Gypsy (US 1970)

#3

Beitrag: # 961Beitrag Oracle
27.05.2017, 17:39

Ich habe die Band Anfang der 90er entdeckt und da gab es eine kleine Auflage von AJK / Metromedia auf CD.
Ich war immer der Meinung, dass dies eine offizielle Auflage war.
Jedenfalls stehen die CDs heute noch hier und haben nichts von ihrer Qualität verloren.

Es gab noch 2 weitere LPs dieser Formation in veränderter Besetzung.
Brillant produziert und musikalisch perfekt, allerdings ohne eigenes Profil.
Da gab es eben viele bands die ähnliches machten.
Auf "Unlock the Gates" war sogar die Horn-Section von Chicago zu hören.

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Re: Gypsy - Gypsy (US 1970)

#4

Beitrag: # 981Beitrag Vertigo
28.05.2017, 08:34

Oracle hat geschrieben: ↑
27.05.2017, 17:39
Ich habe die Band Anfang der 90er entdeckt und da gab es eine kleine Auflage von AJK / Metromedia auf CD.
Ich war immer der Meinung, dass dies eine offizielle Auflage war.
Aha, die hab ich verpasst, das dürfte tatsächlich eine offizielle sein. Meine beiden sind auf Walhalla Records, ein Counterfeit Label

die anderen beiden Gypsy täten mich aber auch interessieren, muß ich mich mal danach umschauen, sind mir bisher nicht bekannt
Ich lese gerade:

RICHARD DAVID PRECHT - Die Kunst kein Egoist zu sein

ÉMILE ZOLA - Das Paradies der Damen

OSCAR DE MURIEL - Die Schatten von Edinburgh

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